LETZTE NACHT

Tragikomödie von Alexander Zinn

ZUM STÜCKZUR KRITIK
LETZTE NACHT - 2015 - Plakat von Stephan Alexander Schmuck vlnr: Oliver Heinke, Monika Bachmeier, Dorian Holweg, Angelika Sewald-Löffelmann, Alexander Schoenhoff, Susanne Braune, Christian Swoboda

LETZTE NACHT – 2015 – Plakat von Stephan Alexander Schmuck
vlnr: Oliver Heinke, Monika Bachmeier, Dorian Hollweg, Angelika Sewald-Löffelmann, Alexander Schoenhoff, Susanne Braune, Christian Swoboda

Vorstellungstermine:
Samstag, 18. April 2015, 20 Uhr, Première / Uraufführung
Freitag / Samstag, 24. / 25. April, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 1. / 2. Mai, 20 Uhr
Sonntag, 3. Mai, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 8. / 9. Mai, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 15. / 16. Mai, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Autor / Regie: Alexander Zinn
Assistenz Simone Granowski-Heinke
Bühne: Ensemble
Licht/Ton: Stefan Höhn
Kostüm: Alexander Zinn
Plakat/Fotografie: Stephan Alexander Schmuck
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Monika Hochmuth Eva Schön
Susanne Braune Anna Klein
Angelika Sewald-Löffelmann Marie Sachs
Oliver Heinke Konrad Schön
Dorian Hollweg Karl Klein
Alexander Schoenhoff Max Klein
Christian Swoboda Otto Maura

Zum Inhalt:

LETZTE NACHT Susanne Braune und Christian Swoboda, Bild: Stefan Schmuck

LETZTE NACHT Susanne Braune, Christian Swoboda

Warum muss man bei einem befreun­de­ten Paar immer bei­de ein­la­den, wenn man nur einen von bei­den mag?“
Fragen wie die­se sind es, die Anna und Max nach 28 Jahren kin­der­lo­ser Ehe heu­te in die Arena der Paargeschichten wer­fen.

Alles ist inzwi­schen Routine…oder doch nicht? Insgesamt 9 „Ich-lie­be-Dich“s inner­halb weni­ger Tage schei­nen jeden­falls ver­däch­tig vie­le zu sein. Doch sie sind nicht zuletzt auch Bestandteil der stra­te­gi­schen Verschönerungstechniken, die ihre Beziehung stüt­zen sol­len.

Letzte Nacht - Alexander Schoenhoff und Susanne Braune

Anna und Max, gespielt von Susanne Braune und Alexander Schoenhoff

Schnell wird der Blick frei auf eine ein­jäh­ri­ge Trennung vor 16 Jahren, die bei bei­den Spuren unge­klär­ter Gefühle hin­ter­las­sen hat. Durch Max‘ neue Arbeitskollegin Marie kom­men zwi­schen den Eheleuten unge­ahn­te Fragen auf.
Zum Beispiel: „Sind wir schon zu lan­ge ver­hei­ra­tet?“

In der Nacht von der das Stück erzählt, wer­den Annas und Max‘ Gefühle zuein­an­der erneut auf den Prüfstand gestellt. Sie müs­sen erfah­ren: „…auch wenn man liebt, kann man in Versuchung gera­ten“.

In Dialogen vol­ler Abenteuer, Emotionen, Ängsten und Verhören spielt schwar­zer Humor gegen har­te Geständnisse.

Und auch dass wir das Leben manch­mal zu ernst neh­men und zu viel Angst haben von gesell­schaft­li­chen Normen abzu­wei­chen, beein­flusst die Endscheidungen die­ser Nacht…


„Letzte Nacht”
ist zugleich das Autoren- und das Regiedebut von Alexander Zinn.
Zinn
ist über Rosenheims Grenzen hin­weg bereits bekannt u.a. als einer der bei­den Regisseure der mit 15 von 15 aus­ver­kauf­ten Vorstellungen höchst erfolg­rei­chen Inszenierung von „Einer flog über das Kuckucksnest” im Jahr 2014 in der Rosenheimer Theaterinsel.

Mehr zu Alexander Zinn…
Annäherung durch Beobachtung.

2010 begeg­ne­te Alexander das Theater. Seither ist der auf­fäl­li­ge Mann von den Rosenheimer Amateurbühnen kaum mehr weg­zu­den­ken. Im TAM OST und in der Theaterinsel Rosenheim gestal­te­te der Modedesigner bis­her die Bühnenbilder für gleich meh­re­re Aufführungen und stat­te­te deren Ensembles mit sei­nen Kostümkreationen aus.

2014 führ­te er das ers­te Mal Regie zusam­men mit Michael Hilscher, beim ins­ge­samt fünf­zehn Mal aus­ver­kauf­ten „Kuckucksnest” – neu­gie­ri­ge Annäherung von der Kulisse in den Zuschauerraum.

Und 2015 hat er nun das ers­te eige­ne Bühnenstück geschrie­ben:
„Letzte Nacht” ist von Alexanders schar­fem, unver­hoh­len iro­ni­schen Blickwinkel, vom Beobachten und vom Beobachtet-wer­den inspi­riert. Seit er vor zwölf Jahren aus der dünnst besie­del­ten hes­si­schen Diaspora nach Rosenheim gezo­gen war, ist er näm­lich begeis­ter­ter Kleinstädtchenvoyeur.

Wen er hier alles gese­hen hat! Wichtigtuer, Lügner, Gehetzte, Aufschneider, Dicke, Dünne, Verhuschte, Pompöse.
Und die ganz Normalen, deren Charaktere meis­tens gar nichts für eine Dramaturgie her­ge­ben.

Meistens. Denn „Letzte Nacht” zeigt die Dialoge von sie­ben – auf den ers­ten Blick – recht all­tags­taug­li­chen Protagonisten. Alexander schubst ihre porö­se Sozialisierung aus dem Verborgenen, stellt ihre ver­wa­ckel­te Wahrnehmung von Glück, Liebe und Treue ins Rampenlicht. Und min­des­tens zwei von ihnen lässt er scho­ckiert fest­stel­len, dass sie sich eine schreck­lich lan­ge Zeit irgend­wie inein­an­der geirrt hat­ten.

© ovb, 05.2015, Margrit Jacobi

Uraufführung der Tragikomödie „Letzte Nacht” von Alexander Zinn im TAM OST in Rosenheim
(Originaltext sie­he: http://www.ovb-online.de./rosenheim/kultur/nach-langen-ehejahren-4928362.html)

Nach langen Ehejahren

Die Problematik ver­schie­de­ner Paarbeziehungen hat sich Alexander Zinn zum Thema sei­nes ers­ten Bühnenstückes gemacht. Nach einer Co-Regie bei „Einer flog übers Kuckucksnest” insze­nier­te der Modedesigner, der seit fünf Jahren Bühnenbilder und Kostüme für die Rosenheimer Theaterinsel und das TAM OST geschaf­fen hat, die Uraufführung sei­ner Tragikkomödie „Letzte Nacht” auf der Bühne des TAM OST mit Mitgliedern des Ensembles.

© OVB - Dorian Hollweg (links) in der Rolle des Karl Klein, Alexander Schoenhoff (Mitte) als Max Klein und Susanne Braune (rechts) als Anna Klein. Foto Jacobi

© OVB – Dorian Hollweg (links) in der Rolle des Karl Klein, Alexander Schoenhoff (Mitte) als Max Klein und Susanne Braune (rechts) als Anna Klein. Foto Jacobi

Ein paar Takte Klaviermusik, ein paar Holzstühle mit roten Bezügen als stets gleich­blei­ben­de Kulisse und klei­nes Gezänk eines Paares eröff­nen das Spiel. Anna und Max, ein kin­der­lo­ses Ehepaar, sind seit 28 Jahren ver­hei­ra­tet, ein Trennungsjahr nach 16 Jahren inklu­siv. Susanne Braune und Alexander Schoenhoff sind die gut aus­se­hen­den Protagonisten des Stückes, indem der Grad von gespiel­ten zu emp­fun­de­nen Gefühlen für­ein­an­der so schmal ist wie von Verbundenheit zu Frustration. Dorian Hollweg in der Rolle von Max’ Bruder Karl gibt das Beispiel des bin­dungs­un­fä­hi­gen jun­gen Mannes auf der Suche nach etwas, das er wohl selbst nicht zu benen­nen weiß. Anna mag die­sen net­ten, unsi­che­ren Burschen, über den Max nur abfäl­lig spricht. Zu den drei­en gesellt sich die Kollegin von Max. Marie (Angelika Seewald-Löffelmann), attrak­tiv und selbst­be­wusst, ent­facht in Anna jähe Eifersuchtsgefühle. Diese zeigt sie dann tief gekränkt bei der Rückkehr nach Hause und ener­viert Max bis zu des­sen Explosion. Sie wis­sen bei­de die Anzahl der vie­len gemein­sa­men Nächte, wis­sen um deren gute und schlech­te Stunden.

Alexander Schoenhoff bringt den Charakter die­ses Mannes sehr gut zur Geltung. Max will nicht sehen, was längst unüber­seh­bar gewor­den ist. Es sind nicht nur die übli­chen Ermüdungserscheinungen eines lan­gen Ehelebens, es sind die klei­nen und grö­ße­ren Sticheleien, die zu oft ver­si­cher­ten Liebesbezeugungen, die an den Nerven zer­ren und das Bild einer faden­schei­ni­gen Harmonie spie­geln. Fast abrupt jedoch flacht auch hef­ti­ger Streit wie­der ab, die Übergänge sind schier naht­los. Szenenwechsel ist durch Blackout gege­ben.

So trifft sich Anna im nächs­ten Bild mit ihrem frü­he­ren Freund Otto, der sich zufäl­lig mel­det, als Max auf Geschäftsreise ist. Während es Susanne Braune nun gelingt, ihr ver­hal­te­nes Spiel von ange­deu­te­ten Gefühlen glaub­wür­dig in Szene zu set­zen, ver­mag Christian Swoboda in der Rolle des schein­bar immer noch in Anna ver­lieb­ten Otto kaum zu über­zeu­gen. Wenn Monika Bachmeier und Oliver Heinke als Ehepaar Eva und Konrad Schön auf­tau­chen, ent­zie­hen sie ihm schnell das Interesse nicht nur Annas, son­dern auch des Zuschauers. Heinke in der Rolle des Verlegers darf geschwät­zig, neu­gie­rig, bos­haft sein und kann Anna zu Aussagen über ihre Ehe mit Max brin­gen, die sie bis­her nie for­mu­liert, wohl aber gefühlt hat. Auch Monika Bachmeier ver­leiht ihren kur­zen Auftritten natür­li­che Präsenz.

Nach der Pause ist nun sei­ner­seits Max wäh­rend sei­ner Geschäftsreise mit Marie zu sehen. Marie lockt Max nicht zuletzt mit­tels Alkohol aus sei­ner Reserviertheit und ist dabei mit ihren Fragen eben­so direkt, wie es der Verleger Anna gegen­über war. Sie aber, die zwar ihre Beziehung geret­tet, ihren Partner aber trotz­dem ver­lo­ren hat­te, weiß, was sie will. Es ist eine selt­sa­me, fast erschre­cken­de Mischung von Zielstrebigkeit und Illusionslosigkeit, die Angelika Seewald-Löffelmann die­ser Rolle ver­leiht. Max wird nach die­ser gemein­sa­men Nacht flucht­ar­tig den Ort des Geschehens ver­las­sen und dabei sogar die Hilfe sei­nes Bruders Karl bekom­men. Nun ist er zurück bei Anna, doch die ver­meint­li­che Schutzhülle über ihrer Zweisamkeit ist ver­schwun­den. „Was ist los?” fragt Max und Anna kann nur mit der glei­chen Frage reagie­ren. Die Stunde der Wahrheit ist gekom­men.

Auffällig an der Inszenierung ist immer wie­der ein sta­ti­sches Agieren der Figuren, ein manch­mal eigen­ar­tig auf­ge­setz­tes Sprechen der Texte, so als woll­te der Regisseur auch damit nicht geleb­te Gefühle ver­deut­li­chen. Die ein­zel­nen Gestalten tre­ten auf, tre­ten ab, nichts hängt zusam­men. Dies mag die Situation die Personen ver­deut­li­chen und als Fazit des Stückes gedeu­tet wer­den…

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