DER HÄSSLICHE

Komödie von Marius von Mayenburg

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Vorstellungstermine:

2009 - Plakat - Der Hässliche

2009 – Plakat – Der Hässliche

Samstag, 7. März 2009, 20 Uhr, Premiere
Freitag / Samstag, 13. / 14. März, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 20. / 21. März, 20 Uhr
Sonntag, 22. März, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 27. / 28. März, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 3. / 4. April, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST - Produktion (Klick zum zeigen)

Im Ensemble TAM OST - Schauspiel (Klick zum zeigen)

Zum Inhalt:

Der Hässliche, Anja Rajch und Klaus Einsele

Der Hässliche, Anja Rajch und Klaus Einsele

Lette ist hässlich. Genau genommen ist er sogar unfassbar hässlich, doch warum hat ihm das bislang niemand gesagt? Erst jetzt, da ihm sein Chef Scheffler verbietet, seine neueste Erfindung auf dem nächsten Kongress selbst vorzustellen, und da er merkt, dass sogar seine eigene Frau ihn nie wirklich ansieht, wird ihm das katastrophale Ausmaß seiner Hässlichkeit bewusst.  

Der Hässliche, Hermann Kunz und Manfred Altmaier

Der Hässliche, Hermann Kunz und Manfred Altmaier

Natürlich kann es so nicht länger weitergehen und Lette entschließt sich kurzerhand zu einer Schönheitsoperation. Lettes unvermutete Wiedergeburt als unwiderstehlicher Beau macht ihn schnell zu einem gefragten Mann. Der Chirurg vermarktet seine neue Operationsmethode mit ihm als Vorführobjekt, und sein Chef nutzt seine Schönheit als Lockstoff für solvente Großaktionärinnen. Doch was, wenn das neue und „einzigartige“ Gesicht derart überzeugt, dass es jeder haben möchte? Lettes Markwert sinkt rapide, als immer mehr Duplikate seiner selbst auftauchen, und das erotische Überangebot verwirrt auch seine Frau. Lettes Selbstentzweiung schreitet unerbittlich voran, und der Weg zurück ist im wahrsten Sinne des Wortes abgeschnitten.

 

Marius von Mayenburg, Jahrgang 1972 und bereits mit beachtlichen Literaturpreisen ausgezeichnet, zählt zu den interessantesten jüngeren Stückeschreibern in Deutschland. Seine ebenso bitterböse wie witzige neue Komödie – uraufgeführt 2007 in Berlin – entlarvt den modernen Schönheitswahn mit seinen abstrusen Ergebnissen und hält diesen eitlen Verhältnissen einen grotesken Spiegel vor.

OVB, 11.03.2009, Kritik Raimund Feichtner

Alles nur Illusion

Der Hässliche, Anja Rajch und Klaus Einsele

Anja Rajch und Klaus Einsele
Bild: M. Jacobi

Frisches, junges Theater, witzig, komisch und bitterbös, kurz und kurzweilig zugleich dargeboten von einem bestens harmonierenden, fein aufeinander abgestimmten Ensemble boten die Akteure vom TAM OST mit der satirischen Komödie «Der Hässliche» von Marius von Mayenburg.

Die erst 23-jährige Claudia Loy, Studentin der Theaterwissenschaft, gab damit ihr beinah fulminantes Regiedebüt. Sie und das kleine vierköpfige Ensemble verstanden die Kunst der Imagination. Sie zeigten, welche Möglichkeiten der Schauspieler, welche Möglichkeiten Theater hat. Nur in der Vorstellung der Zuschauer entstanden Orte und Personen. Minimalistisch war das Bühnenbild. Zwei kleine Würfel waren die Stühle, zwei größere Quader dienten als Bett oder Operationstisch, als Bank oder aufgestellt als Fahrstuhl, mal war es Büro, Wohnzimmer, Operationssaal, Hotellobby und und und.

In immer gleicher unauffälliger, üblicher Kleidung traten die Akteure auf: in Hemd mit Krawatte und Hose Klaus Einsele als der Hauptdarsteller Lette, zusätzlich mit Jackett Hermann Kunz als Lettes Chef Scheffler und als Chirurg, Manfred Altmaier im Pullunder als Lettes Assistent und als reicher Sohn und Anja Rajch in hübschem Minirock als Lettes Frau, reiche alte Dame und Arzthelferin.

Der Ingenieur Lette, der angeblich so hässlich ist, dass es ihm weder Ehefrau noch Chef sagen wollen, schaut auch nach der Schönheitsoperation immer noch so aus wie vorher. Klaus Einsele zeigt immer sein gleich sympathisches Alltagsgesicht. Lettes Assistent und der schwule reiche Sohn lassen sich ebenfalls ein Duplikat von Lettes unübertrefflichem Gesicht modellieren. Doch Manfred Altmaier, der diese Rollen spielt, schaut die Zuschauer immer mit demselben Gesicht an. Auch Anja Rajch zeigt als Ehefrau, Arzthelferin und alte Dame immer ihr selbes hübsches Gesicht, genauso wie Hermann Kunz als Chef und Chirurg unverändert bleibt.

Das ist der Clou des Stückes. Die Akteure tragen ihr unverfremdetes Gesicht zur Schau. Schönheit und Hässlichkeit hängen allein von der vorherigen Festlegung und dann von der Vorstellung des Betrachters ab. Damit wird auch der moderne Schönheitswahn als Illusion entlarvt.

Da passt es gut, dass Klaus Einsele sehr überzeugend einen völlig normalen Durchschnittsmenschen spielt, erst überrascht von seiner Hässlichkeit, dann von seiner Schönheit, die er schließlich doch erotisch zu nutzen versteht und in die er sich endlich in Gestalt eines seiner vom Schönheitschirurgen modellierten Duplikate selbst verliebt.
Hermann Kunz spielt solide und angenehm nebenbei und unauffällig einen nicht unfreundlichen Chef und den geschäftstüchtigen Schönheitschirurgen, der letztendlich auch von seiner Kunst so überzeugt ist, dass er selbst zu Lettes Duplikat werden will.
Manfred Altmaier gefällt als Lettes Assistent Karlmann, der sich als Duplikat schließlich Lettes Frau schnappt, ist als schwuler Sohn der reichen Dame aber noch verbesserungsfähig.
Eine reine Freude ist es, Anja Rajch spielen zu sehen. Sie wechselt die Rollen noch schneller und noch präziser als ihre Schauspielerkollegen. Sie ist einmal die treue, liebevolle Frau Fanny, die schließlich doch dem runderneuerten Mann und danach seinem Duplikat in Gestalt seines Assistenten auch erotisch verfällt, dann die sexbesessene alte Dame und schließlich als Dreingabe die unbekümmerte, freche Arztgehilfin.
Alle boten einen flotten, amüsanten Theaterabend mit ein bisschen Tiefgang. Sehenswert!

Von Raimund Feichtner

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