GUT GEGEN NORDWIND

Komödie von Daniel Glattauer

ZUM STÜCKZUR KRITIK

2014 - Plakat - Gut gegen Nordwind

2012 – Plakat – Gut gegen Nordwind

Vorstellungstermine: 
PREMIERE
– Samstag, 3. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 9. / 10. November, 20 Uhr
Donnerstag, 15. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 16. / 17. November, 20 Uhr
Sonntag, 18. November, 17 Uhr
23. / 24. November wird nicht gespielt
Freitag, 30. November / Samstag, 1. Dezember 20 Uhr
Sonntag, 2. Dezember, 17 Uhr

Im Ensemble TAM OST spie­len:
Sarah Fischbacher und Daniel Burton

Regie und Bühnenbild: Gabriela Schmidt
Technik: Carsten Schmidt
Plakat: David Schmidt


Zum Inhalt:

"Emmi und Leo" Sarah Fischbacher und Daniel Burton

Emmi und Leo” Sarah Fischbacher und Daniel Burton

Bei Leo lan­den irr­tüm­lich E-Mails einer ihm unbe­kann­ten Emmi. Er ant­wor­tet ihr und sie schreibt zurück. Sie ist glück­lich ver­hei­ra­tet, und er ver­daut gera­de eine geschei­ter­te Beziehung.

Dennoch wird der Kontakt immer reger und der Inhalt immer per­sön­li­cher. Leo will über den Verlust von Marlene hin­weg kom­men, Emmi braucht die Abwechslung zu ihrem Familienleben.

Allmählich erschaf­fen sich bei­de ihren per­fek­ten ima­gi­nä­ren Partner. Ihre Beziehung wird immer inten­si­ver, ero­ti­scher und meis­tert sogar Krisen, die gar nicht mehr vir­tu­ell sind. Aber noch immer haben sie ein­an­der nicht gegen­über gestan­den. Werden die elek­tro­nisch ent­fach­ten Liebesgefühle einer Begegnung stand­hal­ten?

Und was, wenn ja? Und was wird dar­aus, wenn die Antwort „error“ heißt?

Der Wiener Autor Daniel Glattauer hat sei­ne E-Mail-Romane „Gut gegen Nordwind” und „Alle sie­ben Wellen” mil­lio­nen­fach ver­kauft. Sie wur­den in 40 Sprachen über­setzt. Die Theaterfassung von „Nordwind” wur­de bis­her an über 40 Bühnen auf­ge­führt.

Oberbayerisches Volksblatt 2012, Kritik von Margit Jacobi

Liebe in den Zeiten des Internets

"Emmi und Leo" Sarah Fischbacher und Daniel Burton Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Emmi und Leo„
Sarah Fischbacher und Daniel Burton
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Einmal sagt Emmi, die weib­li­che Hauptfigur, zu Leo, ihrem männ­li­chen Gegenpart „Ich schla­fe schlecht bei Nordwind, Sie aber sind fan­tas­tisch gut dage­gen.” Das heißt, sie sagt es zwar auf der Bühne, aber eigent­lich schreibt sie es als eine von unzäh­li­gen E-Mails, die sich nach einer falsch adres­sier­ten Nachricht von Emmi zwi­schen bei­den ent­wi­ckeln.

Daniel Glattauer hat die moder­ne Version eines Briefromans, der sich auch gut als Hörspiel eig­nen wür­de, 2006 geschrie­ben. „Gut gegen Nordwind” war der ers­te Roman des Wiener Journalisten. So erfolg­reich wie das Buch ent­wi­ckel­te sich auch das gleich­na­mi­ge Theaterstück, das Gabriela Schmidt jetzt für das Theater am Markt Ost in Rosenheim insze­nier­te.

Zwei neben­ein­an­der lie­gen­de Zimmer zeigt das Bühnenbild (Gabriela Schmidt). Der lin­ke Raum ist Emmis Zuhause, rechts wohnt Leo und an die gro­ße Schiefertafel im Hintergrund schrei­ben sie abwech­selnd den Zeitverlauf zwi­schen ihren E-Mails oder schon ein­mal emo­tio­na­le Ausbrüche.

Sarah Fischbacher spielt Emmi, eine ver­hei­ra­te­te hüb­sche, jun­ge Frau, deren lan­ge rote Haare in her­vor­ra­gen­der Lichtsetzung (Carsten Schmidt) attrak­tiv zur Geltung kom­men. Leo, ein Sprachpsychologe, geht anfangs eher zurück­hal­tend auf den sich zufäl­lig erge­ben­den Kontakt ein und braucht dazwi­schen Ruhephasen. Daniel Burton gibt ihm von Beginn an authen­ti­sche Umsetzung.

Amüsant wird in Szene gesetzt, wenn bei­de Personen gleich­zei­tig in getrenn­ten Räumen iden­ti­sche oder ganz kon­trä­re Alltagsabläufe demons­trie­ren. Ob sich Emmi immer wie­der an-, aus- oder umklei­det und dabei chi­ce Dessous zeigt, Leo die Dartscheibe bewirft, jon­gliert, Morgengymnastik treibt oder medi­tiert, Emmi auf ihrem bun­ten Bett kau­ert und Leo im Sessel ein­schläft – immer zieht mit­tig die lan­ge rote Bank die Demarkationslinie.

Nach jedem Austausch am Computer geht das Licht auf der Bühne kurz bis zum nächs­ten Kontakt aus, nur die Bildschirme leuch­ten im Dunkeln. Langsam baut sich eine emo­tio­na­le Annäherung zwi­schen den zwei Personen auf, die nichts von­ein­an­der wis­sen, im luft­lee­ren Raum kom­mu­ni­zie­ren und auch spä­ter nur Bruchteile aus dem Leben des ande­ren erfah­ren.

Leos lang­jäh­ri­ge Beziehung zu Freundin Marlene ging eben in die Brüche, Emmi beschreibt ihre Ehe als sehr glück­lich, über ihren Mann und des­sen Kinder erfährt man nichts Näheres. Was sich in der rea­len Welt der E-Mail-Schreiber tut, sind Randerscheinungen, dafür wird ihre Beziehung im vir­tu­el­len Raum des Internets immer inten­si­ver.

Emmi ist süch­tig nach dem Kontakt zu Leo, und die­ser fühlt sich bald auch ero­tisch von Emmi ange­zo­gen. „Sie schrei­ben jün­ger als sie sind”, bemerkt Leo, der Sprachpsychologe. Sich den ande­ren in sei­nem phy­si­schen Erscheinungsbild vor­zu­stel­len ist reiz­voll für bei­de. Im Unterschied zu Daniel Burton, dem es gelingt, Leo in all sei­nen Facetten zu sein, spielt Sarah Fischbacher die Rolle der Emmi oft als künst­li­ches Wesen, das neu­ro­tisch, for­dernd und besitz­ergrei­fend ist – schwer erklär­lich, dass Leo sich trotz­dem in sie ver­liebt.

Nach der Pause inten­si­viert sich das Spiel. Das gegen­sei­ti­ge Besprechen auf dem Band des Telefons bringt die Stimmen als wei­te­res und ero­ti­sches Puzzle mit ins Bild der zwei Personen. Als Emmis Mann die E-Mail-Aufzeichnungen liest, spitzt sich die Situation zu. Beim letz­ten Versuch eines kon­kre­ten Treffens hält Angst Emmi zurück. Sarah Fischbacher fin­det in die­ser Szene zu gefühl­vol­lem und berüh­ren­dem Ausdruck. Am Ende ist Leo auch per Internet nicht mehr erreich­bar.

In Zeiten, in denen das sozia­le Netzwerk „Facebook” zum täg­li­chen Leben zu gehö­ren scheint, hat die­se Geschichte mehr denn je Aktualität. Gabriela Schmidt hat in ihrer ers­ten Regiearbeit eine gelun­ge­ne Inszenierung zwi­schen lei­ser Komik und Melancholie geschaf­fen, wobei etwas Straffung der Aufführung mehr Stringenz ver­lei­hen wür­de.

Die Zuschauer, unter ihnen vie­le Kollegen aus der Rosenheimer Theaterszene, zoll­ten der Regisseurin mit ihren Darstellern und dem gan­zen Team gro­ßen, lang­an­hal­ten­den Beifall.

Kritik echo 2013, Text und Bild: Margit Jacobi

Begegnung im virtuellen Raum

Gut gegen Nordwind“ im TAM OST Rosenheim

"Leo und Emmi" Daniel Burton und Sarah Fischbacher Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Leo und Emmi„
Daniel Burton und Sarah Fischbacher
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wir kom­mu­ni­zie­ren im luft­lee­ren Raum und wis­sen nichts von­ein­an­der“ sagt Leo zu sei­ner zufäl­li­gen E-Mail-Bekanntschaft Emmi. Diese hat­te eine Nachricht falsch adres­siert und so kam der Kontakt im Internet zustan­de.

Der Wiener Journalist Daniel Glattauer beschrieb in sei­nem moder­nen Briefroman „Gut gegen Nordwind“, der 2006 erschien, eine Beziehung, die sich im vir­tu­el­len Raum abspielt. Die Geschichte reüs­sier­te sowohl als Buch wie als Theaterstück. Gut vor­stel­len kann man sie sich auch in einem Hörspiel. Gabriela Schmidt insze­nier­te die Komödie nun in ihrer ers­ten Regiearbeit für das TAM OST in Rosenheim.

Das auch von ihr geschaf­fe­ne Bühnenbild zeigt zwei anein­an­der gren­zen­de Räume, links wohnt Emmi, eine angeb­lich glück­lich ver­hei­ra­te­te jun­ge Frau, rechts Leo, ein Sprachpsychologe, der eben ver­sucht, die Trennung von sei­ner lang­jäh­ri­gen Freundin Marlene zu ver­ar­bei­ten. Sarah Fischbacher ist als Emmi eine hüb­sche rot­haa­ri­ge 30-Jährige, der es ange­le­gen ist, den E-Mail-Kontakt zu dem anfäng­lich zurück­hal­ten­den Leo auf­recht zu hal­ten. Zwar will sie kein Objekt von Leos Verarbeitungstherapie sein, ihn aber in Ruhe las­sen kann sie auch nicht. Oft gehen die Handlungsabläufe bei­der Personen in den ver­schie­de­nen Räumen syn­chron neben­ein­an­der von­stat­ten. Hervorragend setzt Carsten Schmidt das Geschehen auf der Bühne in die jeweils stim­mi­ge Beleuchtung.

Nach jedem Austausch am Computer ver­löscht bis zur nächs­ten E- Mail das Bühnenlicht, hell blei­ben nur die bei­den Desktops. Sarah Fischbacher in der Rolle der Emmi gibt ihr das Erscheinungsbild einer in ihrer Ehe eher iso­lier­ten Frau, die schnell süch­tig nach Leos Post aus dem Internet wird. Vieles an die­ser Figur ist künst­lich und neu­ro­tisch. In der letz­ten Szene des Stückes, als sie aber ihre Angst vor einer rea­len Begegnung mit Leo offen­bart, gelingt Sarah Fischbacher über­zeu­gen­de Umsetzung und berüh­ren­de Darstellung. Daniel Burton besticht von Beginn als Leo, der sen­si­ble jun­ge Mann, der erst nach und nach sei­ne Trennung über­win­det und Gefühle für Emmi ent­deckt. Beim ers­ten geplan­ten Treffen in der Menschenmenge erken­nen sich die bei­den nicht. Würde ihre Internet-Beziehung einer rea­len Begegnung über­haupt stand hal­ten ?

Das letz­te Treffen fin­det gar nicht mehr statt, Emmis Angst ist zu groß und Leo nach­her nicht mehr erreich­bar. Einige Straffungen wür­den der Aufführung mehr Stringenz ver­lei­hen, doch stell­te sich Gabriela Schmidt als Regisseurin in einer gelun­ge­nen Inszenierung vor und konn­te sich mit ihren jun­gen Schauspielern und ihrem gan­zen Team über den gro­ßen Beifall des Publikums freu­en.

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