Schau­spiel von Jut­ta Schmidt nach dem Roman „Effi Briest“ von Theo­dor Fon­ta­ne

Regie: Jut­ta Schmidt

lnr: Christian Domnick, Jutta Schmidt, Tobias Huber
lnr: Chris­ti­an Dom­nick, Jut­ta Schmidt, Tobi­as Huber

Die tem­pe­ra­ment­vol­le Effi ist noch sehr jung, als sie von ihren Eltern in die Ehe mit Baron von Inn­stet­ten gedrängt wird. Er ist mehr als dop­pelt so alt wie Effi, ist ein ehe­ma­li­ger Ver­eh­rer ihrer Mut­ter - und den­noch macht ihr die Mut­ter den Bewer­ber schmack­haft. Das naï­ve jun­ge Ding hat kei­ne Vor­stel­lung davon, was durch die­se Hei­rat auf es zukommt, lässt sich aber von der gesell­schaft­li­chen Stel­lung ver­lo­cken, die durch die­se gute Par­tie zu erwar­ten ist.

Nach der Hoch­zeits­rei­se zieht Effi mit ihrem Ehe­ge­mahl, dem kar­rie­re­be­wuss­ten Land­rat, an die hin­ter­pom­mer­sche Küs­te. Doch in sei­nem Haus in Kes­sin gestal­tet sich das Leben nicht nur recht lang­wei­lig, auch ein angeb­li­cher Spuk in der weit­läu­fi­gen Vil­la macht ihr zu schaf­fen. Trotz der Geburt ihrer Toch­ter blei­ben die Tage ereig­nis­los für die lebens­hung­ri­ge jun­ge Frau.

Crampas und Effi (Tobias Huber und Jutta Schmidt)
Cram­pas und Effi (Tobi­as Huber und Jut­ta Schmidt)

So hat der attrak­ti­ve Major von Cram­pas leich­tes Spiel, sie zu ver­füh­ren. Sie beginnt eine kur­ze, hef­ti­ge Affä­re mit ihm. Aber als ihr Ehe­mann nach Ber­lin ver­setzt wird, ist Effi glück­lich über die Chan­ce, sich aus ihrem bis­he­ri­gen Leben und dem ver­bo­te­nen Ver­hält­nis befrei­en zu kön­nen.

Sechs Jah­re spä­ter ent­deckt Inn­stet­ten die Lie­be­brie­fe von Cram­pas an sei­ne Frau Effi. Er for­dert ihn zum Duell. Cram­pas ver­liert sein Leben, Inn­stet­ten ver­stößt Effi gegen sein eige­nes Gefühl, Effi lebt - auch ohne den Schutz ihrer Eltern - bis zu ihrem Tod allein. Stolz und Kon­ven­ti­on haben über Güte und Ver­ge­bung gesiegt.

Jut­ta Schmidt hat die­se Lebens­ge­schich­te als Büh­nen­fas­sung aus dem Roman „Effi Briest“ mit gro­ßem Respekt vor der Spra­che des Autors Theo­dor Fon­ta­ne her­aus­ge­löst und bringt sei­ne Dia­lo­ge mit ihren Schau­spie­lern zum Klin­gen.

ovb, 1.10.2014, von Mar­grit Jaco­bi
(Ori­gi­nal :http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/kammerspiel-grosser-konzentration-4008088.html?cmp=defrss)

Kam­mer­spiel von gro­ßer Kon­zen­tra­ti­on

Uraufführung von
Urauf­füh­rung von „Effi“ mit (von links) Jut­ta Schmidt in der Titel­rol­le und Tobi­as Huber als Major Cram­pas; rechts Chris­ti­an Dom­nick als Baron von Inn­stet­ten. Foto : Jaco­bi© OVB

Das Schick­sal einer jun­gen Frau steht im Mit­tel­punkt von Theo­dor Fon­ta­nes Roman „Effi Briest“. Fon­ta­ne gilt als bedeu­tens­ter Ver­tre­ter des deut­schen Rea­lis­mus.

Jut­ta Schmidt vom Ensem­ble des Rosen­hei­mer Thea­ters am Markt schrieb eine Büh­nen­fas­sung des Dra­mas, insze­nier­te es und über­nahm die Titel­rol­le. Als Kam­mer­spiel von gro­ßer Kon­zen­tra­ti­on in Sze­ne gesetzt, nimmt gera­de die Ver­dich­tung der Hand­lung und der Ver­zicht auf jeg­li­che Sta­tis­te­rie und Deko­ra­ti­on gefan­gen.

Als Vor­bo­te kom­men­den Unheils mag ein Gewit­ter gel­ten, das mit kra­chen­dem Don­ner zu Beginn eine gespens­ti­sche Sze­ne­rie ver­an­schau­licht, in der die blut­jun­ge Effi gleich einem Irr­licht immer wie­der aus dem von Blit­zen erhell­tem Dun­kel auf­taucht. Ver­stärkt wird die­ser unheim­li­che Ein­druck durch Stim­men aus dem Off, die wie aus einer Geis­ter­welt tönen und mit denen Effi in Dia­log tritt. Auf- und Abblen­dun­gen des Lichts tren­nen, wie es beim Film knap­pe Schnit­te bewir­ken, scharf die Sze­nen. Zeit­li­che Brü­che wer­den gesetzt durch Musik unter ande­rem der „Grup­pe Gra­nit“, aus der „Fabel­haf­ten Welt der Ame­lie“ und von der Band „Ramm­stein“.

Ein wenig ist die 17-jäh­ri­ge Effi zwar beein­druckt, als Baron von Inn­stet­ten bei ihren Eltern um ihre Hand anhält, doch kennt sie den ehe­ma­li­gen Ver­eh­rer ihrer Mut­ter noch gar nicht. Lui­se Briest aber drängt ihre Toch­ter zur Ehe mit dem mehr als dop­pelt so alten Baron. Einst hat­te sie ihren arri­vier­ten Mann dem jun­gen Baron vor­ge­zo­gen. Für Lui­se zählt auch jetzt der Sta­tus, den Inn­stet­ten erwor­ben hat.

Stef­fi Fla­der zeich­net stim­mig das Bild einer Frau, die den Kon­ven­tio­nen ver­haf­tet ist. Soll­te nun die Ver­ehe­li­chung der Toch­ter nicht nur Ver­sor­gungs­as­pek­te haben, son­dern auch als Wie­der­gut­ma­chung gel­ten?

In ihrem Vater hat Effi eben­so wenig Stüt­ze für Jung­mäd­chen­träu­me. Er ist kein Mann von Wider­wor­ten bei den Machen­schaf­ten sei­ner Frau. Gün­ter Hend­rich ent­spricht in sei­ner Dar­stel­lung der Figur die­ses Man­nes, der sei­ner Frau das Han­deln über­lässt.

Jut­ta Schmidt als Effi ver­leiht die­sem uner­fah­re­nen Wesen anrüh­rend das Kind­haf­te, das Seh­nen nach Schutz und Zärt­lich­keit, zeigt zudem das Ver­lan­gen nach Abwechs­lung. Alle Facet­ten die­ses Mäd­chens aus gut­bür­ger­li­chem Haus deckt sie wun­der­bar auf, ist vol­ler Ängs­te und Unsi­cher­heit, ver­leug­net aber auch nicht die aner­zo­ge­nen Ansprü­che nach Sta­tus.

Von einer Ent­frem­dung in der Ehe mit dem kar­rie­re­be­wuss­ten Land­rat zu spre­chen, kann nur wie Hohn klin­gen, hat eine lie­be­vol­le Annä­he­rung doch nie wirk­lich statt­ge­fun­den. Sehr deut­lich bringt Chris­ti­an Dom­nick gera­de in der Zurück­ge­nom­men­heit sei­nes Agie­rens die ver­küm­mer­ten Gefüh­le die­ses Man­nes zur Wir­kung. Für ihn ist sie ein Kind, dem er weder sei­ne Auf­merk­sam­keit noch über­haupt Zeit oder gar Lie­be zu geben ver­mag. Die Ängs­te sei­ner Frau schürt er mit nächt­li­chen Spuk­ge­räu­schen und beun­ru­higt sie mit Andeu­tun­gen.

Ein­zig das Erschei­nen des Major von Cram­pas in dem tris­ten und tod­lang­wei­li­gen Leben bringt Abwechs­lung, und nach eini­ger Zeit erliegt Effi sei­nen Ver­füh­run­gen. In die­sem roman­ti­schen Zwi­schen­spiel weicht die Düs­ter­nis der Kulis­se kurz dem Aus­blick auf eine hel­le Dünen­land­schaft.

Tobi­as Huber ver­an­schau­licht als Cram­pas, wie Jugend und etwas Locker­heit, bei­des im Kon­trast zu Inn­stet­ten, Effi zu die­ser Lie­be­lei ver­lei­ten konn­ten. Dass sie das kur­ze Glück nicht unbe­schwert genie­ßen kann, ver­hin­dert ihre Angst vor der Auf­de­ckung, doch hat ihr die­se Affä­re Selbst­si­cher­heit gege­ben.
Sogar ihr Gemahl ent­deckt in ihr plötz­lich etwas Ver­füh­re­ri­sches, und Jut­ta Schmidt zeigt wei­ter­hin in sub­ti­lem Spiel die Befind­lich­kei­ten Effis her­vor­ra­gend auf. Sie macht die Erleich­te­rung der jun­gen Frau spür­bar, als Inn­stet­ten nach Ber­lin ver­setzt wird und sie ihm dort­hin mit dem gemein­sa­men Kind fol­gen kann.

Jah­re spä­ter ent­deckt der Baron Lie­bes­brie­fe, die Cram­pas damals Effi geschrie­ben hat­te. Erschre­ckend, wie ihr Mann erst jetzt in jäher Wut zu einem Gefühls­aus­bruch fähig ist. In über­hol­tem Ehren­ko­dex ver­langt er nach Satis­fak­ti­on und tötet Cram­pas im Duell. Er und die Gesell­schaft aber haben den Stab über Effi gebro­chen.

Jut­ta Schmidt beleuch­tet in ihrer strin­gen­ten Insze­nie­rung das beklem­men­de Geflecht gesell­schaft­li­cher Zwän­ge und lässt die Cha­rak­te­re der ein­zel­nen Figu­ren klar in Erschei­nung tre­ten. Ihr Fokus ist auf Fon­ta­nes ele­gan­te Spra­che und die Quint­essenz der Hand­lung mit durch­ge­hen­dem Span­nungs­ab­lauf gerich­tet. Die nach­hal­tig beein­dru­cken­de Auf­füh­rung for­dert zudem eige­ne Refle­xio­nen her­aus.

rfo 2014, Das Ori­gi­nal und vie­les mehr fin­den Sie hier beim rfo:
http://www.rfo.de/mediathek/38417/TAM_Ost_spielt_Effi_Briest.html)

2014 - Plakat - EFFI! Bild: Tobias Huber
2014 - Pla­kat - EFFI! Bild: Tobi­as Huber
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PRE­MIE­RE:  Sa 27. Sep­tem­ber 2014

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 03/04 Okto­ber
Fr/Sa 10/11 Okto­ber
So 12 Okto­ber
Fr/Sa 17/18 Okto­ber
Fr/Sa 24/25 Okto­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Jut­ta Schmidt
Assis­tenz:Brit­ta Erlich-Frie­din­ger
Büh­ne:Klaus Lüders
Licht/Ton:Ingo Hob­orn
Kos­tüm:Ensem­ble
Pla­kat:Tobi­as Huber
 Schau­spie­ler als
Stef­fi Fla­der Lui­se Briest
Jut­ta Schmidt Effi
Chris­ti­an Dom­nik Baron von Inn­stet­ten
Gün­ter Hend­rich Herr Briest
Tobi Huber Major von Cram­pas

Schlag­wor­te zum Stück