Komö­die von Micha­el Frayn

Regie: Jut­ta Schmidt

Es herrscht das reins­te Cha­os: Das Ensem­ble eines Tour­nee­thea­ters steht mit der Komö­die „Nack­te Tat­sa­chen“ am letz­ten Abend vor dem Tag der Pre­miè­re…

Der nackte Wahnsinn -
Der nack­te Wahn­sinn - „Sels­don, Dot­ty und Belinda“,(lnr) Her­bert Prechtl, Sil­via Hof­mann und Dag­mar Dei­sen­ber­ger, Bild: Chris Ares

Bei der lau­fen­den Gene­ral­pro­be lie­gen nicht nur beim Regis­seur die Ner­ven blank, denn rein gar nichts funk­tio­niert!

Die Schau­spie­ler ver­ste­hen das Stück nicht, sind text­un­si­cher, ver­pas­sen Auf- und Abgän­ge und auch der Umgang mit den Requi­si­ten erweist sich als unlös­ba­res Pro­blem,…

Wie soll die Trup­pe die Pre­miè­re da noch glimpf­lich meis­tern? Und selbst wenn sie es doch noch schafft, wie gehts dann wei­ter? Denn das Stück soll ja schließ­lich auf Tour­nee gehen…!?

„Dot­ty, Broo­ke und Garry“,(lnr) Sil­via Hof­mann, Mir­jam Ber­ta­gnol­li und Her­mann Hager, Bild: Chris Ares

Die Gene­ral­pro­be gerät also zum ech­ten Ner­ven­spiel. Und als wäre das nicht schon Auf­re­gung genug, men­schelt es auch hin­ter den Kulis­sen gewal­tig!

Die Erfolgs­ko­mö­die „Der nack­te Wahn­sinn”, im Ori­gi­nal „Noi­ses Off!” von Micha­el Frayn 1982 ver­öf­fent­licht, ist ein wahr­lich rasan­tes Stück Thea­ter­spaß für alle, die ger­ne lachen und ins­ge­heim immer schon mal „Mäus­chen” hin­ter der Büh­ne spie­len woll­ten.

„Der nack­te Wahn­sinn“, (lnr) „Belin­da, Fred­dy, Broo­ke, Gary und Dot­ty“ - Dag­mar Dei­sen­ber­ger, Tho­mas Ter­pet­sch­nig, Mir­jam Ber­ta­gnol­li, Her­mann Hager, Sil­via Hofmann,Bild: Albert Aschl, Bild: Albert Aschl

Die Idee hier­zu kam Frayn 1970, wäh­rend er hin­ter den Kulis­sen eine Thea­ter­pro­be beob­ach­te­te.

Es dau­er­te wohl nicht lan­ge, bis er ent­deckt hat­te, dass hin­ter der Büh­ne min­des­tens genau­so quir­li­ge, lus­ti­ge und dra­ma­ti­sche Din­ge pas­sie­ren wie auf der­sel­ben. Und das, so wird er sich gedacht haben, DAS muss das Publi­kum auch zu sehen bekom­men!

Wei­te­re Bil­der fin­den Sie hier: https://photos.app.goo.gl/ya2ZBsD491YUWGsH9

Alle Nut­zungs­rech­te vor­be­hal­ten, beach­ten Sie den ent­spre­chen­den Hin­weis im Album

© OVB, 8.11.2018, von Rai­ner Jan­ka

(Ori­gi­nal sie­he: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/immer-knallen-tueren-10537244.html)

ovb - Der nackte Wahnsinn, Bild: Rainer Janka, (lnr)Freddy, Gary, Brooke, Belinda und Dotty
ovb - Der nack­te Wahn­sinn, Bild: Rai­ner Jan­ka, (lnr)Freddy, Gary, Broo­ke, Belin­da und Dot­ty“ - Tho­mas Ter­pet­sch­nig, Her­mann Hager, Mir­jam Ber­ta­gnol­li, Dag­mar Dei­sen­ber­ger und Sil­via Hof­mann

Das vor­her­ge­hen­de Stück im Rosen­hei­mer TAM OST war eine klas­si­sche Komö­die vol­ler Fein­sinn, näm­lich „Amphi­try­on“ von Hein­rich von Kleist. Das jet­zi­ge Stück ist die reins­te Anar­chie. Der ers­te Akt spielt auf der Büh­ne und ist das begin­nen­de Cha­os, der zwei­te spielt hin­ter der Büh­ne und ist das trotz­dem funk­tio­nie­ren­de Cha­os, der drit­te spielt wie­der auf der Büh­ne und ist das pure Cha­os.

„Der nack­te Wahn­sinn“ von Micha­el Frayn ist ein wun­der­bar kon­stru­ier­tes, immer­tü­ren­knal­len­des Bou­le­vard­stück voll blü­hen­dem Unsinn, die sinn­freie Dekon­struk­ti­on einer Thea­ter­lo­gik, ein Stück im Stück oder bes­ser – ein Stück hin­ter dem Stück: Schau­spie­ler spie­len ein Stück, das sie nicht ver­ste­hen, des­sen Text sie noch nicht kön­nen und bei dem die „wirk­li­chen“ Lie­bes­kon­flik­te zwi­schen den Schau­spie­lern (der „Regis­seur“ hat Amou­ren gleich mit zwei Schau­spie­le­rin­nen gleich­zei­tig) das Funk­tio­nie­ren des gespiel­ten Stücks (fast) ver­hin­dern. Schau­spie­ler spie­len Schau­spie­ler, die mal schau­spie­lern und dann plötz­lich wie­der auf­hö­ren zu schau­spie­lern, auf der ers­ten Ebe­ne aber ja doch schau­spie­lern.

Es ist eine Non­sen­se-Begeg­nung der drit­ten Art: War­um tra­gen eini­ge Figu­ren des Stücks stän­dig eine Tasche und eine Schach­tel mit sich? Kei­ner weiß es, auch der „Regis­seur“ nicht. Eine außer­or­dent­lich wich­ti­ge Rol­le spielt ein Tel­ler mit Sar­di­nen, der mal ver­schwin­det, mal dop­pelt da ist und auf dem am Ende alle aus­rut­schen.

Vie­le Figu­ren ver­lie­ren die Hosen, sind in dem Haus, in dem sie eigent­lich nicht sein dürf­ten, und ver­schwin­den schnell durch eine der vie­len Türen, der Ein­bre­cher kommt immer zu spät und am Ende sogar drei­fach.

(lnr) "Selsdon, Poppy, Belinda, Dotty und Gary" - Herbert Prechtl, Monique Nägele, Dagmar Deisenberger, Silvia Hofmann und Hermann Hager, Bild: Albert Aschl
(lnr) „Sels­don, Pop­py, Belin­da, Dot­ty und Gary“ - Her­bert Prechtl, Moni­que Näge­le, Dag­mar Dei­sen­ber­ger, Sil­via Hof­mann und Her­mann Hager, Bild: Albert Aschl

Eigent­lich ist die Büh­ne des TAM OST viel zu klein für den Raum mit acht Türen samt Fens­ter. Aber die Büh­nen­bau­er Ste­phan Ber­ta­gnol­li und die Schrei­ner­boys haben das Unmög­li­che mög­lich gemacht und eine Büh­ne samt Fens­ter und Schrä­ge gebaut, die vor allem alles aus­hält und auch von hin­ten sta­bil ist, denn die Zuschau­er sit­zen ja im zwei­ten Akt hin­ter der Büh­ne. Die Regis­seu­rin Jut­ta Schmidt hat allen Schau­spie­lern gehö­rig Tem­po ein­ge­bläut, das im zwei­ten Akt kräf­tig Fahrt auf­nimmt und im drit­ten Akt im wahrs­ten Sin­ne hals­bre­che­risch wird. Auch das prä­zi­se Schnell­spre­chen gelingt (fast) allen.

Als in Sar­di­nen ver­lieb­tes Haus­mäd­chen schlurft und tor­kelt Sil­via Hof­mann über die Büh­ne, die Regie­as­sis­ten­tin Pop­py (Moni­que Näge­le) hat anfangs Schlaf­de­fi­zit, ret­tet aber immer die Auf­füh­run­gen, der Haus­be­sit­zer (per­fekt schnell­spre­chend: Tho­mas Ter­pet­sch­nig) hält immer sein Schnurr­bärt­chen und nervt den Regis­seur mit Ver­ständ­nis­fra­gen, ver­geb­lich sucht er ein Lie­bes-Plätz­chen mit sei­ner Frau (schnell und prä­zi­se: Dag­mar Dei­sen­ber­ger) eben­so wie der als Schau­spie­ler nicht stot­tern­de Gary (mit frän­kisch-schnel­lem Zun­gen­schlag: Her­man Hager) mit sei­ner immer die Augen­lin­sen ver­lie­ren­den Broo­ke (vir­tu­os wech­selnd zwi­schen Schau­spie­le­rin Broo­ke und „Schau­spie­le­rin Vicky“: Mir­jam Ber­ta­gnol­li). Her­bert Prechtl spielt, anfangs sto­isch, spä­ter inten­siv und genau, den dau­er­be­trun­ke­nen Sels­don, der als Ein­bre­cher immer zu spät ein­bricht, und Alex­an­der Schoe­n­hoff setzt als dau­er­ge­nerv­ter, immer kurz vor dem vul­ka­ni­schen Zorn­aus­bruch ste­hen­der Regis­seur mit schnei­den­der Dik­ti­on punkt­ge­nau sei­ne geziel­ten Belei­di­gun­gen.

Wich­ti­ger aber als die Sum­me der Ein­zel­leis­tun­gen ist, dass das gesam­te Ensem­ble gekonnt mit­ein­an­der spielt, dass die Cho­reo­gra­fie des Stür­zens, Türen­auf­ge­hens, Tür­klin­ken­ab­bre­chens, Sar­di­nen­tel­ler­ver­schwin­dens und Hosen­rut­schens funk­tio­niert und die tem­po­rei­chen Dia­lo­ge prä­zi­se wie ein Reiß­ver­schluss inein­an­der­grei­fen. Und wirk­lich klappt alles wie am Schnür­chen, alles ist ein Hei­den­spaß, schal­len­des Abla­chen ist garan­tiert, eben­so wie Amü­sie­ren auf höhe­rem Blöd­sinns-Niveau – das letz­te Wort haben die Sar­di­nen.

2018/2019 - Plakat - DER NACKTE WAHNSINN, Modell: Silvia Hofmann, Bild: Alexander Schoenhoff
2018/2019 - Pla­kat - DER NACK­TE WAHN­SINN, Modell: Sil­via Hof­mann, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff
Der nackte Wahnsinn - "Garry, Dotty und Frederick",(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig, Bild: Chris Ares
Der nack­te Wahn­sinn - „Gar­ry, Dot­ty und Frederick“,(lnr) Her­mann Hager, Sil­via Hof­mann und Tho­mas Ter­pet­sch­nig, Bild: Chris Ares
Bil­der im Goog­le Foto­ar­chiv

WIE­DER­AUF­NAH­ME 2019
Do/Fr 30/31 Mai
Sa 1 Juni
So 2 Juni

PRE­MIE­RE:  Sa 2. NOVem­ber 2018

WEI­TE­RE TER­MI­NE
So 4 Novem­ber
Do/Fr/Sa 8/9/10 Novem­ber
So 11 Novem­ber
Do/Fr/Sa 15/16/17 Novem­ber
So 18 Dezem­ber
Do/Fr/Sa 22/23/24 Novem­ber
So 25 Dezem­ber
Do/Fr 29/30 Novem­ber
Sa 1 Dezem­ber
So 2 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Donnerstags,Freitags
und Sams­tags 20 Uhr,

Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Jut­ta Schmidt
Assis­tenz:Janet­te Kreu­zeder
Büh­ne:Ste­phan Ber­ta­gnol­li und die Schrei­ner­boys
Licht/Ton:Lau­ra Thie­mann
Kos­tüm:Jut­ta Schmidt
Foto­gra­fie:Chris Ares, Albert Aschl
Plakat/ Pro­gramm:Alex­an­der Schoe­n­hoff
 Schau­spie­lerals
Mir­jam Ber­ta­gnol­li
Broo­ke Ashton und deren Rol­le als Vicky 
Dag­mar Dei­sen­ber­ger
Belin­da Blair und deren Rol­le als Fla­via Brent
Sil­via Hof­mann
Dot­ty Ott­ley und deren Rol­le als Mrs. Cla­ckett
Moni­que Näge­le
Pop­py Nor­ton-Tay­lor, die Regie­as­sis­ten­tin
Her­mann Hager
Gar­ry Lejeu­ne und des­sen Rol­le als Roger Trample­main
Her­bert Prechtl
Sels­don Mow­bray und des­sen Rol­le als „Der Ein­bre­cher”
Alex­an­der Schoe­n­hoff
Lloyd Dal­las, der Regis­seur
Tho­mas Ter­pet­sch­nig
Fre­de­rick Fel­lo­wes und des­sen Rol­le als Phil­ip Brent

Schlag­wor­te zum Stück