DAS OPFER HELENA

Komödie von Wolfgang Hildesheimer

ZUM STÜCKZUR KRITK

2014 – Plakat – Das Opfer Helena

Vorstellungstermine:
Freitag / Samstag, 21. / 22. März, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 28. / 29. März, 20 Uhr
Sonntag, 30. März, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 4. / 5. April, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 11. / 12. April, 20 Uhr
Sonntag, 13. April,  17 Uhr

Im Ensemble TAM-OST spie­len:
Sabine Herrberg, Pegah Julia Meggendorfer, Christian Domnick und Florian Fuchs

Regie: Stefan V. Schmidt
Technik: Günther Stranzinger
Bühne: Klaus Lüders
Plakat : Alexander Schoenhoff


Zum Inhalt:

Die „Miss World” der Antike – ein Opfer?

Das Opfer Helena, Bild: OVB/Jacobi 2014 Christian Domnick, Sabine Herrberg

Das Opfer Helena, Bild: OVB/Jacobi 2014 Christian Domnick, Sabine Herrberg

So zumin­dest plant das Helenas macht­hung­ri­ger, lang­wei­li­ger Gatte Menelaos von Sparta, und dazu lädt er den Prinzen von Troja ein. Die Schönste der Welt , eben­so scharf­sin­nig wie lie­bes­toll, sieht das zwar anders, lässt sich aber zum Schein auf die­se Pläne ein, auch um sich selbst ein Abenteuer zu ver­schaf­fen. Noch ver­spot­tet sie frech-fri­vol ihren könig­li­chen macht­gei­len Gatten.

Auch ihre tugend­haf­te Teenie-Tochter Hermione ent­geht nicht ihrer spit­zen Zunge, und die ent­setzt sich ein­mal mehr über die dau­er-flir­ten­de Mutter als end­lich der voll­kom­me­ne, so unschul­dig schei­nen­de Prinz Paris erscheint.

Das Opfer Helena, Bild: OVB/Jacobi 2014 Sabine Herrberg, Florian Fuchs

Das Opfer Helena, Bild: OVB/Jacobi 2014 Sabine Herrberg, Florian Fuchs

Der ver­kün­det bald: „Bedenken, natür­lich habe ich Bedenken … Aber was sind schon Bedenken gegen den Besitz der gött­li­chen Helena.

Menelaos, der nur einen Grund sucht, Krieg gegen Troja zu füh­ren, schreckt vor kei­ner Heimtücke mehr zurück – aber auch Paris ent­tarnt nun sei­ne wah­re Natur … Doch sehen Sie selbst, wie weib­li­che List sich im Kampf gegen dump­fen Männlichkeitswahn und jugend­li­che Prüderie schlägt.

Lassen Sie sich die­se bril­lant komö­di­an­tisch ver­pack­te Spitze gegen Kriegstreiberei nicht ent­ge­hen.

TAM OST – Feature des rfo 4.2014 (zum öff­nen ankli­cken)

KRITIK

OVB am 25.03.2014, von Margit Jacobi

Original: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/tam-ost-das-opfer-helena-3424102.html

Die Kriegslust ist stärker

Die Kriegs- und Machtgelüste der Männer, sie sind nicht zu stop­pen, weder durch sach­li­che Argumente, noch durch weib­li­che Schönheit und List. Wolfgang Hildesheimer schrieb 1955 das Hörspiel „Das Opfer Helena” und arbei­te­te es 1959 um zum gleich­na­mi­gen Bühnenschauspiel. Des Autors Erfahrungen mit Hitler-Deutschland und dem zwei­ten Weltkrieg hat­ten ihn dabei stark beein­flusst. Er kri­ti­siert durch Helena jede Kriegstreiberei. Aus ihrer Sicht beschreibt der Autor Teile des Troja-Stoffes.

Regisseur Stefan Vincent Schmidt erwähl­te sich das Stück für sei­ne neue Inszenierung im Theater am Markt. In einer Kulisse, die in ihrer Reduziertheit die Aufmerksamkeit der Zuschauer völ­lig auf das Spiel der vier Schauspieler lenkt, erlaubt ein brei­ter Rahmen im hin­te­ren Bühnenteil den Wechsel zwi­schen Erzählung und Geschehen.

Tritt Helena aus dem Rahmen vor ins Rampenlicht, so erfah­ren wir von ihr ihre Gedanken, ihr Fühlen und Planen. Sabine Herrberg demons­trier­te über­zeu­gend die legen­dä­re Schönheit die­ser Tochter des Zeus und ser­vier­te die geschlif­fe­nen, amü­san­ten wie gesell­schafts­kri­ti­schen Texte des Autors mit Charme, Erotik, Temperament und Überzeugungskraft.

Christian Domnick als ihr Gatte Menelaos stand ihr in sei­nem Spiel nicht nach, den von ihr beschrie­be­nen Langweiler nahm man ihm aber nicht ohne wei­te­res ab, wies er doch spür­bar Attribute eines char­man­ten Mannes auf.

Außer mit sei­ner Jugend konn­te Florian Fuchs als scheu­schüch­ter­ner Paris bei sei­nem Auftritt erst ein­mal nicht gegen ihn punk­ten. Gewiss kennt Helena alle Untugenden ihres macht­gie­ri­gen Gemahls, durch­schaut sei­ne Pläne, sie als Mittel zum Zweck der Kriegsführung gegen Troja ein­zu­set­zen. Zugleich ist ihr jedoch jedes amou­rö­se Abenteuer will­kom­men.

Kein Wunder, dass Hermione, ihre tugend­haf­te Tochter, ihr Verhalten miss­bil­ligt, und Pegah Meggendorfer gab glaub­wür­dig den völ­li­gen Gegenpart zur fri­vol-kecken Mama.

Das Spiel im Spiel erhält beson­de­ren Reiz durch Helenas spitz­zün­gi­ge Kommentare über die drei Personen um sie. Ihre Bemerkungen zu Machtgehabe, Kriegslust, soge­nann­ter Moral und Verstellung wei­sen sie als kri­ti­sche Beobachterin aus. Man kann die­ser Frau eini­ges vor­wer­fen, nicht aber Unehrlichkeit. Offen steht sie zu ihrem Denken und Tun.

Nach höf­lich-zäher Konversation zu viert, geht sie ziel­stre­big dar­an, das Objekt ihrer Begierde zu erobern. Als begab­te Verführerin umgarnt sie Paris, und Sabine Herrberg lock­te und flir­te­te unwi­der­steh­lich mit allen Reizen einer ero­ti­schen Frau. Gemäß ihrem Plan, will sie mit Paris flie­hen, nicht aber nach Troja, son­dern auf eine idyl­li­sche Insel, um den Krieg zu ver­hin­dern.

Nach der Pause gewann die Aufführung in jeder Beziehung an Fahrt. Helena und Paris, nun sicht­lich ein Liebespaar, jag­ten in stür­misch-necki­schen Spielen über die Bühne. Wie sexy einer­seits und wie ernüch­ternd ande­rer­seits das Anlegen von Strümpfen bezie­hungs­wei­se Socken sein kann, brach­ten Sabine Herrberg und Florian Fuchs köst­lich zur Ansicht.

Jäh aber wech­sel­te dann die Komödie zum Drama. Paris lässt sei­ne Maske fal­len, und Florian Fuchs mach­te in tem­pe­ra­ment­vol­lem agie­ren den Wandel vom Unschuldslamm zum macht­hung­ri­gen Kriegstreiber sicht­bar. Von ihm zer­schmet­tert, bricht der Rahmen, der vor­mals das Geschehen umfrie­de­te, aus­ein­an­der. An einen Schiffsbalken gefes­selt, erlebt Helena ent­setzt, dass nichts mehr den tro­ja­ni­schen Prinzen Paris unter­schei­det von Menelaos, dem König Spartas.

Als wil­den Zweikampf bei­der in Blitze durch­zuck­tem Spektakel insze­nier­te Regisseur Schmidt das Kriegsgeschehen zwi­schen Troja und Sparta. Erschöpft resü­miert Menelaos am Ende, dass Sparta gesiegt, aber dabei alles ver­lo­ren hat. Brutal schleu­dert und schleift er Helena, die „Kriegsbeute” über die Bühne.

Sie hat­te ihn damals gewarnt: „Ein Krieg hat kei­ne Sieger”. Illusionslos erkennt Helena, dass nichts sich ändern wird im Machtbestreben von Herrschern. Führte der Regisseur im ers­ten Teil sei­ner Inszenierung weib­li­che List und Liebeslust gegen männ­li­che Besitzgier vor, so deck­te er im zwei­ten Teil scho­nungs­los die Sinnlosigkeit von Kriegen auf.

Alle sei­ne Darsteller beein­druck­ten dabei in star­kem Spiel und durf­ten sich am Schluss mit ihrem Regisseur über die gro­ßen und lang anhal­ten­de Beifallsbekundungen des Premienpublikums freu­en.

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