TANNÖD

Drama von Andrea Maria Schenkel
Bühnenfassung von Maya Fanke und Doris Happl

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2017 - Plakat - TANNÖD

2017 – Plakat – TANNÖD

Vorstellungstermine:
Samstag, 4. November 2017, 20 Uhr, PREMIERE 
Freitag / Samstag, 10. / 11. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 17. / 18. November, 20 Uhr
Sonntag, 19. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 24. / 25. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 01. / 02. Dezember, 20 Uhr

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie: Martin Schönacher
Assistenz: Janette Kreuzeder
Bühne: Ensemble
Licht: Gerhard Sellmair
Kostüm: Ensemble
Fotografie: Siegfried Schönacher, Albert Aschl
Plakat: Alexander Schoenhoff
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler/in als
Dagmar Deisenberger Barbara Spangler, Tochter der Danners
Dagmar Sterzer
, Bäuerin
Marianne Spangler
, Barbaras Tochter
Silvia Hofmann Theresia Danner, „Die alte Dannerin”, 
Babette Kirchmeier
, Beamtenwitwe
Marianne Keuschnig Maria Lichtl, Pfarrersköchin
Maria Malczan Maria „Marie” Meiler, Schwester von Traudl Krieger
Maria Sterzer
Marina Pagel Betty, Mariannes Freundin
Traudl Krieger
, Schwester von Magd Marie
Hansl Hauer
, Georg Hauers Sohn
Hermann Hager Hermann Danner, „Der alte Danner”,
Johann Sterzer
, Bauer
Hans-Georg Meißner
Pfarrer
Martin Schönacher ER
Alexander Schoenhoff Georg Hauer, Bauer
Franz-Xaver Meier
, Bürgermeister
Thomas Terpetschnig Michael „Mich” Baumgartner, Dieb
Kurt Huber
, Mechaniker
Alois Huber
, Bauer

Die Geschichte vom Mordhof“ – Der bis heu­te unge­klär­te Sechsfachmord auf dem ober­baye­ri­schen Einödhof „Hinterkaifeck“ im Jahr 1922 gehört zu den rät­sel­haf­tes­ten und blu­tigs­ten Verbrechen der deut­schen Kriminalgeschichte.

Zur Inszenierung

Der Moment...

Der Moment…”, Bild Alexander Schoenhoff

Andrea Maria Schenkels 2006 ver­öf­fent­lich­ter Kriminalroman TANNÖD, wur­de 2008 von der Regisseurin Maya Fanke und der Dramaturgin Doris Happl für die Bühne auf­be­rei­tet. Das Ergebnis insze­niert die Geschichte neu, indem es Personen und Orte zeit­lich und räum­lich ver­setzt und neu anord­net. Der sich dar­aus erge­ben­de, span­nend düs­te­re Thriller spielt nun im Jahr 1955 auf dem fik­ti­ven Einödhof „Tannöd“ und in der umlie­gen­den Gegend von Einhausen in der Oberpfalz.

"Gottes Segen oder bigotte Flucht?" BIld: Albert Aschl

Gottes Segen oder bigot­te Flucht?” BIld: Albert Aschl

In 29 Szenen lernt der zuneh­mend gebann­te Zuschauer, ähn­lich einem Ermittler, die 20 Figuren der Handlung und deren schick­sal­haf­te Verbindungen ken­nen.
Erzählpassagen wer­den dabei hoch­deutsch gespro­chen, Rückblicke und Zeugenaussagen im Dialekt oder Akzent. Alles fügt sich nach und nach zum scharf­kan­ti­gen Mosaik zusam­men und ver­dich­tet sich schon bald zum dra­ma­ti­schen Höhepunkt.

TANNÖD ist abgrün­dig, span­nend und hart – bis zum bit­te­ren Ende. Und die 5 Frauen und 4 Männer auf der Bühne geben unter der Regie von Martin Schönacher alles, um die­se idyl­lisch wir­ken­de, baye­risch-katho­li­sche Scheinwelt für ihre Zuschauer real wer­den zu las­sen.

Zur Handlung

Nach Tannöd, dem ein­sam gele­ge­nen Hof der Danners ver­irrt sich so schnell nie­mand.
Die zurück­ge­zo­gen leben­de Familie Danner ist im nahen Dorf Einhausen aus­ge­spro­chen unbe­liebt.

Hermann Hager als Hermann Danner, "Der alte Danner" Bild: Albert Aschl

Hermann Hager als Hermann Danner, „Der alte Danner”
Bild: Albert Aschl

Für die Dörfler sind die Danners, beson­ders der bru­ta­le Vater, alle­samt „Krattler“, Eigenbrödler und Geizkragen.
Alles bleibt in der Familie – sogar die Kinder, erzählt man sich.

Silvia Hofmann als Theresia Danner, "Die alte Dannerin", Bild: Albert Aschl

Silvia Hofmann als Theresia Danner, „Die alte Dannerin”,
Bild: Albert Aschl

Diese von Gewalt, Missbrauch, Verdrängung und Bigotterie gepräg­te Familie zieht über Jahrzehnte immer wie­der auch ande­re Menschen in ihr gefähr­li­ches Beziehungsgeflecht hin­ein. Das geht so lan­ge gut, bis eines die­ser Opfer, von jäher Enttäuschung und Erniedrigung über­mannt, im Blutrausch alle Bewohner des Hofes ermor­det. Anders als im rea­len Kriminalfall gibt es in TANNÖD also eine mör­de­ri­sche Person, die dem Ganzen ein jähes Ende setzt.

Martin Schönacher als ER,
Bild: Albert Aschl

Doch wer ist die­se mör­de­ri­sche Person? Und wer ist die­ser namen­lo­se Beobachter, der Mephisto gleich die gan­ze Szenerie immer wie­der so über­aus zu genie­ßen scheint…? Ist er viel­leicht der Mörder? Oder ist er Vertreter einer höheren…oder gar tie­fe­ren Macht?

Text: Janette Kreuzeder, Alexander Schoenhoff

ovb, 9.11.2017, von Margrit Jacobi

Originaltext sie­he https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/gespensteratmosphaere-buehne-9217272.html

Gespensteratmosphäre auf der Bühne

Aus OVB, 9.11.2017, Bild: Margrit Jacobi

Aus OVB, 9.11.2017, Bild: Margrit Jacobi

Es war eines der rät­sel­haf­tes­ten und blu­tigs­ten Verbrechen der deut­schen Kriminalitätsgeschichte, das 1922 im ober­baye­ri­schen Einödhof „Hinterkaifeck“ geschah und es blieb bis heu­te unge­klärt.

Andrea Maria Schenkel schrieb dar­über ihren 2006 ver­öf­fent­lich­ten Kriminalroman „Tannöd“. Die Regisseurin Maya Franke und die Dramaturgin Doris Happl bear­bei­te­ten ihn 2008 für die Bühne, wobei Personen und Orte zeit­lich und räum­lich ver­setzt und neu ange­ord­net sind. Regisseur Martin Schönacher insze­nier­te das Drama jetzt für die Bühne des TAM OST mit dem Ensemble des Theaters.

Auch neue Gesichter auf der Bühne

Dabei gibt es neben bekann­ten Darstellern auch etli­che neue Gesichter, die der Regisseur mit ein­brach­te. Er selbst fun­giert als namen­lo­ser Beobachter und Kommentator des unheim­li­chen Geschehens. Wenn die alte Dannerin von der wil­den Jagd in den Raunächten erzählt, ver­mit­telt Silvia Hofmann in die­ser Rolle schon zu Beginn packend Gespensteratmosphäre.

Nach jeder der kur­zen Szenen steht im dunk­len Hintergrund die Gruppe der Personen des Stückes zum Gebet vorm wei­ßen Grabkreuz ver­sam­melt. Die Anrufung Gottes, das Bitten um Gnade im Chor ist ein ein­dring­li­ches, beklem­men­des Ritual. Nach und nach beschrei­ben Verwandte und Bekannte das Wesen und Leben der getö­te­ten Menschen, ihre Vorahnungen, ihren Schmerz des Verlustes und der oder die Tote selbst wer­den zeit­ver­setzt in das Spiel ein­ge­bun­den.

Mehr als eine ein­fa­che Schaukel links vor­ne und ein roter Sessel rechts hin­ten braucht es nicht als Requisiten in der Kulisse. In gekonn­ter Choreografie bewe­gen sich die Schauspieler zur mehr und mehr fes­seln­den Geschichte. Jeder von ihnen hat meh­re­re Rollen und sie gestal­ten sie alle beein­dru­ckend.

Dagmar Deisenberger ist Tochter der alten Danners, spielt eben­so deren Enkelin Marianne. Silvia Hofmann bril­liert neben der Figur der alten Dannerin als ver­wirr­te Witwe Kirchmeier. Marina Pagel wie­der­um ist Schwester der Magd Marie, die auch ums Leben kam und Freundin von Marianne, gibt dazu den Sohn des Bauern Georg Hauer. Maria Malczan hat die Rolle der Magd Marie und einer Bäuerin. Alexander Schoenhoff ver­kör­pert mit Verve den Bauern Georg Hauer, wie auch den kon­tur­lo­sen Bürgermeister. Als alter Danner, als Pfarrer und Bauer tritt Hermann Hager auf. Thomas Terpetschnig ver­leiht den Figuren eines Diebes, eines Monteurs und eines Knechtes mit Leidenschaft Ausdruck. Marianne Keuschnig fun­giert als Pfarrersköchin.

Anhand die­ser 20 Figuren erklä­ren sich dem Zuschauer wie einem Ermittler in einem Kriminalfall deren schick­sal­haf­te Verbindungen. Abgründig, fes­selnd und über­aus hef­tig zieht die her­vor­ra­gen­de Inszenierung Martin Schönachers das Publikum von Beginn an in sei­nen Bann. Anders als im rea­len Verbrechen von damals gibt es in Tannöd eine mör­de­ri­sche Person, die die­ser Geschichte ein jähes Ende setzt.

Der Regisseur und sei­ne Darsteller wur­den am Ende ver­dient mit gro­ßem und lang anhal­ten­dem Applaus bedankt von einem nach­hal­tig beein­druck­ten und auch betrof­fe­nen Publikum…

Die Akteurportraits von Siegfried Schönacher fin­den Sie auch noch mal hier im gFoto-Album 1.
Szenische Fotografien von Albert Aschl fin­den Sie im gFoto-Album 2.

Weitere, im Probenverlauf von den Akteuren auf­ge­nom­me­ne Schnappschüsse fin­den Sie im gFoto-Album 3.