WER REITET SO SPÄT…?

Balladen deutscher Dichter – szenisch erzählt

ZUM STÜCKZUR KRITIK

Vorstellungstermine:
Samstag, 28. Oktober 2006, 20 Uhr,
sowie 9 wei­te­re Vorstellungen

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie: Barbara Schmitt
Bühne: Ensemble
Technik: Hub’n Kiene
Kostüm: Ensemble
Fotografie: Ensemble
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler
Daniela Mayer Helmut Huber 
Renate M. Mayer Horst Oberländer
Gabriela Schmidt Klaus Schöberl
Barbara Schmitt Sebastian Zollner

…wei­te­re Details fin­den Sie unter dem Register „Kritik

echo Rosenheim, 1.11.2006, von Margrit Jacobi 

Deutschstunde” im TAM

Mit Balladen unsterb­li­cher deut­scher Dichter haben sich vier Frauen und vier Männer des Ensembles im Theater am Markt aus­ein­an­der­ge­setzt und sie in einer Inszenierung von Barbara Schmitt auf der Bühne des TAM span­nend erzählt und ver­an­schau­licht.

(lnr) Daniela Mayer und Klaus Schoeberl

(lnr) Daniela Mayer und Klaus Schoeberl

Dunkle Drehwände lie­ßen sich schnell in blu­mi­ge Hintergründe ver­wan­deln, wun­der­schön waren die Kostüme der Akteure im Stil der Romantik. Die Fräcke der Herren in fei­nem Mauve, Antrazith, oder zimt­i­gem Braun, dazu sei­dig weiß die Halsschleifen. Farblich dazu abge­stimmt die lan­gen Kleider, die Röcke und Blusen der Damen, von denen sich Daniela Mayer in keck leuch­ten­dem Rot mit gold­blit­zen­dem Unterkleid optisch beson­ders her­vor­tat.

(lnr) Horst Oberländer und Helmut Huber

(lnr) Horst Oberländer und Helmut Huber

Horst Oberländer setz­te zu Beginn des Abends den Maßstab der Qualität hoch an. Sein Vortrag der Geschichte von Goliath und David, in Reime gebracht von Mathias Claudius, ist abso­lut pro­fes­sio­nell, jeg­li­che Gestik gekonnt zurück­ge­nom­men. Auf glei­chem Niveau bewegt sich Renate M. Mayer, packend gestal­tet sie Schillers „Bürgschaft”.

Auch die wei­te­ren Akteure Helmut Huber, Barbara Schmitt, Klaus Schöberl, Gabriela Schmidt, Daniela Mayer, Sebastian Zollner arti­ku­lie­ren vor­züg­lich und brin­gen die Balladen von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Ludwig Uhland, Annette von Droste-Hülshoff, Conrad Ferdinand Meyer und Emanuel Geibel leben­dig zum Tragen.

Ergreifende Schilderungen unge­wöhn­li­cher Ereignisse ent­hal­ten mora­li­sche Botschaften. Von Selbstüberschätzung und Todesangst, von Wut und Vergeltung, von Freundestreue und Grausamkeit, von Mord und Totschlag ist die Rede. Arg schwer hängt das Pendel der Themen auf der tra­gi­schen Seite. Ein biss­chen musi­ka­li­sche Auflockerung zur „Lorelei”, etwas mehr von Fontanes „Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” könn­te die Kluft zwi­schen Dunkel und Hell etwas ver­rin­gern. Doch brach­ten uns alle Akteure die­se Balladen deut­scher Dichter in ihren sze­ni­schen Erzählungen auf sehr fes­seln­de Art und Weise näher und man­cher Besucher wird wohl hin­ter­her in lang nicht mehr gele­se­nen Versen geblät­tert haben.


ovb 31.9.2006, von Rainer W. Janka

Gezählte 13 Gemeuchelte

Balladen deut­scher Dichter – sze­nisch erzählt” hat­te das TaM-Ost ver­spro­chen, und man war gespannt, wie der Widerspruch zwi­schen Erzählen und sze­ni­schem Gestalten auf­ge­löst wer­den wür­de.

Naiv nach­spie­len oder dra­ma­tisch erzäh­len? Der Kraft der sze­ni­schen Bilder oder der rei­nen Kraft der Worte ver­trau­en? Nun, es herrsch­te mehr das rei­ne Wort. Die sze­ni­sche Gestaltung beschränk­te sich – fast möch­te man sagen, Gott sei Dank – auf Kostüme (viel lan­ge Mäntel, Jabots, Stiefel und lan­ge Kleider), eine mobi­le Bühnenrückwand, deren dun­kel oder strah­lend-bunt gemus­ter­te Einzelteile umge­dreht wer­den konn­ten und so durch Schließen und Öffnen sach­te dra­ma­ti­sche Hinweise geben konn­ten, einen Stuhl als ein­zi­ges Requisit, der Thron oder Schiffsplanke sein konn­te, auf prä­zis dosier­te Musik (Bachs Cellosuiten) bezie­hungs­wei­se Vogelgezwitscher oder Meeresrauschen sowie auf punkt- und wort­ge­naue Lichtregie von Hub’n Kiene.

Insgesamt eine wohl­ge­plan­te und klug-ein­fühl­sa­me Regie von Barbara Schmitt.
Erzählt wer­den 16 Balladen von acht Schauspielern, Balladen von Matthias Claudius über Goethe, Schiller, Heine bis Conrad Ferdinand Meyer und Theodor Fontane.

Natürlich kann man stun­den­lang über die­se Auswahl dis­ku­tie­ren; monie­ren, dass es meist ziem­lich blut­rüns­tig zuging (gezähl­te 13 Tote, meist gemeu­chelt), dass es weni­ge lus­ti­ge Balladen gab oder gar Parodien. Vor allem gar nichts von Musik: Die „Loreley” wäre doch so schön gewe­sen als Chor, selbst als schlecht gesun­ge­ner Chor. Und sze­nisch im Sinne von dia­lo­gisch war nur der abschlie­ßen­de „Zauberlehrling”, als der „alte Meister” auf­trat.

(lnr) Gabriela Schmidt und Renate M. Mayer

(lnr) Gabriela Schmidt und Renate M. Mayer

Alle Schauspieler arti­ku­lier­ten her­vor­ra­gend. Horst Oberländer und Renate M. Mayer gebührt die schau­spie­le­ri­sche Palme, sie hat­ten den sprach­li­chen Rhythmus im Blut und beherrsch­ten die Kunst der rhe­to­ri­schen Pause. Helmut Huber hat­te den rich­ti­gen dämo­ni­schen Blick und sprach­li­che Intensität, Daniela Mayer bot packen­de Dramatik in der durch­drin­gend-sono­ren Stimme, Barbara Schmitt setz­te hef­tig Mund und Gestik ein, Klaus Schöberl war bis­wei­len über­dra­ma­tisch, soll­te den Wechsel von schnell und lang­sam mehr aus­kos­ten, Gabriela Schmitt war prä­zi­se und Sebastian Zollner rol­len­ge­nau der jun­ge über­eif­ri­ge Zauberlehrling.

Barbara Schmitt und Sebastian Zollner

Barbara Schmitt und Sebastian Zollner

Die Première fand im Rahmen der Kleinkunsttage statt; bei den rest­li­chen Aufführungen, jeweils an den Wochenenden im TaM-Ost um 20 Uhr, wünscht man den Schauspielern ein Publikum, das nicht nur aus ARD- und ZDF-, son­dern auch aus jugend­li­che­ren RTL-Zuschauern besteht.

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