Komö­die von Woo­dy Allen

Regie: Ste­fan Hanus

Die Jubi­lä­ums-Spiel­sai­son zu sei­nem 25-jäh­ri­gen Bestehen beginnt der Thea­ter am Markt e.V. mit einer Welt­erfolgs­ko­mö­die von Woo­dy Allen.

MittsommernachtsSexKommödie
Clau­dia Loy und Gerd Mei­ser

Eine Mitt­som­mer­nacht, ein Land­haus in der Nähe New Yorks, am Wald, am Bach: drei Paa­re, die eigent­lich nur an Sex den­ken, wol­len ein geruh­sa­mes Wochen­en­de mit­ein­an­der ver­brin­gen. Aber in einer Komö­die von Woo­dy Allen kommt es natür­lich anders.

Andrew ist mit Adri­an ver­hei­ra­tet, liebt aber auch Ari­el. Adri­an liebt Andrew, hat aber schon Max­well in einer ande­ren Mitt­som­mer­nacht geliebt. Max­well kommt mit Dul­cy, er ver­liebt sich in Ari­el, sie sieht Leo­pold. Der wird Ari­el hei­ra­ten und sieht Dul­cy.

Susanne Braune und Herbert Prechtl
Susan­ne Brau­ne und Her­bert Prechtl

Ari­el hat Andrew in einer noch ande­ren Mitt­som­mer­nacht geliebt, und nun? Alle sind ver­knallt und durch­ge­knallt und ver­ir­ren sich in die­sem Bäum­chen-wechs­le-dich-Spiel, in die­sem Sex-Rei­gen mit Kreuz­schrit­ten und gefähr­li­chen Sal­tos. Auf der siche­ren Sei­te ist nur der Zuschau­er – er hat Spaß pur.

Unter der Regie von Ste­fan Hanus zei­gen Susan­ne Brau­ne, Lil­li Fischer, Clau­dia Loy, Gerd Mei­ser, Her­bert Prechtl und Klaus Schö­berl an sechs mensch­li­chen Fall­bei­spie­len, war­um zwei Men­schen ein Paar wer­den – oder es viel­leicht auch blei­ben.

Im Grun­de geht es - und ging es immer nur - um Sex. Ver­gan­ge­ne Affä­ren, ernüch­tern­de Lie­bes­ak­te, magi­sche Phä­no­me­ne, neue sexu­el­le Rei­ze und die mys­tisch-ero­ti­sche Atmo­sphä­re des Ortes brin­gen bis dahin geord­ne­te Ver­hält­nis­se gewal­tig ins Wan­ken.

Woody Allen Cannes 2015 - BIld: Georges Biard
Woo­dy Allen Can­nes 2015 - BIld: Geor­ges Biard

Der New Yor­ker Komi­ker, Autor, Schau­spie­ler und begeis­ter­te Jazz­mu­si­ker Woo­dy Allen, Jahr­gang 1935, gilt als einer der bedeu­tends­ten Regis­seu­re unse­rer Zeit. Ein­und­zwan­zig Mal wur­de er für den Oscar nomi­niert, drei­mal erhielt er ihn. Allen schuf über 50 Fil­me, auch als Dreh­buch­schrei­ber, und dane­ben unzäh­li­ge Erzäh­lun­gen, Thea­ter­stü­cke und Kolum­nen.

Bei „A Midsummernight’s Sex Come­dy“ zeigt er sich 1982 von Shake­speares „Ein Som­mer­nachts­traum“ und des­sen amou­rö­sen Ver­wick­lun­gen beein­flusst. Aber Allen hat sei­ne Komö­die sehr frei nach Shake­speare mit wun­der­bar komi­schen Dia­lo­gen geschrie­ben und zeich­net lie­be­voll-iro­nisch ein Bild jener, die lie­ben wol­len, es aber nicht immer kön­nen.

OVB vom 22.09.2009, Kri­tik Mar­grit Jaco­bi

Sex löst die Span­nung

Sex löst die Span­nung - Lie­be ver­ur­sacht sie“ sagt Andrew (Klaus Schö­berl) in Woo­dy Allens „Mitt­som­mer­nachts-Sex-Komö­die“ und das ist nur eine von vie­len herr­li­chen Kom­men­ta­ren dar­aus.

MittsommernachtsSexKommödie
Eine Ehe­frau kommt in Fahrt: Klaus Schö­berl als Andrew und Lil­li Fischer als sei­ne Gat­tin Adri­an. Foto Jaco­bi

In der Insze­nie­rung von Ste­fan Hanus star­te­te das Thea­ter am Markt mit die­sem Stück sei­ne Jubi­lä­ums-Spiel­sai­son zu sei­nem 25-jäh­ri­gen Bestehen.
Frei­lich hat sich Allen an Shake­speares „Som­mer­nachts­traum“ ori­en­tiert und der Geschich­te dann sei­nen unver­wech­sel­ba­ren Stem­pel auf­ge­drückt. Die Paa­re wech­seln ihre Zusam­men­ge­hö­rig­keit wie in Arthur Schnitz­lers „Rei­gen“, oder Ing­mar Berg­manns „Das Lächeln einer Som­mer­nacht“. Die The­ma­tik des Part­ner­tau­sches ist zeit­los aktu­ell.

Optisch bestechend und raf­fi­niert in der Ver­än­de­rung durch ein die Büh­ne aus­klei­den­des Tuch, oder eine vor­ge­zo­ge­ne bemal­te Stoff­wand, schuf Bern­hard Bindl das Büh­nen­bild. Hübsch stram­peln gleich zu Beginn zwei rot besock­te Män­ner­bei­ne in der Luft. Wird der gan­ze Kerl sicht­bar mit Flie­ger­müt­ze, ham­peln­dem Ges­tus und aus­ge­präg­ter Mimik, ist Woo­dy Allens Alter ego in der Figur des Andrew durch Klaus Schö­berl von Anfang an köst­lich gelun­gen. Da sitzt jede Poin­te, der Rhyth­mus von Spra­che und Bewe­gung. Schö­berl schlüpft in die Rol­le wie in eine zwei­te Haut, in der er sich pudel­wohl fühlt.

Ist Lil­li Fischer bis zur Pau­se in ihrer Rol­le als zicki­ge Ehe­frau Adri­an ein­ge­bun­den in Ver­klemmt­heit, so darf sie nach­her als beschwipst Ent­hemm­te rich­tig auf­dre­hen. Um Sex geht es vor allem in der Komö­die und genau den ent­behrt Andrew seit gerau­mer Zeit schmerz­lich. So steckt er sei­ne auf­ge­stau­te Ener­gie in eigen­wil­li­ge Erfin­dun­gen wie zum Bei­spiel einen Grä­ten­ent­fer­nungs­ap­pa­rat.

Wenn die Gäs­te der Ehe­leu­te zu einem Wochen­en­de auf dem Land ein­tru­deln, lädt sich die Luft bald „hor­mo­nell“ auf. Viel dazu trägt augen­blick­lich Andrews alter Kum­pel Max­well bei. Mit Kreis­sä­ge und schick in Weiß geklei­det gibt Gerd Mei­ser hin­rei­ßend den Drauf­gän­ger und Schür­zen­jä­ger, den schließ­lich noch die Lie­be ereilt, in allen Facet­ten der Emo­tio­nen mit unwi­der­steh­li­cher Komik.

Der Arzt hat sich die frei­zü­gi­ge Kran­ken­schwes­ter Dul­cy mit­ge­bracht. Clau­dia Loy spielt sie herz­er­fri­schend locker als ein ech­tes Natur­kind.

Adri­ans Cou­sin, der Phi­lo­so­phie- und Kunst­pro­fes­sor Leo­pold kom­plet­tiert mit sei­ner zukünf­ti­gen Gat­tin Ari­el das „Sex­tett“. Sicht­lich genießt Her­bert Prechtl die Rol­le des arro­gan­ten und schein­mo­ra­li­schen Bes­ser­wis­sers, der letzt­end­lich das trieb­haf­te Tier in sich ent­deckt.

Ele­gant, ero­tisch, flir­tend, char­mant, ver­wirrt und wun­der­schön, all das ist Susan­ne Brau­ne als bezau­bern­de Ari­el. Kein Wun­der, dass der frus­trier­te Andrew sei­ne ein­mal ver­pass­te Chan­ce bei ihr, sei­ner Jugend­lie­be nach­ho­len und Max­well, der ambi­tio­nier­te Vogel­kund­ler, sich die­sen Schmet­ter­ling ein­fan­gen will.

Gespickt mit amü­san­ten Gags ser­viert Regis­seur Ste­fan Hanus mit sei­nen famo­sen Schau­spie­lern die­se Mitt­som­mer­nachts-Sex­ko­mö­die tem­po­reich, schwung­voll und sprit­zig. Nicht zuletzt bie­tet schließ­lich auch Woo­dy Allens köst­lich geist­rei­ches Text­ma­te­ri­al die ent­spre­chen­de Basis für einen über­aus gelun­ge­nen und sehr erhei­tern­den Thea­ter­abend. Waren es die wun­der­sa­men Pil­ze, oder die schwüls­ti­ge Atmo­sphä­re der Som­mer­nacht, die den Pro­fes­sor zum wild gewor­de­nen Eber wan­del­ten und Her­bert Prechtl in die­ser Rol­le dem „Affen Zucker geben“ lie­ßen?

Kön­nen Män­ner Sex immer bes­ser von der Lie­be tren­nen, als Frau­en? Ist es sinn­voll, eine ver­pass­te Chan­ce nach­zu­ho­len? Hin­ge­hen, selbst her­aus­fin­den und viel Spaß dabei haben, lau­tet die Emp­feh­lung. Das Pre­mie­ren­pu­bli­kum jeden­falls fei­er­te den Regis­seur und sei­ne Dar­stel­ler mit rie­si­gem Applaus.


Echo Rosen­heim, Kri­tik Mar­grit Jaco­bi

Höchst amü­sant und tem­po­reich insze­niert

MittsommernachtsSexKommödie
Lil­li Fischer; Gerd Mei­ser; Clau­dia Loy; Klaus Schö­berl;

Schon lan­ge hab ich nicht mehr soviel Spaß gehabt“ kom­men­tier­te ein Besu­cher am Ende die Pre­miè­re der „Mitt­som­mer­nachts-Sex-Komö­die“ von Woo­dy Allen im Thea­ter am Markt.

Mit die­ser Insze­nie­rung von Ste­fan Hanus star­te­te das Thea­ter sprit­zig und wit­zig sei­ne Jubi­lä­ums­spiel­sai­son zum 25-jäh­ri­gen Bestehen.

Das „Sex­tett“ drei­er Paa­re musi­ziert dabei hor­mo­nell gesteu­ert weni­ger har­mo­nisch als dyna­misch impro­vi­sie­rend und die ver­schie­de­nen Töne sind über­aus indi­vi­du­ell in der mit Stoff­bah­nen kunst­voll gestal­te­ten Kulis­se.

Regis­seur Ste­fan Hanus erzählt im Büh­nen­bild von Bern­hard Bindl mit sei­nen alle­samt aus­ge­zeich­ne­ten Dar­stel­lern eine Geschich­te, der Shake­speares Som­mer­nachts­traum zwar zu Grun­de liegt, die Woo­dy Allen aber geni­al schräg mit sei­nem Geist und Witz umsetz­te. Sex ist die Antriebs­fe­der im Ver­hal­ten der ein­zel­nen Figu­ren, was der eine oder ande­re erst im Lau­fe des Gesche­hens ganz zu erken­nen gibt.

Wenn das Ehe­ge­spann Andrew und Adri­an zwei Paa­re am Wochen­en­de zur Mitt­som­mer­nacht in sein Land­haus am Wald ein­lädt, hat das für alle unge­ahn­te Fol­gen. Ban­ker und Hob­by­er­fin­der Andrew lei­det an sexu­el­lem Frust, ver­ur­sacht durch die abso­lu­te Ver­klemmt­heit sei­ner Gat­tin auf lust­be­ton­tem Gebiet.

Mit wie viel schau­spie­le­ri­scher Fines­se und Ver­gnü­gen am Spiel Klaus Schö­berl die gan­ze Band­brei­te die­ser Woo­dy Allen Figur umsetzt, ist Genuss pur für den Zuschau­er! Ihre Rol­le als zickig ver­spann­te Ehe­frau gibt Lil­li Fischer kaum gro­ße Varia­tio­nen, doch spä­ter, als ange­schwips­te Adri­an, kommt sie noch bes­tens zum Zug.

Andrews alter Kum­pel, der Arzt Max­well kann sei­ne sexu­el­len Gelüs­te dafür umso locke­rer aus­le­ben. Pas­sen­de Beglei­tung ist ihm die frei­zü­gi­ge Kran­ken­schwes­ter Dul­cy. Gerd Mei­ser ist auch optisch unwi­der­steh­lich mit Kreis­sä­ge und in som­mer­li­ches Weiß geklei­det. Wie er mit wech­sel­vol­lem Mie­nen­spiel, sei­nen Emo­tio­nen Aus­druck ver­leiht muss man ein­fach gese­hen haben! Clau­dia Loy als Dul­cy ist von erfri­schen­der Natür­lich­keit, ein ech­ter Schatz.

Die schö­ne Ari­el kom­plet­tiert mit ihrem Ver­lob­ten, dem älte­ren Phi­lo­so­phie- und Kunst­pro­fes­sor Leo­pold, den Rei­gen der Paa­re, von denen sich kei­nes immun gegen­über neu­en Spiel­ge­fähr­ten zeigt. Susan­ne Brau­ne begeis­tert in ele­gan­ter Erschei­nung und wun­der­bar aus­druck­star­kem Agie­ren. Her­bert Prechtl erweist sich bei der erstaun­li­chen Ver­wand­lung vom mora­li­sie­ren­den Klug­schei­ßer zum ent­hemm­ten Sex­lüst­ling als Komö­di­ant mit gro­ßer Freu­de am Kla­mauk.

Gespickt mit herr­li­chen Gags, ser­viert Regis­seur Ste­fan Hanus die­ses Stück mit sei­nen fabel­haf­ten Schau­spie­lern tem­po­reich und höchst amü­sant mit dem rich­ti­gen Gefühl für den Rhyth­mus im Spiel­fluss. Nach reich­lich Sze­nen­ap­plaus gab es am Ende Jubel und gro­ßen Bei­fall für alle Künst­ler. Ver­gnü­gen wird garan­tiert in die­ser Komö­die!

Mar­grit Jaco­bi

2009 - Plakat - EINE MITTSOMMERNACHTS-SEX-KOMÖDIE, Bild: Alexander Schoenhoff
2009 - Pla­kat - EINE MITT­SOM­MER­NACHTS-SEX-KOMÖ­DIE, Bild: Alex­an­der Schoen­hoff

PRE­MIE­RE:  Sa 19. Sep­tem­ber 2009

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 25/26 Sep­tem­ber
Fr/Sa 02/03 Okto­ber
Fr/Sa 09/10 Okto­ber
So 11 Okto­ber
Fr/Sa 16/17 Okto­ber
Fr/Sa 23/24 Okto­ber
So 25 Okto­ber
Fr/Sa 30/31 Okto­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Ste­fan Hanus
Büh­ne:Bern­hard Bindl
Licht/Ton:Ensem­ble
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:unb.
Pla­kat:Alex­an­der Schoen­hoff
 Schau­spie­lerals
Susan­ne Brau­neAri­el
Lil­li FischerAdri­an
Clau­dia LoyDul­cy
Gerd Mei­serMax­well
Her­bert PrechtlLeo­pold
Klaus Schö­berlAndrew

Schlag­wor­te zum Stück