Komö­die von Eugè­ne Scri­be

Regie: Her­mann J. Kunz

(lnr)
(lnr) „Lord Boling­bro­ke, Her­zo­gin v. Marl­bo­rough, Köni­gin Anne, Abi­ga­il und Arthur“ Klaus Ein­se­le, Danie­la May­er, Bar­ba­ra Schmitt, Anja Rajch und Peter Schrank
Bild: Woi­fi Gschwendt­ner

Köni­gin Anna von Eng­land, die letz­te Stuart-Köni­gin, ist eine lie­bens­wer­te, aber schwa­che Herr­sche­rin. Sie steht ganz unter dem Ein­fluss ihrer ers­ten Hof­da­me, der Her­zo­gin von Marl­bo­rough. Sie ist für den Krieg, denn ihr Ehe­mann ist Ober­be­fehls­ha­ber der bri­ti­schen Armee. Die Köni­gin aber will den Frie­den erhal­ten, so wie Lord Boling­bro­ke, der Pre­mier­mi­nis­ter wer­den will. Dafür muss er die Marl­bo­roughs aus­schal­ten und ist somit der größ­te Feind der Her­zo­gin.

Erbit­tert ver­sucht jeder, die Köni­gin auf sei­ne Sei­te zu zie­hen. Dazu benutzt Boling­bro­ke den jun­gen Arthur, einen hüb­schen Offi­zier der könig­li­chen Gar­de. Sowohl die Köni­gin als auch die Her­zo­gin sind in ihn ver­liebt, wäh­rend die­ser nur Augen für Abi­ga­il, eine jun­ge Hof­da­me hat.

Über die­se Ver­qui­ckun­gen spinnt der Lord sei­ne Hof­in­tri­ge. Es beginnt ein Spiel um Lie­be, Poli­tik, Macht und Geld. Siegt die Lie­be oder die Macht­gier? Kommt es zum Krieg oder kann sich eine ver­nünf­ti­ge, mensch­li­che Poli­tik durch­set­zen?

Das titel­ge­ben­de Glas Was­ser schafft es schließ­lich, die Welt­ge­schich­te zu beein­flus­sen …

Das Glas Was­ser gehört zu den berühm­tes­ten Wer­ken des fran­zö­si­schen Dra­ma­ti­kers Eugè­ne Scri­be (1791-1861). Es besticht durch bril­lan­te Wort­du­el­le, lässt die Zuschau­er um das Schick­sal des Lie­bes­paa­res ban­gen und zeigt eine ein­sa­me, etwas törich­te, aber gleich­wohl ent­zü­cken­de Köni­gin.

OVB 08.11.2011, von Mar­grit Jaco­bi
(Ori­gi­nal sie­he: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/scharfe-wortduelle-salon-1480187.html)

TAM OST SPIELT „DAS GLAS WAS­SER“
VON EUGE­NE SCRI­BE

Schar­fe Wort­du­el­le im Salon

„Beim Ein­fä­deln einer Intri­ge zuzu­schau­en, macht Spaß“, fin­det Lord Boling­bro­ke. Recht hat er, denn auch das Pre­mie­ren­pu­bli­kum im Rosen­hei­mer TAM OST genoss es sicht­lich, zuzu­se­hen, wie im Lust­spiel „Das Glas Was­ser“ von Euge­ne Scri­be Ver­schwö­run­gen, Lügen, Gerüch­te und Unter­stel­lun­gen nicht nur mensch­li­che, son­dern auch poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen in Gang setz­ten. Wobei es für die Thea­ter­be­su­cher weni­ger um das Sehen, viel­mehr um das Hören ging, denn auf der Büh­ne wur­de fast zwei Stun­den lang vor allem eins getan: gere­det.

"Lord Bolingbroke, Königin Anne, Herzogin von Marlborough", Klaus Einsele, Barbara Schmidt, Daniela Mayer
„Lord Boling­bro­ke, Köni­gin Anne, Her­zo­gin von Marl­bo­rough“, Klaus Ein­se­le, Bar­ba­ra Schmidt, Danie­la May­er

Kom­pli­ment den fünf Schau­spie­lern aus dem Ensem­ble des Thea­ters am Markt, die wahr­schein­lich so viel Text ler­nen muss­ten wie kaum jemals zuvor in der 27-jäh­ri­gen Geschich­te des Rosen­hei­mer Thea­ters und die Hand­lung allein mit dem Wort vor­an­trie­ben.

Das Lust­spiel „Das Glas Was­ser“ des fran­zö­si­schen Autors Scri­be, das 1840 in Paris urauf­ge­führt wur­de und zu den Lieb­lings­wer­ken von TAM-Regis­seur Her­mann Kunz gehört, besticht durch bril­lan­te Gesprächs­du­el­le, gespickt mit rhe­to­ri­schen Fein­hei­ten. Wie im berühm­ten Film, in dem Gus­taf Gründ­gens den Lord Boling­bro­ke so meis­ter­haft ver­kör­per­te, kommt dem rede­ge­wand­ten Intri­gen­spin­ner auch in der Insze­nie­rung des TAM OST die ent­schei­den­de Rol­le zu. Klaus Ein­se­le leis­tet bra­vou­rös Schwerst­ar­beit: kaum eine Sze­ne, in der er nicht das Wort führt, wäh­rend er ele­gant auf der Büh­ne auf- und abmar­schiert. Er spielt den Lord, der schein­bar mühe­los die Fäden der Intri­ge in der Hand hält, als geschickt agie­ren­den Poli­ti­ker, dem es eben­falls um per­sön­li­che Macht­in­ter­es­sen geht, der jedoch auch das Herz auf dem rech­ten Fleck hat.

"Königin Anne und Arthur", Barbara Schmidt und Peter Schrank, Bild: Margrit Jacobi, ovb 2011
„Köni­gin Anne und Arthur“, Bar­ba­ra Schmidt und Peter Schrank, Bild: Mar­grit Jaco­bi, ovb 2011

Sei­ne Wider­sa­che­rin ist Danie­la May­er als Her­zo­gin Marl­bo­rough, heim­li­che Herr­sche­rin über die schwa­che Köni­gin von Eng­land. In aggres­siv-knall­ro­ter Robe, die Lip­pen eben­so grell-feu­rig zu einem spit­zen Mund­werk gemalt, das wie ein schar­fes Mes­ser aus­teilt, stol­ziert sie über die Büh­ne - herr­lich arro­gant und anma­ßend. Den Gegen­pol bil­det eine lie­bens­wer­te Köni­gin Anna (Bar­ba­ra Schmitt), im lieb­li­chen wei­ßen Kleid die Unschuld in Per­son, die sich - unter­stützt vom Lord - im Lau­fe der Hand­lung eman­zi­piert. Die Lie­be spielt eben­falls mit im Rei­gen der Intri­gen - in Per­son der selbst­be­wusst-koket­ten Hof­da­me Abi­ga­il (Anja Rajch) und eines jun­gen, gut aus­schau­en­den Offi­ziers der könig­li­chen Gar­de, den Peter Schrank als etwas nai­ven Tol­patsch ver­kör­pert.

Doch eigent­lich geht es im Lust­spiel von Dra­ma­ti­ker Scri­be um mehr als nur um per­sön­li­che Gefüh­le. Es geht um Krieg oder Frie­den, aus­ge­han­delt im Salon der Köni­gin, sym­bo­li­siert durch hoch­herr­schaft­li­che Stüh­le, die die Thea­ter­ken­ner der Regi­on aus dem Nar­ren­kel­ler in Was­ser­burg ken­nen - eine Leih­ga­be durch des­sen Lei­ter Jörg Her­wegh. Und es geht im „Glas Was­ser“, obwohl vor 170 Jah­ren erdacht, ganz aktu­ell um die Fra­ge, ob die Gegen­wart die Zukunft ver­schlin­gen wird. Es gibt The­men, die blei­ben ewig jung, beweist das TAM OST.

2011 - Plakat - DAS GLAS WASSER, Modelle: (lnr) Klaus Einsele, Daniela Mayer, Barbara Schmitt, Anja Rajch, Peter Schrank, Foto: Woifi Gschwendtner, Bild: Alexander Schoenhoff
2011 - Pla­kat - DAS GLAS WAS­SER, Model­le: (lnr) Klaus Ein­se­le, Danie­la May­er, Bar­ba­ra Schmitt, Anja Rajch, Peter Schrank, Foto: Woi­fi Gschwendt­ner, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff

PRE­MIE­RE:  Sa 05. Novem­ber 2011

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 11/12 Novem­ber
Fr/Sa 18/19 Novem­ber
So 20 Novem­ber
Fr/Sa 25/26 Novem­ber
Fr/Sa 02/03 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Her­mann J. Kunz
Büh­ne:Klaus Lüders
Licht/Ton:Klaus Lüders
Kos­tüm:Bar­ba­ra Schmitt
Foto­gra­fie:Woi­fi Gschwendt­ner
Pla­kat:Alex­an­der Schoe­n­hoff
 Schau­spie­lerals
Danie­la May­er
Her­zo­gin von Marl­bo­rough
Anja Rajch
Hof­da­me Abi­ga­il
Bar­ba­ra Schmitt
Köni­gin Anne
Klaus Ein­se­le
Lord Boling­bro­ke
Peter Schrank
Arthur

Schlag­wor­te zum Stück