WAS IHR WOLLT

Komödie von William Shakespeare

ZUM STÜCKZUR KRITIK
WAS IHR WOLLT - 2015

WAS IHR WOLLT – 2015

14 Vorstellungstermine:
Samstag, 7. November, 20 Uhr – PREMIERE
Sonntag, 8. November, 17 Uhr
Samstag, 14. November, 20 Uhr
Sonntag, 15. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 20. / 21. November, 20 Uhr
Sonntag, 22. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 27. / 28. November, 20 Uhr
Sonntag, 29. November, 17 Uhr
Donnerstag / Freitag / Samstag, 3. / 4. / 5. Dezember, 20 Uhr
Sonntag, 6. Dezember, 17 Uhr – DERNIÈRE

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Stefan Vincent Schmidt
Regieassistenz Marianne Eckardt
Regieassistenz Birgit Herzig
Bühne: Ensemble
Licht/Ton: Günther Stranzinger
Kostüm: Ensemble
Plakat: Alexander Schoenhoff
Fotografie: Renate M. Mayer,
Albert Aschl,
Günther Stranzinger
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Schauspieler als
Sabine Herrberg Maria, die Zofe
Claudia Loy Gräfin Olivia
Jutta Schmidt Viola, Sebastians Schwester
Christian Domnick Herzog Orsino
Klaus Einsele Sir Toby Rülps
Florian Fuchs Sebastian, Violas Bruder
Herman Hager Antonio, der Seemann
Helmut Huber Sir Andrew Bleichenwang
Klaus Lüders Fabian, der ehe­ma­li­ge Diener
Anian Rutz Kapitän und Mann des Herzogs
Klaus Schöberl Feste, der Narr
Alexander Schoenhoff Malvolio, der Haushofmeister

Zum Inhalt:

Ein als Knabe ver­klei­de­tes Mädchen liebt einen Mann, der glaubt eine Gräfin zu lie­ben, die wie­der­um den Knaben liebt, der aber doch ein Mädchen ist…???

Die ver­rück­tes­te, die schöns­te, die zar­tes­te, die bit­ters­te Komödie William Shakespeares ver­setzt uns in das erson­ne­ne Land Illyrien, wo Herzog Orsino sei­ne Liebessehnsucht mit Musik schürt und Gräfin Olivia sich selbst­mit­lei­dig in ewi­ge Trauer ver­gra­ben will.

Probenfoto - (vlnr) "Orsino, Cesario und Olivia" - Christian Domnick, Jutta Schmidt und Claudia Loy - Bild: Renate M. Mayer

Probenfoto – (vlnr) „Orsino, Cesario und Olivia” – Christian Domnick, Jutta Schmidt und Claudia Loy – Bild: Renate M. Mayer

Dort stran­det die schiff­brü­chi­ge Viola, die ihren Bruder Sebastian ertrun­ken wähnt und ihren Lebensunterhalt nun selbst ver­die­nen muss. Als Knabe ver­klei­det ver­dingt sie sich beim Herzog, erwirbt sein Vertrauen und ver­liebt sich in ihn. Der jedoch benutzt Viola, die sich nun Cesario nennt, als Überbringer der Liebesbotschaften an Gräfin Olivia.

 

Probenfoto - (vlnr) "Maria, Malvolio und Sir Toby" - Sabine Herrberg, Alexander Schoenhoff und Klaus Einsele - Bild: Renate M. Mayer

Probenfoto – (vlnr) „Maria, Malvolio und Sir Toby” – Sabine Herrberg, Alexander Schoenhoff und Klaus Einsele – Bild: Renate M. Mayer

Das Ränkespiel nimmt sei­nen Lauf, wäh­rend Olivias kes­se Magd Maria und die trink­fes­ten Gesellen Sir Toby Rülps und Sir Andrew Leichenwang sich über Olivias auf­ge­bla­se­nen und selbst­ge­rech­ten Haushofmeister Malvolio ärgern. Er ver­dirbt ihnen jeden Spaß und so hecken sie einen gemein-wit­zi­gen Racheplan aus, der dann alle in einen tur­bu­len­ten Strudel der Verwirrungen zieht.

Shakespeare zieht uns tief in tra­gisch-komi­sche, bit­ter­sü­ße Gefühlstäuschungen hin­ein, lässt uns aus dem Lachen nicht her­aus­kom­men, das man­ches Mal auch im Halse ste­cken blei­ben könn­te. Und gleich­zei­tig erfüllt uns die trau­rig-wei­se Einsicht des dünn­häu­tig gewor­de­nen Narren in die Verwirrungen mensch­li­chen Handelns.
Eine schwar­ze Komödie der Unruhe, die bleibt.

Weitere Bilder sie­he hier: https://photos.app.goo.gl/CTdsZi07Wqnv6bq22 

Beachten Sie auch den TV-Bericht des rfo Rosenheim hier­zu:

Was Ihr Wollt – Feature des rfo 10.2015 (zum öff­nen ankli­cken)

http://www.rfo.de/mediathek/49596/TAM_OST_Theater_Was_ihr_wollt.html

Der Podcast von Radio Regenbogen von Julia Buchmaier zum Stück
http://www.radio-regenbogen-rosenheim.de/news/ein-stck-zum-lachen-und-grbeln,1585

oder hier

Weitere Bilder aus der Probenzeit des Stücks sie­he:

https://photos.app.goo.gl/HEoqELT4ItbCHMMx1

und https://photos.app.goo.gl/ZWfCfmCProY7BkZz2

© ovb, 10.11.2015, Margrit Jacobi
Original: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/was-wollt-alle-gefreut-5833779.html

Was ihr wollt” hat alle „gefreut”

Bild Margit Jacobi, OVB 10.11.2015

Bild Margit Jacobi, OVB 10.11.2015

Wenn einem als Besucher einer fast drei­stün­di­gen Theateraufführung die Zeit wie im Flug ver­geht, man sich herr­lich amü­siert und gie­rig die span­nen­de Handlung voll Komik, aber auch voll Melancholie und Tiefgang ver­folgt, dann hat man einen über­aus gelun­ge­nen Theaterabend erlebt.

Im TAM OST bei der Première von Shakespeares „Was ihr wollt” kam das Publikum in der aus­ver­kauf­ten Vorstellung in die­sen Hochgenuss. Regisseur Stefan Vincent Schmidt hat­te das Stück dort mit dem glän­zend moti­vier­ten Ensemble des TAM OST insze­niert und die Besucher begeis­tert.

1602 in London urauf­ge­führt, gilt „Was ihr wollt” als Shakespeares ver­rück­tes­te, schöns­te, zar­tes­te und bit­ters­te Komödie über die Spielart von Liebe, fal­sche Identitäten und see­li­sche Verirrungen. In der poe­ti­schen Sprache des Dichters vor­ge­tra­gen, lie­fern Liebespaare jeder Couleur und zu jeder Zeit Stoff für Rollentausch und Grabenkämpfe zwi­schen den Geschlechtern in Gefühlschaos und Liebeswirrwarr.

Stefan V. Schmidt ist nicht nur ein aus­ge­zeich­ne­ter Regisseur, son­dern auch ein talen­tier­ter Pianist, der zu Beginn und spä­ter auch zwi­schen­durch den zwei­ten Satz aus der gro­ßen A-Dur Sonate von Franz Schubert spielt, zum Gefallen Herzog Orsinos und des Publikums.

Die schwar­ze Kulisse braucht nicht mehr als einen roten klei­nen und beweg­li­chen Quader, links und rechts der Bühne zwei mit Papier ver­klei­de­te Sprossenwände und im Hintergrund einen längs ver­lau­fen­den Graben, der auch das Meer ver­de­cken kann und als güns­ti­ges Versteck fun­giert. Bei einem Schiffbruch ver­liert Viola (Jutta Schmidt) ihren Zwillingsbruder Sebastian (Florian Fuchs), aber sie wird Valentin (Anian Rutz), dem Diener Herzog Orsinos geret­tet, ihr Bruder spä­ter vom Piraten Antonio (Hermann Hager).

Beide Geschwister aber hal­ten ihren Zwilling für ver­lo­ren. Viola ver­dingt sich zum Lebensunterhalt nun als Knabe ver­klei­det beim Herzog von Illyrien (Christian Domnick), der bei Musikgenuss in sei­ne Liebessehnsucht nach Gräfin Olivia (Claudia Loy) ver­sinkt und doch immer nur um sich selbst kreist.
Olivia wie­der­um ver­liebt sich im Handumdrehn in den ver­meint­li­chen Knaben Cesario, der aber, da in Wahrheit ein Mädchen, zu Orsino in Liebe fällt. Alle ver­ken­nen die Identität ihres Gegenübers mit ent­spre­chen­den Folgen, das Publikum aber sieht durch sein Vorwissen die Geschichte klar und genießt die Komik in vol­lem Umfang.

Jutta Schmidt als Viola ver­leiht den Schwierigkeiten, in die sie ihre Verkleidung und ihre ver­wirr­ten Gefühle brin­gen, unnach­ahm­lich Ausdruck, ist ängst­lich, dann wie­der keck und von bered­tem Mienenspiel.
Christian Domnick als Herzog Orsino bringt die­sen schein­bar lie­bes­kran­ken, in Wahrheit aber nur in den Zustand sei­nes erfolg­lo­sen Werbens ver­lieb­ten Egomanen so komisch wie tra­gisch glaub­wür­dig zum Ausdruck.
Claudia Loy in der Figur der schö­nen Olivia über­zeugt erst als sprö­de Gräfin, die kei­ner­lei Gefühle für Orsino oder ande­re Männer übrig hat, dann aber auch, als sie sich Hals über Kopf und jäh ent­flammt dem plötz­lich wie­der auf­ge­tauch­ten Zwillingsbruder Violas, Sebastian, hin­gibt, den sie für Cesario hält.

Überbordende Heiterkeit

Für über­bor­den­de Heiterkeit sor­gen dazu Klaus Einsele als Olivias Onkel, der trunk­süch­ti­ge Sir Toby Rülps und der ein­fäl­ti­ge, zau­dern­de und zagen­de Sir Andrew Leichenwang (Helmut Huber). Diesen hält sich Sir Toby als Finanzier sei­nes Lotterlebens, doch der bleibt nur bei ihm, weil ihm Rülps die Gunst Gräfin Olivias in Aussicht stellt. Bei ihren hin­rei­ßen­den Pantomimen in einer über­aus wit­zi­gen Choreografie ihres Torkelns und Hüpfens, Schreitens und Stolperns, Springens und Fallens bleibt wahr­lich kein Auge tro­cken.
Die herr­li­che Parodie eines pedan­tisch stren­gen, humor­lo­sen Haushofmeisters Malvolio im Dienste der Gräfin Olivia spielt Alexander Schoenhoff in allen urko­mi­schen Facetten eines eigen­ver­lieb­ten, von allen gehass­ten Ekels.
Ihn führt Sabine Herrberg höchst mun­ter, schlau, keck und ide­en­reich als Maria, Zofe der Gräfin, mit Hilfe von Sir Toby und Fabian (Klaus Lüders) in einer Intrige gran­di­os vor und gibt ihn der Lächerlichkeit preis.
Ein beson­de­rer Part in Glitzerweste und Zylinder kommt Klaus Schöberl in der Rolle des Narren Feste zu, der welt­wei­se mit Worten jon­gliert und einen klu­gen Narren bes­ser fin­det als einen när­ri­schen Klugscheißer.
Wie jeden Clown umweht ihn ein Hauch von Schwermut, die gehei­me Trauer ver­lässt ihn nie. Die Kostüme der ande­ren Figuren sind von heu­ti­ger Zeit und in den Farben Schwarz, Rosa und Anthrazit eine gelun­ge­ner Mischung bei Anzug, Kleid oder Accessoires.

Wenn zum Schluss alle Fäden ent­wirrt, die ver­schie­de­nen Charaktere bloß­ge­stellt und sowohl Erleichterung, wie Scham, Freude wie Trauer die Personen erfül­len, spricht der Narr sein melan­cho­li­sches Gedicht, von dem es am Ende heißt: „Die Welt steht schon so lan­ge Zeit, mit he und ho und bei Regen und Wind, also Schluss mit dem Stück und der Seligkeit, ich hof­fe es hat Euch gefreut”, dann konn­ten die Zuschauer das wahr­lich beja­hen, denn sie hat­ten einen Theaterabend erle­ben dür­fen, bei dem alle über­zeug­ten…

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