Ein Stück Kri­mi­nal­ge­schich­te von Alex­an­der Zinn (Urauf­füh­rung)

Buch und Regie: Alex­an­der Zinn

Manch­mal ist es so ein­fach in unse­ren Vor­stel­lun­gen, man hört die Stich­punk­te: 50er Jah­re, Frank­furt, Wirt­schafts­wun­der und Kri­mi­nal­fall.
Sofort hat man die Sky­line einer auf­stre­ben­den Stadt mit brei­ten Stras­sen, hoch­glanz­po­lier­ten Limou­si­nen, schö­nen Frau­en, Rot­licht­mi­lieu und Kor­rup­ti­on vor Augen.

Es fehlt nur noch, dem gan­zen einen Namen oder ein Gesicht zu geben.

Ihr Name - ROSE­MA­RIE NITRI­BITT
Ihr Beruf - Pro­sti­tu­ier­te
Ihr Auf­tre­ten - eine Pro­vo­ka­ti­on an die dama­li­ge Gesell­schaft
Ihr Kun­den­kreis - von Wirt­schafts­grö­ßen bis zum Poli­ti­ker
Ihr Mord­fall - bis heu­te unauf­ge­klärt
Zahl­rei­che Ver­hö­re und Zeu­gen­aus­sa­gen, ob brauch­bar oder nicht.
Pan­nen bei der Spu­ren­si­che­rung, vie­le Spe­ku­la­tio­nen und Ver­däch­ti­ge las­sen ihren Namen zur Legen­de wer­den.

Wir hören oft nur das, was wir hören wol­len.
Was den­ken Sie, wer den Mord began­gen hat?

Lie­be ist nur ein Mär­chen”

Über das Leben der Pro­sti­tu­ier­ten Rose­ma­rie Nitri­bitt, deren Ermor­dung im Jahr 1957 für gro­ßes Auf­se­hen gesorgt hat­te, gibt es zahl­rei­che fil­mi­sche und lite­ra­ri­sche Bear­bei­tun­gen, denn zu ihrem Kun­den­kreis gehör­ten pro­mi­nen­te Per­so­nen der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen High Socie­ty und der Mör­der ist bis heu­te nicht gefun­den.

So konn­te vor kur­zem das neue Stück „Der Fall Rose­ma­rie Nitri­bitt“ im Rosen­hei­mer TAM OST vor vol­lem Hau­se Pre­mie­re fei­ern.

Tra­gi­ko­mö­die beginnt nach Ermor­dung

Dem Autor Alex­an­der Zinn, der selbst die Regie führ­te, ist eine außer­ge­wöhn­li­che Bear­bei­tung des Stoffs gelun­gen: Die Tra­gi­ko­mö­die beginnt gewis­ser­ma­ßen nach der Ermor­dung der Nitri­bitt (las­ziv und über­zeu­gend ver­kör­pert durch Oli­via Raclot), deren Lei­che zum Leben erwacht und von außen die Ermitt­lun­gen beob­ach­tet, kom­men­tiert und sogar mit den ein­zel­nen Figu­ren gedank­li­che Dia­lo­ge führt.

Dabei über­nimmt der Zuschau­er die Rol­le des Ermitt­lers, weil er sich selbst von den Zeu­gen­aus­sa­gen und den geäu­ßer­ten Gedan­ken ein Bild machen kann. 

Zinn hat den Wer­de­gang der Nitri­bitt her­aus­ge­ar­bei­tet, indem er den um die Wahr­heit bemüh­ten Kri­mi­nal­kom­mis­sar mit dem viel sagen­den Namen Fried­rich Brecht (Tobi­as Huber) die tra­gi­schen Lebens­um­stän­de wie die frü­hen Auf­ent­hal­te in Hei­men oder die Tat­sa­che, dass sie schon mit elf Jah­ren ver­ge­wal­tigt wor­den ist, erfra­gen lässt. 

Ech­te Lie­be hat die Nitri­bitt wohl nie erfah­ren, denn „Lie­be ist nur ein Mär­chen“, kom­men­tiert sie Brechts Dia­log mit sei­nem Poli­zei­kol­le­gen Peter Kuhn (Bern­hard Hen­ke), der von oben den Auf­trag erhal­ten hat, den Täter im Rot­licht-Milieu zu fin­den, um den pro­mi­nen­ten Kun­den­kreis her­aus­zu­hal­ten.

Die ana­ly­tisch ange­leg­te Kri­mi­nal­hand­lung in zwei Akten spielt durch­ge­hend im Büro Brechts, ange­deu­tet durch ein spar­sam aus­ge­stat­te­tes Büh­nen­bild: ein Schreib­tisch und ein paar Akten links, ein Sofa für die pri­va­ten Rück­bli­cke in der Woh­nung Nitri­bitts rechts, das „Wirt­schafts­wun­der auf 70 Qua­drat­me­ter“. 

Nach­ein­an­der tre­ten die ein­zel­nen Zeu­gen auf, deren unter­schied­li­che Cha­rak­te­re und Funk­tio­nen von den Dar­stel­le­rin­nen und Dar­stel­lern mar­kant her­aus­ge­ar­bei­tet wur­den: zunächst die Pro­sti­tu­ier­te Ire­ne San­dorn (Nico­le Regi­na Reiß­mei­er), die vol­ler Neid und Eifer­sucht auf ihre ermor­de­te Kol­le­gin zurück­blickt, dann die klein­bür­ger­li­che und hab­gie­ri­ge Zugeh­frau Erna Krü­ger (Moni­que Näge­le) sowie der Sen­sa­ti­ons-Jour­na­list und Foto­graf Mek­ki Bor­n­acker (Gabrie­la Schmidt bra­vou­rös in einer Hosen­rol­le).

Deli­ka­te Kun­den­lis­te

Der Indus­tri­el­le Harald Quandt (Chris­ti­an Swo­bo­da), Pro­mi auf der Kun­den­lis­te der Nitri­bitt, erscheint als tra­gi­sche Figur und ern­tet von sei­ner stol­zen Frau Ire­ne (Julia Plank) nur Ver­ach­tung: „Er ekelt mich an“, wäh­rend sich der Haupt­ver­däch­tig­te Heinz Pohl­mann (tref­fend durch Oli­ver Hein­ke dar­ge­stellt) als zwie­lich­ti­ge Gestalt ent­puppt… 

Alles in allem eine span­nen­de Gesell­schafts­sa­ti­re, die nicht nur die spie­ßi­ge Atmo­sphä­re der Wirt­schafts­wun­der­zeit aufs Korn nimmt, son­dern auch auf heu­ti­ge Struk­tu­ren anwend­bar ist. Auch kurz­wei­lig ist die Auf­füh­rung, nicht zuletzt durch die schau­spie­le­ri­sche Leis­tung aller Betei­lig­ten.

Fea­ture zur Vor­pre­mie­re von Radio Regen­bo­gen hier zu hören:
(Das Ori­gi­nal fin­den Sie hier: http://www.galaxyrainbow.de/news/wer-ist-rosemarie-nitribitt,3291)

Zur Video­ga­le­rie: https://photos.app.goo.gl/Ry4pHDoY5ciUXVMp7 
Zur Bil­der­ga­le­rie: https://photos.app.goo.gl/M8ELSWtJy23QzBJA7
Hin­weis: Die­se Daten lie­gen im TAM-Medi­en­ar­chiv auf unse­rem Goog­le-Dri­ve

2019 - Plakat - DER FALL ROSEMARIE NITRIBITT, Bild: Stine Helbig
2019 - Pla­kat - DER FALL ROSE­MA­RIE NITRI­BITT, Bild: Sti­ne Hel­big
DER FALL ROSEMARIE NITRIBITT, "Rosemarie", Olivia Raclot, Bild: Günther Stranzinger
DER FALL ROSE­MA­RIE NITRI­BITT, „Rose­ma­rie“, Oli­via Raclot, Bild: Gün­ther Stranz­in­ger
"Friedrich Brecht und Rosemarie Nitribitt", Tobias Huber und Olivia Raclot, Bild: Claudia Kuhlmann-Seineke
„Fried­rich Brecht und Rose­ma­rie Nitri­bitt“, Tobi­as Huber und Oli­via Raclot, Bild: Clau­dia Kuhl­mann-Sei­ne­ke

PRE­MIE­RE:  Sa 2. NOVem­ber 2019

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 08/09 Novem­ber
So 10 Novem­ber
Fr/Sa 15/16 Novem­ber
So 17 Novem­ber
Fr/Sa 22/23 Novem­ber
Fr/Sa 29/30 Novem­ber
So 01 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Buch & RegieAlex­an­der Zinn
Assis­tenz: Clau­dia Kuhl­mann-Sei­ne­ke, Hil­ke Mey­er
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Susan­ne Brau­ne, Ger­hard Sell­mair
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:Gün­ther Stranz­in­ger
Pla­kat:Sti­ne Hel­big
 Schau­spie­ler als
Oli­via Raclot Rose­ma­rie Nitri­bitt 
Julia Plank Inge Quandt
Moni­que Näge­le Erna Krü­ger
Nico­le Regi­na Reiß­mei­er Ire­ne Sand­dorn
Gabrie­la Schmidt Mek­ki Bor­n­acker
Tobi Huber Fried­rich Brecht
Oli­ver Hein­ke Harald Quandt
Bern­hard Hen­ke Peter Kuhn
Chris­ti­an Swo­bo­da Heinz Pohl­mann

Schlag­wor­te zum Stück