Kon­zept von Hel­mut Huber

Regie: Hel­mut Huber, Klaus Schö­berl

Was ver­bin­den wir mit dem Satz „Es war ein­mal“?  Mär­chen? Mär­chen­haf­tes? Geträum­tes?

"Die Sieben Schwaben" mit Wolfdietrich Fehler
„Die Sie­ben Schwa­ben“ mit Wolf­diet­rich Feh­ler

Mär­chen und ande­re Tex­te, die gefühlt mit dem Satz „Es war ein­mal“ ein­ge­lei­tet wer­den, sind das zen­tra­le The­ma die­ses Abends. Sie wer­den nicht vor­ge­le­sen, son­dern vor­ge­spielt, mit Witz und Ernst, zum Lachen und zum Nach­den­ken. Immer nur ein Schau­spie­ler stellt die Geschich­te vor, und er – oder sie – schlüpft mit Lust in alle Rol­len der Erzäh­lung.

Der Schwer­punkt liegt auf den Mär­chen der Gebrü­der Grimm. Die­se uralten, teil­wei­se bis ins Mit­tel­al­ter und die Anti­ke hin­ab­rei­chen­den Geschich­ten wer­den auf der Thea­ter­büh­ne zum Leben erweckt.

So ent­steht ein abwechs­lungs­rei­cher Abend für Zuschau­er von 9 bis 99 Jah­ren, die bereit sind, sich mit­neh­men zu las­sen in eine Welt, in der die Begrif­fe Gut und Böse noch klar geschie­den sind.

OVB 06.03.2012, Kri­tik
(Ori­gi­nal sie­he: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/gute-belohnt-wird-1694196.html)

STIM­MUNGS­VOL­LE „MÄR­CHEN­STUN­DE“ FÜR ERWACH­SE­NE IM ROSEN­HEI­MER TAM OST

Wo das Gute belohnt wird

„Es war ein­mal...“ So begin­nen vie­le Mär­chen, und sie füh­ren uns in eine Welt des Zau­bers und der Sym­bo­lik, wo das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Mär­chen fas­zi­nie­ren nicht nur Kin­der, und so erwähl­te sich der Regis­seur Hel­mut Huber aus der Samm­lung der Gebrü­der Grimm und aus Tex­ten von Hein­rich Hei­ne, Kurt Tuchol­sky, Chris­ti­an Mor­gen­stern, Josef von Eichen­dorff, Gott­fried Benn und einer Fabel von Aesop Stoff für eine leben­di­ge Auf­füh­rung auf der Büh­ne des Thea­ters am Markt mit Schau­spie­lern aus dem Ensem­ble. Dabei konn­ten die Besu­cher stau­nen, lachen und sich auch ein biss­chen gru­seln. Die Erwach­se­nen durf­ten zugleich den psy­cho­lo­gi­schen Hin­ter­grund der Aus­sa­gen erspü­ren, ob die­se nun amü­sant, skur­ril, spöt­tisch oder lehr­reich waren.

„What a dif­frence a day makes“ sang zu Beginn Dina Washing­ton vom Band und die fünf Schau­spie­ler, zu denen auch der Regis­seur gehört, kamen lachend auf die Büh­ne. Wäh­rend sie ent­spannt vor einem satt roten Samt­vor­hang auf dem Boden lager­ten, sprach Danie­la May­er den Pro­log aus dem „Deca­me­ro­ne“ von Gio­van­ni Boc­cac­cio. An die­sem küh­len Platz, riet sie den Freun­den, soll­ten sie der Hit­ze ent­flie­hen und den Tag mit dem Dar­stel­len von Geschich­ten, die ihnen beson­ders gefie­len, ver­brin­gen. Sie selbst begann mit der Erzäh­lung vom „gol­de­nen Schlüs­sel“ und flocht bered­tes Mie­nen­spiel und unter­strei­chen­de Ges­tik in ihren Vor­trag, den sie raf­fi­niert unter­brach, um die Zuschau­er auf spä­te­re Fort­set­zung zu ver­trös­ten.

Gerd Mei­ser fand in sei­ner Rol­le anfangs nur zöger­lich Gefal­len, stieg dann aber voll Ver­gnü­gen ins Mit­spie­len ein. Tuchol­skys Ein­las­sung hob sei­ne Lau­ne merk­lich und spä­ter beim „Frosch­kö­nig“ lis­pel­te er gar köst­lich als grü­ner Was­ser­pant­scher.

Wol­fi Feh­ler wie­der­um gab ein hin­rei­ßen­des Schau­spiel der „sie­ben Schwa­ben“, die aus­zie­hen um Aben­teu­er zu erle­ben. Er klam­mer­te sich zögernd und zau­dernd an den lan­gen Spieß, an dem auch sei­ne Kame­ra­den hin­gen, schwä­bel­te authen­tisch und war sowohl zit­tern­der Angst­ha­se, wie ech­ter Müm­mel­mann.

"Die Bremer Stadtmusikanten" mit Theresia Schelle
„Die Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten“ mit The­re­sia Schel­le

In Hei­nes Mär­chen vom alten König über­zeug­te The­re­sia Schel­le als mecha­ni­sche Pup­pe, und mit beson­de­rem Ver­gnü­gen erleb­te man sie in der Viel­fäl­tig­keit ihres Spiels, in Bewe­gung und Spra­che bei der Geschich­te der „Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten“. Sie amü­sier­te als stot­tern­der Esel, knur­ren­der Hund, schrill krä­hen­der Hahn, maun­zen­de Kat­ze und war in der ide­en­rei­chen und wit­zi­gen Regie Hel­mut Hubers ein Räu­ber, der sei­ner Furcht in brei­tem Bai­risch Aus­druck ver­lieh.

Dass Mär­chen rich­tig gru­se­lig sein kön­nen, führ­te Hel­mut Huber über­aus packend in sei­ner Dar­stel­lung vom „Gevat­ter Tod“ vor und auch der Zei­ge­fin­ger in der Geschich­te fehl­te nicht: „Wehe man hält nicht, was man ver­spro­chen hat !“ Sei­ne Dar­bie­tun­gen, zu denen auch Gedich­te von Gott­fried Benn und Josef von Eichen­dorff gehö­ren, hat Klaus Schö­berl als Co-Regis­seur insze­niert. Den pas­sen­den Sound zu Chris­ti­an Mor­gen­sterns skur­ri­lem Gedicht vom „Lat­ten­zaun“ und Benns „Klei­ne Asta“ gab die Musik der Red Hot Chi­li Pep­pers.

Danie­la May­er deck­te in tem­pe­ra­ment­vol­lem Spiel der Ges­ten und der Laut­ma­le­rei die Weis­heit in der Fabel Aesops vom Raben und dem Fuchs auf.

Das Ende ver­ein­te alle Dar­stel­ler noch ein­mal zum fröh­li­chen Bei­sam­men­sein und Danie­la May­er ver­ab­schie­de­te ihre Freun­de und das Publi­kum beim Epi­log. Hat sich Dorn­rös­chen und Schnee­witt­chen noch in einer Ecke ver­steckt? Viel­leicht ...und wenn sie nicht gestor­ben sind, dann leben sie noch heu­te! Lang­an­hal­ten­der und herz­li­cher Bei­fall bedank­te den Regis­seur und sei­ne Schau­spie­ler für die stim­mungs­vol­le Mär­chen­stun­de, die in eine Zeit führ­te, in der das Wün­schen noch gehol­fen hat. Der Zau­ber die­ses Abends aber wird noch lan­ge nach­wir­ken.

2012 - Plakat - ES WAR EINMAL, Modell: Gerd Meiser, Bild: unb.
2012 - Pla­kat - ES WAR EIN­MAL, Modell: Gerd Mei­ser, Bild: unb.

PRE­MIE­RE:  Sa 03. März 2012

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 09/10 März
Fr/Sa 16/17 März
So 18 März
Fr/Sa 23/24 März
Fr/Sa 30/31 März

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Hel­mut Huber, Klaus Schö­berl
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Ensem­ble
Kos­tüm:Ensem­ble
Pla­kat:Hel­mut Huber, Gerd Mei­ser
 Schau­spie­ler 
Danie­la May­er 
The­re­sia Schel­le 
Wolf­diet­rich Feh­ler 
Hel­mut Huber 
Gerd Mei­ser 

Schlag­wor­te zum Stück