DER NACKTE WAHNSINN

WIEDERAUFNAHME

Komödie von Michael Frayn 

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2018 - Plakat - DER NACKTE WAHNSINN

2018 – Plakat – DER NACKTE WAHNSINN

 

4 Vorstellungstermine:

Donnerstag, 30. Mai 2019, 20 Uhr,
Freitag, 31. Mai, 20 Uhr
Samstag, 1. Juni, 20 Uhr
Sonntag, 2. Juni, 17 Uhr

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie: Jutta Schmidt
Assistenz: Janette Kreuzeder
Bühne: Stephan Bertagnolli mit den Schreinerboys
Ergänzungen: Ensemble
Licht/Ton: Laura Thiemann
Kostüm: Jutta Schmidt
Fotografie: Chris Ares, Albert Aschl
Programm-Text: Renate M. Mayer, Jutta Schmidt
Plakat/Programm: Alexander Schoenhoff
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Mirjam Bertagnolli Brooke Ashton und deren Rolle als Vicky 
Dagmar Deisenberger Belinda Blair und deren Rolle als Flavia Brent
Silvia Hofmann Dotty Ottley und deren Rolle als Mrs. Clackett
Monique Nägele Poppy Norton-Taylor, die Regieassistentin
Hermann Hager Garry Lejeune und des­sen Rolle als Roger Tramplemain
Herbert Prechtl Selsdon Mowbray und des­sen Rolle als „Der Einbrecher”
Alexander Schoenhoff Lloyd Dallas, der Regisseur
Thomas Terpetschnig Frederick Fellowes und des­sen Rolle als Philip Brent

Zum Inhalt:

Der nackte Wahnsinn - "Garry, Dotty und Frederick",(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig

Garry, Dotty und Frederick”,(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig

Es herrscht das reins­te Chaos: Das Ensemble eines Tourneetheaters steht mit der Komödie „Nackte Tatsachen“ am letz­ten Abend vor dem Tag der Première…

Der nackte Wahnsinn - "Selsdon, Dotty und Belinda",(lnr) Herbert Prechtl, Silvia Hofmann und Dagmar Deisenberger

Selsdon, Dotty und Belinda”,(lnr) Herbert Prechtl, Silvia Hofmann und Dagmar Deisenberger

Bei der lau­fen­den Generalprobe lie­gen nicht nur beim Regisseur die Nerven blank, denn rein gar nichts funk­tio­niert!

Die Schauspieler ver­ste­hen das Stück nicht, sind text­un­si­cher, ver­pas­sen Auf- und Abgänge und auch der Umgang mit den Requisiten erweist sich als unlös­ba­res Problem,…

Wie soll die Truppe die Première da noch glimpf­lich meis­tern? Und selbst wenn sie es doch noch schafft, wie gehts dann wei­ter? Denn das Stück soll ja schließ­lich auf Tournee gehen…!?

Der nackte Wahnsinn - "Dotty, Brooke und Garry",(lnr) Silvia Hofmann, Mirjam Bertagnolli und Hermann Hager

Der nack­te Wahnsinn – „Dotty, Brooke und Garry”,(lnr) Silvia Hofmann, Mirjam Bertagnolli und Hermann Hager

Die Generalprobe gerät also zum ech­ten Nervenspiel. Und als wäre das nicht schon Aufregung genug, men­schelt es auch hin­ter den Kulissen gewal­tig!

Die Erfolgskomödie „Der nack­te Wahnsinn”, im Original „Noises Off!” von Michael Frayn 1982 ver­öf­fent­licht, ist ein wahr­lich rasan­tes Stück Theaterspaß für alle, die ger­ne lachen und ins­ge­heim immer schon mal „Mäuschen” hin­ter der Bühne spie­len woll­ten.

Die Idee hier­zu kam Frayn 1970, wäh­rend er hin­ter den Kulissen eine Theaterprobe beob­ach­te­te.
Es dau­er­te wohl nicht lan­ge, bis er ent­deckt hat­te, dass hin­ter der Bühne min­des­tens genau­so quir­li­ge, lus­ti­ge und dra­ma­ti­sche Dinge pas­sie­ren wie auf der­sel­ben. Und das, so wird er sich gedacht haben, DAS muss das Publikum auch zu sehen bekom­men!

Weitere Bilder fin­den Sie hier: https://photos.app.goo.gl/ya2ZBsD491YUWGsH9
Alle Nutzungsrechte vor­be­hal­ten, beach­ten Sie den ent­spre­chen­den Hinweis im Album

©OVB, 8.11.2018, von Rainer Janka
(Original siehe: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/immer-knallen-tueren-10537244.html)

ovb - Nackter Wahnsinn, Bild: Rainer Janka

ovb – Nackter Wahnsinn, Bild: Rainer Janka, Alle Rechte ovb/Janka

Das vor­her­ge­hen­de Stück im Rosenheimer TAM OST war eine klas­si­sche Komödie vol­ler Feinsinn, näm­lich „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist. Das jet­zi­ge Stück ist die reins­te Anarchie. Der ers­te Akt spielt auf der Bühne und ist das begin­nen­de Chaos, der zwei­te spielt hin­ter der Bühne und ist das trotz­dem funk­tio­nie­ren­de Chaos, der drit­te spielt wie­der auf der Bühne und ist das pure Chaos.

Der nack­te Wahnsinn“ von Michael Frayn ist ein wun­der­bar kon­stru­ier­tes, immer­tü­ren­knal­len­des Boulevardstück voll blü­hen­dem Unsinn, die sinn­freie Dekonstruktion einer Theaterlogik, ein Stück im Stück oder bes­ser – ein Stück hin­ter dem Stück: Schauspieler spie­len ein Stück, das sie nicht ver­ste­hen, des­sen Text sie noch nicht kön­nen und bei dem die „wirk­li­chen“ Liebeskonflikte zwi­schen den Schauspielern (der „Regisseur“ hat Amouren gleich mit zwei Schauspielerinnen gleich­zei­tig) das Funktionieren des gespiel­ten Stücks (fast) ver­hin­dern. Schauspieler spie­len Schauspieler, die mal schau­spie­lern und dann plötz­lich wie­der auf­hö­ren zu schau­spie­lern, auf der ers­ten Ebene aber ja doch schau­spie­lern.

Es ist eine Nonsense-Begegnung der drit­ten Art: Warum tra­gen eini­ge Figuren des Stücks stän­dig eine Tasche und eine Schachtel mit sich? Keiner weiß es, auch der „Regisseur“ nicht. Eine außer­or­dent­lich wich­ti­ge Rolle spielt ein Teller mit Sardinen, der mal ver­schwin­det, mal dop­pelt da ist und auf dem am Ende alle aus­rut­schen.

Viele Figuren ver­lie­ren die Hosen, sind in dem Haus, in dem sie eigent­lich nicht sein dürf­ten, und ver­schwin­den schnell durch eine der vie­len Türen, der Einbrecher kommt immer zu spät und am Ende sogar drei­fach.

Eigentlich ist die Bühne des TAM OST viel zu klein für den Raum mit acht Türen samt Fenster. Aber die Bühnenbauer Stephan Bertagnolli und die Schreinerboys haben das Unmögliche mög­lich gemacht und eine Bühne samt Fenster und Schräge gebaut, die vor allem alles aus­hält und auch von hin­ten sta­bil ist, denn die Zuschauer sit­zen ja im zwei­ten Akt hin­ter der Bühne. Die Regisseurin Jutta Schmidt hat allen Schauspielern gehö­rig Tempo ein­ge­bläut, das im zwei­ten Akt kräf­tig Fahrt auf­nimmt und im drit­ten Akt im wahrs­ten Sinne hals­bre­che­risch wird. Auch das prä­zi­se Schnellsprechen gelingt (fast) allen.

Als in Sardinen ver­lieb­tes Hausmädchen schlurft und tor­kelt Silvia Hofmann über die Bühne, die Regieassistentin (Monique Nägele) hat anfangs Schlafdefizit, ret­tet aber immer die Aufführungen, der Hausbesitzer (per­fekt schnell­spre­chend: Thomas Terpetschnig) hält immer sein Schnurrbärtchen und nervt den Regisseur mit Verständnisfragen, ver­geb­lich sucht er ein Liebes-Plätzchen mit sei­ner Frau (schnell und prä­zi­se: Dagmar Deisenberger) eben­so wie der als Schauspieler nicht stot­tern­de Gary (mit frän­kisch-schnel­lem Zungenschlag: Herman Hager) mit sei­ner immer die Augenlinsen ver­lie­ren­den Brooke (vir­tu­os wech­selnd zwi­schen Schauspielerin Brooke und „Schauspielerin Vicky“: Mirjam Bertagnolli). Herbert Prechtl spielt, anfangs sto­isch, spä­ter inten­siv und genau, den dau­er­be­trun­ke­nen Selsdon, der als Einbrecher immer zu spät ein­bricht, und Alexander Schoenhoff setzt als dau­er­ge­nerv­ter, immer kurz vor dem vul­ka­ni­schen Zornausbruch ste­hen­der Regisseur mit schnei­den­der Diktion punkt­ge­nau sei­ne geziel­ten Beleidigungen.

Wichtiger aber als die Summe der Einzelleistungen ist, dass das gesam­te Ensemble gekonnt mit­ein­an­der spielt, dass die Choreografie des Stürzens, Türenaufgehens, Türklinkenabbrechens, Sardinentellerverschwindens und Hosenrutschens funk­tio­niert und die tem­po­rei­chen Dialoge prä­zi­se wie ein Reißverschluss inein­an­der­grei­fen. Und wirk­lich klappt alles wie am Schnürchen, alles ist ein Heidenspaß, schal­len­des Ablachen ist garan­tiert, eben­so wie Amüsieren auf höhe­rem Blödsinns-Niveau – das letz­te Wort haben die Sardinen.

DER NACKTE WAHNSINN

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Komödie von Michael Frayn 

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2018 - Plakat - DER NACKTE WAHNSINN

2018 – Plakat – DER NACKTE WAHNSINN

 

4 Vorstellungstermine:

Donnerstag, 30. Mai 2019, 20 Uhr,
Freitag, 31. Mai, 20 Uhr
Samstag, 1. Juni, 20 Uhr
Sonntag, 2. Juni, 17 Uhr

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie: Jutta Schmidt
Assistenz: Janette Kreuzeder
Bühne: Stephan Bertagnolli mit den Schreinerboys
Ergänzungen: Ensemble
Licht/Ton: Laura Thiemann
Kostüm: Jutta Schmidt
Fotografie: Chris Ares, Albert Aschl
Programm-Text: Renate M. Mayer, Jutta Schmidt
Plakat/Programm: Alexander Schoenhoff
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Mirjam Bertagnolli Brooke Ashton und deren Rolle als Vicky 
Dagmar Deisenberger Belinda Blair und deren Rolle als Flavia Brent
Silvia Hofmann Dotty Ottley und deren Rolle als Mrs. Clackett
Monique Nägele Poppy Norton-Taylor, die Regieassistentin
Hermann Hager Garry Lejeune und des­sen Rolle als Roger Tramplemain
Herbert Prechtl Selsdon Mowbray und des­sen Rolle als „Der Einbrecher”
Alexander Schoenhoff Lloyd Dallas, der Regisseur
Thomas Terpetschnig Frederick Fellowes und des­sen Rolle als Philip Brent

Zum Inhalt:

Der nackte Wahnsinn - "Garry, Dotty und Frederick",(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig

Garry, Dotty und Frederick”,(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig

Es herrscht das reins­te Chaos: Das Ensemble eines Tourneetheaters steht mit der Komödie „Nackte Tatsachen“ am letz­ten Abend vor dem Tag der Première…

Der nackte Wahnsinn - "Selsdon, Dotty und Belinda",(lnr) Herbert Prechtl, Silvia Hofmann und Dagmar Deisenberger

Selsdon, Dotty und Belinda”,(lnr) Herbert Prechtl, Silvia Hofmann und Dagmar Deisenberger

Bei der lau­fen­den Generalprobe lie­gen nicht nur beim Regisseur die Nerven blank, denn rein gar nichts funk­tio­niert!

Die Schauspieler ver­ste­hen das Stück nicht, sind text­un­si­cher, ver­pas­sen Auf- und Abgänge und auch der Umgang mit den Requisiten erweist sich als unlös­ba­res Problem,…

Wie soll die Truppe die Première da noch glimpf­lich meis­tern? Und selbst wenn sie es doch noch schafft, wie gehts dann wei­ter? Denn das Stück soll ja schließ­lich auf Tournee gehen…!?

Der nackte Wahnsinn - "Dotty, Brooke und Garry",(lnr) Silvia Hofmann, Mirjam Bertagnolli und Hermann Hager

Der nack­te Wahnsinn – „Dotty, Brooke und Garry”,(lnr) Silvia Hofmann, Mirjam Bertagnolli und Hermann Hager

Die Generalprobe gerät also zum ech­ten Nervenspiel. Und als wäre das nicht schon Aufregung genug, men­schelt es auch hin­ter den Kulissen gewal­tig!

Die Erfolgskomödie „Der nack­te Wahnsinn”, im Original „Noises Off!” von Michael Frayn 1982 ver­öf­fent­licht, ist ein wahr­lich rasan­tes Stück Theaterspaß für alle, die ger­ne lachen und ins­ge­heim immer schon mal „Mäuschen” hin­ter der Bühne spie­len woll­ten.

Die Idee hier­zu kam Frayn 1970, wäh­rend er hin­ter den Kulissen eine Theaterprobe beob­ach­te­te.
Es dau­er­te wohl nicht lan­ge, bis er ent­deckt hat­te, dass hin­ter der Bühne min­des­tens genau­so quir­li­ge, lus­ti­ge und dra­ma­ti­sche Dinge pas­sie­ren wie auf der­sel­ben. Und das, so wird er sich gedacht haben, DAS muss das Publikum auch zu sehen bekom­men!

Weitere Bilder fin­den Sie hier: https://photos.app.goo.gl/ya2ZBsD491YUWGsH9
Alle Nutzungsrechte vor­be­hal­ten, beach­ten Sie den ent­spre­chen­den Hinweis im Album

©OVB, 8.11.2018, von Rainer Janka
(Original siehe: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/immer-knallen-tueren-10537244.html)

ovb - Nackter Wahnsinn, Bild: Rainer Janka

ovb – Nackter Wahnsinn, Bild: Rainer Janka, Alle Rechte ovb/Janka

Das vor­her­ge­hen­de Stück im Rosenheimer TAM OST war eine klas­si­sche Komödie vol­ler Feinsinn, näm­lich „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist. Das jet­zi­ge Stück ist die reins­te Anarchie. Der ers­te Akt spielt auf der Bühne und ist das begin­nen­de Chaos, der zwei­te spielt hin­ter der Bühne und ist das trotz­dem funk­tio­nie­ren­de Chaos, der drit­te spielt wie­der auf der Bühne und ist das pure Chaos.

Der nack­te Wahnsinn“ von Michael Frayn ist ein wun­der­bar kon­stru­ier­tes, immer­tü­ren­knal­len­des Boulevardstück voll blü­hen­dem Unsinn, die sinn­freie Dekonstruktion einer Theaterlogik, ein Stück im Stück oder bes­ser – ein Stück hin­ter dem Stück: Schauspieler spie­len ein Stück, das sie nicht ver­ste­hen, des­sen Text sie noch nicht kön­nen und bei dem die „wirk­li­chen“ Liebeskonflikte zwi­schen den Schauspielern (der „Regisseur“ hat Amouren gleich mit zwei Schauspielerinnen gleich­zei­tig) das Funktionieren des gespiel­ten Stücks (fast) ver­hin­dern. Schauspieler spie­len Schauspieler, die mal schau­spie­lern und dann plötz­lich wie­der auf­hö­ren zu schau­spie­lern, auf der ers­ten Ebene aber ja doch schau­spie­lern.

Es ist eine Nonsense-Begegnung der drit­ten Art: Warum tra­gen eini­ge Figuren des Stücks stän­dig eine Tasche und eine Schachtel mit sich? Keiner weiß es, auch der „Regisseur“ nicht. Eine außer­or­dent­lich wich­ti­ge Rolle spielt ein Teller mit Sardinen, der mal ver­schwin­det, mal dop­pelt da ist und auf dem am Ende alle aus­rut­schen.

Viele Figuren ver­lie­ren die Hosen, sind in dem Haus, in dem sie eigent­lich nicht sein dürf­ten, und ver­schwin­den schnell durch eine der vie­len Türen, der Einbrecher kommt immer zu spät und am Ende sogar drei­fach.

Eigentlich ist die Bühne des TAM OST viel zu klein für den Raum mit acht Türen samt Fenster. Aber die Bühnenbauer Stephan Bertagnolli und die Schreinerboys haben das Unmögliche mög­lich gemacht und eine Bühne samt Fenster und Schräge gebaut, die vor allem alles aus­hält und auch von hin­ten sta­bil ist, denn die Zuschauer sit­zen ja im zwei­ten Akt hin­ter der Bühne. Die Regisseurin Jutta Schmidt hat allen Schauspielern gehö­rig Tempo ein­ge­bläut, das im zwei­ten Akt kräf­tig Fahrt auf­nimmt und im drit­ten Akt im wahrs­ten Sinne hals­bre­che­risch wird. Auch das prä­zi­se Schnellsprechen gelingt (fast) allen.

Als in Sardinen ver­lieb­tes Hausmädchen schlurft und tor­kelt Silvia Hofmann über die Bühne, die Regieassistentin (Monique Nägele) hat anfangs Schlafdefizit, ret­tet aber immer die Aufführungen, der Hausbesitzer (per­fekt schnell­spre­chend: Thomas Terpetschnig) hält immer sein Schnurrbärtchen und nervt den Regisseur mit Verständnisfragen, ver­geb­lich sucht er ein Liebes-Plätzchen mit sei­ner Frau (schnell und prä­zi­se: Dagmar Deisenberger) eben­so wie der als Schauspieler nicht stot­tern­de Gary (mit frän­kisch-schnel­lem Zungenschlag: Herman Hager) mit sei­ner immer die Augenlinsen ver­lie­ren­den Brooke (vir­tu­os wech­selnd zwi­schen Schauspielerin Brooke und „Schauspielerin Vicky“: Mirjam Bertagnolli). Herbert Prechtl spielt, anfangs sto­isch, spä­ter inten­siv und genau, den dau­er­be­trun­ke­nen Selsdon, der als Einbrecher immer zu spät ein­bricht, und Alexander Schoenhoff setzt als dau­er­ge­nerv­ter, immer kurz vor dem vul­ka­ni­schen Zornausbruch ste­hen­der Regisseur mit schnei­den­der Diktion punkt­ge­nau sei­ne geziel­ten Beleidigungen.

Wichtiger aber als die Summe der Einzelleistungen ist, dass das gesam­te Ensemble gekonnt mit­ein­an­der spielt, dass die Choreografie des Stürzens, Türenaufgehens, Türklinkenabbrechens, Sardinentellerverschwindens und Hosenrutschens funk­tio­niert und die tem­po­rei­chen Dialoge prä­zi­se wie ein Reißverschluss inein­an­der­grei­fen. Und wirk­lich klappt alles wie am Schnürchen, alles ist ein Heidenspaß, schal­len­des Ablachen ist garan­tiert, eben­so wie Amüsieren auf höhe­rem Blödsinns-Niveau – das letz­te Wort haben die Sardinen.

DER NACKTE WAHNSINN

WIEDERAUFNAHME

Komödie von Michael Frayn 

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2018 - Plakat - DER NACKTE WAHNSINN

2018 – Plakat – DER NACKTE WAHNSINN

 

4 Vorstellungstermine:

Donnerstag, 30. Mai 2019, 20 Uhr,
Freitag, 31. Mai, 20 Uhr
Samstag, 1. Juni, 20 Uhr
Sonntag, 2. Juni, 17 Uhr

(Klicken zum anzei­gen)
Im Ensemble TAM OST – Produktion
Regie: Jutta Schmidt
Assistenz: Janette Kreuzeder
Bühne: Stephan Bertagnolli mit den Schreinerboys
Ergänzungen: Ensemble
Licht/Ton: Laura Thiemann
Kostüm: Jutta Schmidt
Fotografie: Chris Ares, Albert Aschl
Programm-Text: Renate M. Mayer, Jutta Schmidt
Plakat/Programm: Alexander Schoenhoff
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Mirjam Bertagnolli Brooke Ashton und deren Rolle als Vicky 
Dagmar Deisenberger Belinda Blair und deren Rolle als Flavia Brent
Silvia Hofmann Dotty Ottley und deren Rolle als Mrs. Clackett
Monique Nägele Poppy Norton-Taylor, die Regieassistentin
Hermann Hager Garry Lejeune und des­sen Rolle als Roger Tramplemain
Herbert Prechtl Selsdon Mowbray und des­sen Rolle als „Der Einbrecher”
Alexander Schoenhoff Lloyd Dallas, der Regisseur
Thomas Terpetschnig Frederick Fellowes und des­sen Rolle als Philip Brent

Zum Inhalt:

Der nackte Wahnsinn - "Garry, Dotty und Frederick",(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig

Garry, Dotty und Frederick”,(lnr) Hermann Hager, Silvia Hofmann und Thomas Terpetschnig

Es herrscht das reins­te Chaos: Das Ensemble eines Tourneetheaters steht mit der Komödie „Nackte Tatsachen“ am letz­ten Abend vor dem Tag der Première…

Der nackte Wahnsinn - "Selsdon, Dotty und Belinda",(lnr) Herbert Prechtl, Silvia Hofmann und Dagmar Deisenberger

Selsdon, Dotty und Belinda”,(lnr) Herbert Prechtl, Silvia Hofmann und Dagmar Deisenberger

Bei der lau­fen­den Generalprobe lie­gen nicht nur beim Regisseur die Nerven blank, denn rein gar nichts funk­tio­niert!

Die Schauspieler ver­ste­hen das Stück nicht, sind text­un­si­cher, ver­pas­sen Auf- und Abgänge und auch der Umgang mit den Requisiten erweist sich als unlös­ba­res Problem,…

Wie soll die Truppe die Première da noch glimpf­lich meis­tern? Und selbst wenn sie es doch noch schafft, wie gehts dann wei­ter? Denn das Stück soll ja schließ­lich auf Tournee gehen…!?

Der nackte Wahnsinn - "Dotty, Brooke und Garry",(lnr) Silvia Hofmann, Mirjam Bertagnolli und Hermann Hager

Der nack­te Wahnsinn – „Dotty, Brooke und Garry”,(lnr) Silvia Hofmann, Mirjam Bertagnolli und Hermann Hager

Die Generalprobe gerät also zum ech­ten Nervenspiel. Und als wäre das nicht schon Aufregung genug, men­schelt es auch hin­ter den Kulissen gewal­tig!

Die Erfolgskomödie „Der nack­te Wahnsinn”, im Original „Noises Off!” von Michael Frayn 1982 ver­öf­fent­licht, ist ein wahr­lich rasan­tes Stück Theaterspaß für alle, die ger­ne lachen und ins­ge­heim immer schon mal „Mäuschen” hin­ter der Bühne spie­len woll­ten.

Die Idee hier­zu kam Frayn 1970, wäh­rend er hin­ter den Kulissen eine Theaterprobe beob­ach­te­te.
Es dau­er­te wohl nicht lan­ge, bis er ent­deckt hat­te, dass hin­ter der Bühne min­des­tens genau­so quir­li­ge, lus­ti­ge und dra­ma­ti­sche Dinge pas­sie­ren wie auf der­sel­ben. Und das, so wird er sich gedacht haben, DAS muss das Publikum auch zu sehen bekom­men!

Weitere Bilder fin­den Sie hier: https://photos.app.goo.gl/ya2ZBsD491YUWGsH9
Alle Nutzungsrechte vor­be­hal­ten, beach­ten Sie den ent­spre­chen­den Hinweis im Album

©OVB, 8.11.2018, von Rainer Janka
(Original siehe: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/immer-knallen-tueren-10537244.html)

ovb - Nackter Wahnsinn, Bild: Rainer Janka

ovb – Nackter Wahnsinn, Bild: Rainer Janka, Alle Rechte ovb/Janka

Das vor­her­ge­hen­de Stück im Rosenheimer TAM OST war eine klas­si­sche Komödie vol­ler Feinsinn, näm­lich „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist. Das jet­zi­ge Stück ist die reins­te Anarchie. Der ers­te Akt spielt auf der Bühne und ist das begin­nen­de Chaos, der zwei­te spielt hin­ter der Bühne und ist das trotz­dem funk­tio­nie­ren­de Chaos, der drit­te spielt wie­der auf der Bühne und ist das pure Chaos.

Der nack­te Wahnsinn“ von Michael Frayn ist ein wun­der­bar kon­stru­ier­tes, immer­tü­ren­knal­len­des Boulevardstück voll blü­hen­dem Unsinn, die sinn­freie Dekonstruktion einer Theaterlogik, ein Stück im Stück oder bes­ser – ein Stück hin­ter dem Stück: Schauspieler spie­len ein Stück, das sie nicht ver­ste­hen, des­sen Text sie noch nicht kön­nen und bei dem die „wirk­li­chen“ Liebeskonflikte zwi­schen den Schauspielern (der „Regisseur“ hat Amouren gleich mit zwei Schauspielerinnen gleich­zei­tig) das Funktionieren des gespiel­ten Stücks (fast) ver­hin­dern. Schauspieler spie­len Schauspieler, die mal schau­spie­lern und dann plötz­lich wie­der auf­hö­ren zu schau­spie­lern, auf der ers­ten Ebene aber ja doch schau­spie­lern.

Es ist eine Nonsense-Begegnung der drit­ten Art: Warum tra­gen eini­ge Figuren des Stücks stän­dig eine Tasche und eine Schachtel mit sich? Keiner weiß es, auch der „Regisseur“ nicht. Eine außer­or­dent­lich wich­ti­ge Rolle spielt ein Teller mit Sardinen, der mal ver­schwin­det, mal dop­pelt da ist und auf dem am Ende alle aus­rut­schen.

Viele Figuren ver­lie­ren die Hosen, sind in dem Haus, in dem sie eigent­lich nicht sein dürf­ten, und ver­schwin­den schnell durch eine der vie­len Türen, der Einbrecher kommt immer zu spät und am Ende sogar drei­fach.

Eigentlich ist die Bühne des TAM OST viel zu klein für den Raum mit acht Türen samt Fenster. Aber die Bühnenbauer Stephan Bertagnolli und die Schreinerboys haben das Unmögliche mög­lich gemacht und eine Bühne samt Fenster und Schräge gebaut, die vor allem alles aus­hält und auch von hin­ten sta­bil ist, denn die Zuschauer sit­zen ja im zwei­ten Akt hin­ter der Bühne. Die Regisseurin Jutta Schmidt hat allen Schauspielern gehö­rig Tempo ein­ge­bläut, das im zwei­ten Akt kräf­tig Fahrt auf­nimmt und im drit­ten Akt im wahrs­ten Sinne hals­bre­che­risch wird. Auch das prä­zi­se Schnellsprechen gelingt (fast) allen.

Als in Sardinen ver­lieb­tes Hausmädchen schlurft und tor­kelt Silvia Hofmann über die Bühne, die Regieassistentin (Monique Nägele) hat anfangs Schlafdefizit, ret­tet aber immer die Aufführungen, der Hausbesitzer (per­fekt schnell­spre­chend: Thomas Terpetschnig) hält immer sein Schnurrbärtchen und nervt den Regisseur mit Verständnisfragen, ver­geb­lich sucht er ein Liebes-Plätzchen mit sei­ner Frau (schnell und prä­zi­se: Dagmar Deisenberger) eben­so wie der als Schauspieler nicht stot­tern­de Gary (mit frän­kisch-schnel­lem Zungenschlag: Herman Hager) mit sei­ner immer die Augenlinsen ver­lie­ren­den Brooke (vir­tu­os wech­selnd zwi­schen Schauspielerin Brooke und „Schauspielerin Vicky“: Mirjam Bertagnolli). Herbert Prechtl spielt, anfangs sto­isch, spä­ter inten­siv und genau, den dau­er­be­trun­ke­nen Selsdon, der als Einbrecher immer zu spät ein­bricht, und Alexander Schoenhoff setzt als dau­er­ge­nerv­ter, immer kurz vor dem vul­ka­ni­schen Zornausbruch ste­hen­der Regisseur mit schnei­den­der Diktion punkt­ge­nau sei­ne geziel­ten Beleidigungen.

Wichtiger aber als die Summe der Einzelleistungen ist, dass das gesam­te Ensemble gekonnt mit­ein­an­der spielt, dass die Choreografie des Stürzens, Türenaufgehens, Türklinkenabbrechens, Sardinentellerverschwindens und Hosenrutschens funk­tio­niert und die tem­po­rei­chen Dialoge prä­zi­se wie ein Reißverschluss inein­an­der­grei­fen. Und wirk­lich klappt alles wie am Schnürchen, alles ist ein Heidenspaß, schal­len­des Ablachen ist garan­tiert, eben­so wie Amüsieren auf höhe­rem Blödsinns-Niveau – das letz­te Wort haben die Sardinen.

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