Komö­die von Sła­wo­mir Mrożek

Regie: Ste­fan Vin­cent Schmidt

"Wehe, die Dame und Wohl" Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012
„Wehe, die Dame und Wohl„
Klaus Schö­berl, Sabi­ne Herr­berg und Alex­an­der Schoen­hoff
Bild: Mar­git Jaco­bi, ovb 2012

Wehe, ein Mensch, dem alles miss­lingt, möch­te sich erhän­gen. Dabei trifft er auf Wohl. Dem gelingt zwar alles sofort, doch auch er ist des Lebens über­drüs­sig, gera­de weil es ihm nichts Neu­es mehr bie­ten kann.

Die Selbst­mord­ab­sich­ten der bei­den fin­den ein jähes Ende, als eine Dame ihren Weg kreuzt. Wehe ist sofort ver­liebt und hofft, dass sich nun sein Leben ändern könn­te. Gemein­sam fol­gen die bei­den der Dame, und ein Zwei­kampf um ihre Gunst beginnt. Aber kann der sie­ges­ge­wohn­te Wohl es ertra­gen, wenn sich die Dame für den ewi­gen Ver­lie­rer ent­schei­det? Wird aus dem Ver­lie­rer viel­leicht ein Gewin­ner und umge­kehrt? Und wel­che Rol­le spielt die Dame über­haupt?

Die­se tra­gi­sche Komö­die des pol­ni­schen Autors Sła­wo­mir Mrożek wur­de 1984 in Stock­holm zunächst in schwe­di­scher Spra­che urauf­ge­führt, die deut­sche Erst­auf­füh­rung war 1986. Anfangs arbei­te­te Mrożek als Kari­ka­tu­rist, aber auch sei­ne Büh­nen­stü­cke, durch die er Welt­ruhm erlang­te, ste­hen in ihrer sati­ri­schen Schär­fe und mit grif­fi­gen Poin­ten sei­nen Car­toons in nichts nach.

OVB 25.09.2012, Kri­tik von Mar­git Jaco­bi
(Ori­gi­nal sie­he: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/groteskes-spiel-wohl-wehe-2519219.html)

„EIN SOM­MER­TAG“ VON SLA­WO­MIR MRO­ZEK
IM ROSEN­HEI­MER TAM OST

Gro­tes­kes Spiel mit Wohl und Wehe

"Wehe, die Dame und Wohl" Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012
„Wehe, die Dame und Wohl“ Klaus Schö­berl, Sabi­ne Herr­berg und Alex­an­der Schoen­hoff Bild: Mar­git Jaco­bi, ovb 2012

Er ist erfolg­rei­cher Autor absur­der Geschich­ten und so eine erzählt Sla­wo­mir Mro­zek, pol­ni­scher Schrift­stel­ler von Büh­nen­stü­cken, in sei­ner Komö­die „Ein Som­mer­tag“. Für einen Regis­seur wie Ste­fan Vin­cent Schmidt ist die­se Gro­tes­ke höchst reiz­vol­ler Stoff für eine span­nen­de Insze­nie­rung, mit der nun die Thea­ter­sai­son die­ses Herbs­tes im TAM OST in Rosen­heim eröff­net wur­de.

Wohl und Wehe hei­ßen die bei­den Prot­ago­nis­ten und jeder gibt ein wahr­haf­tes Bei­spiel sei­nes Namens. Zu Beginn steht Wehe auf einer wei­ßen Bank in schwar­zer Kulis­se. Ein Strick bau­melt von oben und Klaus Schö­berl als Wehe demons­triert köst­li­che Pan­to­mi­me bei dem Ver­such, sich auf­zu­hän­gen. Sei­ne Mimik, sei­ne Kör­per­spra­che sind ein ein­zi­ges Trau­er­spiel. Als­bald stört ihn Wohl mit sei­nem Erschei­nen. Er igno­riert den ver­such­ten Sui­zid und reizt so Wehe bis zum Wut­an­fall. Gehen las­sen aber will er Wohl auch nicht, er braucht ihn, um über ein miss­glück­tes Leben zu kla­gen, und Schö­berl ist vor­treff­lich in sei­ner Sua­da.

"Die Dame, Wehe und Wohl" Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012
„Die Dame, Wehe und Wohl“ Sabi­ne Herr­berg, Klaus Schö­berl und Alex­an­der Schoen­hoff Bild: Mar­git Jaco­bi, ovb 2012

Sei­nem Pen­dant, dem über­sät­tig­ten Wohl, ver­leiht Alex­an­der Schoen­hoff kon­ge­ni­al die Ent­spre­chung die­ser Figur. Erfolgs­ver­wöhnt, ele­gant, selbst­be­wusst, bis arro­gant ist er der Bon­vi­vant schlecht­hin. Ver­eint aber sind bei­de in ihrem Vor­ha­ben, ihrem Leben ein Ende zu set­zen. Wehe gelingt nichts, Wohl alles. Der eine ver­zagt am Leben, der ande­re ist des Lebens über­drüs­sig. Doch Wehe hat immer­hin die Hoff­nung. Herr­lich maka­ber, wenn sich bei­de jeweils den Vor­zug beim Selbst­mord geben wol­len: „Bit­te nach ihnen“.

Auch die­se Absicht wird unter­bro­chen, dies­mal von einer vor­über­ge­hen­den Dame, die mit dem zar­ten Grau ihres Ensem­bles bild­haft die fei­nen Zwi­schen­tö­ne zum gedank­li­chen Schwarz­weiß der Her­ren setzt. Wehe ver­liebt sich augen­blick­lich, braucht aber Wohls Bei­stand, um sie anzu­spre­chen. Es wird kei­ne Mena­ge à trois, aber ein Kampf um die Gunst der Schö­nen. Wehe zögert und stot­tert, Wohl setzt sei­ne Züge über­dacht wie beim Schach und gibt sich des­in­ter­es­siert. Die Dame aber genießt die Situa­ti­on zwi­schen zwei Män­nern und Sabi­ne Herr­berg ver­kör­pert hin­rei­ßend das raf­fi­nier­te Weib­chen, das koket­tiert und pro­vo­ziert.

Die drei Schau­spie­ler kos­ten das Ver­gnü­gen an ihren Rol­len weid­lich aus. Wun­der­bar redu­ziert, klar und prä­zi­se wie die­se Insze­nie­rung, ist das Büh­nen­bild. Gekonnt wer­den am jewei­li­gen Sze­ne­n­en­de die Requi­si­ten an der Rück­wand der Kulis­se auf­ge­hängt, wo sie das Vor­her­ge­gan­ge­ne ver­bild­li­chen. Das hohe Bild im Hin­ter­grund zeigt Wald, Gemäu­er oder Strand im schma­len Aus­schnitt als jewei­li­gen Ort des Gesche­hens an.

Nicht nur die Dame ist berührt, wenn Wehe als selbst­los Lie­ben­der ihr sei­ne Emp­fin­dun­gen offen­bart. Das Thea­ter, das sie erwä­gen zu besu­chen, weist in sei­ner Hand­lung die Gleich­heit zu dem Spiel, das eben auf der Büh­ne statt­fin­det, auf. Das Ende, noch ist es offen. Die Lie­be macht Wehe stark und mutig, ohne Angst vor Kon­se­quen­zen. Der ewi­ge Nicht­schwim­mer wagt sich ins Meer. Wohl hat ihn dazu ermun­tert und dann doch wie­der den alten Zweif­ler in Wehe geweckt. In die­ser letz­ten Sze­ne pokert Wohl auf sei­ne Wei­se. Kann ein Sie­ger ver­lie­ren, ein Pech­vo­gel gewin­nen? Ist es mög­lich, den ewig glei­chen Part im Leben abzu­ge­ben, die Rol­len zu tau­schen, ein neu­es Spiel zu spie­len?

Man muss sich die­sen „Som­mer­tag“ anse­hen, um es zu erfah­ren und um einen außer­ge­wöhn­li­chen Thea­ter­abend zu erle­ben. Der Regis­seur Ste­fan Vin­cent Schmidt schuf zusam­men mit sei­nen exzel­len­ten Schau­spie­lern ein Thea­ter­er­leb­nis voll Komik und Tra­gik, das beein­dru­ckend nach­wirkt.

2012 - Plakat - EIN SOMMERTAG, Bild: Alexander Schoenhoff
2012 - Pla­kat - EIN SOM­MER­TAG, Bild: Alex­an­der Schoen­hoff

PRE­MIE­RE:  Sa 22. Sep­tem­ber 2012

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 28/29 Sep­tem­ber
Fr/Sa 05/06 Okto­ber
So 07 Okto­ber
Fr/Sa 12/13 Okto­ber
Fr/Sa 19/20 Okto­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie:Ste­fan Vin­cent Schmidt
Büh­ne:Ste­fan Vin­cent Schmidt
Licht/Ton:Ger­hard Sell­mair
Kos­tüm:Ensem­ble
Pla­kat:Alex­an­der Schoen­hoff
 Schau­spie­lerals
Sabi­ne Herr­bergDie Dame
Klaus Schö­berlWehe
Alex­an­der Schoen­hoffWohl

Schlag­wor­te zum Stück