FAUST – Der Tragödie erster Teil

von Johann Wolfgang von Goethe

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2013 - Plakat - Faust

2013 – Plakat – Faust

Vorstellungstermine:
PREMIERE – Samstag, 14. September, 19.30 Uhr
Freitag / Samstag, 20. / 21. September, 19.30 Uhr
Freitag / Samstag, 27. / 28. September, 19.30  Uhr
Freitag / Samstag, 4. / 5. Oktober, 19.30  Uhr 
Sonntag, 6. Oktober,  17 Uhr
Freitag / Samstag, 11. / 12. Oktober, 19.30  Uhr 
Freitag / Samstag, 18. / 19. Oktober, 19.30  Uhr   
Sonntag, 20. Oktober,  17 Uhr 
Freitag / Samstag, 25. / 26. Oktober, 19.30  Uhr

 

Im Ensemble TAM-OST spie­len:
Katharina Bacher, Susanne Braune, Doris Fesl, Sabine Herrberg,
Daniela Mayer, Pegah Julia Meggendorfer, Jutta Schmidt,
Christian Domnick, Florian Fuchs, Toni Heimrath, Dorian Hollweg,
Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff

Regie: Stefan Vincent Schmidt
Technik: Gerhard Sellmair
Bühne: Klaus Lüders
Plakat: Alexander Schoenhoff


Zum Inhalt:

"Mephisto, Gretchen und Dr. Faust" Sabine Herrberg, Jutta Schmidt und Klaus Schöberl

Mephisto, Gretchen und Dr. Faust”
Sabine Herrberg, Jutta Schmidt und Klaus Schöberl

Was pas­siert, wenn man den zehn­jäh­ri­gen Johann Wolfgang von Goethe ins Puppenspiel lässt?
Antwort: Jede fol­gen­de Generation bekommt „Faust” nicht mehr aus Ohren, Augen und Sinn.

Um 1759 beein­dru­cken lan­des­weit Marionetten mit dem Lebensdrama „The Tragical History Of The Life And Death Of Doctor Faustus” von Christopher Marlowe. Dieser Keimzelle für Goethes Urfaust ent­springt sein lebens­lan­ges geis­ti­ges Ringen in Faust I und II um die Menschheitsthemen: Wissen, Gewissen, Macht, Glaube und Liebe. In Faust I nun wet­ten Gott und Teufel mit­ein­an­der, und so ist alles mög­lich, alles erlaubt.

Unter der Regie von Stefan Vincent Schmidt lockt ein weib­li­cher Mephisto schlag­fer­tig und hin­ter­trie­ben mit Hexentrank und schö­nem Weib, mit Hinterlist und Schmeichelei. Trickreich spinnt er sei­ne Fäden: ein Faust glüht vor Lust, das Gretchen opfert ihren Trieben fast alles – die Mutter, den eige­nen Bruder und … ihren Glauben?
Frau Marthe will gar den Teufel selbst ver­füh­ren.

Muss man Faust sehen? Diesen Faust will man sehen: sprit­zig, tief­sin­nig, prall gefüllt mit Leidenschaften ver­führt er Auge, Ohr und Geist.

Lassen Sie sich die­sen fein­sin­ni­gen Terrorakt eines weib­li­chen Mephisto gegen den Himmel ent­ge­hen?

TAM OST – Feature des rfo 11.2015 (zum öff­nen ankli­cken)

KRITIK – OVB, 2013, © Margit Jacobi

Kritik OVB

Mit Eleganz und Verführungskraft

"Mephisto und Dr. Faust" Sabine Herrberg und Klaus Schöberl Bild: Margit Jacobi, ovb 2013

Mephisto und Dr. Faust”
Sabine Herrberg und Klaus Schöberl
Bild: Margit Jacobi, ovb 2013

Dieser Mephisto besitzt eine Verführungskraft, einen bos­haf­ten Charme und schnei­den­den Sarkasmus, wie er pas­sen­der kaum hät­te sein kön­nen. Die Rolle des Teufels in Goethes „Faust I” hat Regisseur Stefan Vincent Schmidt mit Sabine Herrberg einer Frau gege­ben, deren Verwandlungsfähigkeit, Eleganz und schau­spie­le­ri­sche Präsenz das Publikum bis zum Schluss fas­zi­nier­ten. Mit Goethes berühm­ter Tragödie fei­er­te das Ensemble des Theaters am Markt eine umju­bel­te Première.

Naturgemäß muss­ten im Vergleich zu Mephisto die ande­ren Protagonisten ein wenig abfal­len, übt doch das Böse auf den Zuschauer immer wie­der eine unwi­der­steh­li­che Anziehung aus. Bereits im „Prolog im Himmel” wirk­te die Stimme des Herrn aus dem Off im Vergleich zu Sabine Herrbergs geist­rei­chen Sottisen ein wenig matt und ste­ril. Die von Christian Domnick gespro­che­ne „Zueignung” mit bewusst gewähl­ten rhe­to­ri­schen Pausen wirk­te etwas sprö­de, das „Vorspiel auf dem Theater” hin­ge­gen wit­zig und leben­dig. Fausts gro­ßer Monolog im Studierzimmer, in dem Klaus Schöberl als Gelehrter am Erkenntniswert der Wissenschaft zwei­felt, fehl­te am Anfang das Beklemmende, Ausweglose. Schöberl hät­te da durch­aus auf­wüh­len­der, ein­dring­li­cher spre­chen und tie­fer mensch­li­che Abgründe aus­lo­ten kön­nen. Ergreifender war der „Osterspaziergang”, als Faust sei­nem Leben ein Ende set­zen will und plötz­lich eine erlö­sen­de Musik erklingt.

Humoristisch wirk­te das kläf­fen­de Pudelknäuel, aus dem sich als­bald Mephisto zu erken­nen gab. Wie Faust von Mephisto umgarnt und umschmei­chelt wird und schließ­lich bei­de mit­ein­an­der die Wette ein­ge­hen, war stark gespielt. Von Mephisto an der Nase her­um­ge­führt, spiel­te der schlak­si­ge Dorian Hollweg über­zeu­gend den ahnungs­lo­sen Schüler, der dem sati­ri­schen Rundumschlag Mephistos gegen den Wissenschaftsbetrieb hilf­los aus­ge­lie­fert ist. Schade, dass „Auerbachs Keller” mit den besof­fen lal­len­den Studenten Frosch, Brandner und Siebel (Toni Heimrath, Alexander Schoenhoff und Florian Fuchs), die extra Szenenapplaus erhiel­ten, ver­kürzt war. Mit der Hexenküche aber lan­de­te der Regisseur einen Coup. Daniela Mayer als Hexe brau­te zum Vergnügen der Zuschauer thea­tra­lisch effekt­voll ein grün­lich schäu­men­des Gesöff zusam­men, das Faust auch tat­säch­lich hin­un­ter­kipp­te.

Mit Perücke und Schminke ver­jüngt, war Faust rasch reif für die Reize Gretchens. Jutta Schmidt ver­kör­per­te das zar­te Geschöpf in einer gelun­ge­nen Mischung aus Naivität und Treuherzigkeit. Rührend sang sie das Lied vom „König in Thule”, posier­te arg­los mit dem gefun­de­nen Schmuck und stell­te vol­ler Unschuld die berühm­te Gretchenfrage. Susanne Braune spiel­te über­zeu­gend die schein­hei­li­ge Nachbarin Marthe Schwerdtlein, Florian Fuchs Gretchens Bruder Valentin, Pegah Meggendorfer und Katharina Bacher die bei­den anmu­ti­gen Mädchen. Erschütternd war schließ­lich die Kerkerszene mit dem armen Gretchen, das von Schuldgefühlen gequält wird. Geschickt agier­ten die Schauspieler zwi­schen ver­schieb­ba­ren schwar­zen Trennwänden. Eine rie­si­ge rote Spitze, die den Bühnenraum keil­ar­tig in zwei Hälften teil­te, ja zu durch­boh­ren schien, fun­gier­te mal als Sitzgelegenheit, mal als Liegefläche, als Hindernis oder als Schrank. Die Installationen reli­giö­ser Symbole zu Beginn sym­bo­li­sier­ten sinn­fäl­lig die Weltreligionen. Einzelne dra­ma­ti­sche Szenen wur­den ver­stärkt durch schrill-dis­so­nan­te Streicherklänge. Die Kostümierung der Protagonisten war schlicht und wir­kungs­voll, toll schließ­lich die Idee, dass Mephisto einen hoch­ha­cki­gen roten Schuh trug, der wie ein Klumpfuß wirk­te.

Für die fes­seln­de Inszenierung erhiel­ten Regisseur und Ensemble vom Premierenpublikum im aus­ver­kauf­ten Theater lang anhal­ten­den Applaus. .