DAS GLAS WASSER

Komödie von Eugène Scribe

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2011 - Plakat - Das Glas Wasser

2011 – Plakat – Das Glas Wasser

Vorstellungstermine: 
PREMIERE
– Samstag, 5. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 11. / 12.November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 18. / 19. November, 20 Uhr
Sonntag, 20. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 25. / 26. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 2. / 3. Dezember, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST spie­len:
Daniela Mayer, Anja Rajch, Barbara Schmitt, Klaus Einsele und Peter Schrank

Regie: Hermann J. Kunz
Kostüme: Barbara Schmitt
Bühne/Technik: Klaus Lüders
Plakat: Alexander Schoenhoff

(lnr) "Lord Bolingbroke, Herzogin v. Marlborough, Königin Anne, Abigail und Arthur" Klaus Einsele, Daniela Mayer, Barbara Schmidt, Anja Rajch und Peter Schrank Bild: Woifi Gschwendtner

(lnr) „Lord Bolingbroke, Herzogin v. Marlborough, Königin Anne, Abigail und Arthur” Klaus Einsele, Daniela Mayer, Barbara Schmitt, Anja Rajch und Peter Schrank
Bild: Woifi Gschwendtner

Zum Inhalt:
Königin Anna von England, die letz­te Stuart-Königin, ist eine lie­bens­wer­te, aber schwa­che Herrscherin. Sie steht ganz unter dem Einfluss ihrer ers­ten Hofdame, der Herzogin von Marlborough. Sie ist für den Krieg, denn ihr Ehemann ist Oberbefehlshaber der bri­ti­schen Armee. Die Königin aber will den Frieden erhal­ten, so wie Lord Bolingbroke, der Premierminister wer­den will. Dafür muss er die Marlboroughs aus­schal­ten und ist somit der größ­te Feind der Herzogin.

Erbittert ver­sucht jeder, die Königin auf sei­ne Seite zu zie­hen. Dazu benutzt Bolingbroke den jun­gen Arthur, einen hüb­schen Offizier der könig­li­chen Garde. Sowohl die Königin als auch die Herzogin sind in ihn ver­liebt, wäh­rend die­ser nur Augen für Abigail, eine jun­ge Hofdame hat.

Über die­se Verquickungen spinnt der Lord sei­ne Hofintrige. Es beginnt ein Spiel um Liebe, Politik, Macht und Geld. Siegt die Liebe oder die Machtgier? Kommt es zum Krieg oder kann sich eine ver­nünf­ti­ge, mensch­li­che Politik durch­set­zen?

Das titel­ge­ben­de Glas Wasser schafft es schließ­lich, die Weltgeschichte zu beein­flus­sen …

Das Glas Wasser gehört zu den berühm­tes­ten Werken des fran­zö­si­schen Dramatikers Eugène Scribe (1791–1861). Es besticht durch bril­lan­te Wortduelle, lässt die Zuschauer um das Schicksal des Liebespaares ban­gen und zeigt eine ein­sa­me, etwas törich­te, aber gleich­wohl ent­zü­cken­de Königin.

OVB 08.11.2011, von Margit Jacobi
(Original siehe: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/scharfe-wortduelle-salon-1480187.html)

TAM OST SPIELT „DAS GLAS WASSER”
VON EUGENE SCRIBE

Scharfe Wortduelle im Salon

"Lord Bolingbroke, Königin Anne, Herzogin von Marlborough" Klaus Einsele, Barbara Schmidt, Daniela Mayer

Lord Bolingbroke, Königin Anne, Herzogin von Marlborough”
Klaus Einsele, Barbara Schmitt, Daniela Mayer

Beim Einfädeln einer Intrige zuzu­schau­en, macht Spaß”, fin­det Lord Bolingbroke. Recht hat er, denn auch das Premierenpublikum im Rosenheimer TAM OST genoss es sicht­lich, zuzu­se­hen, wie im Lustspiel „Das Glas Wasser” von Eugene Scribe Verschwörungen, Lügen, Gerüchte und Unterstellungen nicht nur mensch­li­che, son­dern auch poli­ti­sche Entwicklungen in Gang setz­ten. Wobei es für die Theaterbesucher weni­ger um das Sehen, viel­mehr um das Hören ging, denn auf der Bühne wur­de fast zwei Stunden lang vor allem eins getan: gere­det.

Kompliment den fünf Schauspielern aus dem Ensemble des Theaters am Markt, die wahr­schein­lich so viel Text ler­nen muss­ten wie kaum jemals zuvor in der 27-jäh­ri­gen Geschichte des Rosenheimer Theaters und die Handlung allein mit dem Wort vor­an­trie­ben.

"Königin Anne und Arthur" Barbara Schmidt und Peter Schrank, Bild: Margit Jacobi, ovb 2011

Königin Anne und Arthur”
Barbara Schmitt und Peter Schrank
Bild: Margit Jacobi, ovb 2011

Das Lustspiel „Das Glas Wasser” des fran­zö­si­schen Autors Scribe, das 1840 in Paris urauf­ge­führt wur­de und zu den Lieblingswerken von TAM-Regisseur Hermann Kunz gehört, besticht durch bril­lan­te Gesprächsduelle, gespickt mit rhe­to­ri­schen Feinheiten. Wie im berühm­ten Film, in dem Gustaf Gründgens den Lord Bolingbroke so meis­ter­haft ver­kör­per­te, kommt dem rede­ge­wand­ten Intrigenspinner auch in der Inszenierung des TAM OST die ent­schei­den­de Rolle zu. Klaus Einsele leis­tet bra­vou­rös Schwerstarbeit: kaum eine Szene, in der er nicht das Wort führt, wäh­rend er ele­gant auf der Bühne auf- und abmar­schiert. Er spielt den Lord, der schein­bar mühe­los die Fäden der Intrige in der Hand hält, als geschickt agie­ren­den Politiker, dem es eben­falls um per­sön­li­che Machtinteressen geht, der jedoch auch das Herz auf dem rech­ten Fleck hat.

Seine Widersacherin ist Daniela Mayer als Herzogin Marlborough, heim­li­che Herrscherin über die schwa­che Königin von England. In aggres­siv-knall­ro­ter Robe, die Lippen eben­so grell-feu­rig zu einem spit­zen Mundwerk gemalt, das wie ein schar­fes Messer aus­teilt, stol­ziert sie über die Bühne – herr­lich arro­gant und anma­ßend. Den Gegenpol bil­det eine lie­bens­wer­te Königin Anna (Barbara Schmitt), im lieb­li­chen wei­ßen Kleid die Unschuld in Person, die sich – unter­stützt vom Lord – im Laufe der Handlung eman­zi­piert. Die Liebe spielt eben­falls mit im Reigen der Intrigen – in Person der selbst­be­wusst-koket­ten Hofdame Abigail (Anja Rajch) und eines jun­gen, gut aus­schau­en­den Offiziers der könig­li­chen Garde, den Peter Schrank als etwas nai­ven Tolpatsch ver­kör­pert.

Doch eigent­lich geht es im Lustspiel von Dramatiker Scribe um mehr als nur um per­sön­li­che Gefühle. Es geht um Krieg oder Frieden, aus­ge­han­delt im Salon der Königin, sym­bo­li­siert durch hoch­herr­schaft­li­che Stühle, die die Theaterkenner der Region aus dem Narrenkeller in Wasserburg ken­nen – eine Leihgabe durch des­sen Leiter Jörg Herwegh. Und es geht im „Glas Wasser”, obwohl vor 170 Jahren erdacht, ganz aktu­ell um die Frage, ob die Gegenwart die Zukunft ver­schlin­gen wird. Es gibt Themen, die blei­ben ewig jung, beweist das TAM OST.