Schau­spiel von Ale­xi Kaye Camp­bell

Regie: Mar­tin Schö­nacher

Das Stück „Pri­de“ stellt die Lebens-, Lei­dens- und Lie­bes­we­ge zwei­er schwu­ler Män­ner, Oli­ver und Phil­ip, in zwei völ­lig unter­schied­li­chen Zeit­läu­fen, 1958 und 2008, ins Zen­trum des Gesche­hens. Nach fünf­zig Jah­ren sind sie zwar die glei­chen Cha­rak­te­re, aber nicht die­sel­ben Per­so­nen.

lnr: Bernhard Burgstaller, Hermann Neuner, Tobias Huber, Karin Killy
lnr: Bern­hard Burg­stal­ler, Her­mann Neu­ner, Tobi­as Huber, Karin Kil­ly

Des­halb erzählt der Autor die Geschich­te nicht schön der Rei­he nach, son­dern er ver­schränkt sie reiß­ver­schluss­ar­tig inein­an­der. Die Ver­hält­nis­se der aus­ge­hen­den Fünf­zi­ger­jah­re mit gesell­schaft­li­cher Repres­si­on, mit Selbst­ver­leug­nung und Schein­ehe wech­seln mit der Gegen­wart im 21. Jahr­hun­dert, frei aus­ge­leb­ter Sexua­li­tät und dem Wunsch nach einer ganz nor­ma­len Zwei­sam­keit, wie er in der welt­wei­ten Dis­kus­si­on um die Stel­lung gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re zum Aus­druck kommt.

Die weib­li­che Kom­po­nen­te in die­sem Kon­flikt­drei­eck ist Syl­via, erst betro­ge­ne Ehe­frau und dann Schwu­len-Kum­pel.

Oli­ver und Phil­ip sind ein Paar auf Zeit in zwei Exis­ten­zen: der gehemm­te Ehe­mann im ers­ten Teil wird zum Treue brau­chen­den schwu­len Part­ner im zwei­ten, und der schon 1955 suchen­de Homo­se­xu­el­le kehrt als Sex-Süch­ti­ger zurück.

Nicht das indi­vi­du­el­le Schick­sal der Figu­ren, son­dern zen­tra­le Fra­gen gleich­ge­schlecht­li­cher Lie­be und die exis­ten­ti­el­le Fra­ge nach der Wahr­haf­tig­keit von Lebens­ent­wür­fen sind in den Mit­tel­punkt gerückt.

ovb, 05.11.2013, © Mar­grit Jaco­bi

(Zum Ori­gi­nal: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/pride-3202665.html)

Für alle die Chan­ce auf ein gemein­sa­mes Glück

Arro­ganz und Stolz sind Deu­tun­gen des Wor­tes „Pri­de“, zugleich ist es ein gebräuch­li­cher Begriff in der Schwu­len- und Les­ben­sze­ne. Mit „Pri­de“ titu­lier­te der Autor Ale­xi Kaye Camp­bell sein mehr­fach aus­ge­zeich­ne­tes Erst­lings­werk, das 2008 am „Roy­al Court Thea­t­re Upstairs“ in Lon­don urauf­ge­führt wur­de. Regie führ­te des­sen Inten­dant Domi­nic Cook, mit dem der offen homo­se­xu­el­le Camp­bell liiert ist. „Pri­de“ besticht vor allem durch die Zeit­sprün­ge der Hand­lung von 1958 bis 2008.

Repres­sa­li­en und Aus­gren­zun­gen, wie sie Homo­se­xu­el­le Ende der 50er-Jah­re erfuh­ren, und die Frei­hei­ten für Schwu­le in der jet­zi­gen Zeit wer­den im Leben von Betrof­fe­nen deut­lich auf­ge­zeigt. Regis­seur Mar­tin Schö­nacher hat das Stück aktu­ell für das Rosen­hei­mer Thea­ter TAM OST mit Dar­stel­lern aus dem Ensem­ble insze­niert. Was im Schnei­de­raum beim Film geschieht, erle­ben die Zuschau­er im teil­wei­se abrup­ten Wech­sel der Sze­nen auf der Büh­ne, da Hand­lungs­ab­läu­fe in unter­schied­li­chen Zeit­räu­men auf­ein­an­der­fol­gen.

Im Fokus vor gelun­gen redu­zier­ter Kulis­se ste­hen die vier Dar­stel­ler, von denen jeder Ein­zel­ne sei­ne Rol­le exzel­lent ver­kör­pert. Wenn im ers­ten Bild die bild­hüb­sche Karin Kil­ly als Syl­via ihren Ehe­mann Phil­ip (Tobi­as Huber) mit Oli­ver (Bern­hard Burg­stal­ler) bekannt macht, ist ihre Büh­nen­prä­senz augen­fäl­lig. Optisch völ­lig gegen­sätz­lich, geben Tobi­as Huber den zurück­hal­ten­den, eher kräf­tig gebau­ten Immo­bi­li­en­mak­ler Phil­ip und Bern­hard Burg­stal­ler den zier­li­chen, extro­ver­tier­ten, schwär­me­ri­schen Kin­der­buch­au­tor Oli­ver in gro­ßer Glaub­wür­dig­keit. Bereits in der nächs­ten Sze­ne erlebt man Oli­ver mit einem als Nazi ver­klei­de­ten Sex­part­ner (Her­mann Neu­ner). In die­sem Zeit­sprung ist Oli­ver nicht mehr Herr sei­ner Sex­sucht, die auch sei­ne Paar­be­zie­hung mit Phil­ip zer­stört hat.

Dass aber auch der frem­de Part­ner mit Ach­tung behan­delt wer­den will, bringt Her­mann Neu­ner authen­tisch zum Aus­druck. Neu­ner zeich­net sich eben­so in den Rol­len als Peter oder Arzt durch gelun­ge­ne Ver­kör­pe­rung sei­ner Figu­ren aus. Qual­voll ist der Weg von Phil­ip, den er aus Lüge, Ver­drän­gung, Ver­stel­lung gehen muss, bis er sich voll zu sei­ner Homo­se­xua­li­tät beken­nen kann. Im Lau­fe des Spiels ver­än­dern sich die Per­so­nen. Fühl­te sich Oli­ver vor­mals min­der­wer­tig und ekel­er­re­gend, so weiß er vie­le Jah­re spä­ter, dass sei­ne Lie­be zu Phil­ip hei­lig ist und gut. Oli­ver und Phil­ip dür­fen am Ende die Chan­ce auf ein gemein­sa­mes Glück wahr­neh­men.

Karin Kil­ly über­zeugt in ihrem Spiel stets, ob als betro­ge­ne Ehe­frau, als Schwu­lenk­um­pel oder end­lich erfüllt Lie­ben­de. Autor, Regis­seur und Schau­spie­ler zei­gen, dass Homo­se­xu­el­le heu­te zwar frei von den Zwän­gen frü­he­rer Zei­ten sind, dass aber Aids und Län­der wie Russ­land mit einem Prä­si­den­ten, der Schwu­le wie eh und je bekämpft, Gren­zen set­zen. Zwar ist die Scham über das Anders­sein heu­te meist über­wun­den, nicht über­wun­den sind aber die Ängs­te und Unsi­cher­hei­ten. Und das Stück zeigt, dass alle glück­lich sein wol­len, ob homo- oder hete­ro­se­xu­ell. Doch das Glück ist eine Feder...

Regis­seur Mar­tin Schö­nau­er und sei­ne Schau­spie­ler, die das Stück getra­gen haben, durf­ten am Ende den gro­ßen Applaus des Publi­kums ver­dient ent­ge­gen­neh­men.

Zum OVB-Inter­view von Kat­rin Hil­de­brand mit Mar­tin Schö­nacher

rfo 2013, den Ori­gi­nal­clip und vie­les mehr fin­den Sie hier beim rfo: http://www.rfo.de/mediathek/28589/Homosexualitaet_1958_und_heute_The_Pride_im_TAM_OST.html
2013 - Plakat - THE PRIDE, Modelle: (lnr) Karin Killy, Tobias Huber, Bernhard Burgstaller, Bild: Tobias Huber
2013 - Pla­kat - THE PRI­DE, Model­le: (lnr) Karin Kil­ly, Tobi­as Huber, Bern­hard Burg­stal­ler, Bild: Tobi­as Huber

PRE­MIE­RE:  Sa 09. Novem­ber 2013

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 15/16 Novem­ber
Fr/Sa 22/23 Novem­ber
So 24 Novem­ber
Fr/Sa 29/30 Novem­ber
Fr/Sa 06/07 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Mar­tin Schö­nacher
Büh­ne:Ensem­ble
Kos­tü­me:Ensem­ble
Pla­kat:
Tobi­as Huber
 Schau­spie­ler als
Karin Kil­ly Syl­via
Bern­hardt Burg­stal­ler Oli­ver
Tobi Huber Phil­ip
Her­mann Neu­ner Peter, Arzt

Schlag­wor­te zum Stück