EIN SOMMERTAG

Komödie von Sławomir Mrożek

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2012 - Plakat - Ein Sommertag

2012 – Plakat – Ein Sommertag

Vorstellungstermine: 
PREMIERE
– Samstag, 22. September, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 28. / 29. September, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 5. / 6. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 7. Oktober, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 12. / 13. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 19. / 20. Oktober, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST spie­len:
Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff

Regie und Bühnenbild: Stefan Vincent Schmidt
Kostüm: Ensemble
Technik: Gerhard Sellmair
Plakat: Alexander Schoenhoff

Zum Inhalt:

"Wehe, die Dame und Wohl" Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wehe, die Dame und Wohl„
Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wehe, ein Mensch, dem alles miss­lingt, möch­te sich erhän­gen. Dabei trifft er auf Wohl. Dem gelingt zwar alles sofort, doch auch er ist des Lebens über­drüs­sig, gera­de weil es ihm nichts Neues mehr bie­ten kann.

Die Selbstmordabsichten der bei­den fin­den ein jähes Ende, als eine Dame ihren Weg kreuzt. Wehe ist sofort ver­liebt und hofft, dass sich nun sein Leben ändern könn­te. Gemeinsam fol­gen die bei­den der Dame, und ein Zweikampf um ihre Gunst beginnt. Aber kann der sie­ges­ge­wohn­te Wohl es ertra­gen, wenn sich die Dame für den ewi­gen Verlierer ent­schei­det? Wird aus dem Verlierer viel­leicht ein Gewinner und umge­kehrt? Und wel­che Rolle spielt die Dame über­haupt?

Diese tra­gi­sche Komödie des pol­ni­schen Autors Sławomir Mrożek wur­de 1984 in Stockholm zunächst in schwe­di­scher Sprache urauf­ge­führt, die deut­sche Erstaufführung war 1986. Anfangs arbei­te­te Mrożek als Karikaturist, aber auch sei­ne Bühnenstücke, durch die er Weltruhm erlang­te, ste­hen in ihrer sati­ri­schen Schärfe und mit grif­fi­gen Pointen sei­nen Cartoons in nichts nach.

OVB 25.09.2012, Kritik von Margit Jacobi
(Original siehe: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/groteskes-spiel-wohl-wehe-2519219.html)

EIN SOMMERTAG” VON SLAWOMIR MROZEK
IM ROSENHEIMER TAM OST

Groteskes Spiel mit Wohl und Wehe

"Wehe, die Dame und Wohl" Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wehe, die Dame und Wohl„
Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Er ist erfolg­rei­cher Autor absur­der Geschichten und so eine erzählt Slawomir Mrozek, pol­ni­scher Schriftsteller von Bühnenstücken, in sei­ner Komödie „Ein Sommertag”. Für einen Regisseur wie Stefan Vincent Schmidt ist die­se Groteske höchst reiz­vol­ler Stoff für eine span­nen­de Inszenierung, mit der nun die Theatersaison die­ses Herbstes im TAM OST in Rosenheim eröff­net wur­de.

Wohl und Wehe hei­ßen die bei­den Protagonisten und jeder gibt ein wahr­haf­tes Beispiel sei­nes Namens. Zu Beginn steht Wehe auf einer wei­ßen Bank in schwar­zer Kulisse. Ein Strick bau­melt von oben und Klaus Schöberl als Wehe demons­triert köst­li­che Pantomime bei dem Versuch, sich auf­zu­hän­gen. Seine Mimik, sei­ne Körpersprache sind ein ein­zi­ges Trauerspiel. Alsbald stört ihn Wohl mit sei­nem Erscheinen. Er igno­riert den ver­such­ten Suizid und reizt so Wehe bis zum Wutanfall. Gehen las­sen aber will er Wohl auch nicht, er braucht ihn, um über ein miss­glück­tes Leben zu kla­gen, und Schöberl ist vor­treff­lich in sei­ner Suada.

"Die Dame, Wehe und Wohl" Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Die Dame, Wehe und Wohl„
Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Seinem Pendant, dem über­sät­tig­ten Wohl, ver­leiht Alexander Schoenhoff kon­ge­ni­al die Entsprechung die­ser Figur. Erfolgsverwöhnt, ele­gant, selbst­be­wusst, bis arro­gant ist er der Bonvivant schlecht­hin. Vereint aber sind bei­de in ihrem Vorhaben, ihrem Leben ein Ende zu set­zen. Wehe gelingt nichts, Wohl alles. Der eine ver­zagt am Leben, der ande­re ist des Lebens über­drüs­sig. Doch Wehe hat immer­hin die Hoffnung. Herrlich maka­ber, wenn sich bei­de jeweils den Vorzug beim Selbstmord geben wol­len: „Bitte nach ihnen”.

Auch die­se Absicht wird unter­bro­chen, dies­mal von einer vor­über­ge­hen­den Dame, die mit dem zar­ten Grau ihres Ensembles bild­haft die fei­nen Zwischentöne zum gedank­li­chen Schwarzweiß der Herren setzt. Wehe ver­liebt sich augen­blick­lich, braucht aber Wohls Beistand, um sie anzu­spre­chen. Es wird kei­ne Menage à trois, aber ein Kampf um die Gunst der Schönen. Wehe zögert und stot­tert, Wohl setzt sei­ne Züge über­dacht wie beim Schach und gibt sich des­in­ter­es­siert. Die Dame aber genießt die Situation zwi­schen zwei Männern und Sabine Herrberg ver­kör­pert hin­rei­ßend das raf­fi­nier­te Weibchen, das koket­tiert und pro­vo­ziert.

Die drei Schauspieler kos­ten das Vergnügen an ihren Rollen weid­lich aus. Wunderbar redu­ziert, klar und prä­zi­se wie die­se Inszenierung, ist das Bühnenbild. Gekonnt wer­den am jewei­li­gen Szenenende die Requisiten an der Rückwand der Kulisse auf­ge­hängt, wo sie das Vorhergegangene ver­bild­li­chen. Das hohe Bild im Hintergrund zeigt Wald, Gemäuer oder Strand im schma­len Ausschnitt als jewei­li­gen Ort des Geschehens an.

Nicht nur die Dame ist berührt, wenn Wehe als selbst­los Liebender ihr sei­ne Empfindungen offen­bart. Das Theater, das sie erwä­gen zu besu­chen, weist in sei­ner Handlung die Gleichheit zu dem Spiel, das eben auf der Bühne statt­fin­det, auf. Das Ende, noch ist es offen. Die Liebe macht Wehe stark und mutig, ohne Angst vor Konsequenzen. Der ewi­ge Nichtschwimmer wagt sich ins Meer. Wohl hat ihn dazu ermun­tert und dann doch wie­der den alten Zweifler in Wehe geweckt. In die­ser letz­ten Szene pokert Wohl auf sei­ne Weise. Kann ein Sieger ver­lie­ren, ein Pechvogel gewin­nen? Ist es mög­lich, den ewig glei­chen Part im Leben abzu­ge­ben, die Rollen zu tau­schen, ein neu­es Spiel zu spie­len?

Man muss sich die­sen „Sommertag” anse­hen, um es zu erfah­ren und um einen außer­ge­wöhn­li­chen Theaterabend zu erle­ben. Der Regisseur Stefan Vincent Schmidt schuf zusam­men mit sei­nen exzel­len­ten Schauspielern ein Theatererlebnis voll Komik und Tragik, das beein­dru­ckend nach­wirkt.

Das könnte Dich auch interessieren …