Komö­die von Wolf­gang Hil­des­hei­mer

Regie: Ste­fan Vin­cent Schmidt

Die „Miss World“ der Anti­ke - ein Opfer?

Das Opfer Helena, Bild: OVB/Jacobi 2014 Christian Domnick, Sabine Herrberg
Das Opfer Hele­na, Bild: OVB/Jacobi 2014 Chris­ti­an Dom­nick, Sabi­ne Herr­berg

So zumin­dest plant das Hele­nas macht­hung­ri­ger, lang­wei­li­ger Gat­te Mene­la­os von Spar­ta, und dazu lädt er den Prin­zen von Tro­ja ein.

Die Schöns­te der Welt , eben­so scharf­sin­nig wie lie­bes­toll, sieht das zwar anders, lässt sich aber zum Schein auf die­se Plä­ne ein, auch um sich selbst ein Aben­teu­er zu ver­schaf­fen. Noch ver­spot­tet sie frech-fri­vol ihren könig­li­chen macht­gei­len Gat­ten.

Auch ihre tugend­haf­te Tee­nie-Toch­ter Her­mio­ne ent­geht nicht ihrer spit­zen Zun­ge, und die ent­setzt sich ein­mal mehr über die dau­er-flir­ten­de Mut­ter als end­lich der voll­kom­me­ne, so unschul­dig schei­nen­de Prinz Paris erscheint.

Der ver­kün­det bald: „Beden­ken, natür­lich habe ich Beden­ken ... Aber was sind schon Beden­ken gegen den Besitz der gött­li­chen Hele­na.

Das Opfer Helena, Bild: OVB/Jacobi 2014 Sabine Herrberg, Florian Fuchs
Das Opfer Hele­na, Bild: ovb/Jacobi 2014 Sabi­ne Herr­berg, Flo­ri­an Fuchs

Mene­la­os, der nur einen Grund sucht, Krieg gegen Tro­ja zu füh­ren, schreckt vor kei­ner Heim­tü­cke mehr zurück - aber auch Paris ent­tarnt nun sei­ne wah­re Natur ...

Doch sehen Sie selbst, wie weib­li­che List sich im Kampf gegen dump­fen Männ­lich­keits­wahn und jugend­li­che Prü­de­rie schlägt.

Las­sen Sie sich die­se bril­lant komö­di­an­tisch ver­pack­te Spit­ze gegen Kriegs­trei­be­rei nicht ent­ge­hen.

 
 

ovb, 25.03.2014, von Mar­grit Jaco­bi

Ori­gi­nal: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/tam-ost-das-opfer-helena-3424102.html

Die Kriegs­lust ist stär­ker

Die Kriegs- und Macht­ge­lüs­te der Män­ner, sie sind nicht zu stop­pen, weder durch sach­li­che Argu­men­te, noch durch weib­li­che Schön­heit und List. Wolf­gang Hil­des­hei­mer schrieb 1955 das Hör­spiel „Das Opfer Hele­na“ und arbei­te­te es 1959 um zum gleich­na­mi­gen Büh­nen­schau­spiel. Des Autors Erfah­run­gen mit Hit­ler-Deutsch­land und dem zwei­ten Welt­krieg hat­ten ihn dabei stark beein­flusst. Er kri­ti­siert durch Hele­na jede Kriegs­trei­be­rei. Aus ihrer Sicht beschreibt der Autor Tei­le des Tro­ja-Stof­fes.

Regis­seur Ste­fan Vin­cent Schmidt erwähl­te sich das Stück für sei­ne neue Insze­nie­rung im Thea­ter am Markt. In einer Kulis­se, die in ihrer Redu­ziert­heit die Auf­merk­sam­keit der Zuschau­er völ­lig auf das Spiel der vier Schau­spie­ler lenkt, erlaubt ein brei­ter Rah­men im hin­te­ren Büh­nen­teil den Wech­sel zwi­schen Erzäh­lung und Gesche­hen.

Tritt Hele­na aus dem Rah­men vor ins Ram­pen­licht, so erfah­ren wir von ihr ihre Gedan­ken, ihr Füh­len und Pla­nen. Sabi­ne Herr­berg demons­trier­te über­zeu­gend die legen­dä­re Schön­heit die­ser Toch­ter des Zeus und ser­vier­te die geschlif­fe­nen, amü­san­ten wie gesell­schafts­kri­ti­schen Tex­te des Autors mit Charme, Ero­tik, Tem­pe­ra­ment und Über­zeu­gungs­kraft.

Chris­ti­an Dom­nick als ihr Gat­te Mene­la­os stand ihr in sei­nem Spiel nicht nach, den von ihr beschrie­be­nen Lang­wei­ler nahm man ihm aber nicht ohne wei­te­res ab, wies er doch spür­bar Attri­bu­te eines char­man­ten Man­nes auf.

Außer mit sei­ner Jugend konn­te Flo­ri­an Fuchs als scheu­schüch­ter­ner Paris bei sei­nem Auf­tritt erst ein­mal nicht gegen ihn punk­ten. Gewiss kennt Hele­na alle Untu­gen­den ihres macht­gie­ri­gen Gemahls, durch­schaut sei­ne Plä­ne, sie als Mit­tel zum Zweck der Kriegs­füh­rung gegen Tro­ja ein­zu­set­zen. Zugleich ist ihr jedoch jedes amou­rö­se Aben­teu­er will­kom­men.

Kein Wun­der, dass Her­mio­ne, ihre tugend­haf­te Toch­ter, ihr Ver­hal­ten miss­bil­ligt, und Pegah Meg­gen­dor­fer gab glaub­wür­dig den völ­li­gen Gegen­part zur fri­vol-kecken Mama.

Das Spiel im Spiel erhält beson­de­ren Reiz durch Hele­nas spitz­zün­gi­ge Kom­men­ta­re über die drei Per­so­nen um sie. Ihre Bemer­kun­gen zu Macht­ge­ha­be, Kriegs­lust, soge­nann­ter Moral und Ver­stel­lung wei­sen sie als kri­ti­sche Beob­ach­te­rin aus. Man kann die­ser Frau eini­ges vor­wer­fen, nicht aber Unehr­lich­keit. Offen steht sie zu ihrem Den­ken und Tun.

Nach höf­lich-zäher Kon­ver­sa­ti­on zu viert, geht sie ziel­stre­big dar­an, das Objekt ihrer Begier­de zu erobern. Als begab­te Ver­füh­re­rin umgarnt sie Paris, und Sabi­ne Herr­berg lock­te und flir­te­te unwi­der­steh­lich mit allen Rei­zen einer ero­ti­schen Frau. Gemäß ihrem Plan, will sie mit Paris flie­hen, nicht aber nach Tro­ja, son­dern auf eine idyl­li­sche Insel, um den Krieg zu ver­hin­dern.

Nach der Pau­se gewann die Auf­füh­rung in jeder Bezie­hung an Fahrt. Hele­na und Paris, nun sicht­lich ein Lie­bes­paar, jag­ten in stür­misch-necki­schen Spie­len über die Büh­ne. Wie sexy einer­seits und wie ernüch­ternd ande­rer­seits das Anle­gen von Strümp­fen bezie­hungs­wei­se Socken sein kann, brach­ten Sabi­ne Herr­berg und Flo­ri­an Fuchs köst­lich zur Ansicht.

Jäh aber wech­sel­te dann die Komö­die zum Dra­ma. Paris lässt sei­ne Mas­ke fal­len, und Flo­ri­an Fuchs mach­te in tem­pe­ra­ment­vol­lem agie­ren den Wan­del vom Unschulds­lamm zum macht­hung­ri­gen Kriegs­trei­ber sicht­bar. Von ihm zer­schmet­tert, bricht der Rah­men, der vor­mals das Gesche­hen umfrie­de­te, aus­ein­an­der. An einen Schiffs­bal­ken gefes­selt, erlebt Hele­na ent­setzt, dass nichts mehr den tro­ja­ni­schen Prin­zen Paris unter­schei­det von Mene­la­os, dem König Spar­tas.

Als wil­den Zwei­kampf bei­der in Blit­ze durch­zuck­tem Spek­ta­kel insze­nier­te Regis­seur Schmidt das Kriegs­ge­sche­hen zwi­schen Tro­ja und Spar­ta. Erschöpft resü­miert Mene­la­os am Ende, dass Spar­ta gesiegt, aber dabei alles ver­lo­ren hat. Bru­tal schleu­dert und schleift er Hele­na, die „Kriegs­beu­te“ über die Büh­ne.

Sie hat­te ihn damals gewarnt: „Ein Krieg hat kei­ne Sie­ger“. Illu­si­ons­los erkennt Hele­na, dass nichts sich ändern wird im Macht­be­stre­ben von Herr­schern. Führ­te der Regis­seur im ers­ten Teil sei­ner Insze­nie­rung weib­li­che List und Lie­bes­lust gegen männ­li­che Besitz­gier vor, so deck­te er im zwei­ten Teil scho­nungs­los die Sinn­lo­sig­keit von Krie­gen auf.

Alle sei­ne Dar­stel­ler beein­druck­ten dabei in star­kem Spiel und durf­ten sich am Schluss mit ihrem Regis­seur über die gro­ßen und lang anhal­ten­de Bei­falls­be­kun­dun­gen des Pre­mi­en­pu­bli­kums freu­en.

rfo 2014, das Ori­gi­nal und vie­les mehr fin­den Sie hier beim rfo:
http://www.rfo.de/mediathek/33345/Theaterst_uuml_ck_Das_Opfer_Helena.html)

2014 - Plakat - DAS OPFER HELENA, Modelle: (onu) Sabine Herrberg, Christian Domnick, Florian Fuchs, Pegah Meggendorfer, Bild: Alexander Schoenhoff
2014 - Pla­kat - DAS OPFER HELE­NA, Model­le: (onu) Sabi­ne Herr­berg, Chris­ti­an Dom­nick, Flo­ri­an Fuchs, Pegah Meg­gen­dor­fer, Bild: Alex­an­der Schoen­hoff

PRE­MIE­RE:  FR 21. März 2014

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Sa 22 März
Fr/Sa 28/29 März
So 30 März
Fr/Sa 04/05 April
Fr/Sa 11/12 April
So 13 April

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Ste­fan Vin­cent Schmidt
Büh­ne:Klaus Lüders
Licht/Ton:Gün­ther Stranz­in­ger
Kos­tüm:Ensem­ble
Pla­kat:Alex­an­der Schoen­hoff
 Schau­spie­lerals
Sabi­ne Herr­bergHele­na
Pegah Julia Meg­gen­dor­ferHer­mio­ne
Chris­ti­na Dom­nickMene­la­os
Flo­ri­an FuchsParis

Schlag­wor­te zum Stück