MEIN BRUDER, DER RÄUBER KNEIßL

von Christian Schönfelder und Georg Ringsgwandl

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2019 - Plakat - MEIN BRUDER, DER RÄUBER KNEISSL

2019 – Plakat – MEIN BRUDER, DER RÄUBER KNEISSL

Vorstellungstermine:
Samstag, 16. März 2019, 20 Uhr, Première
Fr 22.03.19 / Sa 23.03.19 / So 24.03.19
Fr 29.03.19 / Sa 30.03.19 / So 31.03.19
Fr 05.04.19 / Sa 06.04.19 / So 07.04.19
Fr 12.04.19 / Sa 13.04.19 
Spielbeginn: Fr, Sa 20 Uhr, So 17 Uhr

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie: Martin Schönacher
Assistenz: Janette Kreuzeder
Bühne: Elaine Herrmann
Licht/Ton: Elaine Herrmann
Kostüm: Ensemble
Fotografie: Albert Aschl
Plakat: Stine Helbig
Komposition: Lukas Maier
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Maria Malczan Cäcilia, Kathi, Schülerin, Mathilde, Dorfbewohner
Jutta Schmidt Mutter, Schülerin, Stammtischler, alte Frau, Flecklbäuerin
Maximilian Miersch Alois Kneißl,  Gitarre, Gesang
Hermann Neuner Gendarm, Dorfbewohner, Vater, Gast, Holzleitner, Lehrer, Meister, Oberst, Flecklbauer
Pankraz Schaberl Mathias Kneißl
Jörg Willke Dorfbewohner, Gesang, Gitarre, Trommel

Zum Inhalt:

"Mathias" Pankraz Schaberl, Bild: Martin Schönacher

Mathias” Pankraz Schaberl,
Bild: Martin Schönacher

Zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort gebo­ren?
Mathias woll­te kein Held sein. Er woll­te ein siche­res „nor­ma­les“ Leben. Er woll­te gut sein und sich um sei­ne Familie küm­mern.

Aber schon als Kind wur­de er aus­ge­grenzt: weil sein Großvater Ausländer, die Familie arm und wil­de Gerüchte übers „Gsindel hin­term Wald“ im Umlauf waren. Der Kneißl hat zu sei­ner Familie gehal­ten. Auch noch, als der Bruder eine Dummheit macht und bei­de im Gefängnis lan­den.

Mathias mach­te eine Ausbildung und träum­te sich in eine rosi­ge Zukunft. Aber von der Gesellschaft war er abge­stem­pelt: ein­mal Räuber immer Räuber! Erst auf der Flucht wird er zum Helden. Dann ist er plötz­lich gut, weil er „denen da oben“ eins aus­wischt…

Eine Geschichte, gesche­hen 1902 in Bayern. Nur damals? Nur dort? Oder pas­siert die­se Geschichte gera­de heu­te? In einer Welt, in der wir mit Vorurteilen und Schubladendenken ein­fa­che Lösungen suchen?

Die Galerie zu die­sem Stück fin­den Sie hier: https://photos.app.goo.gl/73Q54R6DiCo7zonF6
Bitte beach­ten Sie die Hinweise zum Nutzungsrecht!

©OVB, 21.03.2019 (kein Autor genannt)
(Original siehe: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/bayerische-robin-hood-11872467.html)

Drei Geschwister stoßen auf die Ablehnung der Gesellschaft: (von links) Alois (Maximilian Miersch), Cäcilia (Maria Malczan) und Mathias Kneißl (Pankraz Schaberl). Albert Aschl<br /> © Albert Aschl

Drei Geschwister sto­ßen auf die Ablehnung der Gesellschaft: (von links) Alois (Maximilian Miersch), Cäcilia (Maria Malczan) und Mathias Kneißl (Pankraz Schaberl). Albert Aschl  © Albert Aschl

Der bayerische Robin Hood

Rosenheim – Bei dem Titel könnte man zunächst an krachledernes Bauerntheater denken.

Das Ensemble des TAM OST unter der Regie von Martin Schönacher aber hat mit „Mein Bruder, der Räuber Kneißl“ ein stil­les, bewe­gen­des Stück auf die Bühne gebracht, das die Premierenbesucher bis zum Schluss gefan­gen nahm.

Erzählt wird die Geschichte des Mathias Kneißl, der auf der Schachenmühle bei Dachau in wid­ri­gen Verhältnissen auf­wächst. Als sein Vater wegen Einbruchs in eine Kirche ver­haf­tet und schwer ver­letzt wird, geht der jun­ge Hiasl mit sei­nem Bruder sel­ber auf Raubzüge. Nach einer Gefängnishaft ver­sucht Kneißl, ein ehr­li­ches Leben zu füh­ren, wird aber wegen sei­nes schlech­ten Rufs von sei­nem Meister ent­las­sen. Erneut gerät er auf die schie­fe Bahn. Von der Polizei ver­folgt, der er immer wie­der ein Schnippchen schla­gen kann, wird Kneißl zum Volkshelden. Doch das Schicksal nimmt sei­nen Lauf.

Berührend war bereits die Anfangsszene, in der Cäcilia (Maria Malczan) hin­ter einem durch­sich­ti­gen Vorhang aus wei­ßen Fäden den letz­ten Brief ihres Bruders aus dem Gefängnis vor­liest. Pankraz Schaberl war die Rolle des nai­ven, auf­rech­ten, aber ver­führ­ba­ren jun­gen Burschen auf den Leib geschrie­ben. In der Schule faul und unwil­lig, schwänzt Hiasl die Sonntagsmesse, küm­mert sich aber rüh­rend um die klei­ne Schwester.

Hiasls Bruder Alois singt im Lied von Hunger und Verzweiflung: „Wer nichts zu essen hat, der muss klau­en“. Die reso­lu­te Mutter, von Jutta Schmidt mit her­ber, des­il­lu­sio­nier­ter Stimme per­fekt ver­kör­pert, erin­nert sich in der Rückschau an die ein­zel­nen Lebensstationen ihres Sohnes. Da ist die star­ke Szene, in der Hiasl vom ver­är­ger­ten Vater (Hermann Neuner) wegen schlech­ter Schulnoten unbe­hol­fen zur Rede gestellt wird, da spielt der Hiasl lie­be­voll mit der Schwester oder strei­tet sich mit sei­nem Bruder, da wird er vom Meister (Hermann Neuner) wegen sei­nes hand­werk­li­chen Geschicks gelobt. Zu Herzen ging auch die zar­te Liebesszene zwi­schen dem Hiasl und Mathilde (Maria Malczan).

Maximilian Miersch spiel­te glaub­wür­dig den auf­brau­sen­den Bruder von Mathias, der, ohne lan­ge zu über­le­gen, gleich zum Gewehr greift. Für Szenenapplaus sorg­te Jutta Schmidt mit ängst­li­chem Gemecker, Gehstock und krum­mem Rücken in der Rolle der alten Frau. Als Gendarm wirk­te Hermann Neuner höl­zern pflicht­be­wusst, als Holzleitner kalt und geris­sen. Das Lied „Einmal Räuber, immer Räuber“, bei dem die Schauspieler laut­stark mit Schildern vor dem Räuberunwesen warn­ten, zeig­te deut­lich die ver­geb­li­chen Versuche Kneißls, wie­der von der Gesellschaft auf­ge­nom­men zu wer­den.

Passend waren die Kostümierung der Protagonisten in grü­nen Kleidern, stim­mig das Bühnenbild von Elaine Herrmann mit den in wech­seln­den Farben beleuch­te­ten, aus dunk­lem Tann bli­cken­den Augen. Der Brückenschlag vom Räuber Kneißl, der bereits damals als eine Art baye­ri­scher Robin Hood idea­li­siert wur­de, zum Plädoyer für einen tole­ran­ten und fried­li­chen Kontinent im „Europa Lied“ wirk­te aller­dings all­zu bemüht und absichts­voll.

Für sei­ne über­zeu­gen­de Leistung erhielt das Ensemble vom Publikum am Ende minu­ten­lan­gen, ver­dien­ten Applaus.

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