DIE MITSCHULDIGEN

Lustspiel von Johann Wolfgang von Goethe

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2009 - Plakat - Die Mitschuldigen

2009 – Plakat – Die Mitschuldigen

Vorstellungstermine:
Samstag, 25. April 2009, 20 Uhr, Première
Freitag / Samstag, 1. / 2. Mai, 20 Uhr
Freitag 8. Mai, 19 Uhr: Einführung durch die Goethegesellschaft
20 Uhr Vorstellungsbeginn
Samstag, 9. Mai, 20 Uhr
Sonntag, 10. Mai, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 15. / 16. Mai, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 22. / 23. Mai, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Stefan Vincent Schmidt
Assistenz
Bühne: Ensemble
Licht/Ton:  
Kostüm: Ensemble
Plakat: Alexander Schoenhoff
Fotografie: Renate M. Mayer

Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Jutta Schmidt Sophie
Wolfdietrich Fehler Söller
Hermann Hiemer Wirt
Peter Schrank Alcest

Zum Inhalt:

Schuldig oder mit­schul­dig?” fragt man sich nach die­sem – para­do­xer­wei­se – hei­te­ren Theaterabend.

Wirt - Hermann Hiemer und Söller - Wolfdietriech Fehler

Söller und Wirt”, (lnr) Wolfdietrich Fehler und Hermann Hiemer

Im „Schwarzen Bären” gera­ten der eil­fer­ti­ge Wirt und sein spiel­freu­di­ger Schwiegersohn Söller immer wie­der anein­an­der.

Unterdessen lässt sich Wirtstochter Sophie vom geglaub­ten Liebhaber Alcest – ganz Weltmann und selbst­ver­lieb­ter Adliger – zu einem Tête-à-Tête aufs Zimmer locken.

Doch sie blei­ben nicht allein. Auch der neu­gie­ri­ge Vater und der von Spielschulden geplag­te Ehemann suchen das nächt­li­che Gemach des Adligen auf und Söller wird unfrei­wil­lig Zeuge des Rendezvous. Der Morgen danach beginnt tur­bu­lent, als Alcest ent­deckt, dass er bestoh­len wur­de.

"Alcest und Sophie", (lnr) Peter Schrank und Jutta Schmidt

Alcest und Sophie”, (lnr) Peter Schrank und Jutta Schmidt

Dieses bur­les­ke Lustspiel vom betro­ge­nen Betrüger steckt vol­ler Situationskomik, und die hin­rei­ßend rhyth­mi­sier­te Kunstsprache for­dert die Sprachfähigkeit der Schauspieler her­aus. Goethe hat­te das Werk im Jahre 1768 geschrie­ben und mit sei­nen eigens ent­wor­fe­nen „Regeln für Schauspieler” für einen Umschwung im Bühnenspielwesen gesorgt.
1777 trat Goethe selbst in der Rolle des Alcest im Weimarer Liebhabertheater auf. 

Zum Anlass sei­nes zehn­jäh­ri­gen Jubiläums hat die Goethe-Gesellschaft in Rosenheim ange­regt, ein Goethe-Lustspiel im TAM OST auf­zu­füh­ren. Am Freitag, 8. Mai, um 19 Uhr gibt ein Referent der Goethegesellschaft vor der Vorstellung eine Einführung in das Stück.

OVB vom 29.04.2009, Kritik Georg Füchtner

Vergnügliche Verwirrung

Kaum zu glau­ben, dass Goethe erst 19 Jahre alt war, als er mit «Die Mitschuldigen» ein tur­bu­len­tes Theaterstück schuf, das bereits eine gro­ße sprach­li­che Kunstfertigkeit auf­weist und des­sen Witz und Leichtigkeit ver­blüfft.

Auf Anregung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim spiel­te das Ensemble des Theater am Markt Goethes 1777 in Weimar urauf­ge­führ­tes Frühwerk in einer Inszenierung von Stefan Vincent Schmidt. Stimmiger, leben­di­ger hät­ten die ein­zel­nen Rollen nicht besetzt wer­den kön­nen. Alcest (Peter Schrank) ver­kör­per­te her­vor­ra­gend den smar­ten, wort­ge­wand­ten Verführer, der zu sei­nem dem Trunk ver­fal­le­nen Rivalen Söller (Wolfdietrich Fehler) ide­al kon­tras­tier­te. Söllers lin­ki­sche Naivität, etwa in der Szene, als er Alcest und Sophie unfrei­wil­lig belauscht, rief im Publikum gro­ße Heiterkeit her­vor. Mit einer Clownsnase im Gesicht und mit schalk­haf­tem Spott durchs Publikum hüp­fend, erin­ner­te er ein wenig an Mephisto.

Sophie (Jutta Schmidt), Söllers jun­ge Frau, beherrsch­te gekonnt alle Gefühlsregungen von mat­ter, ent­sa­gungs­vol­ler Verzweiflung bis zu stür­mi­scher Leidenschaft. Sie sprach nur am Anfang ein biss­chen zu schrill. Ihr Vater (Hermann Hiemer), stets auf der Suche nach dem ver­sie­gel­ten Brief, amü­sier­te die Zuschauer immer wie­der mit sei­ner fah­rig-pene­tran­ten Neugier. Die gegen­sei­ti­gen Verdächtigungen der Protagonisten wegen der gestoh­le­nen Brieftasche sorg­ten rasch für Situationskomik und ver­gnüg­li­che Verwirrung.

Stefan Vincent Schmidt gelang eine zeit­ge­mä­ße, tem­po­rei­che Inszenierung. Das kar­ge Bühnenbild mit den vier getrenn­ten Holzwänden, zwi­schen denen die Akteure rasch her­vor­tre­ten und im Dämmerlicht wie­der ver­schwin­den konn­ten, bil­de­te für die Handlung eine zweck­mä­ßi­ge Kulisse. Die Figuren waren zwar typi­siert, wirk­ten mit allen ihren mensch­li­chen Merkwürdigkeiten den­noch wirk­lich­keits­ge­treu. Goethes Kunstsprache in gereim­ten Alexandrinern aus dem Munde ein­fa­cher Wirtsleute bot nicht sel­ten Anlass zum Schmunzeln.

Nicht ganz klar war der Einfall mit dem zu spät kom­men­den Söller, der barsch ein­ge­wie­sen wur­de, wit­zig aktua­li­siert hin­ge­gen die Szene mit dem Wirt, der Bildzeitung liest, über­ra­schend der von Schmidt gewähl­te Schluss. Sicher wäre Goethe mit der klug und knapp kom­po­nier­ten, locker-leich­ten Umsetzung sei­nes Theaterstücks zufrie­den gewe­sen. Das Premierenpublikum zoll­te Regie und Schauspielern jeden­falls lang anhal­ten­den, ver­dien­ten Applaus.

Kritik Echo

Von der Mitschuld

Er lieb­te die «Farce» und hat auf jeden Fall auch den Zuschauern viel Amüsement berei­ten wol­len: Johann Wolfgang von Goethe schrieb 1769 «Die Mitschuldigen», ein drei­ak­ti­ges Stück mit Witz und Pikanterie in
sechs­fü­ßi­gen, gereim­ten jam­bi­schen Versen, die sich aus der klas­si­schen fran­zö­si­schen Literatur ent­wi­ckel­ten. Goethe selbst spiel­te neun Jahre spä­ter den Alcest, einen Beau und Frauenliebhaber. Es ist ihm sicher wohl gelun­gen! Der Regisseur Stefan Vincent Schmidt insze­nier­te aktu­ell das frü­he Lustspiel des Dichterfürsten im Theater am Markt in Rosenheim. Vier rück­wan­di­ge Bühnenelemente erlau­ben gekonn­tes Auf- und Abtreten der Akteure, ein gelun­ge­ner Ersatz für das übli­che Tür auf- Tür zu- Spiel!
Wenn zu Beginn der hoch gewach­se­ne Hermann Hiemer als Wirt laut­hals sei­nen Unmut über den unge­lieb­ten, stink­fau­len Schwiegersohn Söller laut­hals kund tut, darf sich Wolfdietrich Fehler in der Rolle die­ses Schmarotzers unbe­ein­druckt am Bühnenrand lüm­meln.
Für Sophie, sei­ne Frau und des Wirtes Tochter ist so einer gewiss kein auf­re­gen­der Gemahl und Jutta Schmidt flir­tet sehr gekonnt ins Publikum, fragt lockend : «Ein Mann?» Doch schon fin­det sich ein gar beson­ders hüb­sches Exemplar die­ser Gattung. Alcest, ein frü­he­rer Verehrer ist wie­der auf­ge­taucht und höchst inter­es­siert an der ehe­ma­li­gen Gespielin: Peter Schrank, aus­ge­stat­tet mit allen Attributen eines Frauenlieblings, kom­plet­tiert so das Quartett aufs Beste. Das heim­li­che Kosen und Herzen bei­der aber, das Söller arg miss­fällt, hat jedoch bald ein jähes Ende. Im Dunkeln schleicht die­ser und jener über die Bühne.
Einer sucht einen ver­sie­gel­ten Brief, der ande­re rach­süch­tig das Geld des Rivalen. Temporeich und wit­zig gefällt die­se Inszenierung und das Verwirrspiel aller Darsteller in stim­mi­gen Kostümen.
Wolfdietrich Fehler gerät als sich gehörnt füh­len­der Ehemann gekonnt in Rage, Hermann Hiemer ver­leiht dem schlitz­oh­ri­gen Charakter des Wirts authen­tisch Ausdruck, Peter Schrank genießt sicht­lich die Rolle des Alcest und Jutta Schmidt als Sophie beweist gutes Gespür für die ver­schie­de­nen Facetten des ech­ten Weibchens. Würde sie bei den nächs­ten Aufführungen auch noch ver­nehm­li­cher arti­ku­lie­ren, blie­ben kei­ne Wünsche offen.
Das Publikum hat­te sei­nen Spaß an einer strin­gen­ten Inszenierung und belohn­te den Regisseur und sei­ne Schauspieler mit reich­lich Applaus.

it Jacobi

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