1984-2014 – 30 Jahre Theater am Markt e.V.

Plädoyer für die Bühnenkunst
von Hendrik Heuser, OVB

(Originaltext siehe : http://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-stadt/plaedoyer-buehnenkunst-4214738.html)

Mit einem Festabend beging der Verein „Theater am Markt“ sein 30-jähriges Bestehen in seinem Domizil an der Chiemseestraße. Mit „Blitzlichtern auf Theatererinnerungen„, professionell gespielten Kurzszenen, zeigten Helmut Huber, Gerd Meiser und Klaus Schöberl ihr Potenzial.

Gleich gehts los - Blick in den Saal - 30 Jahre TAM

Gleich gehts los – Blick in den Saal

Vereinsvorsitzende Renate M. Mayer hielt ein engagiertes Plädoyer zur Notwendigkeit der Bühnenkunst im „digitalen Zeitalter“.

Es sind fast zehn Jahre vergangen, seit Rosenheims quirligste Bühne aus ihrer Gründungslokalität, dem ehemaligen „Kurbelkino“ an der Färberstraße, in die Chiemseestraße umgezogen ist. Schritt für Schritt wurde das Domizil technisch aufgerüstet, und so gibt es inzwischen eine festinstallierte Bühne sowie neue Zuschauerpodeste mit einer sicherheitsdienlichen Bodenbeleuchtung. Zum Stehempfang kamen neben ausgewiesenen langjährigen Theaterfreunden auch Vorstände der befreundeten Rosenheimer Theater sowie Christian Poitsch, Vorsitzender des Rosenheimer Kulturforums, dem umfassenden Dachverband der Kulturschaffenden in Stadt und Landkreis.

Rede Renate Mayer - 30 Jahre TAM

Vereinsvorsitzende Mayer dankte zunächst Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und der Stadt für die geleistete Unterstützung, dann sprach sie den Landkreis-Kulturreferenten an: „Mit der Anwesenheit von Christoph Mayer-Gehring als Vertreter des Landkreises schließt sich ein besonderer Kreis, denn er hat als erster Regisseur nach Toni Müller 1985 ,Draußen vor der Tür‘ inszeniert, gehört also zum Urgestein dieses Theaters.“

Mit diesem Festabend feiere der Theaterverein und die Theaterschenke ihr gemeinsames Jubiläum. Denn beide gebe es nur im Doppelpack. „Was wäre das Theater ohne seine Kneipe, was wäre die Schenke ohne ihren Wirt Hans Anker, der vor 30 Jahren kurzentschlossen sein Leben in den Dienst der informellen Kulturarbeit gestellt hat?„, fragte Mayer. Spontaner Beifall der Gäste war der Dank für Ankers Engagement.

Dann kam Mayer auf das Besondere der darstellenden Kunst zu sprechen: „Überflutet und umzingelt von Bildern, die uns der Wirklichkeit entfremden, wird das analoge Theater in dieser zunehmend digitalisierten Welt immer notwendiger.“ Je mehr digitale Kommunikation stattfinde, umso mehr gehe der Blick auf das greifbare Leben verloren, auf den unwiederholbaren Augenblick.

Unwiederholbare Augenblicke

Genau diesem unwiederholbaren Augenblick könne man fast nur noch im Theater begegnen. „Die Menschen auf der Bühne sind wirklich da, und zwar unerbittlich. Man kann sie nicht wegzappen. Sie setzen sich mit ihrer ganzen Person ein – und sie setzen sich und ihre Zuschauer der absoluten Gegenwart aus„, betonte Mayer.
Wer den Menschen spiele, ihn durch seinen Körper und durch sein Gesicht zur Schau stelle, der werde auch immer als leibhaftige Person wahrgenommen. Dieses Erlebnis lasse sich einfach nicht konservieren, an dem müsse man teilhaben. „Darum bin ich ganz unbesorgt, dass ein Theater, das es 30 Jahre geschafft hat, die Faszination des Augenblicks immer wieder aufleben zu lassen, eine Zukunft hat„, beendete Mayer ihr Credo.

Helmut Huber und Klaus Hauenstein - Musik

Helmut Huber und Klaus Hauenstein – Musik

Das Gitarrenduo Helmut Huber und Klaus Hauenstein griffen auf der Bühne in die Saiten und nach „Ein Schiff wird kommen“ brachte Huber im Zusammenspiel mit Klaus Schöberl Auszüge aus der Produktion „Leonce und Lena“ von 2005.

Mit einer sehr persönlichen Ansprache würdigte Oberbürgermeisterin Bauer das langjährige Wirken Mayers und aller, die diesen Thespiskarren durch Rosenheim gezogen haben: „Das tut unserer Stadt gut!

Gerd Meiser - Froschkönig

Gerd Meiser – Froschkönig

Urkomisch: Gerd Meiser als Froschkönig
Urkomisch, bestens artikuliert und teils im Stil von Otto Waalkes grimassierend, bot Gerd Meiser das „Märchen vom Froschkönig“ aus der Produktion „Es war einmal“ vom 2012 – ein Hauptspaß für die Gäste.

lnr: Claudia, Loy, Renate M. Mayer, Gerhard Berger VBAT beim Festabend 30 Jahre Theater am Markt e.V,

lnr: Claudia, Loy, Renate M. Mayer, Gerhard Berger VBAT beim Festabend 30 Jahre Theater am Markt e.V,

Gerhard Berger, Landesspielleiter des Vereins Bayerischer Amateurtheater, überbrachte die Grüße des verhinderten Präsidenten Horst Rankl. „Was ich jetzt hier auf der Bühne gesehen habe, das reicht schon in den Bereich des professionellen Theaters hinein„, staunte Berger und übergab Mayer die Urkunde des Verbandes zum 30-jährigen Vereinsbestehen.

Dann überreichte er silberne Ehrennadeln an die Mitglieder, die über 25 Jahre dem Theaterverein die Treue halten, und so kamen Hans Anker, Gabriela Schmidt, Roland Wieser, Helga Weber, Richard Kröff, Peter Saalfeld, Ingo Hoborn, Sissi Behamer, Andreas Wiechman, Klaus Schöberl und Renate M. Mayer zu ihm auf die Bühne. Die ebenfalls zu Ehrenden Dr. Karin Hartmann und Daniela Mayer waren verreist.

Helmut Huber und Klaus Schöberl - Mein Kampf

Helmut Huber und Klaus Schöberl – Mein Kampf

Das weitere Bühnenprogramm bot eine Szene von Georg Tabori aus „Mein Kampf„, dargeboten von Helmut Huber und Klaus Schöberl, zwei Rolling-Stones-Titel des Gitarren-Duos, eine auf Rosenheim anspielende, leicht verfremdete Lesung von Gerd Meiser aus John Steinbecks Roman „Die Straße der Ölsardinen“ und das furiose Solo von Klaus Schöberl aus dem 2001 gespielten Stück „Vom Teufel mit den drei goldenen Haaren„. hh