DIE 12 GESCHWORENEN

Schauspiel von Reginald Rose
Dramatisiert von Horst Budjuhn

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2016 - Plakat - DIE 12 GESCHWORENEN

2016 – Plakat – DIE 12 GESCHWORENEN

Vorstellungstermine:
Samstag, 5. November 2016, 20 Uhr, Première
Freitag / Samstag, 11. / 12. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 18. / 19. November, 20 Uhr
Sonntag, 20. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 25. / 26. November, 20 Uhr
Freitag 2. Dezember, 20 Uhr
Sonntag, 4. Dezember, 17 Uhr

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie:: Susanne Braune,
Alexander Zinn
Assistenz: Hilke Meyer
Bühnenbild: Susanne Braune, Alexander Zinn, Rudolf Neudert 
Bühnenbau: Rudolf Neudert
Licht/Ton: Reinhardt Scheide
Kostüm: Alexander Zinn
Fotografie: Adrian Bacher „Brabantus Designs”
Plakat: Adrian „Brabantus” Bacher, Alexander Zinn, Alexander Schoenhoff
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Hans Anker Stimme des Richters
Rudolf Neudert Gerichtsdiener
Norman Henke Nr. 1, Obmann
Thomas Müller Nr. 2
Stefan Vincent Schmidt Nr. 3
Günter Hendrich Nr. 4
Florian Fuchs Nr. 5
Tobias Bauer Nr. 6
Alexander Schoenhoff Nr. 7
Klaus Schöberl Nr. 8
Helmut Meier Nr. 9
Tobias Huber Nr. 10
Heinz W. Warnemann Nr. 11
Josua Dreischhoff Nr. 12

Zum Inhalt:

"DIE 12 GESCHWORENEN" (lnr) "Nr. 2" Thomas Müller, "Nr. 3" Stefan Vincent Schmidt, "Nr. 8" Klaus Schöberl, "Nr. 7" Alexander Schoenhoff, "Nr.10" Tobias Huber, Bild: Adrian "Brabantus" Bacher

DIE 12 GESCHWORENEN”
(lnr) „Nr. 2” Thomas Müller, „Nr. 3” Stefan Vincent Schmidt, „Nr. 8” Klaus Schöberl, „Nr. 7” Alexander Schoenhoff, „Nr.10” Tobias Huber
Bild: Adrian „Brabantus” Bacher

Das Urteil muss ein­stim­mig sein, das zwölf Geschwore­ne nach sechs Verhandlungstagen in einem Mordpro­zess fäl­len müs­sen. Ein Schuldspruch wür­de für den neun­zehn­jäh­ri­gen ange­klag­ten Jungen den Tod bedeu­ten.

"DIE 12 GESCHWORENEN" (lnr) "Nr.10" Tobias Huber, "Nr. 8" Klaus Schöberl,  Bild: Adrian "Brabantus" Bacher

DIE 12 GESCHWORENEN”
(lnr) „Nr.10” Tobias Huber, „Nr. 8” Klaus Schöberl
Bild: Adrian „Brabantus” Bacher

Für die Geschworenen scheint sei­ne Schuld bewie­sen, doch in der ers­ten Abstimmung stimmt der Geschworene Nr. 8 für nicht schul­dig. Er hat einen „begrün­de­ten Zweifel“ und will nicht leicht­fer­tig ein Menschenleben opfern. Einige Geschworene hin­ge­gen wol­len die Beratung mit einem schnel­len Schuldspruch rasch been­den.

Gegen ihren Protest rekon­stru­iert der Geschworene Nr. 8 im wei­te­ren Verlauf der Beratung den angeb­li­chen Tathergang. Er ent­deckt Ungereimt­heiten in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft und Nachlässigkeiten beim Pflichtverteidiger des Angeklag­ten.

DIE 12 GESCHWORENEN "Nr. 10, Nr. 3 und Nr. 5" (lnr) Tobias Huber, Stefan Vincent Schmid, Florian Fuchs Bild: Adrian Bacher

DIE 12 GESCHWORENEN” „Nr. 10, Nr. 3 und Nr. 5” (lnr) Tobias Huber, Stefan Vincent Schmid, Florian Fuchs
Bild: Adrian „Brabantus” Bacher

Es sind hit­zi­ge Auseinanderset­zungen, in denen belas­ten­de Zeu­genaussagen und wei­te­re Indizien infra­ge gestellt wer­den und die eige­nen mensch­li­chen Schwächen und Vorurteile der Geschworenen zu Tage tre­ten.

Langsam kippt das Votum von „schul­dig“ auf „nicht schul­dig“, aber kann auch der letz­te Geschworene die Fragwürdigkeit sei­ner eige­nen Motivation für den Schuldspruch erken­nen und damit den Freispruch des Angeklagten mög­lich machen?

 

Mehr Bilder fin­den Sie hier: https://goo.gl/photos/tKvvg6za3PYPyS277 

Update 10.12.2016: Hier folgt das nach­träg­li­che Feature von Radio Regenbogen vom 6.12.2016, 18 Uhr:
(Das Original fin­den Sie natür­lich hier: http://rr-online.de/news/eine-erforlgreiche-inszenierung,2053)

 

DIE 12 GESCHWORENEN – Kurzfilm des rfo 04.2016 (zum öff­nen ankli­cken)

ENSEMBLE TAM OST: Stab und Besetzung
Ensemble-Bilder: Adrian „Brabantus” Bacher
Bild von Adrian Bacher: Wolfgang „Woifi” Gschwendtner

© ovb, 8.11.2016, Margrit Jacobi

Ein Kammerspiel um die Gerechtigkeit

Bild: © ovb, 8.11.2016, von Margrit Jacobi

Bild: © ovb, 8.11.2016, von Margrit Jacobi

Ihr Urteil muss ein­stim­mig sein, und so zie­hen sich die zwölf Geschworenen nach einer sechs­tä­gi­gen Gerichtsverhandlung gegen einen 19-jäh­ri­gen Puertoricaner aus den Slums, der sei­nen Vater ermor­det haben soll, in das Geschworenenzimmer des Gerichts zur Beratung zurück.

So beginnt das Stück „DIE 12 GESCHWORENEN“, das der ame­ri­ka­ni­sche Autor Reginald Rose als Fernsehspiel geschrie­ben hat­te und 1954 aus­ge­strahlt wur­de. Er ver­fass­te auch das Drehbuch, als der Regisseur Sidney Lumet das Stück für den Film adap­tier­te. Der wur­de ein Kinoklassiker und mit zahl­rei­chen Preisen aus­ge­zeich­net.
Susanne Braune und Alexander Zinn insze­nier­ten jetzt das Stück für die Bühne des TAM OST in Rosenheim.

Zur Linken befin­det sich der gro­ße Tisch, an dem die Geschworenen sit­zen sol­len, mit­tig ist eine Schiefertafel, auf der immer wie­der das Abstimmungsergebnis geschrie­ben steht, rechts ist ein klei­nes Waschbecken ange­bracht. Es ist einer der hei­ßes­ten Tage die­ses New Yorker Sommers, bei dem ein gro­ßer Ventilator etwas Kühle brin­gen soll.

Als der Obmann Nr. 1 (Norman Henke) auf Bitten der Männer schon zu Beginn abstim­men lässt, votiert einer von ihnen auf „nicht schul­dig“ und scho­ckiert damit die ande­ren, für die die Schuld des Angeklagten ein­deu­tig bewie­sen scheint. Geschworener Nr. 8 (Klaus Schöberl) aber hat begrün­de­te Zweifel, über die er spre­chen will. Er wird die trost­lo­se Jugend des Angeklagten schil­dern, die Nachlässigkeiten des­sen Verteidigers auf­de­cken, Indizien und Zeugen infra­ge stel­len.

Wie die ein­zel­nen Geschworenen nicht zuletzt auf Grund ihrer Charaktere, ihrer Erfahrungen und auch Vorurteile reagie­ren, wird in einem dich­ten, über­aus packen­den Kammerspiel auf­ge­zeigt. Besonders Nr. 3 (Stefan Vincent Schmidt), ein auf­brau­sen­der Mann hetzt, stän­kert und ver­schließt sich jeder Argumentation von Nr. 8, der den Fall Punkt für Punkt durch­ge­hen will und dabei immer mehr Ungereimtheiten auf­deckt. Als ers­ter folgt Nr. 9 (Helmut Meier), ein älte­rer ruhi­ger Mann, sei­nen Ausführungen und stimmt nun für „Nicht schul­dig“. Durch schar­fe Beobachtungen einer Zeugin wäh­rend des Prozesses bringt er dazu ein ent­schei­den­des Detail zur Sprache.
Im Gegensatz zu Nr. 8, der mit klu­ger und über­zeu­gen­der Argumentation die ande­ren nach und nach dazu bringt ihre Sicht auf den Fall zu ändern, stei­gert sich Nr. 3 immer mehr in sei­nen Hasstiraden auf den Angeklagten und scheut auch vor Tätlichkeiten auf ande­re und beson­ders auf Nr. 8 nicht zurück. Hier pral­len zwei abso­lut ver­schie­de­ne Charaktere auf­ein­an­der und Klaus Schöberl und Stefan Vincent Schmidt bestechen in ihren Rollen auf beein­dru­cken­de Weise.

Hitzige Auseinandersetzung

In hit­zi­gen Auseinandersetzungen kippt im Stück die Stimmung. Immer wie­der zei­gen Abstimmungen, dass wei­te­re Geschworene an der Schuld des Angeklagten zwei­feln. Nr. 11 (Heinz W. Warnemann), ein Einwanderer aus Europa, schätzt das frei­es Justizsystem Amerikas und ermahnt die auf­ge­brach­ten Gemüter beson­nen zur Ruhe. Nr. 5 (Florian Fuchs), wie der Angeklagte in den New Yorker Slums groß gewor­den, weiß, wie man ein Messer beim Angriff führt und ent­las­tet so den Angeklagten. Nr. 7 (Alexander Schoenhoff) will ein Baseballspiel am Abend nicht ver­pas­sen und schnell zu einem Abstimmungsergebnis kom­men. Mit flot­ten Sprüchen igno­riert er lan­ge den Ernst der Entscheidungen. Nr. 10 (Tobias Huber) ist ein cho­le­ri­scher Rassist, der in sei­nen unbe­herrsch­ten Ausfällen bald alle mit Abscheu erfüllt. Nr. 2 (Thomas Müller) und Nr. 6 (Tobias Bauer) las­sen sich nach und nach von den Recherchen von Nr. 8 und Beobachtungen ande­rer über­zeu­gen. Auch Nr. 4 (Günter Hendrich), ein dis­zi­pli­nier­ter Börsenmakler, der ana­ly­tisch denkt, ändert schließ­lich sein Votum. Nr. 12 (Josua Dreischhoff), ein ober­fläch­li­cher Opportunist, ändert drei­mal sei­ne Meinung.

Doch am Ende bleibt Nr. 3 als Einziger unein­sich­tig. Für ihn ist der Angeklagte ein gebo­re­ner Verbrecher. Doch als er vom eska­lie­ren­den Streit mit sei­nem Sohn erzählt, wird klar, dass die­ser ihn tief ver­let­zen­de Konflikt ihn bei sei­nem Urteil fatal beein­fluss­te. Als gebro­che­ner Mann wird er schließ­lich als Letzter für „nicht schul­dig“ stim­men.

Susanne Braune und Alexander Zinn gelang in ihrer Inszenierung ein bis zur letz­ten Sekunde hoch span­nen­der Theaterabend, in dem alle Darsteller in ihrem Spiel von Beginn an über­zeug­ten. Klaus Schöberl bril­lier­te in der Rolle des Geschworenen Nr. 8, und Stefan Vincent Schmidt als aggres­si­ver, ver­bit­ter­ter Mann, war ihm kon­ge­nia­ler Gegenpart. Sie, wie ihre Mitspieler und die Regie beein­druck­ten nach­hal­tig, das Publikum fei­er­te sie zu Recht mit gro­ßem lang anhal­ten­dem Applaus.…

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