Komö­die von Dani­el Glattau­er

Regie: Gabrie­la Schmidt

"Emmi und Leo" Sarah Fischbacher und Daniel Burton
„Emmi und Leo“ Sarah Fisch­ba­cher und Dani­el Bur­ton

Bei Leo lan­den irr­tüm­lich E-Mails einer ihm unbe­kann­ten Emmi. Er ant­wor­tet ihr und sie schreibt zurück. Sie ist glück­lich ver­hei­ra­tet, und er ver­daut gera­de eine geschei­ter­te Bezie­hung.

Den­noch wird der Kon­takt immer reger und der Inhalt immer per­sön­li­cher. Leo will über den Ver­lust von Mar­le­ne hin­weg kom­men, Emmi braucht die Abwechs­lung zu ihrem Fami­li­en­le­ben.

All­mäh­lich erschaf­fen sich bei­de ihren per­fek­ten ima­gi­nä­ren Part­ner. Ihre Bezie­hung wird immer inten­si­ver, ero­ti­scher und meis­tert sogar Kri­sen, die gar nicht mehr vir­tu­ell sind. Aber noch immer haben sie ein­an­der nicht gegen­über gestan­den. Wer­den die elek­tro­nisch ent­fach­ten Lie­bes­ge­füh­le einer Begeg­nung stand­hal­ten?

Und was, wenn ja? Und was wird dar­aus, wenn die Ant­wort „error“ heißt?

Der Wie­ner Autor Dani­el Glattau­er hat sei­ne E-Mail-Roma­ne „Gut gegen Nord­wind“ und „Alle sie­ben Wel­len“ mil­lio­nen­fach ver­kauft. Sie wur­den in 40 Spra­chen über­setzt. Die Thea­ter­fas­sung von „Nord­wind“ wur­de bis­her an über 40 Büh­nen auf­ge­führt.

Ober­baye­ri­sches Volks­blatt 2012, Kri­tik von Mar­git Jaco­bi

Lie­be in den Zei­ten des Inter­nets

"Emmi und Leo" Sarah Fischbacher und Daniel Burton Bild: Margit Jacobi, ovb 2012
„Emmi und Leo„
Sarah Fisch­ba­cher und Dani­el Bur­ton
Bild: Mar­git Jaco­bi, ovb 2012

Ein­mal sagt Emmi, die weib­li­che Haupt­fi­gur, zu Leo, ihrem männ­li­chen Gegen­part „Ich schla­fe schlecht bei Nord­wind, Sie aber sind fan­tas­tisch gut dage­gen.“ Das heißt, sie sagt es zwar auf der Büh­ne, aber eigent­lich schreibt sie es als eine von unzäh­li­gen E-Mails, die sich nach einer falsch adres­sier­ten Nach­richt von Emmi zwi­schen bei­den ent­wi­ckeln.

Dani­el Glattau­er hat die moder­ne Ver­si­on eines Brief­ro­mans, der sich auch gut als Hör­spiel eig­nen wür­de, 2006 geschrie­ben. „Gut gegen Nord­wind“ war der ers­te Roman des Wie­ner Jour­na­lis­ten. So erfolg­reich wie das Buch ent­wi­ckel­te sich auch das gleich­na­mi­ge Thea­ter­stück, das Gabrie­la Schmidt jetzt für das Thea­ter am Markt Ost in Rosen­heim insze­nier­te.

Zwei neben­ein­an­der lie­gen­de Zim­mer zeigt das Büh­nen­bild (Gabrie­la Schmidt). Der lin­ke Raum ist Emmis Zuhau­se, rechts wohnt Leo und an die gro­ße Schie­fer­ta­fel im Hin­ter­grund schrei­ben sie abwech­selnd den Zeit­ver­lauf zwi­schen ihren E-Mails oder schon ein­mal emo­tio­na­le Aus­brü­che.

Sarah Fisch­ba­cher spielt Emmi, eine ver­hei­ra­te­te hüb­sche, jun­ge Frau, deren lan­ge rote Haa­re in her­vor­ra­gen­der Licht­set­zung (Cars­ten Schmidt) attrak­tiv zur Gel­tung kom­men. Leo, ein Sprach­psy­cho­lo­ge, geht anfangs eher zurück­hal­tend auf den sich zufäl­lig erge­ben­den Kon­takt ein und braucht dazwi­schen Ruhe­pha­sen. Dani­el Bur­ton gibt ihm von Beginn an authen­ti­sche Umset­zung.

Amü­sant wird in Sze­ne gesetzt, wenn bei­de Per­so­nen gleich­zei­tig in getrenn­ten Räu­men iden­ti­sche oder ganz kon­trä­re All­tags­ab­läu­fe demons­trie­ren. Ob sich Emmi immer wie­der an-, aus- oder umklei­det und dabei chi­ce Des­sous zeigt, Leo die Dart­schei­be bewirft, jon­gliert, Mor­gen­gym­nas­tik treibt oder medi­tiert, Emmi auf ihrem bun­ten Bett kau­ert und Leo im Ses­sel ein­schläft - immer zieht mit­tig die lan­ge rote Bank die Demar­ka­ti­ons­li­nie.

Nach jedem Aus­tausch am Com­pu­ter geht das Licht auf der Büh­ne kurz bis zum nächs­ten Kon­takt aus, nur die Bild­schir­me leuch­ten im Dun­keln. Lang­sam baut sich eine emo­tio­na­le Annä­he­rung zwi­schen den zwei Per­so­nen auf, die nichts von­ein­an­der wis­sen, im luft­lee­ren Raum kom­mu­ni­zie­ren und auch spä­ter nur Bruch­tei­le aus dem Leben des ande­ren erfah­ren.

Leos lang­jäh­ri­ge Bezie­hung zu Freun­din Mar­le­ne ging eben in die Brü­che, Emmi beschreibt ihre Ehe als sehr glück­lich, über ihren Mann und des­sen Kin­der erfährt man nichts Nähe­res. Was sich in der rea­len Welt der E-Mail-Schrei­ber tut, sind Rand­er­schei­nun­gen, dafür wird ihre Bezie­hung im vir­tu­el­len Raum des Inter­nets immer inten­si­ver.

Emmi ist süch­tig nach dem Kon­takt zu Leo, und die­ser fühlt sich bald auch ero­tisch von Emmi ange­zo­gen. „Sie schrei­ben jün­ger als sie sind“, bemerkt Leo, der Sprach­psy­cho­lo­ge. Sich den ande­ren in sei­nem phy­si­schen Erschei­nungs­bild vor­zu­stel­len ist reiz­voll für bei­de. Im Unter­schied zu Dani­el Bur­ton, dem es gelingt, Leo in all sei­nen Facet­ten zu sein, spielt Sarah Fisch­ba­cher die Rol­le der Emmi oft als künst­li­ches Wesen, das neu­ro­tisch, for­dernd und besitz­ergrei­fend ist - schwer erklär­lich, dass Leo sich trotz­dem in sie ver­liebt.

Nach der Pau­se inten­si­viert sich das Spiel. Das gegen­sei­ti­ge Bespre­chen auf dem Band des Tele­fons bringt die Stim­men als wei­te­res und ero­ti­sches Puz­zle mit ins Bild der zwei Per­so­nen. Als Emmis Mann die E-Mail-Auf­zeich­nun­gen liest, spitzt sich die Situa­ti­on zu. Beim letz­ten Ver­such eines kon­kre­ten Tref­fens hält Angst Emmi zurück. Sarah Fisch­ba­cher fin­det in die­ser Sze­ne zu gefühl­vol­lem und berüh­ren­dem Aus­druck. Am Ende ist Leo auch per Inter­net nicht mehr erreich­bar.

In Zei­ten, in denen das sozia­le Netz­werk „Face­book“ zum täg­li­chen Leben zu gehö­ren scheint, hat die­se Geschich­te mehr denn je Aktua­li­tät. Gabrie­la Schmidt hat in ihrer ers­ten Regie­ar­beit eine gelun­ge­ne Insze­nie­rung zwi­schen lei­ser Komik und Melan­cho­lie geschaf­fen, wobei etwas Straf­fung der Auf­füh­rung mehr Strin­genz ver­lei­hen wür­de.

Die Zuschau­er, unter ihnen vie­le Kol­le­gen aus der Rosen­hei­mer Thea­ter­sze­ne, zoll­ten der Regis­seu­rin mit ihren Dar­stel­lern und dem gan­zen Team gro­ßen, lang­an­hal­ten­den Bei­fall.


Kri­tik echo 2013, Text und Bild: Mar­git Jaco­bi

Begeg­nung im vir­tu­el­len Raum

„Gut gegen Nord­wind“ im TAM OST Rosen­heim

"Leo und Emmi" Daniel Burton und Sarah Fischbacher Bild: Margit Jacobi, ovb 2012
„Leo und Emmi„
Dani­el Bur­ton und Sarah Fisch­ba­cher
Bild: Mar­git Jaco­bi, ovb 2012

„Wir kom­mu­ni­zie­ren im luft­lee­ren Raum und wis­sen nichts von­ein­an­der“ sagt Leo zu sei­ner zufäl­li­gen E-Mail-Bekannt­schaft Emmi. Die­se hat­te eine Nach­richt falsch adres­siert und so kam der Kon­takt im Inter­net zustan­de.

Der Wie­ner Jour­na­list Dani­el Glattau­er beschrieb in sei­nem moder­nen Brief­ro­man „Gut gegen Nord­wind“, der 2006 erschien, eine Bezie­hung, die sich im vir­tu­el­len Raum abspielt. Die Geschich­te reüs­sier­te sowohl als Buch wie als Thea­ter­stück. Gut vor­stel­len kann man sie sich auch in einem Hör­spiel. Gabrie­la Schmidt insze­nier­te die Komö­die nun in ihrer ers­ten Regie­ar­beit für das TAM OST in Rosen­heim.

Das auch von ihr geschaf­fe­ne Büh­nen­bild zeigt zwei anein­an­der gren­zen­de Räu­me, links wohnt Emmi, eine angeb­lich glück­lich ver­hei­ra­te­te jun­ge Frau, rechts Leo, ein Sprach­psy­cho­lo­ge, der eben ver­sucht, die Tren­nung von sei­ner lang­jäh­ri­gen Freun­din Mar­le­ne zu ver­ar­bei­ten. Sarah Fisch­ba­cher ist als Emmi eine hüb­sche rot­haa­ri­ge 30-Jäh­ri­ge, der es ange­le­gen ist, den E-Mail-Kon­takt zu dem anfäng­lich zurück­hal­ten­den Leo auf­recht zu hal­ten. Zwar will sie kein Objekt von Leos Ver­ar­bei­tungs­the­ra­pie sein, ihn aber in Ruhe las­sen kann sie auch nicht. Oft gehen die Hand­lungs­ab­läu­fe bei­der Per­so­nen in den ver­schie­de­nen Räu­men syn­chron neben­ein­an­der von­stat­ten. Her­vor­ra­gend setzt Cars­ten Schmidt das Gesche­hen auf der Büh­ne in die jeweils stim­mi­ge Beleuch­tung.

Nach jedem Aus­tausch am Com­pu­ter ver­löscht bis zur nächs­ten E- Mail das Büh­nen­licht, hell blei­ben nur die bei­den Desk­tops. Sarah Fisch­ba­cher in der Rol­le der Emmi gibt ihr das Erschei­nungs­bild einer in ihrer Ehe eher iso­lier­ten Frau, die schnell süch­tig nach Leos Post aus dem Inter­net wird. Vie­les an die­ser Figur ist künst­lich und neu­ro­tisch. In der letz­ten Sze­ne des Stü­ckes, als sie aber ihre Angst vor einer rea­len Begeg­nung mit Leo offen­bart, gelingt Sarah Fisch­ba­cher über­zeu­gen­de Umset­zung und berüh­ren­de Dar­stel­lung. Dani­el Bur­ton besticht von Beginn als Leo, der sen­si­ble jun­ge Mann, der erst nach und nach sei­ne Tren­nung über­win­det und Gefüh­le für Emmi ent­deckt. Beim ers­ten geplan­ten Tref­fen in der Men­schen­men­ge erken­nen sich die bei­den nicht. Wür­de ihre Inter­net-Bezie­hung einer rea­len Begeg­nung über­haupt stand hal­ten ?

Das letz­te Tref­fen fin­det gar nicht mehr statt, Emmis Angst ist zu groß und Leo nach­her nicht mehr erreich­bar. Eini­ge Straf­fun­gen wür­den der Auf­füh­rung mehr Strin­genz ver­lei­hen, doch stell­te sich Gabrie­la Schmidt als Regis­seu­rin in einer gelun­ge­nen Insze­nie­rung vor und konn­te sich mit ihren jun­gen Schau­spie­lern und ihrem gan­zen Team über den gro­ßen Bei­fall des Publi­kums freu­en.

2012 - Plakat - GUT GEGEN NORDWIND, Bild: David Schmidt
2012 - Pla­kat - GUT GEGEN NORD­WIND, Bild: David Schmidt

PRE­MIE­RE:  Sa 03. Novem­ber 2019

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 09/10 Novem­ber
Do 15 Novem­ber
Fr/Sa 16/17 Novem­ber
So 18 Novem­ber
Fr/Sa 23/24 Novem­ber (kei­ne Auf­füh­rung)
Fr/Sa 30 November/01 Dezem­ber
So 02 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Don­ners­tag, Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr, Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Gabrie­la Schmidt
Büh­ne:Gabrie­la Schmidt
Licht/Ton:Cars­ten Schmidt
Pla­kat:David Schmidt
 Schau­spie­lerals
Sarah Fisch­ba­cherEmmi
Dani­el Bur­tonLeo

Schlag­wor­te zum Stück