ONKEL WANJA

Drama von Anton Tschechow

ZUM STÜCKZUR KRITIKWEITERE BILDER
2011 - Plakat - Onkel Wanja

2011 – Plakat – Onkel Wanja

Vorstellungstermine: 
Première
– Samstag, 24. September, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 30. September / 1. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 7. / 8. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 9. Oktober, 17 Uhr  
Freitag / Samstag, 14. / 15. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 21. / 22. Oktober, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Claudia Loy
Regieassistenz Cornelia Maschner
Bühne: Ensemble
Licht/Ton: Gerhard Sellmair
Kostüm: Alex Zinn
Plakat: Alexander Schoenhoff
Fotografie: Renate M. Mayer,
Albert Aschl,
Woifi Gschwendtner
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Susanne Braune Jeléna Andréjewna
Inge Gfrörer-Kötschau María Wassíljewna Wojnízkaja
Renate M. Mayer Marina
Jutta Schmidt Sofja Alexándrowna (Sonja)
Stefan Hanus Iwán Petrówitsch Wojnízkij,
genannt „Onkel Wanja“
Hermann Kunz Prof. Alexander Wladímirowitsch
Serebrjaków
Herbert Prechtl Iljá Iljítsch Telégin
Alexander Schoenhoff Dr. Michaíl Lwówitsch Ástrow

Zum Inhalt:

"Marina, Sonja, Prof. Serebrjakow, Jelena" Renate M. Mayer, Jutta Schmidt, Hermann Kunz, Susanne Braune Bild: Albert Aschl

Marina, Sonja, Prof. Serebrjakow, Jelena”
Renate M. Mayer, Jutta Schmidt, Hermann Kunz, Susanne Braune
Bild: Albert Aschl

Der pen­sio­nier­te Professor Serebrjakow kehrt mit sei­ner zwei­ten Frau Jelena Andrejewna auf das Landgut sei­ner ers­ten, bereits ver­stor­be­nen Frau zurück, wel­ches seit vie­len Jahren von Wanja, dem Bruder der ers­ten Gattin, sowie Sonja, der Tochter des Professors aus ers­ter Ehe, bewirt­schaf­tet wird. Nicht, dass sich der Professor a.D. nach dem ruhi­gen Landleben seh­nen wür­de, ihm feh­len nur schlicht und ergrei­fend die finan­zi­el­len Mittel für ein Leben in der Stadt. Zurück in der ent­zü­cken­den Natur sieht er sich nun von Banausen umge­ben, wo er doch sein gan­zes Leben im Dienste der Wissenschaft zuge­bracht hat.

"Jelena und Dr. Astrow"  Susanne Braune und Alexander Schoenhoff Bild: Albert Aschl

Jelena Andrejewna und Dr. Astrow”
Susanne Braune und Alexander Schoenhoff
Bild: Albert Aschl

Die schö­ne Jelena, die jun­ge Frau des Greises, ver­dreht nicht nur Wanja den Kopf, son­dern auch dem Wald und Wodka lie­ben­den Arzt Astrow, der wie­der­um Objekt Sonjas Begierde ist. Wanjas Mutter Maria geht ganz in ihrer Bewunderung des krän­keln­den und ver­bit­ter­ten Professors auf, Marina und Teljegin fris­ten ihr Dasein als ste­te Beobachter der lang­wei­li­gen Szenerie, und Wanja – tja Wanja, der hat jede sich ihm bie­ten­de Chance im Leben kon­se­quent vor­bei­zie­hen las­sen. Nun, mit Mitte vier­zig, wäre es doch eigent­lich an der Zeit, das zu ändern…

Die Figuren die­ses Stücks, alle­samt Neurotiker, Sinnsuchende und an eben die­sem Sinn des Lebens Verzweifelnde, bil­den zahl­rei­che komi­sche wie tra­gi­sche Konstellationen, ehr­li­che wie absur­de Momente. Herrlich span­nend, wie sie ver­su­chen der Leere und Langeweile ihres Lebens zu ent­ge­hen, und herr­lich lächer­lich, wie sie bei die­sem Versuch schei­tern.

ONKEL WANJA – Feature des rfo 9.2011 (zum öff­nen ankli­cken)

merkstwas.de 25.9.2011, von „Puss with Pen

Langeweile besäuft sich

"Jelena und Dr. Astrow" Susanne Braune und Alexander Schoenhoff

Jelena und Dr. Astrow” Susanne Braune und Alexander Schoenhoff

Wenn “Sin City” auf Tschechow trifft, dann brennt die Bühne lich­ter­loh – hab ich mir im Vorfeld der neu­en TAM-OST-Inszenierung gedacht. Warum sonst soll­te das Stück mit den adap­tier­ten Kino-Plakaten wer­ben? Das knall­har­te Hardboiled-Comic (respek­ti­ve sei­ne Verfilmung) und rus­si­sches Theater, das riecht nach Sex, Schnaps & Tod in Moll. Regisseurin Claudia Loy ent­facht zwar bloß Glut statt Flammen, so ein Schwelbrand kann aber auch ganz schön ins Schwitzen brin­gen…

Das soll Sin City sein?”, habe ich mich schon nach 30 Sekunden gefragt. Länger benö­ti­gen Loy (und Assistentin Cornelia Maschner) nicht, um einen blei­schwe­ren Mantel gäh­nen­der Langeweile über das Publikum zu brei­ten. Langeweile aller­dings, die sie schnell mit Spannung auf­la­den, mit ange­stau­ten Aggressionen voll­pum­pen wie einen Ballon mit Luft – der bald zu plat­zen droht. Obwohl im Grunde nichts, rein gar nichts pas­siert in die­sem Reigen hand­lungs­un­fä­hi­ger Figuren, die uns, das Publikum, fast zu beckett­schen Beobachtern machen. So sicher wie Godot nicht kommt, lässt Tschechow nichts gesche­hen…

Wir sehen das vom Namensgeber des Stücks, “Onkel Wanja” (fan­tas­tisch ver­zwei­felt: Stefan Hanus), bewirt­schaf­te­te Landgut, und es herrscht eine Atmosphäre wie in einem Sommerlager für Erwachsene. Die Bewohner machen die Nacht zum Tag, pen­nen bis mit­tags, und betäu­ben ihren Stumpfsinn mit Schnaps. Saufen und schwit­zen, sonst gibt es nichts zu tun, seit sich der pen­sio­nier­te Professor Serebrjakow (ewig grum­melnd: Hermann Kunz) und sei­ne zwei­te Frau Jelena in der Latifundie der ver­stor­be­nen, ers­ten Gattin ein­ge­nis­tet haben. Das Stadtleben war ihnen zu teu­er gewor­den.

Diese Jelena ist es, die unfrei­wil­lig Bewegung ins Betulich-Beschauliche bringt. Susanne Braune spielt eine Sexbombe mit offen­si­ven Brüsten, die sich ihrer Reize jedoch gar nicht bewusst zu sein scheint. Wegen der Kohle wird sie den grei­sen Gatten kaum gehei­ra­tet haben – das ist kei­ne vom Kaliber einer Anna Nicole Smith. Dafür sorgt sie sich zu ehr­lich um den quen­ge­li­gen Alten. Onkel Wanja ver­knallt sich sofort in das Weib, kriegt aber einen gesal­ze­nen Korb. Zu dem Zeitpunkt ist klar, wie Loy auf Sin City kam. Diese fik­ti­ve Stadt strotzt ja nicht nur vor Gewalt – die Sünde gab ihr ihren Namen, und Sünde schleicht sich auch ins Stück, schwelt unter­schwel­lig stän­dig mit, wenn Jelena auf Astrow trifft, wenn Wanja ihr an den Busen will oder dem Professor an die Gurgel…

Alexander Schoenhoff ist jener Landarzt Astrow, der mit der Schnarchnase aus dem ZDF nicht viel gemein­sam hat. Schoenhoff gibt den Kerl so sau­cool, kein Wunder dass Sonja, Professorentochter aus ers­ter Ehe, total auf ihn steht. Sonja ist eine ech­te Unschuld vom Lande, so abgrund­tief ehr­lich und recht­schaf­fen, dass sich vor Demut die Balken bie­gen. Klar, dass Astrow kein Auge übrig hat für die graue Maus (glän­zend gespielt von Jutta Schmidt) – son­dern wie Wanja eins auf Jelena wer­fen wird…

Und so schwelt die ver­bo­te­ne Liebe, und so schwillt die Lust, und so steu­ert alles auf die Katastrophe zu, als der hypo­chon­dri­sche Professor das Gut ver­kau­fen und Onkel Wanja ihn dafür töten will. Der zieht sogar eine Knarre – ein Moment ech­ter Action – doch Tschechow haut sofort die Bremse rein. Der Russe war ein Mann der lei­sen Töne. Wanja bal­lert vor­bei. Es kommt zu kei­nem Orgasmus, Entladung ist Fehlanzeige, die Handlung macht den Coitus inter­rup­tus, das Landvolk fin­det zurück in sei­ne ver­fluch­te Passivität. Friede, Trauer, Waffelkuchen, lau­tet das unbe­frie­di­gen­de Ende – für das weder die muti­ge Regisseurin, noch das spiel­freu­di­ge Ensemble was kann. Die bewei­sen mit ihrer Inszenierung viel­mehr, wie span­nend pure Ödnis sein kann.

In wei­te­ren Rollen: Inge Gfrörer-Kötschau, Herbert Prechtl und Renate M. Mayer.

"Marina und Sonja" Renate M. Mayer und Jutta Schmidt, Bild: Albert Aschl

Marina und Sonja” Renate M. Mayer und Jutta Schmidt
Bild: Albert Aschl

Letztere hat eine zau­ber­haf­te Anekdote am Rande anzu­mer­ken: Der oran­ge­far­be­ne Umhang, den sie als Kinderfrau trägt, ist fast genau so alt wie das Stück. Mayers Großmutter, eine gebo­re­ne Leokadia von Tarkowska, habe ihn sich als jun­ges Mädchen gehä­kelt, so um 1890. Das Stück erschien 1886. Mayer hat ihre Großmutter nicht mehr ken­nen­ge­lernt. “Aber nach allem, was ich von ihr gehört habe, glau­be ich, dass sie gro­ße Freude dar­an hät­te, ihren alten Umhang noch immer auf einer Bühne zu wis­sen”, erzählt die Grand Dame des TAM OST. Und des­halb sei es kein schlech­tes Gefühl, den alten Umhang zu tra­gen. Auch, wenn Mayer manch­mal irgend­wo hän­gen blei­be…

OVB 28.09.2011, Kritik von Margit Jacobi

Verzweiflung und Komik

"Onkel Wanja, Sonja und Dr. Astrow" Stefan Hanus, Jutta Schmidt und Alexander Schoenhoff Bild: Jacobi, ovb 2011

Onkel Wanja, Sonja und Dr. Astrow”
Stefan Hanus, Jutta Schmidt und Alexander Schoenhoff
Bild: Jacobi, ovb 2011

Die Werke von Tschechow besit­zen eine Komik, die Lachen macht und durch die­ses Lachen den Verzweiflungs- schmerz des Scheiterns noch ver­tieft. In „Onkel Wanja”, das im Theater am Markt in Rosenheim Première fei­er­te, leben die Protagonisten auf einem Landgut in ohn­mäch­ti­ger Langeweile und gehen sich gegen­sei­tig auf die Nerven. Regisseurin Claudia Loy gelang es über­zeu­gend, die depri­mie­ren­de Atmosphäre der Lethargie und des Stillstands, aber auch die kläg­li­chen Versuche des Aufbäumens gegen­über dem Professor, der sei­ne Verwandtschaft jahr­zehn­te­lang nur aus­ge­beu­tet hat, auf die Bühne zu brin­gen.

Klug ange­ord­net war bereits das spar­sa­me Bühnenbild mit den im Halbkreis auf­ge­stell­ten Sitzhockern, deren glei­cher Abstand von­ein­an­der augen­fäl­lig die Hilflosigkeit und Isolation der Menschen zeig­te. Stefan Hanus als Onkel Wanja spiel­te glaub­wür­dig den lamen­tie­ren­den Zyniker, der die jun­ge Frau des Professors anbe­tet, sich thea­tra­lisch gegen ihn auf­lehnt, aber nicht die Kraft fin­det, ein nütz­li­ches, sinn­vol­les Leben zu füh­ren. Seine Wutausbrüche wirk­ten echt, sein Werben um die Gunst der jun­gen Jelena war von ver­zwei­fel­ter Komik.

Voller nüch­ter­ner Melancholie ver­kör­per­te Alexander Schoenhoff den Landarzt, der Bäume pflanzt, um den Wald zu ret­ten und über den Stumpfsinn des Landlebens ver­bit­tert ist. Gleich in der ers­ten Szene, dem Gespräch mit der von Renate M. Mayer anrüh­rend gespiel­ten, warm­her­zig schlich­ten Kinderfrau Marina war es immer wie­der das bered­te Schweigen, das den Zuhörer ergriff und nach­denk­lich mach­te.

Sanftheit, Sensibilität und melan­cho­li­sche Anmut strahl­te die jun­ge Sonja aus, deren Rolle Jutta Schmidt auf den Leib geschnei­dert zu sein schien. Ihre keu­sche Liebe zu Astrow war vol­ler Unschuld, ihre Hoffnung auf ein nütz­li­ches Dasein im Jenseits am Schluss des Stückes offen­bar­te die hoff­nungs­lo­se Lebenswirklichkeit auf dem Landgut.

Hermann Kunz als Professor, unter dem die gan­ze Verwandtschaft lei­det, fehl­te hin­ge­gen die tyran­ni­sche Unerbittlichkeit. Mit Stock und Mantel wirk­te er als Zielscheibe auf­ge­stau­ten Zorns auch stimm­lich eher hilf­los und bemit­lei­dens­wert. Seiner küh­len Gattin Jelena (Susanne Braune) nahm man die lei­den­schaft­li­chen Annäherungsversuche an Astrow nicht ganz ab, auch die ener­gi­sche Zurückweisung ihres Verehrers Wanja wirk­te etwas gespielt. Herbert Prechtl als bäu­er­lich-töl­pel­haf­ter Teljegin und Inge Gförer-Kötschau als Marja ver­voll­stän­dig­ten den illus­tren Kreis der Gutsbewohner.

Wehmütige Klaviermusik, die die ein­zel­nen Akte ein­führ­te, und die stim­mi­ge Kostümierung schu­fen den pas­sen­den Rahmen für das Bild einer Gesellschaft, die sich vor lau­ter Langeweile selbst nur noch zur Last fällt. Das Publikum spen­de­te dem Ensemble am Ende wohl­ver­dien­ten, anhal­ten­den Applaus.

Echo 09.2011, von Margit Jacobi

Szenen aus dem Landleben“       

Anton Tschechows „Onkel Wanja“ im TAM OST

"Onkel Wanja und Sonja" Stefan Hanus und Jutta Schmidt,  Bild: Jacobi, echo 2011

Onkel Wanja und Sonja” Stefan Hanus und Jutta Schmidt, Bild: Jacobi, echo 2011

Als Anton Tschechows Schauspiel „Onkel Wanja“ 1889 damals noch unter dem Titel „Der Waldschrat“ auf­ge­führt wur­de, fand es eine küh­le Aufnahme. Daraufhin arbei­te­te der Dramatiker das Stück völ­lig um und konn­te sich ein Jahr spä­ter im Moskauer Künstlertheater über den gro­ßen Erfolg freu­en. Regisseurin Claudia Loy hat das Schauspiel nach der Sommerpause für das Theater am Markt im TAM OST insze­niert und sich dazu eine Reihe aus­ge­zeich­ne­ter und büh­nen­er­fah­re­ner Schauspieler aus dem Ensemble in stim­mi­ger Besetzung erwählt. In ihrer Einlassung „Tschechow ernst neh­men oder Tschechow den Ernst neh­men?“ im Programmheft spricht die Regisseurin vor allem den Spielraum für die Inszenierung und dadurch des Weiteren für die Schauspieler an. In bei­den Fällen wur­de die­se Vorgabe gut genutzt. Was die erwünsch­te Komik für das Publikum angeht, so erspür­ten die Premierenbesucher dank sen­si­bler Regie und authen­ti­scher Umsetzung der Figuren durch die Schauspieler sehr wohl die Tragik des Stückes, in der es zwar komi­sche Momente gibt, haupt­säch­lich aber um nicht geleb­tes Leben geht.

Eintönigkeit des Lebens“

Die spar­sam aus­ge­stat­te­te, gleich­blei­ben­de Kulisse spie­gelt die Eintönigkeit des Lebens der Menschen auf die­sem Landgut wider. Der pen­sio­nier­te Professor Serebrjakow kehrt, da er ein Leben in der rus­si­schen Metropole nicht mehr finan­zie­ren kann, auf den Besitz sei­ner ers­ten, bereits ver­stor­be­nen Frau zurück. Alt, krank und des­po­tisch tyran­ni­siert er sei­ne Umwelt, an sei­ner Seite lang­weilt sich sei­ne zwei­te Frau, die jun­ge schö­ne Jelena. Seine Tochter Sonja aus ers­ter Ehe und sein Schwager Wanja bewirt­schaf­ten das Gut seit Jahren und gön­nen sich nichts, nur um den erfolg­lo­sen und ego­is­ti­schen Professor aus­zu­hal­ten.

Seine Schwiegermutter aus ers­ter Ehe ver­göt­tert ihn, alle fügen sich in hoff­nungs­lo­ser Stimmung sei­nen Launen und sei­ner Hypochondrie. Langeweile, Selbstbetrug und Trostlosigkeit legen sich wie ein grau­er Schleier auf die Personen um ihn. Nur Marina Timofejewna, der Renate M. Mayer ech­te Liebenswürdigkeit und Empathie ver­leiht, ver­sucht aus­glei­chend und beru­hi­gend ruhen­der Pol zu sein. Hermann Kunz gibt der Verbitterung, der Überheblichkeit des dün­kel­haf­ten Professors gelun­gen Ausdruck. Susanne Braune in der Rolle sei­ner Gattin Jelena ist schön, zu Tode gelang­weilt und trä­ge. Einem Flirt mit dem Arzt und Umweltschützer Michail Astrow ist sie nicht abge­neigt, ihre Reize setzt sie ver­füh­re­risch in Szene. Der Arzt kommt zwar fast täg­lich in das Gut, um sie zu sehen und bringt etwas Bewegung ins dor­ti­ge Einerlei, doch ist er nicht fähig zu lie­ben. Er ver­ab­scheut das Spießerleben auf dem Lande.

Alexander Schoenhoff lässt die ret­tungs­lo­se Einsamkeit die­ses Trinkers sicht­bar wer­den. Er bemerkt nicht die rüh­ren­de Verliebtheit von Sonja, dem jun­gen Mädchen, das Jutta Schmidt mit wun­der­ba­rer Vielfalt ihrer Emotionen über­aus fein­füh­lig ver­kör­pert. Sie ist schüch­tern und sanft, hoff­nungs­voll und zutiefst betrübt. Ihrem Onkel Wanja ist sie von Herzen zuge­tan, bei­de ver­bin­det ein unge­leb­tes Leben. Stefan Hanus ist die­ser Wanja mit Leib und Seele. Wut und Verachtung emp­fin­det er für den Professor. Jelena, die er stän­dig pro­vo­ziert, wür­de er ger­ne besit­zen. Trauer ob sei­ner ver­geu­de­ten Chancen, sei­ner nie geleb­ten Gefühle, erfüllt ihn. Scham, ver­sagt zu haben, als er den Professor erschie­ßen woll­te, drückt ihn nie­der. Er explo­diert wie in Ekstase und fällt in sich zurück in stum­mer Verzweiflung. Herbert Prechtl spielt den infan­ti­len Ilja Teljegin als bra­ven Gnadenbrotesser, Inge Gfrörer-Kötschau gibt eine her­be Marja Wassiljewna.

Zwar reist der Professor mit Jelena nach dem Eklat ab, doch wird sich am Leben der Zurückbleibenden nichts ändern.
„Wir wer­den in Demut ster­ben und dann wer­den wir aus­ru­hen“ trös­tet am Ende Sonja ihren Onkel.