Komö­die von Wil­liam Shake­speare

Regie: Ste­fan Vin­cent Schmidt

Ein als Kna­be ver­klei­de­tes Mäd­chen liebt einen Mann, der glaubt eine Grä­fin zu lie­ben, die wie­der­um den Kna­ben liebt, der aber doch ein Mäd­chen ist…???
Probenfoto - (vlnr)
Pro­ben­fo­to - (vlnr) „Orsi­no, Cesa­rio und Oli­via“ - Chris­ti­an Dom­nick, Jut­ta Schmidt und Clau­dia Loy - Bild: Rena­te M. May­er
Die ver­rück­tes­te, die schöns­te, die zar­tes­te, die bit­ters­te Komö­die Wil­liam Shake­speares ver­setzt uns in das erson­ne­ne Land Illy­ri­en, wo Her­zog Orsi­no sei­ne Lie­bes­sehn­sucht mit Musik schürt und Grä­fin Oli­via sich selbst­mit­lei­dig in ewi­ge Trau­er ver­gra­ben will. Dort stran­det die schiff­brü­chi­ge Vio­la, die ihren Bru­der Sebas­ti­an ertrun­ken wähnt und ihren Lebens­un­ter­halt nun selbst ver­die­nen muss. Als Kna­be ver­klei­det ver­dingt sie sich beim Her­zog, erwirbt sein Ver­trau­en und ver­liebt sich in ihn. Der jedoch benutzt Vio­la, die sich nun Cesa­rio nennt, als Über­brin­ger der Lie­bes­bot­schaf­ten an Grä­fin Oli­via.
Probenfoto - (vlnr)
Pro­ben­fo­to - (vlnr) „Maria, Mal­vo­lio und Sir Toby“ - Sabi­ne Herr­berg, Alex­an­der Schoe­n­hoff und Klaus Ein­se­le - Bild: Rena­te M. May­er
Das Rän­ke­spiel nimmt sei­nen Lauf, wäh­rend Oli­vi­as kes­se Magd Maria und die trink­fes­ten Gesel­len Sir Toby Rülps und Sir Andrew Lei­chen­wang sich über Oli­vi­as auf­ge­bla­se­nen und selbst­ge­rech­ten Haus­hof­meis­ter Mal­vo­lio ärgern. Er ver­dirbt ihnen jeden Spaß und so hecken sie einen gemein-wit­zi­gen Rache­plan aus, der dann alle in einen tur­bu­len­ten Stru­del der Ver­wir­run­gen zieht. Shake­speare zieht uns tief in tra­gisch-komi­sche, bit­ter­sü­ße Gefühls­täu­schun­gen hin­ein, lässt uns aus dem Lachen nicht her­aus­kom­men, das man­ches Mal auch im Hal­se ste­cken blei­ben könn­te. Und gleich­zei­tig erfüllt uns die trau­rig-wei­se Ein­sicht des dünn­häu­tig gewor­de­nen Nar­ren in die Ver­wir­run­gen mensch­li­chen Han­delns. Eine schwar­ze Komö­die der Unru­he, die bleibt.

© ovb, 10.11.2015, Mar­grit Jaco­bi
Ori­gi­nal: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/was-wollt-alle-gefreut-5833779.html

„Was ihr wollt“ hat alle „gefreut“

Wenn einem als Besu­cher einer fast drei­stün­di­gen Thea­ter­auf­füh­rung die Zeit wie im Flug ver­geht, man sich herr­lich amü­siert und gie­rig die span­nen­de Hand­lung voll Komik, aber auch voll Melan­cho­lie und Tief­gang ver­folgt, dann hat man einen über­aus gelun­ge­nen Thea­ter­abend erlebt.

Im TAM OST bei der Pre­miè­re von Shake­speares „Was ihr wollt“ kam das Publi­kum in der aus­ver­kauf­ten Vor­stel­lung in die­sen Hoch­ge­nuss. Regis­seur Ste­fan Vin­cent Schmidt hat­te das Stück dort mit dem glän­zend moti­vier­ten Ensem­ble des TAM OST insze­niert und die Besu­cher begeis­tert. 1602 in Lon­don urauf­ge­führt, gilt „Was ihr wollt“ als Shake­speares ver­rück­tes­te, schöns­te, zar­tes­te und bit­ters­te Komö­die über die Spiel­art von Lie­be, fal­sche Iden­ti­tä­ten und see­li­sche Ver­ir­run­gen. In der poe­ti­schen Spra­che des Dich­ters vor­ge­tra­gen, lie­fern Lie­bes­paa­re jeder Cou­leur und zu jeder Zeit Stoff für Rol­len­tausch und Gra­ben­kämp­fe zwi­schen den Geschlech­tern in Gefühls­cha­os und Lie­bes­wirr­warr.

Bild Margit Jacobi, OVB 10.11.2015
Bild Mar­git Jaco­bi, OVB 10.11.2015

Ste­fan V. Schmidt ist nicht nur ein aus­ge­zeich­ne­ter Regis­seur, son­dern auch ein talen­tier­ter Pia­nist, der zu Beginn und spä­ter auch zwi­schen­durch den zwei­ten Satz aus der gro­ßen A-Dur Sona­te von Franz Schu­bert spielt, zum Gefal­len Her­zog Orsi­nos und des Publi­kums. Die schwar­ze Kulis­se braucht nicht mehr als einen roten klei­nen und beweg­li­chen Qua­der, links und rechts der Büh­ne zwei mit Papier ver­klei­de­te Spros­sen­wän­de und im Hin­ter­grund einen längs ver­lau­fen­den Gra­ben, der auch das Meer ver­de­cken kann und als güns­ti­ges Ver­steck fun­giert.

Bei einem Schiff­bruch ver­liert Vio­la (Jut­ta Schmidt) ihren Zwil­lings­bru­der Sebas­ti­an (Flo­ri­an Fuchs), aber sie wird Valen­tin (Ani­an Rutz), dem Die­ner Her­zog Orsi­nos geret­tet, ihr Bru­der spä­ter vom Pira­ten Anto­nio (Her­mann Hager). Bei­de Geschwis­ter aber hal­ten ihren Zwil­ling für ver­lo­ren. Vio­la ver­dingt sich zum Lebens­un­ter­halt nun als Kna­be ver­klei­det beim Her­zog von Illy­ri­en (Chris­ti­an Dom­nick), der bei Musik­ge­nuss in sei­ne Lie­bes­sehn­sucht nach Grä­fin Oli­via (Clau­dia Loy) ver­sinkt und doch immer nur um sich selbst kreist. Oli­via wie­der­um ver­liebt sich im Hand­um­drehn in den ver­meint­li­chen Kna­ben Cesa­rio, der aber, da in Wahr­heit ein Mäd­chen, zu Orsi­no in Lie­be fällt. Alle ver­ken­nen die Iden­ti­tät ihres Gegen­übers mit ent­spre­chen­den Fol­gen, das Publi­kum aber sieht durch sein Vor­wis­sen die Geschich­te klar und genießt die Komik in vol­lem Umfang.

Jut­ta Schmidt als Vio­la ver­leiht den Schwie­rig­kei­ten, in die sie ihre Ver­klei­dung und ihre ver­wirr­ten Gefüh­le brin­gen, unnach­ahm­lich Aus­druck, ist ängst­lich, dann wie­der keck und von bered­tem Mie­nen­spiel. Chris­ti­an Dom­nick als Her­zog Orsi­no bringt die­sen schein­bar lie­bes­kran­ken, in Wahr­heit aber nur in den Zustand sei­nes erfolg­lo­sen Wer­bens ver­lieb­ten Ego­ma­nen so komisch wie tra­gisch glaub­wür­dig zum Aus­druck. Clau­dia Loy in der Figur der schö­nen Oli­via über­zeugt erst als sprö­de Grä­fin, die kei­ner­lei Gefüh­le für Orsi­no oder ande­re Män­ner übrig hat, dann aber auch, als sie sich Hals über Kopf und jäh ent­flammt dem plötz­lich wie­der auf­ge­tauch­ten Zwil­lings­bru­der Vio­las, Sebas­ti­an, hin­gibt, den sie für Cesa­rio hält.

Über­bor­den­de Hei­ter­keit

Für über­bor­den­de Hei­ter­keit sor­gen dazu Klaus Ein­se­le als Oli­vi­as Onkel, der trunk­süch­ti­ge Sir Toby Rülps und der ein­fäl­ti­ge, zau­dern­de und zagen­de Sir Andrew Lei­chen­wang (Hel­mut Huber). Die­sen hält sich Sir Toby als Finan­zier sei­nes Lot­ter­le­bens, doch der bleibt nur bei ihm, weil ihm Rülps die Gunst Grä­fin Oli­vi­as in Aus­sicht stellt. Bei ihren hin­rei­ßen­den Pan­to­mi­men in einer über­aus wit­zi­gen Cho­reo­gra­fie ihres Tor­kelns und Hüp­fens, Schrei­tens und Stol­perns, Sprin­gens und Fal­lens bleibt wahr­lich kein Auge tro­cken. 

Die herr­li­che Par­odie eines pedan­tisch stren­gen, humor­lo­sen Haus­hof­meis­ters Mal­vo­lio im Diens­te der Grä­fin Oli­via spielt Alex­an­der Schoe­n­hoff in allen urko­mi­schen Facet­ten eines eigen­ver­lieb­ten, von allen gehass­ten Ekels. Ihn führt Sabi­ne Herr­berg höchst mun­ter, schlau, keck und ideen­reich als Maria, Zofe der Grä­fin, mit Hil­fe von Sir Toby und Fabi­an (Klaus Lüders) in einer Intri­ge gran­di­os vor und gibt ihn der Lächer­lich­keit preis.

Ein beson­de­rer Part in Glit­zer­wes­te und Zylin­der kommt Klaus Schö­berl in der Rol­le des Nar­ren Fes­te zu, der welt­wei­se mit Wor­ten jon­gliert und einen klu­gen Nar­ren bes­ser fin­det als einen när­ri­schen Klug­schei­ßer. Wie jeden Clown umweht ihn ein Hauch von Schwer­mut, die gehei­me Trau­er ver­lässt ihn nie. Die Kos­tü­me der ande­ren Figu­ren sind von heu­ti­ger Zeit und in den Far­ben Schwarz, Rosa und Anthra­zit eine gelun­ge­ner Mischung bei Anzug, Kleid oder Acces­soires. Wenn zum Schluss alle Fäden ent­wirrt, die ver­schie­de­nen Cha­rak­te­re bloß­ge­stellt und sowohl Erleich­te­rung, wie Scham, Freu­de wie Trau­er die Per­so­nen erfül­len, spricht der Narr sein melan­cho­li­sches Gedicht, von dem es am Ende heißt: „Die Welt steht schon so lan­ge Zeit, mit he und ho und bei Regen und Wind, also Schluss mit dem Stück und der Selig­keit, ich hof­fe es hat Euch gefreut“, dann konn­ten die Zuschau­er das wahr­lich beja­hen, denn sie hat­ten einen Thea­ter­abend erle­ben dür­fen, bei dem alle über­zeug­ten...

Der Pod­cast von Radio Regen­bo­gen von Julia Buch­mai­er zum Stück http://www.radio-regenbogen-rosenheim.de/news/ein-stck-zum-lachen-und-grbeln,1585 oder hier

Beach­ten Sie auch den TV-Bericht des rfo Rosen­heim : „Was Ihr wollt , rfo 10.2015“
© rfo 2015, Ori­gi­nal hier beim rfohttp://www.rfo.de/mediathek/49596/TAM_OST_Theater_Was_ihr_wollt.html

2015 - WAS IHR WOLLT, Plakat: Alexander Schoenhoff
2015 - WAS IHR WOLLT, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff
Alben im Goog­le Foto­ar­chiv

1. von Albert Aschl
2. von Gün­ther Stranz­in­ger
3. Wei­te­re Schnapp­schüs­se Alex­an­der Schoe­n­hoff

 

PRE­MIE­RE:  Sa 07. Novem­ber 2015

WEI­TE­RE TER­MI­NE
So 08 Novem­ber
Sa 14 Novem­ber
So 15 Novem­ber
Fr/Sa 20/21 Novem­ber
So 22 Novem­ber
Fr/Sa 27/28 Novem­ber
So 29 Novem­ber
Do/Fr 03/04 Dezem­ber
Sa/So 05/06 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Ste­fan Vin­cent Schmidt
Assis­tenz:Mari­an­ne Eckardt, Bir­git Her­zig
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Gün­ther Stranz­in­ger
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:Rena­te M. May­er, Albert Aschl
Pla­kat:Alex­an­der Schoe­n­hoff
 Schau­spie­lerals
Sabi­ne Herr­bergMaria, die Zofe
Clau­dia LoyGrä­fin Oli­via
Jut­ta SchmidtVio­la, Sebas­ti­ans Schwes­ter
Chris­ti­an Dom­nickHer­zog Orsi­no
Klaus Ein­se­leSir Toby Rülps
Flo­ri­an FuchsSebas­ti­an, Vio­las Bru­der
Her­mann HagerAnto­nio, der See­mann
Hel­mut HuberSir Andrew Blei­chen­wang
Klaus LüdersFabi­an, der ehe­ma­li­ge Die­ner
Ani­an RutzKapi­tän und Mann des Her­zogs
Klaus Schö­berlFes­te, der Narr
Alex­an­der Schoe­n­hoffMal­vo­lio, der Haus­hof­meis­ter

Schlag­wor­te zum Stück