Komö­die von Mat­t­hieu Del­apor­te und Alex­and­re de la Patellière

Regie: Mar­tin Schönacher

Um sich nicht immer wie­der mit zwar lang­jäh­ri­gen, aber mitt­ler­wei­le eher läs­tig und unin­ter­es­sant gewor­de­nen Freun­den tref­fen zu müs­sen, grei­fen Pierre und Clotil­de die neue Idee auf: Noch ein­mal groß auf­ko­chen, den bes­ten Wein ser­vie­ren, von den guten alten Zei­ten schwär­men: das per­fek­te „Abschieds­din­ner“ für die ahnungs­lo­sen Freunde.

Aber der Gast Antoi­ne kennt selbst die Idee des „Abschieds­din­ners“ und bemerkt sehr schnell, dass ihm gera­de sein eige­nes ser­viert wer­den soll. Pierre und Clotil­de ver­su­chen, sich aus der Pein­lich­keit her­aus zu win­den und Antoi­ne kämpft um sei­ne Freund­schaft mit Pierre. Aber damit bringt er nicht nur des­sen Ehe, son­dern auch so man­che ver­meint­li­che Wahr­heit ins Wanken...

Mat­t­hieu Del­apor­te und Alex­and­re de la Patel­liè­re haben nach ihrem Erst­ling „Der Vor­na­me“ eine Komö­die vol­ler klu­ger Poin­ten und geist­rei­cher Spit­zen geschrie­ben, bei der die ent­schei­den­de Fra­ge bleibt: Was bedeu­tet uns Freund­schaft und wie viel sind wir bereit, in sie zu investieren?


Nichts geht über wah­re Freundschaft


Komö­die „Das Abschieds­din­ner“ fei­ert Pre­mie­re im TAM-OST Rosenheim

von Georg Füchtner

Wie kann man erken­nen, ob eine Freund­schaft noch etwas wert ist, ob ein per­sön­li­cher Kon­takt über­haupt noch lohnt? Um sich hin­ter­her nicht mehr bei ihnen mel­den zu müs­sen, laden Pierre und Clot­hil­de Bea und Antoi­ne, mit denen das Paar schon lan­ge befreun­det ist, zu einem per­fek­ten Abend­essen ein. Unter der Regie von Mar­tin Schö­nacher fei­er­te die fran­zö­si­sche Erfolgs­ko­mö­die von Mat­t­hieu Del­apor­te und Alex­and­re de la Patel­liè­re im Thea­ter am Markt Ost Premiere. 

 

Die per­fek­te Essenseinladung

Pierre und Clot­hil­de wol­len ein Abschieds­din­ner für Bea und Antoi­ne geben, die natür­lich nicht wis­sen, dass es ein Abschieds­din­ner ist. Pierre hält das Din­ner für unum­gäng­lich, denn er hat sta­tis­tisch errech­net, wie viel Frei­zeit ver­meint­li­che Freun­de in Anspruch neh­men.  Akri­bisch berei­ten Pierre und Clot­hil­de in ihrer ele­gan­ten Mit­tel­schicht­woh­nung das Abschieds­din­ner vor. Das Paar prä­sen­tiert die Geschen­ke, mit denen es von Bea und Antoi­ne einst selbst beschenkt wur­de. Gekauft wird Wein aus Antoi­nes Geburts­jahr. Auch des­sen indi­sche Lieb­lings­mu­sik wird auf­ge­legt. Das Essen muss ein Höhe­punkt in der Geschich­te der Freund­schaft wer­den, die dann aller­dings für immer enden soll. 

Regi­na Kröll als Clot­hil­de spiel­te über­zeu­gend die reso­lu­te, schlag­fer­ti­ge Gast­ge­be­rin, die ihren ent­schei­dungs­schwa­chen, aber gut­mü­ti­gen Pierre (Oli­ver Män­ner) fest im Griff hat. Ohne ihr ener­gi­sches Tem­pe­ra­ment wäre Pierre hilf­los. Antoi­ne (Her­mann Neu­ner), der die Woh­nung über­ra­schend ohne sei­ne Frau Bea erkäl­tet und im müf­feln­den Man­tel eines Obdach­lo­sen betritt, bestach durch gekonnt pein­li­che Selbst­be­spie­ge­lung. Antoi­ne, für den Pierre, der selbst Vater ist, ein Emp­feh­lungs­schrei­ben ver­fasst, möch­te mit Bea ein far­bi­ges Kind adop­tie­ren. Dass der Vege­ta­ri­er Antoi­ne stän­dig in the­ra­peu­ti­scher Behand­lung war, Vater­schaft und Sexua­li­tät trennt und nach zehn Jah­ren mit sei­ner Dok­tor­ar­beit wie­der von vor­ne beginnt, rief bei den Zuhö­rern Belus­ti­gung hervor. 

Wit­zig war, als Pierre und Antoi­ne in einer Art Selbst­the­ra­pie in die Rol­le und die Klei­der des jeweils ande­ren schlüpf­ten und Pierre dazu den Man­tel des Obdach­lo­sen anzie­hen muss­te, was ihn sicht­lich Über­win­dung kos­te­te. Es folg­te ein Schlag­ab­tausch der bei­den Freun­de, die sich im Ver­lauf des Abends alles an den Kopf war­fen, was sie sich in den lan­gen Jah­ren ihrer Freund­schaft nie zu sagen gewagt hat­ten. Rasant und gna­den­los schau­kel­ten sie sich unter Beob­ach­tung von Clot­hil­de gegen­sei­tig hoch, bis eine Hand­voll Erd­nüs­se die Läu­te­rung voll­brach­te. Antoi­nes per­ma­nen­tes dümm­li­ches Lachen, das Clot­hil­de auf die Ner­ven ging, sorg­te oft für Heiterkeit.

 

Eine zeit­lo­se Frage

Die Dia­lo­ge waren meist wit­zig, wirk­ten aber gele­gent­lich ein wenig ein­stu­diert. Das Büh­nen­bild mit dem gel­ben Sofa und den Bücher­schrän­ken prä­sen­tier­te ange­mes­sen die Woh­nung von Intel­lek­tu­el­len. Die Fra­ge, was Freund­schaft eigent­lich aus­macht, stellt sich im Grun­de immer wie­der auf’s Neue. Lohnt es sich, sei­ne Kom­fort­zo­ne zu ver­las­sen und erneut auf Men­schen ein­zu­ge­hen, die man kennt, oder recht­fer­tigt sich der Rück­zug in einen fei­gen, aber beque­men Ego­is­mus?
Für die Pre­mie­re des Komö­di­en­klas­si­kers erhielt das Ensem­ble vom Publi­kum anhal­ten­den Applaus.

Regina Kröll
Regi­na Kröll

Zur Bil­der­ga­le­rie:  https://photos.app.goo.gl/C2QNuKeqC8RY9VRm8
Hin­weis:  Die­se Daten lie­gen im TAM-Medi­en­ar­chiv auf unse­rem Google-Drive

2020 - Plakat - DAS ABSCHIEDSDINNER, Bild: Elaine Herrmann
2020 - Pla­kat - DAS ABSCHIEDS­DIN­NER, Bild: Elai­ne Herrmann
Oliver Männer Bild: Gabriele Pfanzelt
Oli­ver Män­ner Bild: Gabrie­le Pfanzelt
Hermann Neuner, Bild: Michael Hilscher
Her­mann Neu­ner, Bild: Micha­el Hilscher

PRE­MIE­RE:  01. Okto­ber 2021

 

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Sa/So 02./03.
Okto­ber
Fr/Sa/So 08./09./10.
Okto­ber
Fr/Sa/So 15./16./17.
Okto­ber
Fr/Sa/So 22./23./24.
Okto­ber

Spiel­be­ginn: 
frei­tags und sams­tags 20 Uhr
sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 60 Min. vor Spiel­be­ginn
Dau­er:
90 Min.  kei­ne Pau­se
Bewir­tung:
Ger­ne kön­nen Sie sich vor­her und/oder nach­her von der „Thea­ter­schen­ke“ kuli­na­risch ver­wöh­nen lassen.

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie: Mar­tin Schö­nacher, Dag­mar Deisenberger
Büh­ne: Ensem­ble
Licht/Ton:  Mar­tin Schönacher
Kos­tüm: Ensem­ble
Foto­gra­fie: Albert Aschl
Pla­kat: Elai­ne Herrmann
 Schauspieler als
Regi­na Kröll Clotil­de Lecoeur
Oli­ver Männer Pierre Leco­eur
Her­mann Neuner Antoi­ne Royer
   

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