Tra­gi­ko­mö­die von Hein­rich von Kleist

Regie: Ste­fan Vin­cent Schmidt

„Das ist das wit­zig-anmut­volls­te, das geist­reichs­te,
das tiefs­te und schöns­te Thea­ter­spiel­werk der Welt“
- Tho­mas Mann

"Merkur", Klaus Einsele, Bild: Albert Aschl
„Mer­kur“, Klaus Ein­se­le, Bild: Albert Aschl
(lnr) "Sosias, Amphitryon und Alkmene", Klaus Schöberl, Oliver Schmid und Sabine Herrberg, Bild: Albert Aschl
(lnr) „Sosi­as, Amphi­try­on und Alk­me­ne“, Klaus Schö­berl, Oli­ver Schmid und Sabi­ne Herr­berg, Bild: Albert Aschl

Wol­len Sie Tho­mas Mann wider­spre­chen und sich selbst eine Mei­nung über „Amphi­try­on“ von Hein­rich von Kleist bil­den?
Die­se dra­ma­ti­sche Komö­die der grie­chi­schen Mytho­lo­gie stellt die Prot­ago­nis­ten der aktu­el­len „#MeToo“-Debatte in den dun­kels­ten Schat­ten – denn kein Gerin­ge­rer als Gott Jupi­ter selbst ver­führt in der Mas­ke des Amphi­try­on des­sen schö­ne Gat­tin Alk­me­ne.

Der bra­ve Die­ner Sosi­as und sein, einem gött­li­chen Flirt nicht abge­neig­tes Weib Cha­ris wer­den der­weil vom Gott Mer­kur auf die Schip­pe genom­men.

"Charis und Sosias", Gabriela Schmidt und Klaus Schöberl, Bild: Albert Aschl
„Cha­ris und Sosi­as“, Gabrie­la Schmidt und Klaus Schö­berl, Bild: Albert Aschl

Ob gott­ge­wollt oder nicht – es bleibt kei­ner unge­scho­ren, jeder ver­liert sich, jed­we­de Iden­ti­tät wird auf dem Schei­ter­hau­fen der gött­li­chen All­macht gerös­tet. Und doch steht selbst Gott Jupi­ter am Ende mit­ten­drin und gleich­zei­tig mit dem Rücken zur Wand. Ihn ret­tet nur der Rück­zug auf den Olymp.

Mit einem „Ach“ endet die­se Tra­gi­ko­mö­die um den mytho­lo­gi­schen Miss­brauch von Macht­po­si­tio­nen, des­sen Inhalt nichts an Aktua­li­tät ein­ge­büßt hat.

Zuletzt noch­mals Tho­mas Mann: „Man soll mich wis­sen las­sen, wenn eine sol­che Auf­füh­rung ist…ich rei­se weit um sie zu sehen.“
Und Sie?


Fea­ture zur Vor­pre­mie­re von Radio Regen­bo­gen zum anhö­ren:
(Das Ori­gi­nal fin­den Sie hier: http://radioregenbogen.de/upload/RR-0917_Amphitryon_PC.mp3)


Wei­te­re Bil­der fin­den Sie in der Gale­rie der Bil­der von Albert Aschl:
https://photos.app.goo.gl/XKu18cmxK9pvnhJb6

Und in der Gale­rie der Bil­der von Gün­ther Stranz­in­ger:
https://photos.app.goo.gl/cjMHrxbCPmSvHt499

Bespre­chung im Radio Regen­bo­gen zum anhö­ren:
(Das Ori­gi­nal fin­den Sie natür­lich hier: http://radioregenbogen.de/upload/RR-0924_KL_Amphitryon_PC.mp3


OVB Rosen­heim vom 27.09.2018

Mit einem geschick­ten Kniff...

lässt Regis­seur Ste­fan Vin­cent Schmidt im TAM OST sei­ne Insze­nie­rung von Hein­rich von Kleists „Amphi­try­on“ begin­nen: Er leiht sich den Pro­log aus Moliè­res gleich­na­mi­ger Komö­die.

„Mer­kur und Nacht“, Klaus Ein­se­le und Danie­la May­er, Bild: Gün­ther Stranz­in­ger

Aber nicht nur, dass auch das Zwie­ge­spräch zwi­schen Göt­ter­bo­te Mer­kur (Klaus Ein­se­le) und der Göt­tin der Nacht (Danie­la May­er) ein eben­so ver­gnüg­li­cher wie ele­gan­ter Schlag­ab­tausch ist, es weist dem in anti­ker Mytho­lo­gie viel­leicht nicht bewan­der­tem Zuschau­er einen Pfad durch die Hand­lung: Es geht um eine Ehe­bruchs­ge­schich­te als Ver­wechs­lungs­ko­mö­die.

Alk­me­ne erwar­tet die Rück­kehr ihres Gat­ten Amphi­try­on, des sieg­rei­chen Feld­her­ren der The­ba­ner. Doch in der Nacht vor des­sen Ankunft schleicht sich Göt­ter­va­ter Jupi­ter in Gestalt Amphi­try­ons in Alk­me­nes Schlaf­ge­mach. Als Alk­me­ne am nächs­ten Mor­gen ihrem tat­säch­lich heim­ge­kehr­ten Gat­ten von der ver­meint­lich gemein­sa­men Lie­bes­nacht erzählt, fühlt der sich von sei­ner Frau betro­gen.

Ähn­li­ches wider­fährt Sosi­as, dem Die­ner des Amphi­try­on. Ihm raubt Mer­kur die Iden­ti­tät. Zwar ver­führt der Göt­ter­bo­te in Gestalt von Sosi­as nicht des­sen Frau Cha­ris, bringt sie aber durch sein belei­di­gen­des Ver­hal­ten so auf, dass sie ihrem Mann die Hör­ner auf­set­zen will.

„Sage mir: Da ich Sosias nicht bin, wer ich bin? Denn etwas, gibt es zu, muss ich doch sein.“Klaus Schöberl (links) und Klaus Einsele als Sosias und Merkur. Stranzinger
„Sage mir: Da ich Sosi­as nicht bin, wer ich bin? Denn etwas, gibt es zu, muss ich doch sein“ - „Sosi­as und Mer­kur“, (lnr) Klaus Schö­berl und Klaus Ein­se­le, Bild: Gün­ter Stranz­in­ger

Das komö­di­an­ti­sche Zen­trum des Stücks bil­det der köst­li­che Schlag­ab­tausch zwi­schen Sosi­as (Klaus Schö­berl, herr­lich ein­fäl­tig) und Mer­kur (Klaus Ein­se­le, über­zeu­gend grau­sam-schlitz­oh­rig).

Gabrie­la Schmidt ist nicht die kei­fen­de Gat­tin, son­dern eine emp­find­sa­me Cha­ris, pen­delnd zwi­schen ein­fühl­sa­mer Die­ne­rin und ver­zwei­felnd an ihrem Klotz von Ehe­mann.

Das ist lus­tig und ver­gnüg­lich. Doch Kleist geht weit über Moliè­re hin­aus und stellt die Fra­ge: Was bleibt vom Men­schen, nimmt man ihm sei­nen Namen, die Lie­be, die ihm ent­ge­gen­ge­bracht wird, sei­ne Stel­lung in der Gesell­schaft? Wäh­rend sich Sosi­as bau­ern­schlau in sein Schick­sal fügt, kann sein Herr Amphi­try­on dies nicht. Oli­ver Schmid geht glaub­wür­dig den Weg von Ver­wun­de­rung über Unglau­ben und bis zur Ver­zweif­lung, als sei­ne Frau ihn bei der Gegen­über­stel­lung mit Jupi­ter nicht erkennt. Sabi­ne Herr­berg spielt ein­drucks­voll die­se Alk­me­ne, wan­delnd auf dem Grat zwi­schen tugend­haf­ter Gat­tin und ver­füh­re­ri­scher Gelieb­ter.

„Alk­me­ne und Jupi­ter“, Sabi­ne Herr­berg und Hel­mut Huber, Bild: Gün­ther Stranz­in­ger

Jupi­ter ist die wohl viel­schich­tigs­te Figur: Von Lan­ge­wei­le getrie­ben, sucht er das ero­ti­sche Aben­teu­er. Groß­spu­rig und char­mant ist da Hel­mut Huber als ver­füh­re­ri­scher Göt­ter­va­ter. Doch er will mehr als eine Lie­bes­nacht: Er möch­te geliebt wer­den. Doch Alk­me­nes Lie­be gilt ja nicht ihm, Jupi­ter, son­dern ihrem Ehe­mann, des­sen Gestalt Jupi­ter ange­nom­men hat. Ein Zwie­spalt, dem auch der Gött­li­che nicht ent­kommt. Und so steht Hel­mut Huber schließ­lich auf der Büh­ne und win­selt um die Lie­be der Frau. Doch letzt­lich zieht er kalt­lä­chelnd das gött­lich-grau­sa­me Spiel durch. Am Schluss, so viel sei ver­ra­ten, löst sich alles auf, jeder ist wie­der er selbst. Doch nichts ist gut: Zurück blei­ben Men­schen, die in ihrer Selbst­ge­wiss­heit bis ins Mark erschüt­tert sind.

Das Ensem­ble des TAM OST kommt mit einem äußerst redu­zier­ten Büh­nen­bild (Ste­fan Vin­cent Schmid) aus: ein roter Tep­pich, eine Palast­tür, eine umge­stürz­te Säu­le und eine Säu­le aus her­ab­hän­gen­den Fäden – und setzt mit Erfolg auf sei­ne schau­spie­le­ri­sche Stär­ke. In den komö­di­an­ti­schen Pas­sa­gen fun­keln die Kleist‘schen Dia­lo­ge wie in einer Screw­ball-Komö­die, in den tra­gi­schen Momen­ten teilt man die Ver­zweif­lung der Figu­ren. Die Zuschau­er dank­ten für einen unter­halt­sa­men wie klu­gen Thea­ter­abend mit lan­gem Applaus.

2018 - Plakat - AMPHITRYON, (lnr) "Alkmene, Amphitryon, Zeus" Sabine Herrberg, Oliver Schmid, Helmut Huber, Bild: Alexander Schoenhoff
2018 - Pla­kat - AMPHI­TRY­ON, (lnr) „Alk­me­ne, Amphi­try­on, Zeus“ Sabi­ne Herr­berg, Oli­ver Schmid, Hel­mut Huber, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff
"Alkmene und Amphitryon", Sabine Herrberg und Oliver Schmid, Bild: Günther Stranzinger
„Alk­me­ne und Amphi­try­on“, Sabi­ne Herr­berg und Oli­ver Schmid, Bild: Gün­ther Stranz­in­ger
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PRE­MIE­RE:  Sa 22. SEP­Tem­ber 2018

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 28/29 Sep­tem­ber
So 30 Sep­tem­ber
Sa 6 Okto­ber
So 7 Okto­ber
Fr/Sa 12/13 Okto­ber
So 14 Okto­ber
Fr/Sa 19/20 Okto­ber
So 21 Okto­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Ste­fan Vin­cent Schmidt
Assis­tenz:Mari­an­ne Eckardt
Büh­ne:Klaus Lüders
Licht/Ton:Ger­hard Sell­mair
Kos­tüm:Alex­an­der Zinn
Foto­gra­fie:Rena­te M. May­er
Gün­ther Stranz­in­ger
Albert Aschl
Pla­kat und Pro­gramm­lay­out:Alex­an­der Schoe­n­hoff
Über­set­zung des Vor­spiels
Fritz Rumpf
 Schau­spie­lerals
Sabi­ne Herr­bergAlk­me­ne
Danie­la May­erGöt­tin der Nacht
Gabrie­la SchmidtCha­ris
Klaus Ein­se­leMer­kur
Hel­mut HuberJupi­ter
Oli­ver SchmidAmphi­try­on
Klaus Schö­berlSosi­as
Ger­hard Sell­mairArga­ti­phon­ti­das
Chris­ti­an Swo­bo­daFeld­herr

Schlag­wor­te zum Stück