MAGIC AFTERNOON

Schauspiel von Wolfgang Bauer

ZUM STÜCKZUR KRITIK
MAGIC AFTERNOON - 2015 - Plakat von Alexander Schoenhoff, es spielen Katharina Bacher, Jutta Schmidt, Florian Fuchs und Serafin Schumann unter der Regie von Hermann Kunz

2015 – Plakat – MAGIC AFTERNOON

Vorstellungstermine:
PREMIERE: Samstag, 26. September, 20 Uhr

Freitag / Samstag, 2. / 3. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 9. / 10. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 11. Oktober, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 16. / 17. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 23. / 24. Oktober, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Hermann Kunz
Bühne: Ensemble
Licht/Ton: Ingo Hoborn
Kostüm: Ensemble
Bühne: Klaus Lüders
Plakat: Alexander Schoenhoff
Fotografie: u.a. Renate M. Mayer
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Katharina Bacher  Monika
Jutta Schmidt  Birgit
Florian Fuchs  Charlie
Serafin Schumann  Joe

Zum Inhalt:
Das herr­li­che Sommerwetter wird aus­ge­sperrt: hin­ter den Jalousien las­sen sich der Schriftsteller Charly und
sei­ne Freundin Birgit gemein­sam mit dem befreun­de­ten Paar Joe und Monika durch den Nachmittag trei­ben.

Magic Afternoon

lnr: Monika, Joe, Birgit und Charlie – Katharina Bacher, Serafin Schumann, Jutta Schmidt, Florian Fuchs

Die zwei Männer und die bei­den Frauen zwi­schen 22 und 30 Jahren haben sich von der „Welt der Erwachsenen“ weg­ge­sperrt. Leistungszwang und Geschäftigkeit wol­len sie als Werte nicht mehr aner­ken­nen, aber sie sind auch nicht im Stande, selbst neue Werte zu schaf­fen. Sie wol­len „was Aufregendes“ erle­ben, aber ihnen bleibt nur ein Nachleben jener Welt, die der Spätkapitalismus zu bie­ten hat.

Ihre halb­her­zi­gen Fluchtversuche vor der eige­nen Ideen- und Antriebslosigkeit lau­fen bei Sex, Alkohol, Drogen und Musik ins Leere. Belanglose Gespräche, Streitereien, Handgreiflichkeiten stei­gern sich zu Wut und Gewalt. Und dann liegt Joe plötz­lich tot am Boden, und nie­mand weiß so recht, wie es dazu gekom­men ist.
An die­sem „magi­schen“ Nachmittag ist das sadis­ti­sche Spiel aus purem Zufall in töd­li­chen Ernst umge­schla­gen.


Der öster­rei­chi­sche expe­ri­men­tel­le Lyriker, Dramatiker und Erzähler Wolfgang Bauer errang als Siebenundzwanzigjähriger mit dem Einakter „Magic Afternoon“ sei­nen ers­ten gro­ßen, auch inter­na­tio­na­len Erfolg. Er zeich­net dar­in das Bild einer Jugendkultur, die in sinn­lo­ser Brutalität ihrer eige­nen Ohnmacht, Hilfs- und Perspektivlosigkeit aus­ge­lie­fert ist. Sein Stück aus dem Jahr 1967 hat bis heu­te nichts von sei­ner Kraft und Ausdrucksstärke ver­lo­ren. Die Abrechnung mit der Spaßgesellschaft der Hippie-Ära hält den heu­ti­gen Spaß-Konsumenten den Spiegel vor.

© ovb, 29.9.2015, Margrit Jacobi
(Original: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/ois-fad-5572949.html)

Ois is so fad” für die Typen im Stück „Magic Afternoon” des öster­rei­chi­schen Schriftstellers Wolfgang Bauer, das er im Dialekt sei­ner Grazer Geburtsstadt schrieb. Uraufgeführt 1968 mach­te es den Autor mit einem Schlag bekannt.

Magic Afternoon - Bild: Margit Jacobi, © OVB

Birgit und Charlie” – Jutta Schmidt, Florian Fuchs
Bild: Margit Jacobi, © OVB

Eine Null-Bock-Generation im Protest zu Leistungsdruck und bie­de­rer Gesellschaftsordnung läuft bei die­ser Verweigerung ohne Bindung an Arbeitswelt und Familie ins Leere. Langeweile, Selbstfixiertheit statt Selbstreflexion, Orientierungslosigkeit, Überdruss, feh­len­der Handlungswille, Aggression, Alkohol und Drogen, vul­gä­re Sprache und Gewalt prä­gen das Spiel.

Hermann Kunz hat das Stück zu Beginn der Herbstsaison im Rosenheimer TAM OST mit Jutta Schmidt in der Rolle der Birgit, Florian Fuchs als Charlie, Serafin Schumann als Joe und Katharina Bacher als Monika insze­niert.

Pink Floyds „Dark side of the moon” klingt an zu Beginn, dann sieht man Birgit und Charlie in des­sen Bude. Mittig fun­giert eine rote Schlafcouch als Hauptspielwiese der Akteure. Der Laptop auf dem klei­nen Tisch rechts wird nicht genutzt, denn Möchtegern-Schriftsteller Charlie fehlt jeg­li­che Inspiration für brauch­ba­re Texte. Musik der Beatles, Rolling Stones oder von James Brown brin­gen das gelang­weil­te Pärchen auch nicht wirk­lich in Schwung. Lustlos, faul hän­gen sie her­um, Plänkeleien arten aus in Grobheiten.

Wenn Joe und Monika das Duo zum Quartett kom­plet­tie­ren, wird Joe sei­ner Freundin, die sich krat­zend gegen sei­ne der­ben Angriffe wehrt, das Nasenbein bre­chen. Gewalt ist das ein­zi­ge Mittel, das die Burschen kurz aus ihrer Lethargie reißt. Wenn sich spä­ter Charlie und Joe mit Hasch zudröh­nen, ist Birgit immer noch nicht fähig, sich von Charlie zu tren­nen. Als Joe sie schließ­lich hart bedrängt, ersticht sie ihn, in Notwehr, wie sie es nach­her benennt. Charlie bleibt zurück, zit­ternd und nicht fähig das Geschehene zu fas­sen.

Hermann Kunz hat in dich­tem Geschehen die Stimmung die­ses schwü­len Nachmittags über­zeu­gend auf die Bühne gebracht.

Bestechend agiert Jutta Schmidt in der Rolle der Birgit. Sie schmollt, ist zickig, pro­vo­kant, heult, kreischt und kichert, lockt und blockt ab und bringt jede ihrer Gemütsverfassungen bis zum dra­ma­ti­schen Schluss abso­lut glaub­wür­dig zur Geltung.

In Florian Fuchs als Charlie hat sie einen eben­bür­ti­gen Partner, der den groß­spu­ri­gen, stän­kern­den, lust­lo­sen und vul­gä­ren Typen ohne krea­ti­ve Ideen gelun­gen in Szene setzt und den Grazer Dialekt am bes­ten beherrscht.

Dem kur­zen Part der Monika ver­leiht Monika Bacher die stim­mi­ge Umsetzung, Serafin Schumann zeich­net die Figur des Joe als Pendant sei­nes Saufkumpanen Charlie.

Eine Luft hama wie bei Tennessee Williams” bemerkt Charlie ein­mal, und wenn auch Wolfgang Bauer sein Drama nicht so meis­ter­haft ent­wi­ckel­te wie der berühm­te Südstaaten-Schriftsteller, so gelingt ihm doch die Schilderung aus der Zeit der 1968er auf ver­stö­ren­de Art und Weise. Dass das gan­ze Geschehen aktu­ell nicht mehr mög­lich wäre, ist sehr zu bezwei­feln. Nicht zuletzt aus die­sem Grund wirkt die­ser Theaterabend nach­hal­tig.

ECHO ROSENHEIM, © ECHO, Margrit Jacobi
(Original: http://www.echo-rosenheim.de/keine-leichte-kost/)

Magic Afternoon“ eröff­net Theatersaison im TAM OST

Mit dem Stück „ Magic Afternoon“ des Grazer Schriftstellers Wolfgang Bauer unter der Regie von Hermann Kunz eröff­ne­te das TAM OST in Rosenheim die neue Theatersaison und bie­tet damit den Besuchern kei­ne leich­te Kost.

Florian Fuchs in der Rolle des Möchtegern-Literaten Charlie und Jutta Schmidt als sei­ne von allem ange­öde­te Freundin Birgit brin­gen eben­so wie Serafin Schumann als Joe und Katharina Bacher als des­sen Freundin Monika die­se abge­schlaff­ten Typen anschau­lich zur Geltung, gespro­chen wird mehr oder weni­ger stark in öster­rei­chi­scher Klangfärbung, Bauer schrieb sein Stück in Grazer Dialekt.

Eine rote Schlafcouch ist der haupt­säch­li­che „Spielplatz“ der Akteure. Rechts hat ein klei­ner Tisch mit einem Laptop eine eher neben­säch­li­che Funktion, da Charlie jeg­li­che Inspiration für Texte fehlt. Alkoholkonsum schürt Überdruss und Aggressivität. Wenn Charlie oder Birgit Platten von den Beatles, Rolling Stones oder James Brown auf­le­gen, ent­steht dabei letzt­end­lich eben­so wenig Aufschwung im faden Nachmittag, wie durch den Besuch von Joe und Monika. Aus Langeweile erwächst Frustration, aus Sexgeplänkel Gewalt und Joe bricht Monika das Nasenbein. Nicht ein­mal die­ser bru­ta­le Akt bringt die jun­gen Männer zum Bewusstsein. Mit Joints wol­len sie der Leere ihres Lebens ent­flie­hen. Obwohl Charlie Birgit mit immer rüde­rer Sprache belei­digt, ist sie nicht fähig, sich von ihm zu tren­nen. Die Atmosphäre in die­sem Kammerspiel heizt sich mehr und mehr auf. Birgit fühlt sich bedroht, die Burschen dre­hen durch im Haschrauch und wol­len Birgit „fer­tig machen“. Bei der Abwehr von Joes Übergriff auf sie ersticht sie ihn. Zurück bleibt ein hilf­lo­ser Charlie.

Magic Afternoon“, geschrie­ben von Wolfgang Bauer 1967, ver­an­schau­licht das Aufbegehren der Jugend gegen den Leistungsdruck einer bie­de­ren Gesellschaftsordnung. Doch Untätigkeit und feh­len­der Handlungswille brin­gen kei­ner­lei Befriedigung, son­dern nur gro­ße Langeweile. Hermann Kunz erlaubt in sei­ner Inszenierung auch den Bezug zum Jetzt und setzt mit Laptop und Smartphon aktu­el­le Zeichen. Vor allem Jutta Schmidt als Birgit, aber auch Florian Fuchs als groß­spu­ri­ger Charlie über­zeu­gen in glaub­wür­di­ger Umsetzung ihrer Rollen. Ohne Bindung an die Außenwelt, ohne Arbeit, ohne Familie sind alle vier Figuren zurück­ge­wor­fen auf sich selbst mit fata­len Folgen.

Vulgäre Sprache, Grobheiten, Blödelei statt Selbstreflexion, Sexspielchen die bru­tal aus­ar­ten, Alkohol und Haschisch prä­gen das Stück, das gelun­gen ist in Regie und dem Spiel der Darsteller…

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