Dra­ma von Chris­ti­an Schön­fel­der und Georg Ringsgwandl

Regie: Mar­tin Schö­nacher

Zum Inhalt:
Zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort gebo­ren?
Mathi­as woll­te kein Held sein. Er woll­te ein siche­res „nor­ma­les“ Leben. Er woll­te gut sein und sich um sei­ne Fami­lie küm­mern.

Aber schon als Kind wur­de er aus­ge­grenzt: weil sein Groß­va­ter Aus­län­der, die Fami­lie arm und wil­de Gerüch­te übers „Gsin­del hin­term Wald“ im Umlauf waren. Der Kneißl hat zu sei­ner Fami­lie gehal­ten. Auch noch, als der Bru­der eine Dumm­heit macht und bei­de im Gefäng­nis lan­den.

Mathi­as mach­te eine Aus­bil­dung und träum­te sich in eine rosi­ge Zukunft. Aber von der Gesell­schaft war er abge­stem­pelt: ein­mal Räu­ber immer Räu­ber! Erst auf der Flucht wird er zum Hel­den. Dann ist er plötz­lich gut, weil er „denen da oben“ eins aus­wischt...

Eine Geschich­te, gesche­hen 1902 in Bay­ern. Nur damals? Nur dort? Oder pas­siert die­se Geschich­te gera­de heu­te? In einer Welt, in der wir mit Vor­ur­tei­len und Schub­la­den­den­ken ein­fa­che Lösun­gen suchen?

OVB, 21.03.2019, von Georg Fücht­ner 
(lnr) „Die Geschwis­ter Kneissl, Alo­is, Cäci­lia und Mathi­as“ Maxi­mi­li­an Miersch, Maria Mal­c­zan, Pan­kratz Scha­berl, Bild: Albert Aschl

Der baye­ri­sche Robin Hood

Rosen­heim – Bei dem Titel könn­te man zunächst an krach­le­der­nes Bau­ern­thea­ter den­ken.

Das Ensem­ble des TAM OST unter der Regie von Mar­tin Schö­nacher aber hat mit „Mein Bru­der, der Räu­ber Kneißl“ ein stil­les, bewe­gen­des Stück auf die Büh­ne gebracht, das die Pre­mie­ren­be­su­cher bis zum Schluss gefan­gen nahm.

Erzählt wird die Geschich­te des Mathi­as Kneißl, der auf der Schach­en­müh­le bei Dach­au in wid­ri­gen Ver­hält­nis­sen auf­wächst. Als sein Vater wegen Ein­bruchs in eine Kir­che ver­haf­tet und schwer ver­letzt wird, geht der jun­ge Hiasl mit sei­nem Bru­der sel­ber auf Raub­zü­ge. Nach einer Gefäng­nis­haft ver­sucht Kneißl, ein ehr­li­ches Leben zu füh­ren, wird aber wegen sei­nes schlech­ten Rufs von sei­nem Meis­ter ent­las­sen. Erneut gerät er auf die schie­fe Bahn. Von der Poli­zei ver­folgt, der er immer wie­der ein Schnipp­chen schla­gen kann, wird Kneißl zum Volks­hel­den. Doch das Schick­sal nimmt sei­nen Lauf.

Berüh­rend war bereits die Anfangs­sze­ne, in der Cäci­lia (Maria Mal­c­zan) hin­ter einem durch­sich­ti­gen Vor­hang aus wei­ßen Fäden den letz­ten Brief ihres Bru­ders aus dem Gefäng­nis vor­liest. 

Pan­kraz Scha­berl war die Rol­le des nai­ven, auf­rech­ten, aber ver­führ­ba­ren jun­gen Bur­schen auf den Leib geschrie­ben. In der Schu­le faul und unwil­lig, schwänzt Hiasl die Sonn­tags­mes­se, küm­mert sich aber rüh­rend um die klei­ne Schwes­ter.

Hiasls Bru­der Alo­is singt im Lied von Hun­ger und Ver­zweif­lung: „Wer nichts zu essen hat, der muss klau­en“. Die reso­lu­te Mut­ter, von Jut­ta Schmidt mit her­ber, des­il­lu­sio­nier­ter Stim­me per­fekt ver­kör­pert, erin­nert sich in der Rück­schau an die ein­zel­nen Lebens­sta­tio­nen ihres Soh­nes. Da ist die star­ke Sze­ne, in der Hiasl vom ver­är­ger­ten Vater (Her­mann Neu­ner) wegen schlech­ter Schul­no­ten unbe­hol­fen zur Rede gestellt wird, da spielt der Hiasl lie­be­voll mit der Schwes­ter oder strei­tet sich mit sei­nem Bru­der, da wird er vom Meis­ter (Her­mann Neu­ner) wegen sei­nes hand­werk­li­chen Geschicks gelobt. Zu Her­zen ging auch die zar­te Lie­bes­sze­ne zwi­schen dem Hiasl und Mat­hil­de (Maria Mal­c­zan).

Maxi­mi­li­an Miersch spiel­te glaub­wür­dig [Alo­is] den auf­brau­sen­den Bru­der von Mathi­as, der, ohne lan­ge zu über­le­gen, gleich zum Gewehr greift.
Für Sze­nen­ap­plaus sorg­te Jut­ta Schmidt mit ängst­li­chem Geme­cker, Geh­stock und krum­mem Rücken in der Rol­le der alten Frau.
Als Gen­darm wirk­te Her­mann Neu­ner höl­zern pflicht­be­wusst, als Holz­leit­ner kalt und geris­sen. 

Das Lied „Ein­mal Räu­ber, immer Räu­ber“, bei dem die Schau­spie­ler laut­stark mit Schil­dern vor dem Räu­ber­un­we­sen warn­ten, zeig­te deut­lich die ver­geb­li­chen Ver­su­che Kneißls, wie­der von der Gesell­schaft auf­ge­nom­men zu wer­den.

Pas­send waren die Kos­tü­mie­rung der Prot­ago­nis­ten in grü­nen Klei­dern, stim­mig das Büh­nen­bild von Elai­ne Herr­mann mit den in wech­seln­den Far­ben beleuch­te­ten, aus dunk­lem Tann bli­cken­den Augen. Der Brü­cken­schlag vom Räu­ber Kneißl, der bereits damals als eine Art baye­ri­scher Robin Hood idea­li­siert wur­de, zum Plä­doy­er für einen tole­ran­ten und fried­li­chen Kon­ti­nent im „Euro­pa Lied“ wirk­te aller­dings all­zu bemüht und absichts­voll.

Für sei­ne über­zeu­gen­de Leis­tung erhielt das Ensem­ble vom Publi­kum am Ende minu­ten­lan­gen, ver­dien­ten Applaus.

2019 - Plakat - MEIN BRUDER, DER RÄUBER KNEISSL, Plakat: Stine Helbig
2019 - Pla­kat - MEIN BRU­DER, DER RÄU­BER KNEISSL, Bild: Sti­ne Hel­big
"Mathias" Pankraz Schaberl, Bild Martin Schönacher
„Mathi­as“ Pan­kraz Scha­berl, Bild Mar­tin Schö­nacher
Bil­der im Goog­le Foto­ar­chiv

PRE­MIE­RE:  Sa 16. MÄRZ 2019

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 22/23 März
So 24 März
Fr/Sa 29/30 März
So 31 März
Fr/Sa 05/06 April
So 07 April
Fr/Sa 12/13 April

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Mar­tin Schö­nacher
Assis­tenz:Janet­te Kreu­zeder
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Elai­ne Herr­mann
Kos­tüm:Elai­ne Herr­mann
Foto­gra­fie:Albert Aschl
Pla­kat:Sti­ne Hel­big
Musik:Lukas Mai­er
 Schau­spie­lerals
Maria Mal­c­zan 
Jut­ta Schmidt 
Maxi­mi­li­an Miersch 
Her­mann Neu­ner 
Pan­kraz Scha­berl Mathi­as

Schlag­wor­te zum Stück