THE PRIDE

Schauspiel von Alexi Kaye Campbell

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2013 - Plakat - The Pride

Plakat – The Pride

Vorstellungstermine:
Samstag, 9. November 2013, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 15. / 16. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 22. / 23. November, 20 Uhr
Sonntag, 24. November,  17 Uhr
Freitag / Samstag, 29. / 30. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 6. / 7. Dezember, 20 Uhr

 

Im Ensemble TAM-OST spie­len:
Karin Killy, Bernhardt Burgstaller, Tobias Huber, Hermann Neuner

Regie: Martin Schönacher


Zum Inhalt:
Das Stück „Pride” stellt die Lebens-, Leidens- und Liebeswege zwei­er schwu­ler Männer, Oliver und Philip, in zwei völ­lig unter­schied­li­chen Zeitläufen, 1958 und 2008, ins Zentrum des Geschehens. Nach fünf­zig Jahren sind sie zwar die glei­chen Charaktere, aber nicht die­sel­ben Personen.

lnr: Bernhard Burgstaller, Hermann Neuner, Tobias Huber, Karin Killy

lnr: Bernhard Burgstaller, Hermann Neuner, Tobias Huber, Karin Killy

Deshalb erzählt der Autor die Geschichte nicht schön der Reihe nach, son­dern er ver­schränkt sie reiß­ver­schluss­ar­tig inein­an­der. Die Verhältnisse der aus­ge­hen­den Fünfzigerjahre mit gesell­schaft­li­cher Repression, mit Selbstverleugnung und Scheinehe wech­seln mit der Gegenwart im 21. Jahrhundert, frei aus­ge­leb­ter Sexualität und dem Wunsch nach einer ganz nor­ma­len Zweisamkeit, wie er in der welt­wei­ten Diskussion um die Stellung gleich­ge­schlecht­li­cher Paare zum Ausdruck kommt.
Die weib­li­che Komponente in die­sem Konfliktdreieck ist Sylvia, erst betro­ge­ne Ehefrau und dann Schwulen-Kumpel.

Oliver und Philip sind ein Paar auf Zeit in zwei Existenzen: der gehemm­te Ehemann im ers­ten Teil wird zum Treue brau­chen­den schwu­len Partner im zwei­ten, und der schon 1955 suchen­de Homosexuelle kehrt als Sex-Süchtiger zurück. Nicht das indi­vi­du­el­le Schicksal der Figuren, son­dern zen­tra­le Fragen gleich­ge­schlecht­li­cher Liebe und die exis­ten­ti­el­le Frage nach der Wahrhaftigkeit von Lebensentwürfen sind in den Mittelpunkt gerückt.

TAM OST – Feature des rfo 10.2013 (zum öff­nen ankli­cken)

KRITIK – OVB, 05.11.2013, © Margit Jacobi

(Zum Original: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/pride-3202665.html)

Für alle die Chance auf ein gemensames Glück

Arroganz und Stolz sind Deutungen des Wortes „Pride”, zugleich ist es ein gebräuch­li­cher Begriff in der Schwulen- und Lesbenszene. Mit „Pride” titu­lier­te der Autor Alexi Kaye Campbell sein mehr­fach aus­ge­zeich­ne­tes Erstlingswerk, das 2008 am „Royal Court Theatre Upstairs” in London urauf­ge­führt wur­de. Regie führ­te des­sen Intendant Dominic Cook, mit dem der offen homo­se­xu­el­le Campbell liiert ist. „Pride” besticht vor allem durch die Zeitsprünge der Handlung von 1958 bis 2008. Repressalien und Ausgrenzungen, wie sie Homosexuelle Ende der 50er-Jahre erfuh­ren, und die Freiheiten für Schwule in der jet­zi­gen Zeit wer­den im Leben von Betroffenen deut­lich auf­ge­zeigt.

Regisseur Martin Schönacher hat das Stück aktu­ell für das Rosenheimer Theater TAM OST mit Darstellern aus dem Ensemble insze­niert. Was im Schneideraum beim Film geschieht, erle­ben die Zuschauer im teil­wei­se abrup­ten Wechsel der Szenen auf der Bühne, da Handlungsabläufe in unter­schied­li­chen Zeiträumen auf­ein­an­der­fol­gen. Im Fokus vor gelun­gen redu­zier­ter Kulisse ste­hen die vier Darsteller, von denen jeder Einzelne sei­ne Rolle exzel­lent ver­kör­pert.

Wenn im ers­ten Bild die bild­hüb­sche Karin Killy als Sylvia ihren Ehemann Philip (Tobias Huber) mit Oliver (Bernhard Burgstaller) bekannt macht, ist ihre Bühnenpräsenz augen­fäl­lig. Optisch völ­lig gegen­sätz­lich, geben Tobias Huber den zurück­hal­ten­den, eher kräf­tig gebau­ten Immobilienmakler Philip und Bernhard Burgstaller den zier­li­chen, extro­ver­tier­ten, schwär­me­ri­schen Kinderbuchautor Oliver in gro­ßer Glaubwürdigkeit.

Bereits in der nächs­ten Szene erlebt man Oliver mit einem als Nazi ver­klei­de­ten Sexpartner (Hermann Neuner). In die­sem Zeitsprung ist Oliver nicht mehr Herr sei­ner Sexsucht, die auch sei­ne Paarbeziehung mit Philip zer­stört hat. Dass aber auch der frem­de Partner mit Achtung behan­delt wer­den will, bringt Hermann Neuner authen­tisch zum Ausdruck. Neuner zeich­net sich eben­so in den Rollen als Peter oder Arzt durch gelun­ge­ne Verkörperung sei­ner Figuren aus.

Qualvoll ist der Weg von Philip, den er aus Lüge, Verdrängung, Verstellung gehen muss, bis er sich voll zu sei­ner Homosexualität beken­nen kann.

Im Laufe des Spiels ver­än­dern sich die Personen. Fühlte sich Oliver vor­mals min­der­wer­tig und ekel­er­re­gend, so weiß er vie­le Jahre spä­ter, dass sei­ne Liebe zu Philip hei­lig ist und gut. Oliver und Philip dür­fen am Ende die Chance auf ein gemein­sa­mes Glück wahr­neh­men.

Karin Killy über­zeugt in ihrem Spiel stets, ob als betro­ge­ne Ehefrau, als Schwulenkumpel oder end­lich erfüllt Liebende.

Autor, Regisseur und Schauspieler zei­gen, dass Homosexuelle heu­te zwar frei von den Zwängen frü­he­rer Zeiten sind, dass aber Aids und Länder wie Russland mit einem Präsidenten, der Schwule wie eh und je bekämpft, Grenzen set­zen. Zwar ist die Scham über das Anderssein heu­te meist über­wun­den, nicht über­wun­den sind aber die Ängste und Unsicherheiten. Und das Stück zeigt, dass alle glück­lich sein wol­len, ob homo- oder hete­ro­se­xu­ell. Doch das Glück ist eine Feder…

Regisseur Martin Schönauer und sei­ne Schauspieler, die das Stück getra­gen haben, durf­ten am Ende den gro­ßen Applaus des Publikums ver­dient ent­ge­gen­neh­men.

Zum OVB-Interview von Katrin Hildebrand mit Martin Schönacher