EFFI!

Schauspiel von Jutta Schmidt nach dem Roman „Effi Briest” von Theodor Fontane

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2014 - Plakat - Effi!

2014 – Plakat – Effi!

Vorstellungstermine:
Samstag, 27. September 2014, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 3. / 4. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 10. / 11. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 12. Oktober, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 17. / 18. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 24. / 25. Oktober, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST spie­len:
Steffi Flader und Jutta Schmidt, Christian Domnick, Günter Hendrich und Tobias Huber.

Regie: Jutta Schmidt
Assistenz: Britta Erlich-Friedinger
Technik: Ingo Hoborn
Bühne: Klaus Lüders
Plakat: Tobias Huber

lnr: Christian Domnick, Jutta Schmidt, Tobias Huber

lnr: Christian Domnick, Jutta Schmidt, Tobias Huber

Zum Inhalt:

Die tem­pe­ra­ment­vol­le Effi ist noch sehr jung, als sie von ihren Eltern in die Ehe mit Baron von Innstetten gedrängt wird. Er ist mehr als dop­pelt so alt wie Effi, ist ein ehe­ma­li­ger Verehrer ihrer Mutter – und den­noch macht ihr die Mutter den Bewerber schmack­haft. Das naï­ve jun­ge Ding hat kei­ne Vorstellung davon, was durch die­se Heirat auf es zukommt, lässt sich aber von der gesell­schaft­li­chen Stellung ver­lo­cken, die durch die­se gute Partie zu erwar­ten ist.

Nach der Hochzeitsreise zieht Effi mit ihrem Ehegemahl, dem kar­rie­re­be­wuss­ten Landrat, an die hin­ter­pom­mer­sche Küste. Doch in sei­nem Haus in Kessin gestal­tet sich das Leben nicht nur recht lang­wei­lig, auch ein angeb­li­cher Spuk in der weit­läu­fi­gen Villa macht ihr zu schaf­fen. Trotz der Geburt ihrer Tochter blei­ben die Tage ereig­nis­los für die lebens­hung­ri­ge jun­ge Frau.

Crampas und Effi (Tobias Huber und Jutta Schmidt)

Crampas und Effi (Tobias Huber und Jutta Schmidt)

So hat der attrak­ti­ve Major von Crampas leich­tes Spiel, sie zu ver­füh­ren. Sie beginnt eine kur­ze, hef­ti­ge Affäre mit ihm. Aber als ihr Ehemann nach Berlin ver­setzt wird, ist Effi glück­lich über die Chance, sich aus ihrem bis­he­ri­gen Leben und dem ver­bo­te­nen Verhältnis befrei­en zu kön­nen.

Sechs Jahre spä­ter ent­deckt Innstetten die Liebebriefe von Crampas an sei­ne Frau Effi. Er for­dert ihn zum Duell. Crampas ver­liert sein Leben, Innstetten ver­stößt Effi gegen sein eige­nes Gefühl, Effi lebt – auch ohne den Schutz ihrer Eltern – bis zu ihrem Tod allein. Stolz und Konvention haben über Güte und Vergebung gesiegt.

Jutta Schmidt hat die­se Lebensgeschichte als Bühnenfassung aus dem Roman „Effi Briest” mit gro­ßem Respekt vor der Sprache des Autors Theodor Fontane her­aus­ge­löst und bringt sei­ne Dialoge mit ihren Schauspielern zum Klingen.

TAM OST – Feature des rfo 9.2014 (zum öff­nen ankli­cken)

Kritik OVB 1.10.2014, von Margit Jacobi

Kammerspiel von großer Konzentration

Das Schicksal einer jungen Frau steht im Mittelpunkt von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest”. Fontane gilt als bedeutenster Vertreter des deutschen Realismus.

(Original :http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/kammerspiel-grosser-konzentration-4008088.html?cmp=defrss)

Uraufführung von "Effi" mit (von links) Jutta Schmidt in der Titelrolle und Tobias Huber als Major Crampas; rechts Christian Domnick als Baron von Innstetten. Foto : Jacobi© OVB

Uraufführung von „Effi” mit (von links) Jutta Schmidt in der Titelrolle und Tobias Huber als Major Crampas; rechts Christian Domnick als Baron von Innstetten. Foto : Jacobi© OVB

Jutta Schmidt vom Ensemble des Rosenheimer Theaters am Markt schrieb eine Bühnenfassung des Dramas, insze­nier­te es und über­nahm die Titelrolle. Als Kammerspiel von gro­ßer Konzentration in Szene gesetzt, nimmt gera­de die Verdichtung der Handlung und der Verzicht auf jeg­li­che Statisterie und Dekoration gefan­gen.

Als Vorbote kom­men­den Unheils mag ein Gewitter gel­ten, das mit kra­chen­dem Donner zu Beginn eine gespens­ti­sche Szenerie ver­an­schau­licht, in der die blut­jun­ge Effi gleich einem Irrlicht immer wie­der aus dem von Blitzen erhell­tem Dunkel auf­taucht. Verstärkt wird die­ser unheim­li­che Eindruck durch Stimmen aus dem Off, die wie aus einer Geisterwelt tönen und mit denen Effi in Dialog tritt. Auf- und Abblendungen des Lichts tren­nen, wie es beim Film knap­pe Schnitte bewir­ken, scharf die Szenen. Zeitliche Brüche wer­den gesetzt durch Musik unter ande­rem der „Gruppe Granit”, aus der „Fabelhaften Welt der Amelie” und von der Band „Rammstein”.

Ein wenig ist die 17-jäh­ri­ge Effi zwar beein­druckt, als Baron von Innstetten bei ihren Eltern um ihre Hand anhält, doch kennt sie den ehe­ma­li­gen Verehrer ihrer Mutter noch gar nicht. Luise Briest aber drängt ihre Tochter zur Ehe mit dem mehr als dop­pelt so alten Baron. Einst hat­te sie ihren arri­vier­ten Mann dem jun­gen Baron vor­ge­zo­gen. Für Luise zählt auch jetzt der Status, den Innstetten erwor­ben hat.

Steffi Flader zeich­net stim­mig das Bild einer Frau, die den Konventionen ver­haf­tet ist. Sollte nun die Verehelichung der Tochter nicht nur Versorgungsaspekte haben, son­dern auch als Wiedergutmachung gel­ten?

In ihrem Vater hat Effi eben­so wenig Stütze für Jungmädchenträume. Er ist kein Mann von Widerworten bei den Machenschaften sei­ner Frau. Günter Hendrich ent­spricht in sei­ner Darstellung der Figur die­ses Mannes, der sei­ner Frau das Handeln über­lässt.

Jutta Schmidt als Effi ver­leiht die­sem uner­fah­re­nen Wesen anrüh­rend das Kindhafte, das Sehnen nach Schutz und Zärtlichkeit, zeigt zudem das Verlangen nach Abwechslung. Alle Facetten die­ses Mädchens aus gut­bür­ger­li­chem Haus deckt sie wun­der­bar auf, ist vol­ler Ängste und Unsicherheit, ver­leug­net aber auch nicht die aner­zo­ge­nen Ansprüche nach Status.

Von einer Entfremdung in der Ehe mit dem kar­rie­re­be­wuss­ten Landrat zu spre­chen, kann nur wie Hohn klin­gen, hat eine lie­be­vol­le Annäherung doch nie wirk­lich statt­ge­fun­den. Sehr deut­lich bringt Christian Domnick gera­de in der Zurückgenommenheit sei­nes Agierens die ver­küm­mer­ten Gefühle die­ses Mannes zur Wirkung. Für ihn ist sie ein Kind, dem er weder sei­ne Aufmerksamkeit noch über­haupt Zeit oder gar Liebe zu geben ver­mag. Die Ängste sei­ner Frau schürt er mit nächt­li­chen Spukgeräuschen und beun­ru­higt sie mit Andeutungen.

Einzig das Erscheinen des Major von Crampas in dem tris­ten und tod­lang­wei­li­gen Leben bringt Abwechslung, und nach eini­ger Zeit erliegt Effi sei­nen Verführungen. In die­sem roman­ti­schen Zwischenspiel weicht die Düsternis der Kulisse kurz dem Ausblick auf eine hel­le Dünenlandschaft.

Tobias Huber ver­an­schau­licht als Crampas, wie Jugend und etwas Lockerheit, bei­des im Kontrast zu Innstetten, Effi zu die­ser Liebelei ver­lei­ten konn­ten. Dass sie das kur­ze Glück nicht unbe­schwert genie­ßen kann, ver­hin­dert ihre Angst vor der Aufdeckung, doch hat ihr die­se Affäre Selbstsicherheit gege­ben.
Sogar ihr Gemahl ent­deckt in ihr plötz­lich etwas Verführerisches, und Jutta Schmidt zeigt wei­ter­hin in sub­ti­lem Spiel die Befindlichkeiten Effis her­vor­ra­gend auf. Sie macht die Erleichterung der jun­gen Frau spür­bar, als Innstetten nach Berlin ver­setzt wird und sie ihm dort­hin mit dem gemein­sa­men Kind fol­gen kann.

Jahre spä­ter ent­deckt der Baron Liebesbriefe, die Crampas damals Effi geschrie­ben hat­te. Erschreckend, wie ihr Mann erst jetzt in jäher Wut zu einem Gefühlsausbruch fähig ist. In über­hol­tem Ehrenkodex ver­langt er nach Satisfaktion und tötet Crampas im Duell. Er und die Gesellschaft aber haben den Stab über Effi gebro­chen.

Jutta Schmidt beleuch­tet in ihrer strin­gen­ten Inszenierung das beklem­men­de Geflecht gesell­schaft­li­cher Zwänge und lässt die Charaktere der ein­zel­nen Figuren klar in Erscheinung tre­ten. Ihr Fokus ist auf Fontanes ele­gan­te Sprache und die Quintessenz der Handlung mit durch­ge­hen­dem Spannungsablauf gerich­tet. Die nach­hal­tig beein­dru­cken­de Aufführung for­dert zudem eige­ne Reflexionen her­aus.

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