Tra­gi­ko­mö­die von Alex­an­der Zinn

Buch und Regie: Alex­an­der Zinn

„Der Ver­such den aus­sichts­lo­sen Pro­zess des Ver­ges­sens zu fin­den“ – Medu­sas Kin­der ist die scho­nungs­los ehr­li­che und inten­si­ve Geschich­te von vier Geschwis­tern und ihrer Rück­kehr nach über 20 Jah­ren in ihr ver­wais­tes Eltern­haus. Die anfäng­lich erwar­ten­de Freu­de über das Wie­der­se­hen der Ver­lo­re­nen schlägt schnell um.

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(lnr) „Anto­nia, Jus­tus, Johan­na, Tan­te Han­na, Eli­sa­beth, Medu­sa, Gus­tav“ Susan­ne Brau­ne, Chris­ti­an Swo­bo­da, Moni­ka Hoch­muth, Gabrie­la Schmidt, Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann, Hil­ke Mey­er, Oli­ver Hein­ke, Bild: Adri­an Sturm

 

Alte Wun­den und Kon­flik­te bre­chen wie­der auf und erhit­zen die Gemü­ter.
Eine bis­sig düs­te­re, amü­san­te und herr­lich ehr­li­che Tra­gi­ko­mö­die, mit einer kräf­ti­gen Pri­se schwar­zem Humor über eine dys­funk­tio­na­le Fami­lie.

Als „Medu­sas Kin­der“ füh­len sich die vier Geschwis­ter, die nach über zwan­zig Jah­ren in ihr nun ver­wais­tes Eltern­haus zurück­keh­ren. Sie wis­sen wenig Neu­es von­ein­an­der und erwar­ten erst ein­mal Freu­de über das Wie­der­se­hen.

Aber bei nähe­rer Begeg­nung schlägt die Stim­mung schnell um. Alte Wun­den und Kon­flik­te bre­chen wie­der auf und erhit­zen die Gemü­ter. Sie gehen nicht nur end­lich ehr­lich, son­dern auch sehr scho­nungs­los mit­ein­an­der um.

Den­noch wird die­se Tra­gi­ko­mö­die nicht nur bis­sig und düs­ter, son­dern eine kräf­ti­ge Pri­se schwar­zen Humors macht die­ses Bild einer dys­funk­tio­na­len Fami­lie auch sehr amü­sant.

OVB 28.02.2018, Mar­grit Jaco­bi
(Ori­gi­nal­bei­trag sie­he https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/eigenen-monster-freigelassen-9651628.html)

Die eige­nen Mons­ter frei­ge­las­sen

„Georg, Anto­nia und Tan­te Han­na“, (lnr )Gün­ther Hend­rich, Susan­ne Brau­ne, und Gabrie­la Schmidt.
© OVB, Mar­grit Jaco­bi

Medu­sa war in der grie­chi­schen Mytho­lo­gie eine Gor­go­ne, eine Schre­ckens­ge­stalt.
Als sie von Per­seus ent­haup­tet wur­de, ent­spran­gen ihrem Rumpf ihre Kin­der. Die Figur der Medu­sa nahm Alex­an­der Zinn als Meta­pher für sein Buch „Medu­sas Kin­der“, das er jetzt für das TAM OST als Dra­ma insze­nier­te.

Der puris­tisch gestal­te­ten Büh­ne in Weiß genü­gen zwei klei­ne Ele­men­te als Sitz und Tisch. Die alle in Schwarz geklei­de­ten Dar­stel­ler set­zen sich hier optisch bestechend in stren­gem Kon­trast in Sze­ne. Alex­an­der Zinn hat sei­ne Tex­te mit phi­lo­so­phi­schen Gedan­ken berei­chert, und Hil­ke Mey­er in der Figur der Elsa Rosen­feld, von ihren Kin­dern als Medu­sa bezeich­net, for­mu­liert die­se Über­le­gun­gen immer wie­der am Ran­de des Gesche­hens. „Du wirst nur fin­den, was du ein­mal zurück­ge­las­sen oder ver­lo­ren hast: Unzu­frie­den­heit“ ist eine ihrer Aus­sa­gen.

Dies eint die sonst so ver­schie­de­nen, längst erwach­se­nen Kin­der Georg (Gün­ther Hend­rich), Anto­nia (Susan­ne Brau­ne), Eli­sa­beth (Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann) und Jus­tus (Chris­ti­an Swo­bo­da).
Oli­ver Hein­ke als Gus­tav Brink, Ehe­mann Eli­sa­beths und Moni­ka Hoch­muth als Frau von Jus­tus sowie Gabrie­la Schmidt in der Rol­le der Tan­te Han­na erwei­tern das Spek­trum der Cha­rak­te­re.

Da ist Georg, ein Anwalt, des­sen Pro­mis­kui­tät sei­ne Ehe zer­stör­te. Gün­ther Hend­rich zeich­net die Iso­liert­heit und Trau­rig­keit die­ser Figur genau.
Susan­ne Brau­ne als Anto­nia, der dro­gen­ab­hän­gi­gen Ärz­tin, gibt ihrer Rol­le vehe­ment und tief­grün­dig Aus­druck in schar­fem Zynis­mus, mit dem sie den ande­ren gegen­über ihre Ein­sam­keit und Ver­zweif­lung zu kaschie­ren ver­sucht.
Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann als Eli­sa­beth offen­bart in Lau­fe ihres ein­dring­li­chen Spiels ihre Frus­triert­heit in einer Ehe, die aus einem Neben- und nicht Mit­ein­an­der besteht und ihre unge­leb­ten Träu­me von einem Leben auf der Büh­ne.
Oli­ver Hein­ke als ihr Ehe­mann Gus­tav gelingt die Dar­stel­lung eines klei­nen Künst­lers in beein­dru­cken­der Ver­kör­pe­rung von Bedeu­tungs­drang, Über­heb­lich­keit und dem gleich­zei­ti­gen Bemü­hen um Har­mo­nie.
Chris­ti­an Swo­bo­da ist Jus­tus, der Jüngs­te der Geschwis­ter. Er spielt ein­drucks­voll die Rol­le des Ange­pass­ten, der ver­sucht, den Weg des gerings­ten Wider­stan­des zu gehen und der beson­ders unter den dra­ma­ti­schen Gescheh­nis­sen in der Kind­heit lei­det.
Moni­ka Hoch­muth als sei­ne naï­ve Frau, fühlt sich zuneh­mend sicht­lich unwohl in der Gesell­schaft die­ser zer­ris­se­nen Fami­lie.
Gabrie­la Schmidt als Tan­te Han­na setzt die­se zu Beginn als über­zo­gen mun­ter agie­ren­de Per­son in Sze­ne, um im zwei­ten Teil des Stü­ckes ener­gisch und hef­tig zu ver­su­chen, die Kin­der zur Räson zu brin­gen, und auch unschö­ne Wahr­hei­ten auf­zu­de­cken. „Ihr habt eure Mons­ter frei­ge­las­sen!“, schreit sie ihnen gegen Ende ent­ge­gen.

Alex­an­der Zinn hat mit sei­ner Insze­nie­rung eine ein­dring­li­che Umset­zung sei­nes Buches auf die Büh­ne gebracht. Die ver­schie­de­nen Figu­ren hat er sorg­fäl­tig aus­ge­wählt und mit stim­mi­gen Dar­stel­lern besetzt. Fami­li­en­kon­flik­te brach­te er packend zum Tra­gen und stell­te die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit jedes Ein­zel­nen trotz unglück­li­cher Kind­heit her­vor­ra­gend her­aus.

2018 - Plakat - MEDUSAS KINDER, Plakat: Adrian Sturm (volnr) Gabriela Schmidt, Christian Swoboda, Angelika Sewald-Löffelmann, Günther Hendrich, Hilke Meyer, Monika Hochmuth, Oliver Heinke, Susanne Braune
2018 - Pla­kat - MEDU­SAS KIN­DER, (volnr) Gabrie­la Schmidt, Chris­ti­an Swo­bo­da, Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann, Gün­ther Hend­rich, Hil­ke Mey­er, Moni­ka Hoch­muth, Oli­ver Hein­ke, Susan­ne Brau­ne, Pla­kat: Adri­an Sturm
(lnr) "Antonia, Georg, Elisabeth, Johanna, Tante Hanna, Gustav (v), Justus (h)" Susanne Braune, Günther Hendrich, Angelika Sewald-Löffelmann, Monika Hochmuth, Gabriela Schmidt, Christian Swoboda, Oliver Heinke, Bild: Adrian Sturm
(lnr) „Anto­nia, Georg, Eli­sa­beth, Johan­na, Tan­te Han­na, Gus­tav (v), Jus­tus (h)“ Susan­ne Brau­ne, Gün­ther Hend­rich, Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann, Moni­ka Hoch­muth, Gabrie­la Schmidt, Chris­ti­an Swo­bo­da, Oli­ver Hein­ke, Bild: Adri­an Sturm
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PRE­MIE­RE:  Sa 24. FEBRU­AR 2018

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 02/03 März
So 04 März
Fr/Sa 09/10 März
So 11 März
Fr/Sa 16/17 März
So 18 März
Fr/Sa 23/24 März

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Buch & Regie:Alex­an­der Zinn
Assis­tenz:Clau­dia Kuhl­mann
Büh­ne:Alex­an­der Zinn
Licht/Ton:Rein­hardt Schei­de
Kos­tüm:Alex­an­der Zinn
Foto­gra­fie & Pla­kat:Adri­an Sturm (Bra­ban­tus Designs)
Pro­gramm & Fly­er:
Moni­ka Hoch­muth
 Schau­spie­lerals
Gabrie­la Schmidt
Tan­te Han­na
Susan­ne Brau­ne
Anto­nia Rosen­feld
Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann
Eli­sa­beth Rosen­feld-Brink
Moni­ka Hoch­muth
Johan­na Rosen­feld, geb. Beck­mann
Hil­ke Mey­er
Medu­sa
Gün­ther Hend­rich
Georg Rosen­feld
Oli­ver Hein­ke
Gus­tav Brink
Chris­ti­an Swo­bo­da
Jus­tus Rosen­feld

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