TAGTRÄUMER

Schauspiel von William Mastrosimone

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2010 - Plakat - Tagträumer

2010 – Plakat – Tagträumer

Vorstellungstermine:
Freitag, 19. November 2010, 20 Uhr, Première
Samstag, 20. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 26. / 27. November, 20 Uhr
Sonntag, 28. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 3. / 4. Dezember, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Claudia Loy
Assistenz
Bühne: Ensemble
Licht/Ton:  
Kostüm: Ensemble
Fotografie: Sebastian Huber
Plakat Alexander Schoenhoff

Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Claudia Loy Rose 
Jörg Herwegh Cliff

Zum Inhalt:

Ensemble Theater am Markt in Zusammenarbeit mit dem Theater „Das Narrenschiff“, Wasserburg

"Rose und Cliff" Claudia Loy und Jörg Herwegh

Rose und Cliff” – Claudia Loy und Jörg Herwegh

Gegensätze zie­hen sich an, sagt der Volksmund. Ganz gegen­sätz­lich schei­nen auch die Verkäuferin Rose und der Lastwagenfahrer Cliff. Bei ihrer Arbeit in einem Billigladen lernt sie den Trucker ken­nen, der wegen einer Autopanne in der Stadt fest­sitzt. Die Arbeit hat ihn ein­sam gemacht – immer unter­wegs, nir­gend­wo zu Hause und nur an einem Abenteuer inter­es­siert. Sie hin­ge­gen will sich mit nichts weni­ger zufrie­den geben, als der gro­ßen Liebe. Darum geht Rose in Abwehr, doch dar­in zeigt sie ihm immer mehr von ihrer Person. Die bei­den ver­brin­gen zwar den Abend zusam­men, aber als Cliff merkt, dass er nicht lan­den kann, geht er. Doch etwas an der Begegnung mit Rose hat ihn so berührt, dass er sei­nen Truck auf dem Highway wen­det.

In die­sem tur­bu­len­ten Stück über Leidenschaft, Träume und Albträume zeich­net William Mastrosimone Figuren der indus­tria­li­sier­ten Vorstädte, deren Zeit nur durch Schlafen und Arbeiten aus­ge­füllt ist. Dennoch erlau­ben die­se „Tagträumer” einen lie­be­vol­len Blick auf zwei eigen­wil­li­ge Charaktere und ihre Geschichte von der ewig glei­chen Sehnsucht. 1982 erhielt der Dramatiker für das Stück den Los Angeles Drama Award.

Das Original gibts natür­lich hier beim rfo (http://www.rfo.de/mediathek/9101/Claudia_Loy_und_J_ouml_rg_Herweh_inszenieren_den_Tagtr_auml_umer_im_TAM_Ost.html)

ovb 11.2010, Margit Jacobi

Wenn aus Träumen Wahrheit wird

"Rose und Cliff" Claudia Loy und Jörg Herwegh

Rose und Cliff„
Claudia Loy und Jörg Herwegh

Sie könn­ten nicht gegen­sätz­li­cher sein, die hyper­sen­si­ble, ja neu­ro­ti­sche Verkäuferin Rose und der rau­bei­ni­ge Trucker Cliff. Doch ein­sam sind sie bei­de und daher nimmt Rose den frem­den Typen, der in ihren Laden kam, mit zu sich.

William Mastrosimone, einer der meist gespiel­ten ame­ri­ka­ni­schen Autoren, erzählt in sei­nem Stück „Tagträumer” ein­fühl­sam die lang­sa­me Annäherung zwei­er grund­ver­schie­de­ner Menschen. Claudia Loy, die auch Rose ver­kör­pert, brach­te jetzt das Schauspiel in einer dich­ten und sen­si­blen Inszenierung im TAM OST in Rosenheim zur Aufführung. In Jörg Herwegh in der Rolle des Truckers Cliff hat­te sie sich einen hoch pro­fes­sio­nel­len Partner erwählt.

Als Zuhause kann man Roses Bleibe nicht bezeich­nen. Zwar sind die Wände in Grün, der Farbe der Hoffnung, gestri­chen, doch das kar­ge Mobiliar und das mit Brettern ver­na­gel­te Fenster ähneln eher einem Gefängnis. Hier, ohne Licht und Luft, gedeiht nicht ein­mal ein Kaktus. Rose hat sich vor der Welt drau­ßen ein­ge­schlos­sen und flüch­tet sich in ihre Träume. Cliff dage­gen, ein „Asphalt-Cowboy” in Ledermontur, ist tota­ler Realist. In der Absicht auf ein schnel­les Abenteuer ist er hier gelan­det. Bis sein Lastwagen wie­der flott gemacht wird, will er die Nacht so ange­nehm wie mög­lich ver­brin­gen.

Doch Rose erzählt vom Selbstmord der Vormieterin, von der ver­rück­ten, lau­schen­den Nachbarin, von Kranichen, die grau­sam zu Tode kamen. Alles sind für sie schreck­li­che Wahrheiten. „Viele Dinge sind wahr, aber man muss nicht dar­über reden”, kon­tert der mehr und mehr generv­te Trucker. Seine flap­si­gen Witze, mit denen er die Stimmung auf­hel­len will, ent­set­zen, sein Fluchen ver­letzt die dünn­häu­ti­ge Rose. Jeder sei­ner Annäherungen weicht sie aus. Mehr und mehr aber gibt sie in ihren Erzählungen die Verwundungen ihrer Seele preis.

Claudia Loy ver­leiht die­ser Rose mit all ihren Ängsten, ihrer Empfindsamkeit, ihren Träumen berüh­ren­de Gestaltung. Ihr waches Träumen von Zärtlichkeit und Wärme, ihr immer­wäh­ren­des Erinnern an getö­te­te Vögel, ent­täusch­te Liebe und die erlit­te­nen Seelenqualen, bringt sie mit gro­ßer Empathie zum Tragen.

Jörg Herwegh ver­kör­pert den Trucker in bestechen­der Bühnenpräsenz, er ist Cliff mit Leib und Seele, ist zynisch und komisch, ist hef­tig und sanft. Wenn Rose in sei­nem Fernfahrerleben die völ­li­ge Freiheit ver­mu­tet, deckt ihr Cliff die Härten sei­nes Berufes und die Verletzungen, die auch er erfah­ren muss­te, auf. Er will jetzt und nicht in Träumen leben. Wenn er im Zorn wütet, flie­gen die Fetzen, wenn er vom Meer erzählt, sieht man das Licht auf den tan­zen­den Wellen.

Zwar ver­lässt er Rose, wie vie­le ande­re vor ihm, doch er kehrt zurück. Rose hat ihn berührt und gemein­sam bre­chen sie auf, den wei­ten Horizont und das Meer zu sehen. Der Dramatiker Mastrosimone schenkt uns so ein Happyend à la Hollywood und lässt mit die­sem tröst­li­chen Schluss aus Träumen Wahrheit wer­den. Claudia Loy setz­te die Geschichte in ihrer Regiearbeit mit wun­der­ba­rer Feinfühligkeit um. Ihr gelang eine beein­dru­cken­de Inszenierung, die in Erinnerung blei­ben wird.


echo 09.2010, Margit Jacobi

Tagträumer” im TAM OST in Rosenheim

"Rose und Cliff" Claudia Loy und Jörg Herwegh

Rose und Cliff„
Claudia Loy und Jörg Herwegh

What a day for a day­dream“, die­ser Song, den „Lovin‘spoonful“ vor vie­len Jahren popu­lär mach­ten, ertönt, wenn sich der Vorhang auf der Bühne im TAM-OST zur Première des Stückes „Tagträumer“ öff­net. Claudia Loy insze­nier­te das Schauspiel des erfolg­rei­chen ame­ri­ka­ni­schen Autors William Matrosimone über die lang­sa­me Annäherung zwei­er völ­lig kon­trä­rer Charaktere mit gro­ßem Einfühlungsvermögen, mit Gespür für den Rhythmus im Geschehen. Sie selbst spielt berüh­rend die Figur der Rose, einer neu­ro­ti­schen jun­gen Frau mit zwang­haf­ten Ängsten, mit gro­ßer Verletzbarkeit, mit Sehnsucht nach Liebe, nach einer hei­len Welt. Mit Jörg Herwegh als rau­bei­ni­gem Trucker Cliff stand ihr ein abso­lut pro­fes­sio­nell agie­ren­der Partner zur Seite, der in beein­dru­cken­der Darstellung die Wandlung des Cowboys der Landstraße zu einem berühr­ba­ren Mann auf­zeigt.

Wenn die Verkäuferin Rose die­sen Kerl, der in ihrem Laden vor­bei­schau­te, mit zu sich nimmt, denkt sie an Zuneigung, er an ein schnel­les Abenteuer. Hier pral­len zwei Welten ziem­lich krass auf­ein­an­der. Roses Bleibe, ein spär­lich möblier­tes Zimmer mit einem bret­ter­ver­na­gel­ten Fenster, lässt weder Licht noch Luft her­ein. Rose hat das Leben drau­ßen aus­ge­sperrt, sich aber damit ein­ge­ker­kert. In Tagträumen flüch­tet sie sich weg von Grausamkeit, von Verletzung und Lieblosigkeiten. Cliffs flap­si­ger Humor, sein der­ber Realismus, all das stößt sie nur ab.

In hys­te­ri­schen Ausbrüchen erzählt sie von ihren trau­ma­ti­schen Erlebnissen. Cliff fin­det erst kei­nen Zugang zu die­sem zer­brech­li­chen Wesen. Doch wenn er ihr die Härten sei­nes Truckerlebens auf­deckt, erkennt sie auch die Verwundbarkeit die­ses schein­bar abge­brüh­ten Burschen. Wie ein Lichtstrahl kann er ein klei­nes kur­zes Lächeln in ihre erns­te Mimik zau­bern, wenn er ihr vom unend­li­chen Meer erzählt. Doch bis bei­de am Ende zusam­men auf­bre­chen, um aus ihren Träumen Wirklichkeit wer­den zu las­sen, müs­sen sie ihre Verschiedenheit akzep­tie­ren, um so Gemeinsamkeit ent­wi­ckeln zu kön­nen.

Tragik und Komik lie­gen in die­ser Geschichte ganz nah bei­ein­an­der. Die Balance zwi­schen bei­dem gelang Claudia Loy in ihrer Inszenierung aus­ge­zeich­net. Eindrucksvoll in Regie und Darstellung, ist die­se Aufführung eine Bereicherung im Theatergeschehen der Stadt.

Fotos: Sebastian Huber