Kirschblütenhügel

Tanztheater Trés Orange

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Vorstellungstermine:
Samstag, 1. Dezember 2006, 20 Uhr
sowie eine wei­te­re Vorführung

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie:: Ensemble
Bühne: Ensemble
Licht/Ton:  Carsten Schmidt
Kostüm: Ensemble
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler
Alexandra Geyer
Monika Hagitte
Karin Kaintzl-Schön

Zum Inhalt:
Außergewöhnliches zur Adventszeit mit dem Tanztheater „Très Orange” des Ensemble Theater am Markt…

ovb 6.12.2006, von Margrit Jacobi

Kirschblüten zum Adventsbeginn

pxhere.com-von-An-Min-kirschblueten-Lizenz_CC0Kirschblütenhügel” heißt das Stück des Tanztheaters „Très oran­ge”, das Monika Hagitte, Karin Kaintzl-Schön und Alexandra Geyer, die für die erkrank­te Katja Pütz ein­ge­sprun­gen war, zwei­mal im Rosenheimer Theater am Markt-Ost auf­führ­ten. Kirschblüten zum Adventsbeginn mögen zwar unge­wöhn­lich sein, doch pass­ten die ver­schie­de­nen künst­le­ri­schen Ausdrucksmittel sehr gut in die vor­weih­nacht­li­che Zeit, die ja auch „die besinn­li­che Zeit” genannt wird. In Schwarz geklei­det bewe­gen sich die drei Frauen lang­sam über die dunk­le Bühne, hell wie ein fer­ner Horizont leuch­tet das Band der Frontseite, weiß schim­mern die unzäh­li­gen Kirschblüten, geformt aus Papier, auf dem Boden.

Wunderbar unter­schied­lich sind die­se „Très oran­ges”. Eine sehr schlank und zugleich mus­ku­lös, die ande­re wei­cher in ihren Formen und schließ­lich die drit­te mit üppig weib­li­chen Rundungen sind sie zusam­men anschau­li­che Beweise viel­fäl­ti­ger Schönheit der Frauen. Sie wer­fen Kusshändchen ins Publikum und spit­zen ero­tisch den Mund, wan­dern Arm in Arm unterm grü­nen Dach des Schirms. Dazu schreibt eine von ihnen mit Kreide an eine Tafel über das Liebesgebaren des Pfaus, der Taube, des Skorpions und des Käfers. Westliche und öst­li­che Poesie schlägt eine Brücke zwi­schen den Kulturen, wenn bild­rei­che Lyrik von Ingeborg Bachmann und drei japa­ni­sche Haikus gespro­chen und manch­mal gesun­gen wer­den, beglei­tet von Klavierspiel, das stim­mig die musi­ka­li­schen Akzente setzt.

Die Besteigung des Kirschblütenhügels bin­det pan­to­mi­mi­sche, tän­ze­ri­sche Elemente ein, berührt in ihrer Melancholie, erfreut mit Dynamik und Lebenslust, zeigt Liebe, Schmerz, Trennung, Erfüllung, Einsamkeit oder zärt­li­che Berührung auf. Schön sind die Bilder, die dabei ent­ste­hen, die Blüten des Kirschbaums wer­den mit vol­len Händen empor gewor­fen, sie fal­len wie Blütenregen, sind wei­che Unterlage, sie stie­ben aus­ein­an­der beim wil­den Tanz der schnel­len Füße.

Erklär mir die Liebe” heißt eines der Gedichte von Ingeborg Bachmann und ein Haiku von Rotsu sagt: „Kirschblütenhügel – der Stein, auf dem ich schla­fen wer­de, wird weich sein.” Sehr berüh­rend und ein­fühl­sam haben „très oran­ge” in Spiel, Tanz, Malerei und Musik ihr Publikum erfreut, scha­de dass nicht mehr Zuschauer gekom­men waren.

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