DIE IRRE VON CHAILLOT

Komödie von Jean Giraudoux

ZUM STÜCKZUR KRITIK

Vorstellungstermine:

2008 - Plakat - Die Irre von Chaillot

2008 – Plakat – Die Irre von Chaillot

Samstag, 5. April 2008, 20 Uhr, Première
Freitag / Samstag, 11. / 12. April, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 18. / 19. April, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 25. / 26. April, 20 Uhr
Sonntag, 27. April, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 2. / 3. Mai, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Renate Pröbstl
Bühne: Ensemble
Licht/Ton: Ingo Hoborn
Kostüm: Ensemble
Plakat Alexander Schoenhoff
Fotografie Renate M. Mayer

Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Renate M. Mayer Aurelie
Valerie Waltenbauer Constance
Sissi Behamer Gabriele
Marietta Maidl Josephine
Anja Rajch Geschirrspülerin
Johanna Schumann Blumenmädchen und Akkordeonspielerin
Sebastian Zollner Kloakenreiniger
Gerhard Schmid Attentäter
Carsten Schmidt Lumpensammler
Martin Schönacher Polizist
Maximilian Schmetterer Kellner
Reiner Schmähling Präsident
Gerhard Märkl Baron
Ferno Biller Prospektor
Gerhard Sellmair Makler

Zum Inhalt:

Einst konn­te es sich nur der Narr am Hofe des Königs leis­ten, den gesun­den Menschenverstand spre­chen zu las­sen. So auch „la fol­le“, die Närrin, die Irre von Chaillot, die in ihrer Verrücktheit die Welt wie­der zurecht­rückt.
Ein kri­mi­nel­les Wirtschaftskonsortium ver­mu­tet Erdöl unter Paris und hat kei­ne Skrupel, dafür die Stadt zu zer­stö­ren. In einem

Renate M. Mayer als Aurélie

Renate M. Mayer als Aurélie

Café im Armenviertel Chaillot war­ten die Herren auf den jun­gen Pierre, der mit einem Bombenattentat den letz­ten Widerstand der Behörden bre­chen soll­te. Sie brüs­ten sich mit ihren men­schen­ver­ach­ten­den Praktiken – ganz im Stil der Gegenwart. Pierre springt jedoch lie­ber in die Seine, aber sein Retter bringt ihn aus­ge­rech­net ins Café Chaillot. Dort begeg­net er Aurélie, der Irren von Chaillot. Die exzen­tri­sche Alte, eine schä­bi­ge Grande Dame, wird wegen ihrer hei­te­ren Güte von den Leuten des Ar­menviertels, dem Kloakenreiniger, dem Lumpen­sammler, dem Spülmädchen und dem Straßensänger als „Gräfin“ ver­ehrt. Sie zeigt dem ver­zwei­fel­ten Pierre wie­der, wie schön das Leben ist.

Als er sie in die ver­bre­che­ri­schen Pläne ein­weiht, führt sie mit ihren Freundinnen Constance, Gabrielle und Joséphine eine Gerichtsverhandlung durch, die mit dem Schuldspruch endet. Unter dem Vorwand, Erdöl unter ihrer Kellerbehausung ent­deckt zu ha­ben, lockt sie die geld- und macht­gie­ri­gen Herren Manager und Präsidenten in eine töd­li­che Falle. Das Böse wird aus­nahms­los bestraft, Witz und Lebens­freude sie­gen über den rüden Materialismus einer mecha­ni­sier­ten Geschäftswelt. Wie im Märchen …

Das Stück wur­de 1945 in Paris urauf­ge­führt.

Reiner Schmähling, Gerhard Sellmair, Ferno Biller und Gerhard Märkl

Reiner Schmähling, Gerhard Sellmair, Ferno Biller und Gerhard Märkl

Valerie Waltenbauer, Sissi Behamer und Jo Schumann

Valerie Waltenbauer, Sissi Behamer und Jo Schumann

Anja Rajch, Renate M. Mayer, Carsten Schmidt und Jo Schumann

Anja Rajch, Renate M. Mayer, Carsten Schmidt und Jo Schumann

Valerie Waltenbauer, Sissi Behamer und Renate M. Mayer

Valerie Waltenbauer, Sissi Behamer und Renate M. Mayer

Marietta Maidl und Carsten Schmidt

Marietta Maidl und Carsten Schmidt

Martin Schönacher, Maximilian Schmetterer und Sebastian Zollner

Martin Schönacher, Maximilian Schmetterer und Sebastian Zollner

OVB, 08.04.2008,

Gegen Ende sei­ne Lebens, wäh­rend der deut­schen Besetzung Frankreichs, ver­fass­te der fran­zö­si­sche Dichter und Diplomat Jean Giraudoux (1882 bis 1944) sei­ne Komödie «Die Irre von Chaillot»

Damals wand­te er sich gegen die Kollaborateure, gegen das Treiben der Spekulanten und Geschäftemacher im besetz­ten Paris. Heute, in Zeiten der Globalisierung, des welt­wei­ten Spekulantentums und eines unge­zü­gel­ten Kapitalismus ist das Stück mit sei­ner Kritik an der rück­sichts­lo­sen Gier nach Reichtum mehr denn je aktu­ell. Ganz ein­fach lässt Giraudoux die Welt von der alten Närrin Aurelie ret­ten, indem die­se alle ver­bre­che­ri­schen, gie­ri­gen Spekulanten auf Nimmerwiedersehen in der Unterwelt von Paris ver­schwin­den lässt.Regisseurin Renate Pröbstl und dem Ensemble gelang mit ihrer Inszenierung im Theater am Markt-Ost in Rosenheim ein über wei­te Strecken amü­sant-poe­ti­sches Spiel mit schö­nen Bildern vor einer abs­tra­hier­ten, nur mit den pas­sen­den, not­wen­di­gen Utensilien und aus­ge­stat­te­ten Bühne. Es war ein Spiel enga­gier­ter Amateure. Manche stan­den das ers­te Mal auf der Bühne. Auch die Anfänger mach­ten ihre Sache gut, aber es fehl­te wohl des­halb in man­chen Szenen Schwung, die Intensität und Genauigkeit der Darstellung. Dadurch erga­ben sich klei­ne Längen.

Giraudoux beein­fluss­te mit sei­ner Poesie, und sei­ner Mischung aus Witz und Tiefsinn spä­te­re Dramatiker, wohl auch Friedrich Dürrenmatt und Jean-Pierre Jeunet den Regisseur des Film «Die fabel­haf­te Welt der Amelie». Manche Szenen lie­ßen an Dürrenmatt und Amelie den­ken. Renate Pröbstl dach­te auch an Michael Endes Roman «Momo». Die bösen Spekulanten mar­schier­ten wie die grau­en Herren aus Endes Roman auf: mit weiß-grau­ge­schmink­ten Gesichtern, grau­en Zylindern und grau­en Anzügen. Reiner Schmähling als skru­pel­lo­ser Präsident, Gerhard Märkl als gewis­sen­lo­ser Baron, Gerhard Sellmair als schmie­ri­ger Makler und Ferno Biller als bru­ta­ler Prospektor gaben ein gar abgrün­dig-ver­bre­che­ri­sches Quartett ab, das aus einer der bit­ter­bö­sen Komödien Dürrenmatts zu ent­stam­men schien. Anders aber als bei Dürrenmatts Komödien, die immer die schlecht­mög­lichs­te Wendung neh­men, lässt Giraudoux sei­ne mär­chen­haf­te Komödie posi­tiv enden. Doch die­ses schein­bar glück­li­che Ende ist nur ein uner­füll­ba­rer Wunschtraum. So ist das Stück eigent­lich ein pes­si­mis­ti­sches, weil unmög­li­ches sati­ri­sche Märchen eines Optimisten.

Den Verbrechern in den Anzügen stellt Giraudoux, die ein­fa­chen, bra­ven Leute gegen­über, die unter ihnen zu lei­den haben und sehen, wie die Welt von die­sen erobert wird. Es sind der dienst­fer­ti­ge, ein­sil­bi­ge Kellner (Maximilian Schmetterer), der freund­li­che Polizist (Martin Schönacher), der phi­lo­so­phie­ren­de Lumpensammler (Carsten Schmidt), der abtrün­ni­ge Attentäter Pierre (Gerhard Schmid). Dazu kommt Sebastian Zollner als Lebensretter und Kloakenreiniger, der nicht als ein­zi­ger baye­ri­schen Dialekt spre­chen müss­te, nur weil er am unters­ten Ende der sozia­len Skala steht. Wandelbar zeigt sich Johanna Schumann als Blumenmädchen und Akkordeon spie­len­der Straßensänger. Sie schafft mit flot­ten fran­zö­si­schen Walzern Pariser Atmosphäre. Herauszuheben ist Anja Rajch als hüb­sche Geschirrspülerin Irmi mit ihrem immer prä­sen­ten, naiv-anmu­ti­gem Spiel, eine blon­de Amelie Rosenheims.

Dazu kom­men die Irren, bes­ser die Närrinnen, die in ihrer Fantasiewelt leben, sich ihre eige­ne Welt gestal­ten und erträu­men. In Giraudouxs Märchen siegt die­se Traumwelt gegen die böse Realität. Renate Mayer spiel­te Aurelie, die Irre von Chaillot, als lie­bens­wer­te Dame pro­fi­mä­ßig sicher und mit aus­ge­feil­ter Sprache, aber ein wenig mehr Narretei im Auftreten und der Kleidung hät­ten ihr und dem Stück gut getan. Närrischer und des­halb publi­kums­wirk­sa­mer waren da Valerie Waltenbauer als Constance, die Irre von Passy mit ihrem ein­ge­bil­de­ten Hündchen an der lee­ren Leine, Sissi Behamer als Gabriele, die Irre von Saint Sulpice mit ihrem Schönheitsfimmel, und Marietta Maidl als Josephine, die Irre von La Concorde mit ihrer Napoleon-Puppe.

 

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