Tra­gi­ko­mö­die von Alex­an­der Zinn (Urauf­füh­rung)

Buch und Regie: Alex­an­der Zinn

„Anna und Otto“ Susan­ne Brau­ne und Chris­ti­an Swo­bo­da, Bild: Ste­phan Alex­an­der Schmuck

„War­um muss man bei einem befreun­de­ten Paar immer bei­de ein­la­den, wenn man nur einen von bei­den mag?“ 
Fra­gen wie die­se sind es, die Anna und Max nach 28 Jah­ren kin­der­lo­ser Ehe heu­te in die Are­na der Paar­ge­schich­ten wer­fen.

Alles ist inzwi­schen Routine…oder doch nicht? Ins­ge­samt 9 „Ich-lie­be-Dich“s inner­halb weni­ger Tage schei­nen jeden­falls ver­däch­tig vie­le zu sein. Doch sie sind nicht zuletzt auch Bestand­teil der stra­te­gi­schen Ver­schö­ne­rungs­tech­ni­ken, die ihre Bezie­hung stüt­zen sol­len.

„Max und Anna“, Alex­an­der Schoe­n­hoff und Susan­ne Brau­ne, Bild: Ste­phan Alex­an­der Schmuck

In der Nacht von der das Stück erzählt, wer­den Annas und Max‘ Gefüh­le zuein­an­der erneut auf den Prüf­stand gestellt. Sie müs­sen erfah­ren: „…auch wenn man liebt, kann man in Ver­su­chung gera­ten“.Schnell wird der Blick frei auf eine ein­jäh­ri­ge Tren­nung vor 16 Jah­ren, die bei bei­den Spu­ren unge­klär­ter Gefüh­le hin­ter­las­sen hat. Durch Max‘ neue Arbeits­kol­le­gin Marie kom­men zwi­schen den Ehe­leu­ten unge­ahn­te Fra­gen auf.
Zum Bei­spiel: „Sind wir schon zu lan­ge ver­hei­ra­tet?“

In Dia­lo­gen vol­ler Aben­teu­er, Emo­tio­nen, Ängs­ten und Ver­hö­ren spielt schwar­zer Humor gegen har­te Geständ­nis­se.

Und auch dass wir das Leben manch­mal zu ernst neh­men und zu viel Angst haben von gesell­schaft­li­chen Nor­men abzu­wei­chen, beein­flusst die End­schei­dun­gen die­ser Nacht…

„Letz­te Nacht” ist zugleich das Autoren- und das Regie­de­but von Alex­an­der Zinn.
Zinn 
ist über Rosen­heims Gren­zen hin­weg bereits bekannt u.a. als einer der bei­den Regis­seu­re der mit 15 von 15 aus­ver­kauf­ten Vor­stel­lun­gen höchst erfolg­rei­chen Insze­nie­rung von „Einer flog über das Kuckucks­nest” im Jahr 2014 in der Rosen­hei­mer Thea­ter­in­sel.


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Annä­he­rung durch Beob­ach­tung.

Alexander Zinn, Bild: Adrian Sturm
Alex­an­der Zinn, Bild: Adri­an Sturm

2010 begeg­ne­te Alex­an­der Zinn das Thea­ter. Seit­her ist der auf­fäl­li­ge Mann von den Rosen­hei­mer Ama­teur­büh­nen kaum mehr weg­zu­den­ken. Im TAM OST und in der Thea­ter­in­sel Rosen­heim gestal­te­te der Mode­de­si­gner bis­her die Büh­nen­bil­der für gleich meh­re­re Auf­füh­run­gen und stat­te­te deren Ensem­bles mit sei­nen Kos­tüm­krea­tio­nen aus.

2014 führ­te er das ers­te Mal Regie zusam­men mit Micha­el Hil­scher, beim ins­ge­samt fünf­zehn Mal aus­ver­kauf­ten „Kuckucks­nest” – neu­gie­ri­ge Annä­he­rung von der Kulis­se in den Zuschau­er­raum.

Und 2015 hat er nun das ers­te eige­ne Büh­nen­stück geschrie­ben: 
„Letz­te Nacht” ist von Zinns schar­fem, unver­hoh­len iro­ni­schen Blick­win­kel, vom Beob­ach­ten und vom Beob­ach­tet-wer­den inspi­riert. Seit er vor zwölf Jah­ren aus der dünnst besie­del­ten hes­si­schen Dia­spo­ra nach Rosen­heim gezo­gen war, ist er näm­lich begeis­ter­ter Klein­städt­chen­voy­eur.

Wen er hier alles gese­hen hat! Wich­tig­tu­er, Lüg­ner, Gehetz­te, Auf­schnei­der, Dicke, Dün­ne, Ver­husch­te, Pom­pö­se. 
Und die ganz Nor­ma­len, deren Cha­rak­te­re meis­tens gar nichts für eine Dra­ma­tur­gie her­ge­ben.

Meis­tens. Denn „Letz­te Nacht” zeigt die Dia­lo­ge von sie­ben – auf den ers­ten Blick – recht all­tags­taug­li­chen Prot­ago­nis­ten. Alex­an­der Zinn schubst ihre porö­se Sozia­li­sie­rung aus dem Ver­bor­ge­nen, stellt ihre ver­wa­ckel­te Wahr­neh­mung von Glück, Lie­be und Treue ins Ram­pen­licht. Und min­des­tens zwei von ihnen lässt er scho­ckiert fest­stel­len, dass sie sich eine schreck­lich lan­ge Zeit irgend­wie inein­an­der geirrt hat­ten.

ovb, 05.2015, Mar­grit Jaco­bi

Urauf­füh­rung der Tra­gi­ko­mö­die „Letz­te Nacht“ von Alex­an­der Zinn im TAM OST in Rosen­heim
(Ori­gi­nal­text sie­he: http://www.ovb-online.de./rosenheim/kultur/nach-langen-ehejahren-4928362.html)

Nach lan­gen Ehe­jah­ren

Die Pro­ble­ma­tik ver­schie­de­ner Paar­be­zie­hun­gen hat sich Alex­an­der Zinn zum The­ma sei­nes ers­ten Büh­nen­stü­ckes gemacht. Nach einer Co-Regie bei „Einer flog übers Kuckucks­nest“ insze­nier­te der Mode­de­si­gner, der seit fünf Jah­ren Büh­nen­bil­der und Kos­tü­me für die Rosen­hei­mer Thea­ter­in­sel und das TAM OST geschaf­fen hat, die Urauf­füh­rung sei­ner Tra­gik­ko­mö­die „Letz­te Nacht“ auf der Büh­ne des TAM OST mit Mit­glie­dern des Ensem­bles.

ovb - (lnr)
ovb - (lnr) „Karl, Max und Anna“ Dori­an Hol­lweg, Alex­an­der Schoe­n­hoff und Susan­ne Brau­ne, Foto: Mar­grit Jaco­bi

Ein paar Tak­te Kla­vier­mu­sik, ein paar Holz­stüh­le mit roten Bezü­gen als stets gleich­blei­ben­de Kulis­se und klei­nes Gezänk eines Paa­res eröff­nen das Spiel. Anna und Max, ein kin­der­lo­ses Ehe­paar, sind seit 28 Jah­ren ver­hei­ra­tet, ein Tren­nungs­jahr nach 16 Jah­ren inklu­siv. 

Susan­ne Brau­ne und Alex­an­der Schoe­n­hoff sind die gut aus­se­hen­den Prot­ago­nis­ten des Stü­ckes, indem der Grad von gespiel­ten zu emp­fun­de­nen Gefüh­len für­ein­an­der so schmal ist wie von Ver­bun­den­heit zu Frus­tra­ti­on. Dori­an Hol­lweg in der Rol­le von Max’ Bru­der Karl gibt das Bei­spiel des bin­dungs­un­fä­hi­gen jun­gen Man­nes auf der Suche nach etwas, das er wohl selbst nicht zu benen­nen weiß.

Anna mag die­sen net­ten, unsi­che­ren Bur­schen, über den Max nur abfäl­lig spricht. Zu den drei­en gesellt sich die Kol­le­gin von Max. Marie (Ange­li­ka See­wald-Löf­fel­mann), attrak­tiv und selbst­be­wusst, ent­facht in Anna jähe Eifer­suchts­ge­füh­le. Die­se zeigt sie dann tief gekränkt bei der Rück­kehr nach Hau­se und ener­viert Max bis zu des­sen Explo­si­on. Sie wis­sen bei­de die Anzahl der vie­len gemein­sa­men Näch­te, wis­sen um deren gute und schlech­te Stun­den.

Alex­an­der Schoe­n­hoff bringt den Cha­rak­ter die­ses Man­nes sehr gut zur Gel­tung. Max will nicht sehen, was längst unüber­seh­bar gewor­den ist. Es sind nicht nur die übli­chen Ermü­dungs­er­schei­nun­gen eines lan­gen Ehe­le­bens, es sind die klei­nen und grö­ße­ren Sti­che­lei­en, die zu oft ver­si­cher­ten Lie­bes­be­zeu­gun­gen, die an den Ner­ven zer­ren und das Bild einer faden­schei­ni­gen Har­mo­nie spie­geln. Fast abrupt jedoch flacht auch hef­ti­ger Streit wie­der ab, die Über­gän­ge sind schier naht­los. Sze­nen­wech­sel ist durch Black­out gege­ben.

So trifft sich Anna im nächs­ten Bild mit ihrem frü­he­ren Freund Otto, der sich zufäl­lig mel­det, als Max auf Geschäfts­rei­se ist. Wäh­rend es Susan­ne Brau­ne nun gelingt, ihr ver­hal­te­nes Spiel von ange­deu­te­ten Gefüh­len glaub­wür­dig in Sze­ne zu set­zen, ver­mag Chris­ti­an Swo­bo­da in der Rol­le des schein­bar immer noch in Anna ver­lieb­ten Otto kaum zu über­zeu­gen. Wenn Moni­ka Bach­mei­er und Oli­ver Hein­ke als Ehe­paar Eva und Kon­rad Schön auf­tau­chen, ent­zie­hen sie ihm schnell das Inter­es­se nicht nur Annas, son­dern auch des Zuschau­ers.

Hein­ke in der Rol­le des Ver­le­gers darf geschwät­zig, neu­gie­rig, bos­haft sein und kann Anna zu Aus­sa­gen über ihre Ehe mit Max brin­gen, die sie bis­her nie for­mu­liert, wohl aber gefühlt hat. Auch Moni­ka Bach­mei­er ver­leiht ihren kur­zen Auf­trit­ten natür­li­che Prä­senz.

Nach der Pau­se ist nun sei­ner­seits Max wäh­rend sei­ner Geschäfts­rei­se mit Marie zu sehen. Marie lockt Max nicht zuletzt mit­tels Alko­hol aus sei­ner Reser­viert­heit und ist dabei mit ihren Fra­gen eben­so direkt, wie es der Ver­le­ger Anna gegen­über war. Sie aber, die zwar ihre Bezie­hung geret­tet, ihren Part­ner aber trotz­dem ver­lo­ren hat­te, weiß, was sie will. Es ist eine selt­sa­me, fast erschre­cken­de Mischung von Ziel­stre­big­keit und Illu­si­ons­lo­sig­keit, die Ange­li­ka See­wald-Löf­fel­mann die­ser Rol­le ver­leiht. Max wird nach die­ser gemein­sa­men Nacht flucht­ar­tig den Ort des Gesche­hens ver­las­sen und dabei sogar die Hil­fe sei­nes Bru­ders Karl bekom­men.

Nun ist er zurück bei Anna, doch die ver­meint­li­che Schutz­hül­le über ihrer Zwei­sam­keit ist ver­schwun­den. „Was ist los?“ fragt Max und Anna kann nur mit der glei­chen Fra­ge reagie­ren. Die Stun­de der Wahr­heit ist gekom­men.

Auf­fäl­lig an der Insze­nie­rung ist immer wie­der ein sta­ti­sches Agie­ren der Figu­ren, ein manch­mal eigen­ar­tig auf­ge­setz­tes Spre­chen der Tex­te, so als woll­te der Regis­seur auch damit nicht geleb­te Gefüh­le ver­deut­li­chen. Die ein­zel­nen Gestal­ten tre­ten auf, tre­ten ab, nichts hängt zusam­men. Dies mag die Situa­ti­on die Per­so­nen ver­deut­li­chen und als Fazit des Stü­ckes gedeu­tet wer­den...

2015 - Plakat - LETZTE NACHT, (lnr) Oliver Heinke, Monika Bachmeier, Dorian Holweg, Angelika Sewald-Löffelmann, Alexander Schoenhoff, Susanne Braune, Christian Swoboda, Bild: Stephan Alexander Schmuck
2015 - Pla­kat - LETZ­TE NACHT, (lnr) Oli­ver Hein­ke, Moni­ka Bach­mei­er, Dori­an Hol­weg, Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mann, Alex­an­der Schoe­n­hoff, Susan­ne Brau­ne, Chris­ti­an Swo­bo­da, Bild: Ste­phan Alex­an­der Schmuck
"Marie und Max"Angelika Sewald-Löffelmann und Alexander Schoenhoff, Bild: Renate M. Mayer
„Marie und Max„Angelika Sewald-Löf­fel­mann und Alex­an­der Schoe­n­hoff, Bild: Rena­te M. May­er
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PRE­MIE­RE:  Sa 18. APRIL 2015

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 24/25 April
Fr/Sa 01/02 Mai
So 3 Mai
Fr/Sa 8/9 Mai
Fr/Sa 15/16 Mai

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Autor/Regie:Alex­an­der Zinn
Assis­tenzSimo­ne Gra­now­ski-Hein­ke
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Ste­fan Höhn
Kos­tüm:Alex­an­der Zinn
Plakat/Foto­gra­fie:Ste­phan Alex­an­der Schmuck
 Schau­spie­lerals
Moni­ka Hoch­muthEva Schön
Susan­ne Brau­neAnna Klein
Ange­li­ka Sewald-Löf­fel­mannMarie Sachs
Oli­ver Hein­keKon­rad Schön
Dori­an Hol­lwegKarl Klein
Alex­an­der Schoe­n­hoffMax Klein
Chris­ti­an Swo­bo­daOtto Mau­ra

Schlag­wor­te zum Stück