Bal­la­den deut­scher Dich­ter - sze­nisch erzählt

Regie: Bar­ba­ra Schmitt

  ...wei­te­re Details fin­den Sie unter dem Regis­ter „Kri­tik

echo Rosen­heim, 1.11.2006, von Mar­grit Jacobi

„Deutsch­stun­de“ im TAM

Mit Bal­la­den unsterb­li­cher deut­scher Dich­ter haben sich vier Frau­en und vier Män­ner des Ensem­bles im Thea­ter am Markt aus­ein­an­der­ge­setzt und sie in einer Insze­nie­rung von Bar­ba­ra Schmitt auf der Büh­ne des TAM span­nend erzählt und veranschaulicht.

Wer reitet so spät - (lnr) Daniela Mayer, Klaus Schoeberl, Bild: unb.
Wer rei­tet so spät - (lnr) Danie­la May­er, Klaus Schoeberl, Bild: unb.

Dunk­le Dreh­wän­de lie­ßen sich schnell in blu­mi­ge Hin­ter­grün­de ver­wan­deln, wun­der­schön waren die Kos­tü­me der Akteu­re im Stil der Roman­tik. Die Frä­cke der Her­ren in fei­nem Mauve, Antra­zith, oder zimt­i­gem Braun, dazu sei­dig weiß die Hals­schlei­fen. Farb­lich dazu abge­stimmt die lan­gen Klei­der, die Röcke und Blu­sen der Damen, von denen sich Danie­la May­er in keck leuch­ten­dem Rot mit gold­blit­zen­dem Unter­kleid optisch beson­ders hervortat.

Wer reitet so spät - (lnr) Horst Oberländer und Helmut Huber, Bild: unb.
Wer rei­tet so spät - (lnr) Horst Ober­län­der und Hel­mut Huber, Bild: unb.

Horst Ober­län­der setz­te zu Beginn des Abends den Maß­stab der Qua­li­tät hoch an. Sein Vor­trag der Geschich­te von Goli­ath und David, in Rei­me gebracht von Mathi­as Clau­di­us, ist abso­lut pro­fes­sio­nell, jeg­li­che Ges­tik gekonnt zurück­ge­nom­men. Auf glei­chem Niveau bewegt sich Rena­te M. May­er, packend gestal­tet sie Schil­lers „Bürg­schaft“.

Auch die wei­te­ren Akteu­re Hel­mut Huber, Bar­ba­ra Schmitt, Klaus Schö­berl, Gabrie­la Schmidt, Danie­la May­er, Sebas­ti­an Zoll­ner arti­ku­lie­ren vor­züg­lich und brin­gen die Bal­la­den von Johann Wolf­gang von Goe­the, Hein­rich Hei­ne, Theo­dor Fon­ta­ne, Lud­wig Uhland, Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff, Con­rad Fer­di­nand Mey­er und Ema­nu­el Gei­bel leben­dig zum Tra­gen. Ergrei­fen­de Schil­de­run­gen unge­wöhn­li­cher Ereig­nis­se ent­hal­ten mora­li­sche Bot­schaf­ten. Von Selbst­über­schät­zung und Todes­angst, von Wut und Ver­gel­tung, von Freun­destreue und Grau­sam­keit, von Mord und Tot­schlag ist die Rede. 

Arg schwer hängt das Pen­del der The­men auf der tra­gi­schen Sei­te. Ein biss­chen musi­ka­li­sche Auf­lo­cke­rung zur „Lore­lei“, etwas mehr von Fon­ta­nes „Herr Rib­beck auf Rib­beck im Havel­land“ könn­te die Kluft zwi­schen Dun­kel und Hell etwas ver­rin­gern. Doch brach­ten uns alle Akteu­re die­se Bal­la­den deut­scher Dich­ter in ihren sze­ni­schen Erzäh­lun­gen auf sehr fes­seln­de Art und Wei­se näher und man­cher Besu­cher wird wohl hin­ter­her in lang nicht mehr gele­se­nen Ver­sen geblät­tert haben.


ovb 30.9.2006, von Rai­ner W. Janka

Gezähl­te 13 Gemeuchelte

„Bal­la­den deut­scher Dich­ter - sze­nisch erzählt“ hat­te das TAM OST ver­spro­chen, und man war gespannt, wie der Wider­spruch zwi­schen Erzäh­len und sze­ni­schem Gestal­ten auf­ge­löst wer­den würde. 

Naiv nach­spie­len oder dra­ma­tisch erzäh­len? Der Kraft der sze­ni­schen Bil­der oder der rei­nen Kraft der Wor­te ver­trau­en? Nun, es herrsch­te mehr das rei­ne Wort. Die sze­ni­sche Gestal­tung beschränk­te sich - fast möch­te man sagen, Gott sei Dank - auf Kos­tü­me (viel lan­ge Män­tel, Jabots, Stie­fel und lan­ge Klei­der), eine mobi­le Büh­nen­rück­wand, deren dun­kel oder strah­lend-bunt gemus­ter­te Ein­zel­tei­le umge­dreht wer­den konn­ten und so durch Schlie­ßen und Öff­nen sach­te dra­ma­ti­sche Hin­wei­se geben konn­ten, einen Stuhl als ein­zi­ges Requi­sit, der Thron oder Schiffs­plan­ke sein konn­te, auf prä­zis dosier­te Musik (Bachs Cel­lo­sui­ten) bezie­hungs­wei­se Vogel­ge­zwit­scher oder Mee­res­rau­schen sowie auf punkt- und wort­ge­naue Licht­re­gie von Hub’n Kie­ne. Ins­ge­samt eine wohl­ge­plan­te und klug-ein­fühl­sa­me Regie von Bar­ba­ra Schmitt. 

Erzählt wer­den 16 Bal­la­den von acht Schau­spie­lern, Bal­la­den von Mat­thi­as Clau­di­us über Goe­the, Schil­ler, Hei­ne bis Con­rad Fer­di­nand Mey­er und Theo­dor Fon­ta­ne. Natür­lich kann man stun­den­lang über die­se Aus­wahl dis­ku­tie­ren; monie­ren, dass es meist ziem­lich blut­rüns­tig zuging (gezähl­te 13 Tote, meist gemeu­chelt), dass es weni­ge lus­ti­ge Bal­la­den gab oder gar Par­odien. Vor allem gar nichts von Musik: Die „Lore­ley“ wäre doch so schön gewe­sen als Chor, selbst als schlecht gesun­ge­ner Chor. Und sze­nisch im Sin­ne von dia­lo­gisch war nur der abschlie­ßen­de „Zau­ber­lehr­ling“, als der „alte Meis­ter“ auftrat.

Wer reitet so spät - Gabriela Schmidt und Renate M. Mayer, Bild: unb.
Wer rei­tet so spät - Gabrie­la Schmidt und Rena­te M. May­er, Bild: unb.

Alle Schau­spie­ler arti­ku­lier­ten her­vor­ra­gend. Horst Ober­län­der und Rena­te M. May­er gebührt die schau­spie­le­ri­sche Pal­me, sie hat­ten den sprach­li­chen Rhyth­mus im Blut und beherrsch­ten die Kunst der rhe­to­ri­schen Pau­se. Hel­mut Huber hat­te den rich­ti­gen dämo­ni­schen Blick und sprach­li­che Inten­si­tät, Danie­la May­er bot packen­de Dra­ma­tik in der durch­drin­gend-sono­ren Stim­me, Bar­ba­ra Schmitt setz­te hef­tig Mund und Ges­tik ein, Klaus Schö­berl war bis­wei­len über­dra­ma­tisch, soll­te den Wech­sel von schnell und lang­sam mehr aus­kos­ten, Gabrie­la Schmitt war prä­zi­se und Sebas­ti­an Zoll­ner rol­len­ge­nau der jun­ge über­eif­ri­ge Zauberlehrling.

Wer reitet so spät - Barbara Schmitt und Sebastian Zollner, Bild: unb.
Wer rei­tet so spät - Bar­ba­ra Schmitt und Sebas­ti­an Zoll­ner, Bild: unb.

Die Pre­miè­re fand im Rah­men der Klein­kunst­ta­ge statt; bei den rest­li­chen Auf­füh­run­gen, jeweils an den Wochen­en­den im TAM OST um 20 Uhr, wünscht man den Schau­spie­lern ein Publi­kum, das nicht nur aus ARD- und ZDF-, son­dern auch aus jugend­li­che­ren RTL-Zuschau­ern besteht.

Sa 28. Okto­ber 2006

sowie 9 wei­te­re Vorstellungen

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spielbeginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Bar­ba­ra Schmitt
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Hub’n Kie­ne
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:Ensem­ble
 Schauspieler 
Danie­la MayerHel­mut Huber
Rena­te M. MayerHorst Ober­län­der
Gabrie­la SchmittKlaus Schö­berl
Bar­ba­ra SchmittSebas­ti­an Zollner

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