27.10.2001 - Die Zimmerschlacht

'Die Zimmerschlacht'

Übungsstück für ein Ehepaar von Martin Walser

Oktober / November 2001

Regie: Stefan Hanus

Es spielten:
Lilli Fischer,  Herbert Prechtl

9 Vorstellungen


Oberbayerisches Volksblatt vom 30. Oktober 2001:

Vergnügliche Operation

Walsers Stück "Die Zimmerschlacht" im Theater am Markt

Lilli Fischer,  Herbert PrechtlIn Martin Walsers Ehesatire "Die Zimmerschlacht" bringt der Held Felix das Wesen der Ehe ironisch auf den Punkt: "Die Ehe ist nun mal eine seriöse Schlacht. Nein, nein, eine Operation. Zwei Chirurgen operieren einander andauernd. Ohne Narkose. Aber andauernd. Und lernen immer besser, was weh tut." Das "Übungsstück für ein Ehepaar", in dem sich Felix (Herbert Prechtl) und Trude (Lilli Fischer) eineinhalb Stunden lang erbarmungslos gegenseitig operieren, bis die Cognacgläser zu Bruch gehen, feierte jetzt unter der Regie von Stefan Hanus im Theater am Markt im Rahmen der Rosenheimer Kleinkunsttage Premiere.

Felix, 48 Jahre alt, Lehrer für Erdkunde und Geschichte, will der Einladung seines Freundes Benno nicht folgen, der bei jeder Gelegenheit mit seiner künftigen Frau angibt, einer ungebildeten, aber attraktiven Vierundzwanzigjährigen, "mit einer Brust, zu der man hinaufbellen möchte". Seiner Frau Trude, einer spröden Mittvierzigerin, erklärt Felix, er wolle sie vor dem Vergleich mit Bennos Angebeteter schützen, tatsächlich ist er selbst scharf auf sie. Trude rächt sich verbal, und bald erlebt der Zuschauer einen vergnüglichen Ehekrieg.

Die Besetzung der beiden Hauptdarsteller ist Regisseur Hanus hervorragend gelungen. Herbert Prechtl als kleinkarierter Beamter, der die subtilen Demütigungen seines Freundes Benno nicht mehr ertragen kann, scheint die Rolle des auftrumpfenden, willensschwachen Spießers auf den Leib geschneidert zu sein. Im karierten Sakko, mit Hornbrille und hochrotem Kopf steigert sich Felix cholerisch in eine schonungslose Abrechnung mit seiner Frau hinein, verliert aber im wahrsten Sinn des Wortes rasch den Boden unter den Füßen und gibt schließlich sogar kleinmütig die Ausschmückung seiner Kriegserlebnisse zu.

Lilli Fischer,  Herbert PrechtlNatürlich eskalieren die harmlos bissigen Vorwürfe auf beiden Seiten. Lilli Fischer, anfänglich etwas nüchtern und unnahbar, entwickelt unvermutete Kampfeslust und spart nicht mit boshaften Spitzen und Eifersuchtsszenen, als Felix nach und nach seine vermeintlichen Affären gesteht. Verstärkt durch Kamasutralektüre, allerdings ein wenig unvermittelt, kommen ihre erotischen Bedürfnisse nach jahrelanger Abstinenz offen zum Ausbruch. Eine turbulente, originell inszenierte Rattenjagd, die Felix' Heldentum auf die Probe stellt, schließlich eine einschläfernde Iphigenie-Fernsehübertragung solidarisieren die streitsüchtigen Eheveteranen.

Das Publikum zollte der temporeichen Aufführung stürmischen Beifall, gelang doch den beiden Hauptdarstellern eine wunderbar komische Satire auf Ehelust und -frust.

Das Bühnenbild mit spießiger 60er-Jahre-Möblierung und Mozarts heitere Figaro-Musik schufen das passende Ambiente für einen vergnüglichen Theaterabend im Stil klassischer Boulevardkomödien.

Weitere Aufführungen sind am 2., 3., 9., 16., 17., 23. und 24. November, jeweils um 20 Uhr im Theater am Markt.

Georg Füchtner


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