Komö­die von Fried­rich Dür­ren­matt

Regie: Gabrie­la Schmidt

Auch einer schreck­li­chen Welt ver­mag der gro­ße Autor Fried­rich Dür­ren­matt ihre Komik abzu­ge­win­nen.

Die Physiker - (lnr) Alexander Rathmacher, Daniel Burton, Oliver Heinke, Bild: Michael Hilscher
Die Phy­si­ker - (lnr) Alex­an­der Rath­ma­cher, Dani­el Bur­ton, Oli­ver Hein­ke, Bild: Micha­el Hil­scher

Das zeigt er mit Witz und Weis­heit in der Geschich­te vom Phy­si­ker Möbi­us, der die Welt vor den Kon­se­quen­zen sei­ner Ent­de­ckun­gen schüt­zen will. Des­halb zieht er sich in ein Irren­haus zurück, gibt sei­ne For­mel als Werk eines Irren aus und hält sie geheim.Zwei Mit­in­sas­sen, die sich Albert Ein­stein und Isaak New­ton nen­nen, sind so wenig irre wie Möbi­us, son­dern Geheim­agen­ten ver­fein­de­ter Mäch­te. Sie haben sich ins Irren­haus ein­wei­sen las­sen, um an Möbi­us’ “Welt­for­mel” zu kom­men.

Um ihre Geheim­nis­se zu hüten, grei­fen die drei Phy­si­ker zu so unkon­ven­tio­nel­len Metho­den, dass die Poli­zei ein­grei­fen muss.

Vor deren Ein­tref­fen ver­nich­tet Möbi­us sei­ne For­mel und über­zeugt auch sei­ne bei­den “Kol­le­gen”, ihr gefähr­li­ches Wis­sen zu ver­schwei­gen, um die Welt zu ret­ten.

Doch für die­sen Pakt ist es schon zu spät. Die Lei­te­rin des Sana­to­ri­ums hat längst Möbi­us’ Auf­zeich­nun­gen kopiert. Sie ist näm­lich die ein­zig wirk­lich Wahn­sin­ni­ge in die­sem Haus und glaubt tat­säch­lich, im Auf­trag König Salo­mos mit die­ser For­mel die Welt­herr­schaft an sich rei­ßen zu kön­nen.

OVB, 12.11.2014, © OVB/Jacobi

(Ori­gi­nal: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/schlimmste-wendung-4440851.html)

Die schlimms­te Wen­dung, die eine Geschich­te neh­men kann, ist die Wen­dung in die Komö­diebefand der Dra­ma­ti­ker und Schrift­stel­ler Fried­rich Dür­ren­matt.
Sei­ner Mei­nung nach kön­ne man sich über die Pro­ble­me der moder­nen Gesell­schaft nur noch lus­tig machen.

Da das Ster­ben zur Mas­sen­er­schei­nung gewor­den sei, wäre die Tra­gö­die nicht mehr inter­es­sant. Komisch sind dabei nicht die Dia­lo­ge, son­dern die gro­tes­ke Situa­ti­on.

Die Physiker - Einstein, Möbius und Newton (lnr: Oliver Heinke, Daniel Burton, Alexander Rathmacher)
Die Phy­si­ker - Ein­stein, Möbi­us und New­ton (lnr: Oli­ver Hein­ke, Dani­el Bur­ton, Alex­an­der Rath­ma­cher)

Ange­sicht des Kal­ten Krie­ges schrieb der Schwei­zer Schrift­stel­ler sein Werk „Die Phy­si­ker“, das 1962 unter der Regie von Kurt Hor­witz im Schau­spiel­haus Zürich mit gro­ßen Erfolg urauf­ge­führt wur­de. Es zählt seit­dem zu den meist­ge­spiel­ten Thea­ter­stü­cken im deut­schen Sprach­raum. In der gro­tes­ken Komö­die beschäf­tigt sich Dür­ren­matt mit der Fra­ge, ob die For­schung sich inner­halb des Mach­ba­ren Gren­zen set­zen müs­se oder nicht. Vor allem geht es um die Ver­ant­wor­tung der Wis­sen­schaft­ler und um den mög­li­chen Miss­brauch ihrer Erkennt­nis­se.

Gabrie­la Schmidt hat das Stück, das in sich Gro­tes­ke, Komö­die und Dra­ma ver­eint, im TAM OST in Rosen­heim gelun­gen insze­niert. Alle Dar­stel­ler ani­mier­te sie zu leben­di­gem und empa­thi­schem Spiel.

Ort des Gesche­hens ist eine Irren­an­stalt. Rote Mar­kie­run­gen auf dem Boden wei­sen auf Ver­bre­chen hin. Alle Per­so­nen im Spiel ver­mei­den die Berüh­rung der roten Lini­en, als lägen hier noch die tat­säch­li­chen Opfer. Kri­mi­nal­in­spek­tor Voss (Robert Rei­chert) ermit­telt bereits im zwei­ten Fall, und Ober­schwes­ter Mar­ta Boll (Simo­ne Gra­now­ski-Hein­ke) die hier ein stren­ges Regi­ment führt, kor­ri­giert ihn stets, wenn er von Mor­den spricht, sind doch die Täter ver­meint­lich krank. Pati­ent Beut­ler, der sich für den Phy­si­ker New­ton hält (Alex­an­der Rath­ma­cher) und nun Eiseler (Oli­ver Hein­ke), der glaubt Ein­stein zu sein, haben ihre Kran­ken­schwes­tern erdros­selt. Fräu­lein Dok­tor Mat­hil­de von Zahnd (Katha­ri­na Reu­ter), Besit­ze­rin und Chef­ärz­tin der Kli­nik, mut­maßt, dass wohl Radio­ak­ti­vi­tät die Gehir­ne der bei­den Kern­phy­si­ker ver­ne­belt habe. Katha­ri­na Reu­ter gibt ihr die ent­spre­chen­de Aus­strah­lung von Auto­ri­tät und Macht, wirkt aber auf­grund ihrer jun­gen Jah­re trotz gro­tes­ker Trip­pel­schrit­ten in ihren roten Lack­pumps und mit gebeug­tem Gang nicht unbe­dingt als die alte Jung­fer, die von Zahnd nun ein­mal ist. Robo­ter­haft sind meist die Bewe­gun­gen die­ser Per­son, die ihren wah­ren Cha­rak­ter erst am Ende der Geschich­te offen­bart. Alex­an­der Rath­ma­cher spielt New­ton in bri­ti­scher Zurück­hal­tung. Über­zeu­gend agiert Oli­ver Hein­ke als Pro­fes­sor Ein­stein, gleicht er doch dem genia­len Phy­si­ker in sei­nem Habi­tus ganz beson­ders.

Der drit­te Insas­se, Johann Wil­helm Möbi­us (Dani­el Bur­ton), der die ein­heit­li­che Feld­theo­rie als Welt­for­mel ent­wi­ckelt hat, ließ sich in die Irren­an­stalt ein­wei­sen, da er um die fata­len Fol­gen sei­ner Erfin­dung für die Mensch­heit weiß. Um als Ver­rück­ter glaub­wür­dig zu erschei­nen, behaup­tet er, dass im König Salo­mo erschei­ne und zu ihm sprä­che. Als ihn nun nach 15 Jah­ren sei­ne Exfrau Lina (Janet­te Kreu­zeder) mit den gemein­sa­men Kin­dern und ihrem neu­en Mann, Mis­sio­nar Rose, auf­sucht um Abschied zu neh­men, gestal­tet sich die­ser Auf­tritt zu einer kari­ka­tu­ris­tisch über­zeich­ne­ten Sze­ne. Jea­net­te Kreu­zeder gibt die­se fröm­melnd, schein­bar selbst­lo­se Per­son, die sich für ande­re auf­op­fern will, in gewoll­ter Über­trei­bung der Lächer­lich­keit preis. Beim ener­vie­ren­den Block­flö­ten­spiel von Möbi­us Söh­nen stei­gert sich die­ser wäh­rend dem Auf­sa­gen eines Psalms von König Salo­mo in einen Tob­suchts­an­fall, um den Kon­takt zu sei­ner Fami­lie für immer abzu­bre­chen.

Mord nach Lie­bes­schwur

Möbi­us erdros­selt schließ­lich noch sei­ne Kran­ken­schwes­ter Moni­ka Sett­ler (Sarah Fisch­ba­cher mit der rich­ti­gen Mischung von Nai­vi­tät und Enthu­si­as­mus), nach­dem sie ihm ihre Lie­be gestan­den hat, um sei­ne Erfin­dung geheim hal­ten zu kön­nen.

Im zwei­ten Akt betreu­en und bewa­chen jetzt Pfle­ger, alle frü­he­re Box­kämp­fer, die drei Insas­sen, in schwar­zen Hem­den, Hosen und Sprin­ger­stie­feln. Von der Gro­tes­ke und der Komö­die wan­delt sich das Stück zum Dra­ma. New­ton und Ein­stein ent­hül­len gegen­sei­tig ihre wah­re Iden­ti­tät als Geheim­agen­ten. Bei­de soll­ten Möbi­us Manu­skrip­te für ihre Auf­trag­ge­ber beschaf­fen. Als sie ein­an­der nun mit Pis­to­len bedro­hen, sagt ihnen Möbi­us, dass er die­se Papie­re ver­brannt hat. Er über­zeugt auch sei­ne bei­den „Kol­le­gen“, ihr gefähr­li­ches Wis­sen zu ver­schwei­gen, um die Welt zu ret­ten.

Doch für die­sen Pakt ist es schon zu spät, hat doch die Lei­te­rin des Sana­to­ri­ums längst Möbi­us’ Auf­zeich­nun­gen kopiert, um die Welt­herr­schaft, die ihr König Salo­mo erteil­te, aus­zu­üben. Sie ist die ein­zi­ge Irre in dem Gesche­hen. Kata­ri­na Reu­ter belegt die­sen Wahn in furio­ser Ver­kör­pe­rung. Getreu Dür­ren­matts Dra­ma­tur­gie ist die Geschich­te dann zu Ende gedacht, wenn sie wie in die­sem Fall, die schlimmstmög­li­che Wen­dung genom­men hat.

Eine Galerie/Bilderstrecke aus den Pro­ben fin­den Sie in unse­rem Goog­le Foto­ar­chiv unter: https://goo.gl/photos/f9pXCsAKGxJP6CLf8 

2014 - Plakat - Die Physiker - lnr: Alexander Rathmacher, Daniel Burton, Oliver Heinke, Foto: Michael Hilscher, Bild: Alexander Schoenhoff
2014 - Pla­kat - Die Phy­si­ker - lnr: Alex­an­der Rath­ma­cher, Dani­el Bur­ton, Oli­ver Hein­ke, Foto: Micha­el Hil­scher, Bild: Alex­an­der Schoen­hoff

PRE­MIE­RE:  Sa 08. Novem­ber 2014

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 14/15 Novem­ber
So 16 Novem­ber
Fr/Sa 21/22 Novem­ber
Fr/Sa 28/29 Novem­ber
Fr 05 Dezem­ber
So 07 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Gabrie­la Schmidt
Assis­tenz:Moni­ka Hoch­muth
Büh­ne:Klaus Lüders/Ensemble
Licht/Ton:Gün­ther Stranz­in­ger
Kos­tüm:Alex­an­der Zinn
Foto­gra­fie:Micha­el Hil­scher, Albert Aschl
Pla­kat:Alex­an­der Schoen­hoff
 Schau­spie­lerals
Sarah Fisch­ba­cherSchwes­ter Moni­ka Stett­ler
Simo­ne Gra­now­ski-Hein­keOber­schwes­ter Mar­ta Boll
Janet­te Kreu­zederLina Rose (vorm. Möbi­us)
Katha­ri­na Reu­terDr. Mat­hil­de von Zahnd
Dani­el Bur­tonJohann Wil­helm Möbi­us
Chris­toph Cala­bekOskar Rose und als Pfle­ger
Josua Dreisch­holtMöbi­us drit­ter Sohn und als Pfle­ger
Oli­ver Hein­keEin­stein (Eis­ler)
Ste­fan HöhnMöbi­us ers­ter Sohn und Pfle­ger
Alex­an­der Rath­ma­cherNew­ton (Kil­ton)
Robert Rei­chertKom­mis­sar Voß und als Möbi­us zwei­ter Sohn

Schlag­wor­te zum Stück