DIE PHYSIKER

Komödie von Friedrich Dürrenmatt

ZUM STÜCKZUR KRITIK
Plakat Die Physiker - lnr: Alexander Rathmacher, Daniel Burton, Oliver Heinke

Plakat Die Physiker – lnr: Alexander Rathmacher, Daniel Burton, Oliver Heinke

Vorstellungstermine:
Samstag, 8. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 14. / 15. November, 20 Uhr
Sonntag, 16. November, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 21. / 22. November, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 28. / 29. November, 20 Uhr
Freitag, 5. Dezember, 20 Uhr
Sonntag, 7. Dezember, 17 Uhr

Im Ensemble TAM OST – Produktion (Klick zum zei­gen)
Regie: Gabriela Schmidt
Assistenz: Monika Hochmuth
Bühne: Klaus Lüders/Ensemble
Licht/Ton: Günther Stranzinger
Kostüm: Alexander Zinn
Plakat: Alexander Schoenhoff
Fotografie: Michael Hilscher
Albert Aschl
Im Ensemble TAM OST – Schauspiel (Klick zum zei­gen)
Sarah Fischbacher Schwester Monika Stettler
Simone Granowski-Heinke Oberschwester Marta Boll
Janette Kreuzeder Lina Rose (vorm. Möbius)
Katharina Reuter Dr. Mathilde von Zahnd
Daniel Burton Johann Wilhelm Möbius
Christoph Calabek Oskar Rose und als Pfleger
Josua Dreischholt Möbius drit­ter Sohn und als Pfleger
Oliver Heinke Einstein (Eisler)
Stefan Höhn Möbius ers­ter Sohn und als Pfleger
Alexander Rathmacher Newton (Kilton)
Robert Reichert Kommissar Voß und als Möbius zwei­ter Sohn

Zum Inhalt:

Newton - Alexander Rathmacher       Möbius - Daniel Burton Einstein - Oliver Heinke
Dr Mathilde von Zahnd - Katharina ReuterOberschwester Martha Boll - Simone Granowski-HeinkeSchwester Monika Stettler, Sarah FischbacherMissionar Oskar Rose - Cristoph Calabek

Auch einer schreck­li­chen Welt ver­mag der gro­ße Autor Friedrich Dürrenmatt ihre Komik abzu­ge­win­nen. Das zeigt er mit Witz und Weisheit in der Geschichte vom Physiker Möbius, der die Welt vor den Konsequenzen sei­ner Entdeckungen schüt­zen will. Deshalb zieht er sich in ein Irrenhaus zurück, gibt sei­ne Formel als Werk eines Irren aus und hält sie geheim.

Zwei Mitinsassen, die sich Albert Einstein und Isaak Newton nen­nen, sind so wenig irre wie Möbius, son­dern Geheimagenten ver­fein­de­ter Mächte. Sie haben sich ins Irrenhaus ein­wei­sen las­sen, um an Möbius’ “Weltformel” zu kom­men.

Um ihre Geheimnisse zu hüten, grei­fen die drei Physiker zu so unkon­ven­tio­nel­len Methoden, dass die Polizei ein­grei­fen muss.

Vor deren Eintreffen ver­nich­tet Möbius sei­ne Formel und über­zeugt auch sei­ne bei­den “Kollegen”, ihr gefähr­li­ches Wissen zu ver­schwei­gen, um die Welt zu ret­ten.

Doch für die­sen Pakt ist es schon zu spät. Die Leiterin des Sanatoriums hat längst Möbius’ Aufzeichnungen kopiert. Sie ist näm­lich die ein­zig wirk­lich Wahnsinnige in die­sem Haus und glaubt tat­säch­lich, im Auftrag König Salomos mit die­ser Formel die Weltherrschaft an sich rei­ßen zu kön­nen.

Kommissar Voß - Robert ReichertSohn 3 und Wärter, Stefan Höhn

Sohn 1 und Wärter, Josua DreischholtLina Rose - Janette Kreuzeder

 

KRITIK – OVB, 12.11.2014, © OVB/Jacobi

(Original: http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/schlimmste-wendung-4440851.html)

Die schlimms­te Wendung, die eine Geschichte neh­men kann, ist die Wendung in die Komödie” befand der Dramatiker und Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt.
Seiner Meinung nach kön­ne man sich über die Probleme der moder­nen Gesellschaft nur noch lus­tig machen.

Da das Sterben zur Massenerscheinung gewor­den sei, wäre die Tragödie nicht mehr inter­es­sant. Komisch sind dabei nicht die Dialoge, son­dern die gro­tes­ke Situation.

Die Physiker - Einstein, Möbius und Newton (lnr: Oliver Heinke, Daniel Burton, Alexander Rathmacher)Angesicht des Kalten Krieges schrieb der Schweizer Schriftsteller sein Werk „Die Physiker”, das 1962 unter der Regie von Kurt Horwitz im Schauspielhaus Zürich mit gro­ßen Erfolg urauf­ge­führt wur­de. Es zählt seit­dem zu den meist­ge­spiel­ten Theaterstücken im deut­schen Sprachraum. In der gro­tes­ken Komödie beschäf­tigt sich Dürrenmatt mit der Frage, ob die Forschung sich inner­halb des Machbaren Grenzen set­zen müs­se oder nicht. Vor allem geht es um die Verantwortung der Wissenschaftler und um den mög­li­chen Missbrauch ihrer Erkenntnisse.

Gabriela Schmidt hat das Stück, das in sich Groteske, Komödie und Drama ver­eint, im Theater am Markt-Ost in Rosenheim gelun­gen insze­niert. Alle Darsteller ani­mier­te sie zu leben­di­gem und empa­thi­schem Spiel.

Ort des Geschehens ist eine Irrenanstalt. Rote Markierungen auf dem Boden wei­sen auf Verbrechen hin. Alle Personen im Spiel ver­mei­den die Berührung der roten Linien, als lägen hier noch die tat­säch­li­chen Opfer. Kriminalinspektor Voss (Robert Reichert) ermit­telt bereits im zwei­ten Fall, und Oberschwester Marta Boll (Simone Granowski-Heinke) die hier ein stren­ges Regiment führt, kor­ri­giert ihn stets, wenn er von Morden spricht, sind doch die Täter ver­meint­lich krank. Patient Beutler, der sich für den Physiker Newton hält (Alexander Rathmacher) und nun Eiseler (Oliver Heinke), der glaubt Einstein zu sein, haben ihre Krankenschwestern erdros­selt. Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd (Katharina Reuter), Besitzerin und Chefärztin der Klinik, mut­maßt, dass wohl Radioaktivität die Gehirne der bei­den Kernphysiker ver­ne­belt habe. Katharina Reuter gibt ihr die ent­spre­chen­de Ausstrahlung von Autorität und Macht, wirkt aber auf­grund ihrer jun­gen Jahre trotz gro­tes­ker Trippelschritten in ihren roten Lackpumps und mit gebeug­tem Gang nicht unbe­dingt als die alte Jungfer, die von Zahnd nun ein­mal ist. Roboterhaft sind meist die Bewegungen die­ser Person, die ihren wah­ren Charakter erst am Ende der Geschichte offen­bart. Alexander Rathmacher spielt Newton in bri­ti­scher Zurückhaltung. Überzeugend agiert Oliver Heinke als Professor Einstein, gleicht er doch dem genia­len Physiker in sei­nem Habitus ganz beson­ders.

Der drit­te Insasse, Johann Wilhelm Möbius (Daniel Burton), der die ein­heit­li­che Feldtheorie als Weltformel ent­wi­ckelt hat, ließ sich in die Irrenanstalt ein­wei­sen, da er um die fata­len Folgen sei­ner Erfindung für die Menschheit weiß. Um als Verrückter glaub­wür­dig zu erschei­nen, behaup­tet er, dass im König Salomo erschei­ne und zu ihm sprä­che. Als ihn nun nach 15 Jahren sei­ne Exfrau Lina (Jeanette Kreuzeder) mit den gemein­sa­men Kindern und ihrem neu­en Mann, Missionar Rose, auf­sucht um Abschied zu neh­men, gestal­tet sich die­ser Auftritt zu einer kari­ka­tu­ris­tisch über­zeich­ne­ten Szene. Jeanette Kreuzeder gibt die­se fröm­melnd, schein­bar selbst­lo­se Person, die sich für ande­re auf­op­fern will, in gewoll­ter Übertreibung der Lächerlichkeit preis. Beim ener­vie­ren­den Blockflötenspiel von Möbius Söhnen stei­gert sich die­ser wäh­rend dem Aufsagen eines Psalms von König Salomo in einen Tobsuchtsanfall, um den Kontakt zu sei­ner Familie für immer abzu­bre­chen.

Mord nach Liebesschwur

Möbius erdros­selt schließ­lich noch sei­ne Krankenschwester Monika Settler (Sarah Fischbacher mit der rich­ti­gen Mischung von Naivität und Enthusiasmus), nach­dem sie ihm ihre Liebe gestan­den hat, um sei­ne Erfindung geheim hal­ten zu kön­nen.

Im zwei­ten Akt betreu­en und bewa­chen jetzt Pfleger, alle frü­he­re Boxkämpfer, die drei Insassen, in schwar­zen Hemden, Hosen und Springerstiefeln. Von der Groteske und der Komödie wan­delt sich das Stück zum Drama. Newton und Einstein ent­hül­len gegen­sei­tig ihre wah­re Identität als Geheimagenten. Beide soll­ten Möbius Manuskripte für ihre Auftraggeber beschaf­fen. Als sie ein­an­der nun mit Pistolen bedro­hen, sagt ihnen Möbius, dass er die­se Papiere ver­brannt hat. Er über­zeugt auch sei­ne bei­den „Kollegen”, ihr gefähr­li­ches Wissen zu ver­schwei­gen, um die Welt zu ret­ten.

Doch für die­sen Pakt ist es schon zu spät, hat doch die Leiterin des Sanatoriums längst Möbius’ Aufzeichnungen kopiert, um die Weltherrschaft, die ihr König Salomo erteil­te, aus­zu­üben. Sie ist die ein­zi­ge Irre in dem Geschehen. Katarina Reuter belegt die­sen Wahn in furio­ser Verkörperung. Getreu Dürrenmatts Dramaturgie ist die Geschichte dann zu Ende gedacht, wenn sie wie in die­sem Fall, die schlimmst­mög­li­che Wendung genom­men hat.

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