Komö­die von Mari­us von May­en­burg

Regie: Clau­dia Loy

Der Hässliche, Anja Rajch und Klaus Einsele
Der Häss­li­che, Anja Rajch und Klaus Ein­se­le

Let­te ist häss­lich. Genau genom­men ist er sogar unfass­bar häss­lich, doch war­um hat ihm das bis­lang nie­mand gesagt? Erst jetzt, da ihm sein Chef Scheff­ler ver­bie­tet, sei­ne neu­es­te Erfin­dung auf dem nächs­ten Kon­gress selbst vor­zu­stel­len, und da er merkt, dass sogar sei­ne eige­ne Frau ihn nie wirk­lich ansieht, wird ihm das kata­stro­pha­le Aus­maß sei­ner Häss­lich­keit bewusst.

Natür­lich kann es so nicht län­ger wei­ter­ge­hen und Let­te ent­schließt sich kur­zer­hand zu einer Schön­heits­ope­ra­ti­on. Let­tes unver­mu­te­te Wie­der­ge­burt als unwi­der­steh­li­cher Beau macht ihn schnell zu einem gefrag­ten Mann.

Der Hässliche, Hermann Kunz und Manfred Altmaier
Der Häss­li­che, Her­mann Kunz und Man­fred Alt­mai­er

Der Chir­urg ver­mark­tet sei­ne neue Ope­ra­ti­ons­me­tho­de mit ihm als Vor­führ­ob­jekt, und sein Chef nutzt sei­ne Schön­heit als Lock­stoff für sol­ven­te Groß­ak­tio­nä­rin­nen. Doch was, wenn das neue und „ein­zig­ar­ti­ge“ Gesicht der­art über­zeugt, dass es jeder haben möch­te?

Let­tes Mark­wert sinkt rapi­de, als immer mehr Dupli­ka­te sei­ner selbst auf­tau­chen, und das ero­ti­sche Über­an­ge­bot ver­wirrt auch sei­ne Frau. Let­tes Selbst­ent­zwei­ung schrei­tet uner­bitt­lich vor­an, und der Weg zurück ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes abge­schnit­ten.

Mari­us von May­en­burg, Jahr­gang 1972 und bereits mit beacht­li­chen Lite­ra­tur­prei­sen aus­ge­zeich­net, zählt zu den inter­es­san­tes­ten jün­ge­ren Stü­cke­schrei­bern in Deutsch­land. Sei­ne eben­so bit­ter­bö­se wie wit­zi­ge neue Komö­die – urauf­ge­führt 2007 in Ber­lin – ent­larvt den moder­nen Schön­heits­wahn mit sei­nen abstru­sen Ergeb­nis­sen und hält die­sen eit­len Ver­hält­nis­sen einen gro­tes­ken Spie­gel vor.

OVB, 11.03.2009, Kri­tik Rai­mund Feicht­ner

Alles nur Illu­si­on

Der Hässliche, Anja Rajch und Klaus Einsele
Anja Rajch und Klaus Ein­se­le
Bild: M. Jaco­bi

Fri­sches, jun­ges Thea­ter, wit­zig, komisch und bit­ter­bös, kurz und kurz­wei­lig zugleich dar­ge­bo­ten von einem bes­tens har­mo­nie­ren­den, fein auf­ein­an­der abge­stimm­ten Ensem­ble boten die Akteu­re vom TAM OST mit der sati­ri­schen Komö­die «Der Häss­li­che» von Mari­us von May­en­burg.

Die erst 23-jäh­ri­ge Clau­dia Loy, Stu­den­tin der Thea­ter­wis­sen­schaft, gab damit ihr bei­nah ful­mi­nan­tes Regie­de­büt. Sie und das klei­ne vier­köp­fi­ge Ensem­ble ver­stan­den die Kunst der Ima­gi­na­ti­on. Sie zeig­ten, wel­che Mög­lich­kei­ten der Schau­spie­ler, wel­che Mög­lich­kei­ten Thea­ter hat. Nur in der Vor­stel­lung der Zuschau­er ent­stan­den Orte und Per­so­nen. Mini­ma­lis­tisch war das Büh­nen­bild. Zwei klei­ne Wür­fel waren die Stüh­le, zwei grö­ße­re Qua­der dien­ten als Bett oder Ope­ra­ti­ons­tisch, als Bank oder auf­ge­stellt als Fahr­stuhl, mal war es Büro, Wohn­zim­mer, Ope­ra­ti­ons­saal, Hotel­lob­by und und und.

In immer glei­cher unauf­fäl­li­ger, übli­cher Klei­dung tra­ten die Akteu­re auf: in Hemd mit Kra­wat­te und Hose Klaus Ein­se­le als der Haupt­dar­stel­ler Let­te, zusätz­lich mit Jackett Her­mann Kunz als Let­tes Chef Scheff­ler und als Chir­urg, Man­fred Alt­mai­er im Pul­lun­der als Let­tes Assis­tent und als rei­cher Sohn und Anja Rajch in hüb­schem Mini­rock als Let­tes Frau, rei­che alte Dame und Arzt­hel­fe­rin.

Der Inge­nieur Let­te, der angeb­lich so häss­lich ist, dass es ihm weder Ehe­frau noch Chef sagen wol­len, schaut auch nach der Schön­heits­ope­ra­ti­on immer noch so aus wie vor­her. Klaus Ein­se­le zeigt immer sein gleich sym­pa­thi­sches All­tags­ge­sicht. Let­tes Assis­tent und der schwu­le rei­che Sohn las­sen sich eben­falls ein Dupli­kat von Let­tes unüber­treff­li­chem Gesicht model­lie­ren. Doch Man­fred Alt­mai­er, der die­se Rol­len spielt, schaut die Zuschau­er immer mit dem­sel­ben Gesicht an. Auch Anja Rajch zeigt als Ehe­frau, Arzt­hel­fe­rin und alte Dame immer ihr sel­bes hüb­sches Gesicht, genau­so wie Her­mann Kunz als Chef und Chir­urg unver­än­dert bleibt.

Das ist der Clou des Stü­ckes. Die Akteu­re tra­gen ihr unver­frem­de­tes Gesicht zur Schau. Schön­heit und Häss­lich­keit hän­gen allein von der vor­he­ri­gen Fest­le­gung und dann von der Vor­stel­lung des Betrach­ters ab. Damit wird auch der moder­ne Schön­heits­wahn als Illu­si­on ent­larvt.

Da passt es gut, dass Klaus Ein­se­le sehr über­zeu­gend einen völ­lig nor­ma­len Durch­schnitts­men­schen spielt, erst über­rascht von sei­ner Häss­lich­keit, dann von sei­ner Schön­heit, die er schließ­lich doch ero­tisch zu nut­zen ver­steht und in die er sich end­lich in Gestalt eines sei­ner vom Schön­heits­chir­ur­gen model­lier­ten Dupli­ka­te selbst ver­liebt.
Her­mann Kunz spielt soli­de und ange­nehm neben­bei und unauf­fäl­lig einen nicht unfreund­li­chen Chef und den geschäfts­tüch­ti­gen Schön­heits­chir­ur­gen, der letzt­end­lich auch von sei­ner Kunst so über­zeugt ist, dass er selbst zu Let­tes Dupli­kat wer­den will.
Man­fred Alt­mai­er gefällt als Let­tes Assis­tent Karl­mann, der sich als Dupli­kat schließ­lich Let­tes Frau schnappt, ist als schwu­ler Sohn der rei­chen Dame aber noch ver­bes­se­rungs­fä­hig.
Eine rei­ne Freu­de ist es, Anja Rajch spie­len zu sehen. Sie wech­selt die Rol­len noch schnel­ler und noch prä­zi­ser als ihre Schau­spie­ler­kol­le­gen. Sie ist ein­mal die treue, lie­be­vol­le Frau Fan­ny, die schließ­lich doch dem rund­erneu­er­ten Mann und danach sei­nem Dupli­kat in Gestalt sei­nes Assis­ten­ten auch ero­tisch ver­fällt, dann die sex­be­ses­se­ne alte Dame und schließ­lich als Drein­ga­be die unbe­küm­mer­te, fre­che Arzt­ge­hil­fin.
Alle boten einen flot­ten, amü­san­ten Thea­ter­abend mit ein biss­chen Tief­gang. Sehens­wert!

2009 - Plakat - Der Hässliche, Modell: Klaus Einsele, Bild: Ute Loy
2009 - Pla­kat - Der Häss­li­che, Modell: Klaus Ein­se­le, Bild: Ute Loy

PRE­MIE­RE:  Sa 07. März 2009

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 14/14 März
Fr/Sa 20/21 März
So 22 März
Fr/Sa 27/28 März
Fr/Sa 03/04 April

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Clau­dia Loy
Büh­ne:Ensem­ble
Licht/Ton:Ger­hard Sell­mair
Kos­tüm:Ensem­ble
Foto­gra­fie:Rena­te M. May­er
Pla­kat:Alex­an­der Schoe­n­hoff
 Schau­spie­lerals
Anja RajchFan­ny
Man­fred Alt­mai­erKarl­mann
Klaus Ein­se­leLet­te
Her­mann KunzScheff­ler

Schlag­wor­te zum Stück