Schau­spiel von Wil­liam Mastro­si­mo­ne

Regie: Clau­dia Loy

Ensem­ble TAM OST in Zusam­men­ar­beit mit dem Thea­ter „Das Nar­ren­schiff“, Was­ser­burg

„Rose und Cliff„
Clau­dia Loy und Jörg Her­wegh
Gegen­sät­ze zie­hen sich an, sagt der Volks­mund. Ganz gegen­sätz­lich schei­nen auch die Ver­käu­fe­rin Rose und der Last­wa­gen­fah­rer Cliff. Bei ihrer Arbeit in einem Bil­lig­la­den lernt sie den Tru­cker ken­nen, der wegen einer Auto­pan­ne in der Stadt fest­sitzt.
 
Die Arbeit hat ihn ein­sam gemacht – immer unter­wegs, nir­gend­wo zu Hau­se und nur an einem Aben­teu­er inter­es­siert. Sie hin­ge­gen will sich mit nichts weni­ger zufrie­den geben, als der gro­ßen Lie­be. Dar­um geht Rose in Abwehr, doch dar­in zeigt sie ihm immer mehr von ihrer Per­son. Die bei­den ver­brin­gen zwar den Abend zusam­men, aber als Cliff merkt, dass er nicht lan­den kann, geht er. Doch etwas an der Begeg­nung mit Rose hat ihn so berührt, dass er sei­nen Truck auf dem High­way wen­det.
 
In die­sem tur­bu­len­ten Stück über Lei­den­schaft, Träu­me und Alb­träu­me zeich­net Wil­liam Mastro­si­mo­ne Figu­ren der indus­tria­li­sier­ten Vor­städ­te, deren Zeit nur durch Schla­fen und Arbei­ten aus­ge­füllt ist. Den­noch erlau­ben die­se „Tag­träu­mer“ einen lie­be­vol­len Blick auf zwei eigen­wil­li­ge Cha­rak­te­re und ihre Geschich­te von der ewig glei­chen Sehn­sucht. 1982 erhielt der Dra­ma­ti­ker für das Stück den Los Ange­les Dra­ma Award.

ovb 11.2010, Mar­grit Jaco­bi

Wenn aus Träu­men Wahr­heit wird

„Rose und Cliff„
Clau­dia Loy und Jörg Her­wegh

Sie könn­ten nicht gegen­sätz­li­cher sein, die hyper­sen­si­ble, ja neu­ro­ti­sche Ver­käu­fe­rin Rose und der rau­bei­ni­ge Tru­cker Cliff. Doch ein­sam sind sie bei­de und daher nimmt Rose den frem­den Typen, der in ihren Laden kam, mit zu sich. Wil­liam Mastro­si­mo­ne, einer der meist gespiel­ten ame­ri­ka­ni­schen Autoren, erzählt in sei­nem Stück „Tag­träu­mer“ ein­fühl­sam die lang­sa­me Annä­he­rung zwei­er grund­ver­schie­de­ner Men­schen. Clau­dia Loy, die auch Rose ver­kör­pert, brach­te jetzt das Schau­spiel in einer dich­ten und sen­si­blen Insze­nie­rung im TAM OST in Rosen­heim zur Auf­füh­rung.

In Jörg Her­wegh in der Rol­le des Tru­ckers Cliff hat­te sie sich einen hoch pro­fes­sio­nel­len Part­ner erwählt. Als Zuhau­se kann man Roses Blei­be nicht bezeich­nen. Zwar sind die Wän­de in Grün, der Far­be der Hoff­nung, gestri­chen, doch das kar­ge Mobi­li­ar und das mit Bret­tern ver­na­gel­te Fens­ter ähneln eher einem Gefäng­nis.
 
Hier, ohne Licht und Luft, gedeiht nicht ein­mal ein Kak­tus. Rose hat sich vor der Welt drau­ßen ein­ge­schlos­sen und flüch­tet sich in ihre Träu­me. Cliff dage­gen, ein „Asphalt-Cow­boy“ in Leder­mon­tur, ist tota­ler Rea­list.
In der Absicht auf ein schnel­les Aben­teu­er ist er hier gelan­det. Bis sein Last­wa­gen wie­der flott gemacht wird, will er die Nacht so ange­nehm wie mög­lich ver­brin­gen.
 
Doch Rose erzählt vom Selbst­mord der Vor­mie­te­rin, von der ver­rück­ten, lau­schen­den Nach­ba­rin, von Kra­ni­chen, die grau­sam zu Tode kamen. Alles sind für sie schreck­li­che Wahr­hei­ten. „Vie­le Din­ge sind wahr, aber man muss nicht dar­über reden“, kon­tert der mehr und mehr generv­te Tru­cker. Sei­ne flap­si­gen Wit­ze, mit denen er die Stim­mung auf­hel­len will, ent­set­zen, sein Flu­chen ver­letzt die dünn­häu­ti­ge Rose. Jeder sei­ner Annä­he­run­gen weicht sie aus.
 
Mehr und mehr aber gibt sie in ihren Erzäh­lun­gen die Ver­wun­dun­gen ihrer See­le preis. Clau­dia Loy ver­leiht die­ser Rose mit all ihren Ängs­ten, ihrer Emp­find­sam­keit, ihren Träu­men berüh­ren­de Gestal­tung. Ihr waches Träu­men von Zärt­lich­keit und Wär­me, ihr immer­wäh­ren­des Erin­nern an getö­te­te Vögel, ent­täusch­te Lie­be und die erlit­te­nen See­len­qua­len, bringt sie mit gro­ßer Empa­thie zum Tra­gen.
Jörg Her­wegh ver­kör­pert den Tru­cker in bestechen­der Büh­nen­prä­senz, er ist Cliff mit Leib und See­le, ist zynisch und komisch, ist hef­tig und sanft. Wenn Rose in sei­nem Fern­fahr­erle­ben die völ­li­ge Frei­heit ver­mu­tet, deckt ihr Cliff die Här­ten sei­nes Beru­fes und die Ver­let­zun­gen, die auch er erfah­ren muss­te, auf. Er will jetzt und nicht in Träu­men leben. Wenn er im Zorn wütet, flie­gen die Fet­zen, wenn er vom Meer erzählt, sieht man das Licht auf den tan­zen­den Wel­len.
 
Zwar ver­lässt er Rose, wie vie­le ande­re vor ihm, doch er kehrt zurück. Rose hat ihn berührt und gemein­sam bre­chen sie auf, den wei­ten Hori­zont und das Meer zu sehen.
 
Der Dra­ma­ti­ker Mastro­si­mo­ne schenkt uns so ein Hap­py­end à la Hol­ly­wood und lässt mit die­sem tröst­li­chen Schluss aus Träu­men Wahr­heit wer­den. Clau­dia Loy setz­te die Geschich­te in ihrer Regie­ar­beit mit wun­der­ba­rer Fein­füh­lig­keit um. Ihr gelang eine beein­dru­cken­de Insze­nie­rung, die in Erin­ne­rung blei­ben wird.

echo 09.2010, Mar­grit Jaco­bi

„Tag­träu­mer“ im TAM OST in Rosen­heim

„Rose und Cliff“ Clau­dia Loy und Jörg Her­wegh

„What a day for a daydream“, die­ser Song, den „Lovin‘spoonful“ vor vie­len Jah­ren popu­lär mach­ten, ertönt, wenn sich der Vor­hang auf der Büh­ne im TAM OST zur Pre­miè­re des Stü­ckes „Tag­träu­mer“ öff­net. Clau­dia Loy insze­nier­te das Schau­spiel des erfolg­rei­chen ame­ri­ka­ni­schen Autors Wil­liam Matro­si­mo­ne über die lang­sa­me Annä­he­rung zwei­er völ­lig kon­trä­rer Cha­rak­te­re mit gro­ßem Ein­füh­lungs­ver­mö­gen, mit Gespür für den Rhyth­mus im Gesche­hen. Sie selbst spielt berüh­rend die Figur der Rose, einer neu­ro­ti­schen jun­gen Frau mit zwang­haf­ten Ängs­ten, mit gro­ßer Ver­letz­bar­keit, mit Sehn­sucht nach Lie­be, nach einer hei­len Welt.

Mit Jörg Her­wegh als rau­bei­ni­gem Tru­cker Cliff stand ihr ein abso­lut pro­fes­sio­nell agie­ren­der Part­ner zur Sei­te, der in beein­dru­cken­der Dar­stel­lung die Wand­lung des Cow­boys der Land­stra­ße zu einem berühr­ba­ren Mann auf­zeigt. Wenn die Ver­käu­fe­rin Rose die­sen Kerl, der in ihrem Laden vor­bei­schau­te, mit zu sich nimmt, denkt sie an Zunei­gung, er an ein schnel­les Aben­teu­er. Hier pral­len zwei Wel­ten ziem­lich krass auf­ein­an­der. Roses Blei­be, ein spär­lich möblier­tes Zim­mer mit einem bret­ter­ver­na­gel­ten Fens­ter, lässt weder Licht noch Luft her­ein. Rose hat das Leben drau­ßen aus­ge­sperrt, sich aber damit ein­ge­ker­kert. In Tag­träu­men flüch­tet sie sich weg von Grau­sam­keit, von Ver­let­zung und Lieb­lo­sig­kei­ten. Cliffs flap­si­ger Humor, sein der­ber Rea­lis­mus, all das stößt sie nur ab.

In hys­te­ri­schen Aus­brü­chen erzählt sie von ihren trau­ma­ti­schen Erleb­nis­sen. Cliff fin­det erst kei­nen Zugang zu die­sem zer­brech­li­chen Wesen. Doch wenn er ihr die Här­ten sei­nes Truckerle­bens auf­deckt, erkennt sie auch die Ver­wund­bar­keit die­ses schein­bar abge­brüh­ten Bur­schen. Wie ein Licht­strahl kann er ein klei­nes kur­zes Lächeln in ihre erns­te Mimik zau­bern, wenn er ihr vom unend­li­chen Meer erzählt. Doch bis bei­de am Ende zusam­men auf­bre­chen, um aus ihren Träu­men Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen, müs­sen sie ihre Ver­schie­den­heit akzep­tie­ren, um so Gemein­sam­keit ent­wi­ckeln zu kön­nen.

Tra­gik und Komik lie­gen in die­ser Geschich­te ganz nah bei­ein­an­der. Die Balan­ce zwi­schen bei­dem gelang Clau­dia Loy in ihrer Insze­nie­rung aus­ge­zeich­net. Ein­drucks­voll in Regie und Dar­stel­lung, ist die­se Auf­füh­rung eine Berei­che­rung im Thea­ter­ge­sche­hen der Stadt.

Fotos: Sebas­ti­an Huber

2010 - Plakat - TAGTRÄUMER, Modelle: Claudia Loy, Jörg Herwegh, Foto: unb., Bild: Alexander Schoenhoff
2010 - Pla­kat - TAG­TRÄU­MER, Model­le: Clau­dia Loy, Jörg Her­wegh, Foto: unb., Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff
"Rose und Cliff" Claudia Loy und Jörg Herwegh
„Rose und Cliff“ Clau­dia Loy und Jörg Her­wegh

PRE­MIE­RE:  Fr 19. Novem­ber 2010

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Sa 20 Novem­ber
Fr/Sa 26/27 Novem­ber
So 28 Novem­ber
Fr/Sa 03/04 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Clau­dia Loy
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Ensem­ble
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:Sebas­ti­an Huber
Pla­kat:Alex­an­der Schoe­n­hoff
 Schau­spie­lerals
Clau­dia LoyRose
Jörg Her­weghCliff

Schlag­wor­te zum Stück