Plä­doy­er für die Büh­nen­kunst

von Hen­drik Heu­ser, OVB

(Ori­gi­nal­text sie­he : http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-stadt/plaedoyer-buehnenkunst-4214738.html)

Mit einem Fest­abend beging der Ver­ein „Thea­ter am Markt” sein 30-jäh­ri­ges Bestehen in sei­nem Domi­zil an der Chiem­see­stra­ße. Mit „Blitz­lich­tern auf Thea­terer­in­ne­run­gen”, pro­fes­sio­nell gespiel­ten Kurz­sze­nen, zeig­ten Hel­mut Huber, Gerd Mei­ser und Klaus Schö­berl ihr Poten­zi­al.
Festrede von Renate M. Mayer, Bild: Alexander Schoenhoff
Fest­re­de von Rena­te M. May­er, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff

Ver­eins­vor­sit­zen­de Rena­te M. May­er hielt ein enga­gier­tes Plä­doy­er zur Not­wen­dig­keit der Büh­nen­kunst im „digi­ta­len Zeit­al­ter”.
Es sind fast zehn Jah­re ver­gan­gen, seit Rosen­heims quir­ligs­te Büh­ne aus ihrer Grün­dungs­lo­ka­li­tät, dem ehe­ma­li­gen „Kur­bel­ki­no” an der Fär­ber­stra­ße, in die Chiem­see­stra­ße umge­zo­gen ist. Schritt für Schritt wur­de das Domi­zil tech­nisch auf­ge­rüs­tet.

Und so gibt es inzwi­schen eine fest­in­stal­lier­te Büh­ne sowie neue Zuschau­er­po­des­te mit einer sicher­heits­dien­li­chen Boden­be­leuch­tung. Zum Steh­emp­fang kamen neben aus­ge­wie­se­nen lang­jäh­ri­gen Thea­ter­freun­den auch Vor­stän­de der befreun­de­ten Rosen­hei­mer Thea­ter sowie Chris­ti­an Poitsch, Vor­sit­zen­der des Rosen­hei­mer Kul­tur­fo­rums, dem umfas­sen­den Dach­ver­band der Kul­tur­schaf­fen­den in Stadt und Land­kreis.

Ver­eins­vor­sit­zen­de May­er dank­te zunächst Ober­bür­ger­meis­te­rin Gabrie­le Bau­er und der Stadt für die geleis­te­te Unter­stüt­zung, dann sprach sie den Land­kreis-Kul­tur­re­fe­ren­ten an:

Mit der Anwe­sen­heit von Chris­toph May­er-Gehring als Ver­tre­ter des Land­krei­ses schließt sich ein beson­de­rer Kreis, denn er hat als ers­ter Regis­seur nach Toni Mül­ler 1985 ‚Drau­ßen vor der Tür’ insze­niert, gehört also zum Urge­stein die­ses Thea­ters.”

Mit die­sem Fest­abend feie­re der Thea­ter­ver­ein und die Thea­ter­schen­ke ihr gemein­sa­mes Jubi­lä­um. Denn bei­de gebe es nur im Dop­pel­pack. 

Was wäre das Thea­ter ohne sei­ne Knei­pe, was wäre die Schen­ke ohne ihren Wirt Hans Anker, der vor 30 Jah­ren kurz­ent­schlos­sen sein Leben in den Dienst der infor­mel­len Kul­tur­ar­beit gestellt hat?”, frag­te May­er. Spon­ta­ner Bei­fall der Gäs­te war der Dank für Ankers Enga­ge­ment.

Dann kam May­er auf das Beson­de­re der dar­stel­len­den Kunst zu spre­chen: „Über­flu­tet und umzin­gelt von Bil­dern, die uns der Wirk­lich­keit ent­frem­den, wird das ana­lo­ge Thea­ter in die­ser zuneh­mend digi­ta­li­sier­ten Welt immer not­wen­di­ger.” Je mehr digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on statt­fin­de, umso mehr gehe der Blick auf das greif­ba­re Leben ver­lo­ren, auf den unwie­der­hol­ba­ren Augen­blick.

Unwie­der­hol­ba­re Augen­bli­cke

Genau die­sem unwie­der­hol­ba­ren Augen­blick kön­ne man fast nur noch im Thea­ter begeg­nen. „Die Men­schen auf der Büh­ne sind wirk­lich da, und zwar uner­bitt­lich. Man kann sie nicht weg­zap­pen. Sie set­zen sich mit ihrer gan­zen Per­son ein – und sie set­zen sich und ihre Zuschau­er der abso­lu­ten Gegen­wart aus”, beton­te May­er.

Wer den Men­schen spie­le, ihn durch sei­nen Kör­per und durch sein Gesicht zur Schau stel­le, der wer­de auch immer als leib­haf­ti­ge Per­son wahr­ge­nom­men. Die­ses Erleb­nis las­se sich ein­fach nicht kon­ser­vie­ren, an dem müs­se man teil­ha­ben.
 
Dar­um bin ich ganz unbe­sorgt, dass ein Thea­ter, das es 30 Jah­re geschafft hat, die Fas­zi­na­ti­on des Augen­blicks immer wie­der auf­le­ben zu las­sen, eine Zukunft hat”, been­de­te May­er ihr Cre­do.
Helmut Huber und Klaus Hauenstein, Bild: Alexander Schoenhoff
Hel­mut Huber und Klaus Hau­en­stein, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff

Das Gitar­ren­duo Hel­mut Huber und Klaus Hau­en­stein griff auf der Büh­ne in die Sai­ten und nach „Ein Schiff wird kom­men” brach­te Huber im Zusam­men­spiel mit Klaus Schö­berl Aus­zü­ge aus der Pro­duk­ti­on „Leon­ce und Lena” von 2005.

Mit einer sehr per­sön­li­chen Anspra­che wür­dig­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Bau­er das lang­jäh­ri­ge Wir­ken May­ers und aller, die die­sen Thespis­kar­ren durch Rosen­heim gezo­gen haben: „Das tut unse­rer Stadt gut!

Urko­misch: Gerd Mei­ser als Frosch­kö­nig
Urko­misch, bes­tens arti­ku­liert und teils im Stil von Otto Waal­kes gri­mas­sie­rend, bot Gerd Mei­ser das „Mär­chen vom Frosch­kö­nig” aus der Pro­duk­ti­on „Es war ein­mal” vom 2012 – ein Haupt­spaß für die Gäs­te.
Gerd Meiser
Gerd Mei­ser
lnr: Claudia, Loy, Renate M. Mayer, Gerhard Berger VBAT beim Festabend 30 Jahre Theater am Markt e.V,
lnr: Clau­dia, Loy, Rena­te M. May­er, Ger­hard Ber­ger VBAT beim Fest­abend 30 Jah­re Thea­ter am Markt e.V,
Ger­hard Ber­ger, Lan­des­spiel­lei­ter des Ver­eins Baye­ri­scher Ama­teur­thea­ter, über­brach­te die Grü­ße des ver­hin­der­ten Prä­si­den­ten Horst Rankl.
 
Was ich jetzt hier auf der Büh­ne gese­hen habe, das reicht schon in den Bereich des pro­fes­sio­nel­len Thea­ters hin­ein”, staun­te Ber­ger und über­gab May­er die Urkun­de des Ver­ban­des zum 30-jäh­ri­gen Ver­eins­be­stehen.
Dann über­reich­te er sil­ber­ne Ehren­na­deln an die Mit­glie­der, die über 25 Jah­re dem Thea­ter­ver­ein die Treue hal­ten, und so kamen Hans Anker, Gabrie­la Schmidt, Roland Wie­ser, Hel­ga Weber, Richard Kröff, Peter Saal­feld, Ingo Hob­orn, Sis­si Beha­mer, Andre­as Wiech­man, Klaus Schö­berl und Rena­te M. May­er zu ihm auf die Büh­ne. Die eben­falls zu Ehren­den Dr. Karin Hart­mann und Danie­la May­er waren ver­reist.
Das wei­te­re Büh­nen­pro­gramm bot eine Sze­ne von Georg Tabo­ri aus „Mein Kampf”, dar­ge­bo­ten von Hel­mut Huber und Klaus Schö­berl, zwei Rol­ling-Stones-Titel des Gitar­ren-Duos, eine auf Rosen­heim anspie­len­de, leicht ver­frem­de­te Lesung von Gerd Mei­ser aus John Stein­becks Roman „Die Stra­ße der Ölsar­di­nen” und das furio­se Solo von Klaus Schö­berl aus dem 2001 gespiel­ten Stück „Vom Teu­fel mit den drei gol­de­nen Haa­ren”. hh
Helmut Huber und Klaus Schöberl – Mein Kampf, Bild: Alexander Schoenhoff
Hel­mut Huber und Klaus Schö­berl – Mein Kampf, Bild: Alex­an­der Schoe­n­hoff

Bil­der: Alex­an­der Schoe­n­hoff