Regie: Stefan Vincent Schmidt
Es spielte: Judith Schenkirz
9 Vorstellungen
Eine Nacht der BefreiungEin grüner Lichtkegel fällt auf die dunkle Bühne. Wind heult auf, eine Mülltonne stürzt um. Atemlos rennt die junge Frau herein, stolpert über zwei Koffer am Bühnenrand, hält inne und begegnet dann der eigenen Ängstlichkeit mit betont lauten Schritten. Judith Schenkirz ist nun eineinhalb Stunden Wendla Teusch, die auf ihren Auftritt bei einem Gesangswettbewerb wartet und vor der Spannung in die Nacht flüchtet. Regisseur Stefan Vincent Schmidt inszenierte das Ein-Personen-Stück "Kleine Zweifel" von Theresia Walser (jüngste Tochter des Schriftstellers Martin Walser) für das Theater am Markt in Rosenheim mit einer Vorbereitungszeit von über einem Jahr, und das Resultat ist sehenswert.
Wendla Teusch spricht ins Dunkle zu einem imaginären Mann, einem "Humphrey-Bogart-Gespenst", wie sie es nennt. Mal ist er für sie beängstigend, mal ersehnter Liebhaber, immer jedoch der Zuhörer ihrer Monologe in dieser Nacht, auf diesem öden Platz vor der abgeblätterten Wand. Kleine Zweifel hatten die Veranstalter an ihrer Eignung für den Wettbewerb angemeldet. Da kann sie nicht mit den anderen Frauen - jeder ist schon die Gewinnerin ins Gesicht geschminkt - im Keller warten. Die Unruhe treibt sie hinaus.
Was alles durch ihren Kopf geht, dem verleiht Judith Schenkirz Ausdruck mit wandlungsfähiger Stimme, Mimik und Gestik. So lässt sie anschaulich die Figuren der verschiedenen Konkurrentinnen entstehen, schwankt dabei zwischen ängstlich empfundener Gefährdung durch diese oder jene, zeigt Bewunderung oder Ablehnung und gönnt sich ab und zu kleine Lacher. Sie ist kindlich schüchtern, fragend, lauernd, dann wieder selbstbewusst ihrer weiblichen Reize. Während sie auf und ab geht, balanciert, tanzt, abrupt innehält, eine Leiter hinauf- und hinabsteigt, sich teilweise ihrer Kleidung entledigt, erzählt sie sich ihre Anspannung von der Seele.
Sie berichtet von Bastian, der sie in eine gemeinsame Wohnung locken möchte, und lässt aus den Mülltonnen Möbel entstehen. Bastian weiß nichts von Gregor, seinem Nebenbuhler, der erschreckende Objekte aus Nägeln, Messern und Watte erstellt. Die Eltern, die Liebhaber, alles beengt sie, von überall ziehen Sorgen um sie her, Wut und Zorn bricht aus ihr heraus, sie schleudert die Kleidungsstücke durch den Raum. Nichts und niemand soll sie mehr Zwängen aussetzen. Keine Zweifel sollen sie mehr martern. Dem Mann aus dem Dunklen (hier hat sich der Regisseur eine kleine Rolle gegönnt) reicht sie ein Bonbon, singt ihr Lied von der Spinne, die auf ihre Beute wartet, zu Ende und geht.
Mit lang anhaltendem großen Applaus bedankte sich das Publikum für diesen anspruchsvollen Theaterabend. Regisseur Stefan Vincent Schmidt und seine ausgezeichnete Protagonistin ließen das Stück zu einem nachhaltendem Erlebnis werden. Marianne Eckardt assistierte der Regie, für das richtige Licht und die Technik sorgte Hub'n Kiene, die Kostüme hatte Susanne Liebhardt ausgesucht, Wolfgang Gahabka vertonte die Texte. Das Bühnenbild, sehr gut reduziert auf wenige Requisiten, erstellte das Ensemble des Theaters am Markt.
Weitere Aufführungen sind am 2., 3., 9., 10., 16., 17. und 24. Mai, jeweils um 20 Uhr. Am 4. Mai ist eine Matinee um 10 Uhr.
Für die Inszenierung des EinPersonen-Stücks "Kleine Zweifel" von Theresia Walser hat sich der Regisseur Stefan Vincent Schmid mit seiner Protagonistin Judith Schenkirz über ein Jahr Vorbereitungszeit gegeben. Von der Qualität der Aufführung konnte sich nun das Premierenpublikum im Theater am Markt am vergangenen Samstag überzeugen. Vor klarem Bühnenbild: einer abgeblätterten Wand, einer Leiter, zwei Koffern am Bühnenrand agiert Judith Schenkirz in der Rolle der Wendla Teusch eineinhalb Stunden lang auf beeindruckende Weise. Sie artikuliert professionell, wechselt Gestik und Mimik der jeweiligen Stimmung angepasst, beherrscht die leisen Töne, das kleine Lachen der Unsicheren ebenso, wie das Gurren der Koketten, das Auftrumpfen der Selbstbewussten, den Wutausbruch der Zornigen. Sie rennt, stolpert, tänzelt und balanciert, hält inne und beginnt von neuem ihrer Unruhe Ausdruck zu verleihen. Vor der unerträglichen Spannung vor dem Auftritt eines Gesangswettbewerbs war sie in die Nacht geflüchtet. Kleine Zweifel hatten die Veranstalter an ihrer Eignung angemeldet. So erzählt sie nun einer imaginären Gestalt einem Mann im Dunkeln ihre Ängste, ihre Sorgen, redet sich ihre Lebenszweifel von der Seele. Anschaulich lässt sie die Figuren der verschiedenen Konkurrentinnen vor sich selbst, vor dem Zuschauer entstehen. Soll sie sich vor ihnen fürchten, steckt sie die in die Tasche? Kann sie sich zwischen Bastian und Gregor entscheiden, dem einen in eine gemeinsame Wohnung folgen, des anderen sie deprimierende Kunstobjekte aushalten? Erträgt sie die betuliche Fürsorge der Eltern? Von all den vielen Zweifeln kann sie sich am Ende doch nur selbst befreien, zu sich finden, ihr Lied vor dem Mann aus dem Dunkeln zu Ende singen und gehen.
Langanhaltender und großer Beifall der Zuschauer belohnte Judith Schenkirz und ihren Regisseur Stefan Vincent Schmidt am Ende eines ausgezeichneten Spiels. Zu dem guten Eindruck hatten auch Marianne Eckardt mit Regieassistenz, Hub'n Kiene mit Beleuchtung und Technik, Wolfgang Gahabka mit Vertonung der Texte, Susanne Liebhardt mit Kostümauswahl und das Ensemble des Theaters am Markt mit einem angenehm reduzierten Bühnenbild beigetragen.
Aufführungen sind am 2. und 3. Mai, 20 Uhr, am 4. Mai um 10 Uhr, am 9., 10., 16., 17. und 24. Mai jeweils um 20 Uhr.
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