Schau­spiel von Regi­nald Rose
Dra­ma­ti­siert von Horst Bud­juhn

Regie: Susan­ne Brau­ne, Alex­an­der Zinn

"DIE 12 GESCHWORENEN" (lnr) Tobias Huber als "Nr.10", Klaus Schöberl als "Nr. 8" Bild: Adrian "Brabantus" Bacher
„DIE 12 GESCHWO­RE­NEN“
(lnr) Tobi­as Huber als „Nr.10“, Klaus Schö­berl als „Nr. 8„
Bild: Adri­an „Bra­ban­tus“ Bacher

Das Urteil muss ein­stim­mig sein, das zwölf Geschwore­ne nach sechs Ver­hand­lungs­ta­gen in einem Mordpro­zess fäl­len müs­sen. Ein Schuld­spruch wür­de für den neun­zehn­jäh­ri­gen ange­klag­ten Jun­gen den Tod bedeu­ten.

Für die Geschwo­re­nen scheint sei­ne Schuld bewie­sen, doch in der ers­ten Abstim­mung stimmt der Geschwo­re­ne Nr. 8 für nicht schul­dig. Er hat einen „begrün­de­ten Zwei­fel“ und will nicht leicht­fer­tig ein Men­schen­le­ben opfern. Eini­ge Geschwo­re­ne hin­ge­gen wol­len die Bera­tung mit einem schnel­len Schuld­spruch rasch been­den.

Gegen ihren Pro­test rekon­stru­iert der Geschwo­re­ne Nr. 8 im wei­te­ren Ver­lauf der Bera­tung den angeb­li­chen Tat­her­gang. Er ent­deckt Ungereimt­heiten in der Beweis­füh­rung der Staats­an­walt­schaft und Nach­läs­sig­kei­ten beim Pflicht­ver­tei­di­ger des Angeklag­ten.

Es sind hit­zi­ge Auseinanderset­zungen, in denen belas­ten­de Zeu­genaussagen und wei­te­re Indi­zi­en infra­ge gestellt wer­den und die eige­nen mensch­li­chen Schwä­chen und Vor­ur­tei­le der Geschwo­re­nen zu Tage tre­ten.

Lang­sam kippt das Votum von „schul­dig“ auf „nicht schul­dig“, aber kann auch der letz­te Geschwo­re­ne die Frag­wür­dig­keit sei­ner eige­nen Moti­va­ti­on für den Schuld­spruch erken­nen und damit den Frei­spruch des Ange­klag­ten mög­lich machen?

 ovb, 8.11.2016, Mar­grit Jaco­bi
Ori­gi­nal: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/kammerspiel-gerechtigkeit-6945972.html

Ein Kam­mer­spiel um die Gerech­tig­keit

Bild: ovb, 8.11.2016, von Margrit Jacobi
Bild: ovb, 8.11.2016, von Mar­grit Jaco­bi

Ihr Urteil muss ein­stim­mig sein, und so zie­hen sich die zwölf Geschwo­re­nen nach einer sechs­tä­gi­gen Gerichts­ver­hand­lung gegen einen 19-jäh­ri­gen Puer­to­ri­ca­ner aus den Slums, der sei­nen Vater ermor­det haben soll, in das Geschwo­re­nen­zim­mer des Gerichts zur Bera­tung zurück.

So beginnt das Stück „DIE 12 GESCHWO­RE­NEN“, das der ame­ri­ka­ni­sche Autor Regi­nald Rose als Fern­seh­spiel geschrie­ben hat­te und 1954 aus­ge­strahlt wur­de. Er ver­fass­te auch das Dreh­buch, als der Regis­seur Sid­ney Lumet das Stück für den Film adap­tier­te. Der wur­de ein Kino­klas­si­ker und mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­net.
Susan­ne Brau­ne und Alex­an­der Zinn insze­nier­ten jetzt das Stück für die Büh­ne des TAM OST in Rosen­heim.

Zur Lin­ken befin­det sich der gro­ße Tisch, an dem die Geschwo­re­nen sit­zen sol­len, mit­tig ist eine Schie­fer­ta­fel, auf der immer wie­der das Abstim­mungs­er­geb­nis geschrie­ben steht, rechts ist ein klei­nes Wasch­be­cken ange­bracht. Es ist einer der hei­ßes­ten Tage die­ses New Yor­ker Som­mers, bei dem ein gro­ßer Ven­ti­la­tor etwas Küh­le brin­gen soll.

Als der Obmann Nr. 1 (Nor­man Hen­ke) auf Bit­ten der Män­ner schon zu Beginn abstim­men lässt, votiert einer von ihnen auf „nicht schul­dig“ und scho­ckiert damit die ande­ren, für die die Schuld des Ange­klag­ten ein­deu­tig bewie­sen scheint. Geschwo­re­ner Nr. 8 (Klaus Schö­berl) aber hat begrün­de­te Zwei­fel, über die er spre­chen will. Er wird die trost­lo­se Jugend des Ange­klag­ten schil­dern, die Nach­läs­sig­kei­ten des­sen Ver­tei­di­gers auf­de­cken, Indi­zi­en und Zeu­gen infra­ge stel­len.

Wie die ein­zel­nen Geschwo­re­nen nicht zuletzt auf Grund ihrer Cha­rak­te­re, ihrer Erfah­run­gen und auch Vor­ur­tei­le reagie­ren, wird in einem dich­ten, über­aus packen­den Kam­mer­spiel auf­ge­zeigt. Beson­ders Nr. 3 (Ste­fan Vin­cent Schmidt), ein auf­brau­sen­der Mann hetzt, stän­kert und ver­schließt sich jeder Argu­men­ta­ti­on von Nr. 8, der den Fall Punkt für Punkt durch­ge­hen will und dabei immer mehr Unge­reimt­hei­ten auf­deckt. Als ers­ter folgt Nr. 9 (Hel­mut Mei­er), ein älte­rer ruhi­ger Mann, sei­nen Aus­füh­run­gen und stimmt nun für „Nicht schul­dig“. Durch schar­fe Beob­ach­tun­gen einer Zeu­gin wäh­rend des Pro­zes­ses bringt er dazu ein ent­schei­den­des Detail zur Spra­che.
Im Gegen­satz zu Nr. 8, der mit klu­ger und über­zeu­gen­der Argu­men­ta­ti­on die ande­ren nach und nach dazu bringt ihre Sicht auf den Fall zu ändern, stei­gert sich Nr. 3 immer mehr in sei­nen Hass­ti­ra­den auf den Ange­klag­ten und scheut auch vor Tät­lich­kei­ten auf ande­re und beson­ders auf Nr. 8 nicht zurück. Hier pral­len zwei abso­lut ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re auf­ein­an­der und Klaus Schö­berl und Ste­fan Vin­cent Schmidt bestechen in ihren Rol­len auf beein­dru­cken­de Wei­se.


Hit­zi­ge Aus­ein­an­der­set­zung

In hit­zi­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen kippt im Stück die Stim­mung. Immer wie­der zei­gen Abstim­mun­gen, dass wei­te­re Geschwo­re­ne an der Schuld des Ange­klag­ten zwei­feln. Nr. 11 (Heinz W. War­n­e­mann), ein Ein­wan­de­rer aus Euro­pa, schätzt das frei­es Jus­tiz­sys­tem Ame­ri­kas und ermahnt die auf­ge­brach­ten Gemü­ter beson­nen zur Ruhe. Nr. 5 (Flo­ri­an Fuchs), wie der Ange­klag­te in den New Yor­ker Slums groß gewor­den, weiß, wie man ein Mes­ser beim Angriff führt und ent­las­tet so den Ange­klag­ten. Nr. 7 (Alex­an­der Schoen­hoff) will ein Base­ball­spiel am Abend nicht ver­pas­sen und schnell zu einem Abstim­mungs­er­geb­nis kom­men. Mit flot­ten Sprü­chen igno­riert er lan­ge den Ernst der Ent­schei­dun­gen. Nr. 10 (Tobi­as Huber) ist ein cho­le­ri­scher Ras­sist, der in sei­nen unbe­herrsch­ten Aus­fäl­len bald alle mit Abscheu erfüllt. Nr. 2 (Tho­mas Mül­ler) und Nr. 6 (Tobi­as Bau­er) las­sen sich nach und nach von den Recher­chen von Nr. 8 und Beob­ach­tun­gen ande­rer über­zeu­gen. Auch Nr. 4 (Gün­ter Hend­rich), ein dis­zi­pli­nier­ter Bör­sen­mak­ler, der ana­ly­tisch denkt, ändert schließ­lich sein Votum. Nr. 12 (Josua Dreisch­hoff), ein ober­fläch­li­cher Oppor­tu­nist, ändert drei­mal sei­ne Mei­nung.

Doch am Ende bleibt Nr. 3 als Ein­zi­ger unein­sich­tig. Für ihn ist der Ange­klag­te ein gebo­re­ner Ver­bre­cher. Doch als er vom eska­lie­ren­den Streit mit sei­nem Sohn erzählt, wird klar, dass die­ser ihn tief ver­let­zen­de Kon­flikt ihn bei sei­nem Urteil fatal beein­fluss­te. Als gebro­che­ner Mann wird er schließ­lich als Letz­ter für „nicht schul­dig“ stim­men.

Susan­ne Brau­ne und Alex­an­der Zinn gelang in ihrer Insze­nie­rung ein bis zur letz­ten Sekun­de hoch span­nen­der Thea­ter­abend, in dem alle Dar­stel­ler in ihrem Spiel von Beginn an über­zeug­ten. Klaus Schö­berl bril­lier­te in der Rol­le des Geschwo­re­nen Nr. 8, und Ste­fan Vin­cent Schmidt als aggres­si­ver, ver­bit­ter­ter Mann, war ihm kon­ge­nia­ler Gegen­part. Sie, wie ihre Mit­spie­ler und die Regie beein­druck­ten nach­hal­tig, das Publi­kum fei­er­te sie zu Recht mit gro­ßem lang anhal­ten­dem Applaus....

Mer­ken

ENSEM­BLE TAM OST: Stab und Beset­zung
Ensem­ble-Bil­der: Adri­an „Bra­ban­tus“ Bacher
Bild von Adri­an Bacher: Wolf­gang „Woi­fi“ Gschwendt­ner

Update 10.12.2016: das nach­träg­li­che Fea­ture von Radio Regen­bo­gen vom 6.12.2016, 18 Uhr:
(Das Ori­gi­nal fin­den Sie hier: http://rr-online.de/news/eine-erforlgreiche-inszenierung,2053)

DIE 12 GESCHWO­RE­NEN - Kurz­film des rfo 04.2016
 rfo 2016, Lisa Knoll, Das Ori­gi­nal und vie­les mehr fin­den Sie hier beim rfo:
http://www.rfo.de/mediathek/59158/Die_zw_ouml_lf_Geschworenen_im_TAM_OST.html)

2016 - "DIE 12 GESCHWORENEN", Links neben der Klinge (lnr) "Nr. 8" Klaus Schöberl, "Nr. 10" (o.) Tobias Huber, "Nr. 9" (u.) Helmut Meier, "Nr. 11" Heinz W. Warnemann, "Nr. 4" Günter Hendrich, Rechts neben der Klinge "Nr. 6" (u.) Tobias Bauer, "Nr. 5" (o.) Florian Fuchs, "Nr. 1- Obmann" (u.) Norman Henke, "Nr. 12" Josua Dreischholt, "Nr. 7" (o.) Alexander Schoenhoff, "Nr. 3" (u.) Stefan Vincent Schmidt "Nr. 2" (o.) Thomas Müller, Fotos: Adrian "Brabantus" Sturm Gesicht auf Klinge: "der Angeklagte" gespielt von John Savoca, Bildmontage: Alexander Schoenhoff
2016 - „DIE 12 GESCHWO­RE­NEN“, Links neben der Klin­ge (lnr) „Nr. 8“ Klaus Schö­berl, „Nr. 10“ (o.) Tobi­as Huber, „Nr. 9“ (u.) Hel­mut Mei­er, „Nr. 11“ Heinz W. War­n­e­mann, „Nr. 4“ Gün­ter Hend­rich, Rechts neben der Klin­ge „Nr. 6“ (u.) Tobi­as Bau­er, „Nr. 5“ (o.) Flo­ri­an Fuchs, „Nr. 1- Obmann“ (u.) Nor­man Hen­ke, „Nr. 12“ Josua Dreisch­holt, „Nr. 7“ (o.) Alex­an­der Schoen­hoff, „Nr. 3“ (u.) Ste­fan Vin­cent Schmidt „Nr. 2“ (o.) Tho­mas Mül­ler, Fotos: Adri­an „Bra­ban­tus“ Sturm Gesicht auf Klin­ge: „der Ange­klag­te“ gespielt von John Savo­ca, Bild­mon­ta­ge: Alex­an­der Schoen­hoff
Bil­der im Goog­le Foto­ar­chiv

PRE­MIE­RE:  Sa 05. Novem­ber 2016

WEI­TE­RE TER­MI­NE
Fr/Sa 11/12 Novem­ber
Fr/Sa 18/19 Novem­ber
So 20 Novem­ber
Fr/Sa 25/26 Novem­ber
Fr 2 Dezem­ber
So 4 Dezem­ber

Spiel­be­ginn: 
Frei­tags und Sams­tags 20 Uhr,
Sonn­tags 17 Uhr
Ein­lass:
ca. 15 Min. vor Spiel­be­ginn

Im ENSEM­BLE TAM OST

Regie::Susan­ne Brau­ne,
Alex­an­der Zinn
Assis­tenz:Hil­ke Mey­er
Büh­nen­bild:Susan­ne Brau­ne, Alex­an­der Zinn, Rudolf Neu­dert
Büh­nen­bau:Rudolf Neu­dert
Licht/Ton:Rein­hardt Schei­de
Kos­tüm:Alex­an­der Zinn
Foto­gra­fie:Adri­an Sturm„Brabantus Designs“
Pla­kat:Alex­an­der Schoen­hoff, Adri­an „Bra­ban­tus“ Sturm
Schau­spie­ler als
Hans Anker Stim­me des Rich­ters
Rudolf Neu­dert Gerichts­die­ner
Nor­man Hen­ke Nr. 1, Obmann
Tho­mas Mül­ler Nr. 2
Ste­fan Vin­cent Schmidt Nr. 3
Gün­ter Hend­rich Nr. 4
Flo­ri­an Fuchs Nr. 5
Tobi­as Bau­er Nr. 6
Alex­an­der Schoen­hoff Nr. 7
Klaus Schö­berl Nr. 8
Hel­mut Mei­er Nr. 9
Tobi Huber Nr. 10
Heinz W. War­n­e­mann Nr. 11
Josua Dreisch­hoff Nr. 12

Schlag­wor­te zum Stück