Komö­die von Her­bert Rosen­dor­fer

Regie: Jut­ta Schmidt

Die Bengalische Rolle - (lnr) Simone Granowski-Heinke, Stefan Hanus, Claudia Loy, Monique Nägele, Mirjam Bertagnolli, Bild: Jutta Schmidt
Die Ben­ga­li­sche Rol­le - (lnr) Simo­ne Gra­now­ski-Hein­ke, Ste­fan Hanus, Clau­dia Loy, Moni­que Näge­le, Mir­jam Ber­ta­gnol­li, Bild: Jut­ta Schmidt

Ein biss­chen was für die Scha­den­freu­de und ein biss­chen was Fri­vo­les – das sind Zuta­ten zu einem Thea­ter­stück, an dem der Zuschau­er Spaß hat. Und davon ver­steht Her­bert Rosen­dor­fer etwas. Von Beruf ehe­mals Amts­rich­ter in Mün­chen (aber natür­lich viel bekann­ter durch Roma­ne, Hör­spie­le, Fern­seh-Kri­mis), schrieb er nicht nur „Brie­fe in die chi­ne­si­sche Ver­gan­gen­heit“, son­dern auch die­se leicht bri­san­te Komö­die.

Die Bengalische Rolle -Stefan Hanus, Claudia Loy Bild: Albert Aschl
Die Ben­ga­li­sche Rol­le -Ste­fan Hanus, Clau­dia Loy Bild: Albert Aschl

Schau­platz ist die „gute Stu­be“ einer Fami­li­en­pen­si­on, die den Musils als Tar­nung für ihr klei­nes Bor­dell dient. Musils Ehe ist so zer­schlis­sen wie das Eta­blis­se­ment, aber die Mit­ar­bei­te­rin­nen prä­gen durch Krea­ti­vi­tät die fami­liä­re Atmo­sphä­re des Hau­ses.

Es hört auf harm­los zu sein, als ein eben­so pro­mi­nen­ter wie über­ge­wich­ti­ger Gast auf die ben­ga­li­sche Rol­le nicht ver­zich­ten möch­te. Denn lei­der ist er den ero­ti­schen und kör­per­lich gewag­ten Anfor­de­run­gen die­ser „ganz irren Spe­zi­al­num­mer“ nicht gewach­sen.

Die Bengalische Rolle - Monique Nägele, Simone Granowski-Heinke, Günter Hendrich Bild: Albert Aschl
Die Ben­ga­li­sche Rol­le - Moni­que Näge­le, Simo­ne Gra­now­ski-Hein­ke, Gün­ter Hend­rich Bild: Albert Aschl

Aus der schier unlös­ba­ren Ver­kno­tung mit sei­ner dral­len asia­ti­schen Part­ne­rin kön­nen ihn die Ange­stell­ten des freund­li­chen Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­mens kaum befrei­en.
Nur der Zuschau­er als Mit­wis­ser hat einen Hei­den­spaß dar­an, wel­che erfin­dungs­rei­chen Ver­ren­kun­gen mora­li­scher, diplo­ma­ti­scher und ganz prak­ti­scher Art nun alle ande­ren machen müs­sen, um den pein­li­chen Fall dis­kret zu lösen.

© ovb, 03.05.2017, Mar­grit Jaco­bi

Ori­gi­nal hier: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/bleibt-veschlossen-8241933.html 

Die Tür bleibt ver­schlos­sen

In einem als Fami­li­en­pen­si­on getarn­ten klei­nen Bor­dell spielt die Geschich­te, in der ein schwer­ge­wich­ti­ger Poli­ti­ker beim Lie­bes­spiel mit einer chi­ne­si­schen Mit­ar­bei­te­rin in eine unlös­ba­re Ver­kno­tung gerät.

Nur der dicke Gast ist nicht zu sehen: Freudenmädchen Anita (Simone Granowski-Heinke, links), mit Pater Willibrod (Günther Hendrich ) und Gerti (Claudia Loy) auf dem Sofa, dahinter die Bordellbetreiber, Herr Musil (Stefan Hanus) und seine Frau (Monique Nägele). jacobi © OVB
Nur der dicke Gast ist nicht zu sehen: Freu­den­mäd­chen Ani­ta (Simo­ne Gra­now­ski-Hein­ke, links), mit Pater Wil­li­brod (Gün­ther Hend­rich ) und Ger­ti (Clau­dia Loy) auf dem Sofa, dahin­ter die Bor­dell­be­trei­ber, Herr Musil (Ste­fan Hanus) und sei­ne Frau (Moni­que Näge­le). jaco­bi
© OVB

Da Ähn­lich­kei­ten mit Franz Josef Strauß vor­han­den schie­nen, hat­te dies Ende der 70er-Jah­re die Urauf­füh­rung der Komö­die ver­zö­gert. Heu­te gibt es kei­ne Hin­der­nis­se mehr für die Komö­die „Die ben­ga­li­sche Rol­le“ von Her­bert Rosen­dor­fer. Nach dem Dra­ma „Das Miss­ver­ständ­nis“ von Albert Camus hat das jetzt das TAM OST das Stück auf den Spiel­plan gesetzt. Insze­niert wur­de die Komö­die von Jut­ta Schmidt.

Im TAM OST spielt alles im Vor­zim­mer des Bor­dells ab. Das Büh­nen­bild zeigt mit­tig ein rotes Sofa und drei Türen im Hin­ter­grund, über einer brennt stän­dig die rote Lam­pe. Als per­ma­nent über­dreh­te Frau Musil, Direk­to­rin des Eta­blis­se­ments, fun­giert Moni­que Näge­leSte­fan Hanus gibt ihren etwas trot­te­li­gen Ehe­mann, lau­fend beschimpft von sei­ner ener­vie­ren­den Gat­tin. Zir­kus­mu­sik und spä­ter Klän­ge des Pop beglei­ten das tur­bu­len­te Spiel.

Viel Fan­ta­sie wur­de auf die mehr oder weni­ger spär­li­che Klei­dung der Lie­bes­die­ne­rin­nen gelegt. Wie eine rosa­ro­te Zucker­stan­ge stö­ckelt die hoch­ge­wach­se­ne Ani­ta (Simo­ne Gra­now­ski-Hein­ke) auf Sti­let­tos und im pink­far­be­nen Git­ter­hemd­chen zu glän­zend rosa Leggins her­ein und erhei­tert das Publi­kum mit ihrem säch­si­schen Dia­lekt. Clau­dia Loy wie­der­um beein­druckt als Ger­ti im Tiger­dress mit ihrem üppi­gen Dekol­le­té. Das Trio voll­endet Mir­jam Ber­ta­gnol­li in der Rol­le der etwas dümm­li­chen Kit­ty, mit der die ande­ren ihren Scha­ber­nack trei­ben.

Das Dilem­ma nun besteht dar­in, dass sich die Chi­ne­sin und ihr Kun­de seit ver­gan­ge­ner Nacht in ihrem Zim­mer befin­den und die­ses auch nach wil­des­tem Klop­fen ver­schlos­sen bleibt. Da Her­ren vom Gewer­be­amt ange­kün­digt sind, dreht die Direk­to­rin am lau­fen­den Band durch. Ein her­bei­ge­ru­fe­ner Schlos­ser (Mar­tin Thal­ler) kann zwar die Türe öff­nen, stellt sich aber als zu neu­gie­rig her­aus und wird von Ger­ti in ein ande­res Zim­mer gedrängt und mit­tels Fah­nen­stan­ge außer Gefecht gesetzt. Das glei­che pas­siert einem reni­ten­ten Kun­den, Herrn Zin­ger­le (Toni Heim­rath), der auch zur Chi­ne­sin will und einem Pro­fes­sor (Her­bert Prechtl), der sich über Was­ser­scha­den beschwert. Umsonst wird Kit­ty mit gel­ber Far­be bestri­chen. Zur Chi­ne­sin lässt sie sich bei aller Mühe nicht ver­wan­deln. Der Kla­mauk wächst, aber die Zuschau­er bekom­men den pro­mi­nen­ten Kun­den und sei­ne chi­ne­si­sche Sex­part­ne­rin nie zu sehen. Ein in sei­ner Ver­zweif­lung immer betrun­ke­ner wer­den­der Herr Musil hät­te ger­ne Löse­geld für sei­nen über­ge­wich­ti­gen Gast, den er samt der Chi­ne­sin lie­fern wür­de, da sie ja untrenn­bar mit­ein­an­der in der „ver­ma­le­dei­ten ben­ga­li­schen Rol­le“ ver­bun­den sind.

Bes­te Lösung: Türen ver­na­geln

Die Türen ver­na­geln und dar­über tape­zie­ren, das ist die bes­te Lösung, fin­det auch Pater Wil­li­brod (Gün­ther Hend­rich), den Frau Musil in ihrer Not her­bei­ruft. Er weiß genau, dass der pro­mi­nen­te Kun­de viel zu dick und zu alt sei, um für die „ben­ga­li­sche Rol­le“, die­se irre Spe­zi­al­num­mer, geeig­net zu sein. Als am Schluss ein unbe­kann­ter Herr auf­taucht, ergibt sich für Herrn Musil und für sei­ne scharf­zün­gi­ge Frau eine unver­hoff­te Lösung, die den pein­li­chen Fall dis­kret löst.

Das Publi­kum hat­te den Abend mit vie­len Lachern quit­tiert und die Regis­seu­rin und ihre tem­pe­ra­ment­voll agie­ren­den Schau­spie­ler mit herz­li­chem Applaus bedankt.

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2017 - Plakat - DIE BENGALISCHE ROLLE, Bild: Alexander Schoenhoff
2017 - Pla­kat - DIE BEN­GA­LI­SCHE ROL­LE, Bild: Alex­an­der Schoen­hoff
Die Bengalische Rolle - Herbert Prechtl, Bild: Albert Aschl
Die Ben­ga­li­sche Rol­le - Her­bert Prechtl, Bild: Albert Aschl
Alben im Goog­le Foto­ar­chiv

PRE­MIE­RE:  Sa 29. April 2017

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 05/06 Mai
So 07 Mai
Fr/Sa 12/13 Mai
Sonn­tag, 14. Mai, 11 Uhr „Mut­ter­tags­ma­ti­nee“
und Sonn­tag, 14. Mai, 17 Uhr
Fr/Sa 19/20 Mai
Fr/Sa 26/27 Mai

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Jut­ta Schmidt
Assis­tenz:Ste­fa­nie Fla­der
Büh­ne:Ste­phan Ber­ta­gnol­li mit den Schrei­ner­boys
Licht/Ton:Oli­ver Hein­ke, Andi Mit­ter­mai­er, Ger­hard Sell­mair
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:Jut­ta Schmidt, Albert Aschl
Pla­kat:Alex­an­der Schoen­hoff
 Schau­spie­lerals
Mir­jam Ber­ta­gnol­liKit­ty
Simo­ne Gra­now­ski-Hein­keAni­ta
Clau­dia LoyGer­ti
Moni­que Näge­leFrau Musil
Ste­fan HanusHerr Musil
Toni Heim­rathZin­ger­le
Gün­ter Hend­richPater Wil­li­brod
Her­bert PrechtlPro­fes­sor
Mar­tin Thal­lerSchlosser/Briefträger
Heinz W. War­n­e­mannUnbe­kann­ter Herr

Schlag­wor­te zum Stück