24.09.11 - Onkel Wanja


Premiere          Samstag, 24. September, 20 Uhr 

ONKEL WANJA

von Anton Tschechow

Plakat "Onkel Wanja"
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Weitere Vorstellungen :
Freitag / Samstag, 30. September / 1. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 7. / 8. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 9. Oktober, 17 Uhr 
Freitag / Samstag, 14. / 15. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 21. / 22. Oktober, 20 Uhr

Ensemble Theater am Markt

Es spielen: Susanne Braune, Inge Gfrörer-Kötschau, Renate M. Mayer, Jutta Schmidt, Stefan Hanus, Hermann Kunz, Herbert Prechtl und Alexander Schoenhoff. 
Regie: Claudia Loy

Der pensionierte Professor Serebrjakow kehrt mit seiner zweiten Frau Jelena auf das Landgut seiner ersten, bereits verstorbenen Frau zurück, welches seit vielen Jahren von Wanja, dem Bruder der ersten Gattin, sowie Sonja, der Tochter des Professors aus erster Ehe, bewirtschaftet wird. Nicht, dass sich der Professor a.D. nach dem ruhigen Landleben sehnen würde, ihm fehlen nur schlicht und ergreifend die finanziellen Mittel für ein Leben in der Stadt. Zurück in der entzückenden Natur sieht er sich nun von Banausen umgeben, wo er doch sein ganzes Leben im Dienste der Wissenschaft zugebracht hat. Die schöne Jelena, die junge Frau des Greises, verdreht nicht nur Wanja den Kopf, sondern auch dem Wald und Wodka liebenden Arzt Astrow, der wiederum Objekt Sonjas Begierde ist. Wanjas Mutter geht ganz in ihrer Bewunderung des kränkelnden und verbitterten Professors auf, Marina und Teljegin fristen ihr Dasein als stete Beobachter der langweiligen Szenerie, und Wanja – tja Wanja, der hat jede sich ihm bietende Chance im Leben konsequent vorbeiziehen lassen. Nun, mit Mitte vierzig, wäre es doch eigentlich an der Zeit, das zu ändern... 

Die Figuren dieses Stücks, allesamt Neurotiker, Sinnsuchende und an eben diesem Sinn des Lebens Verzweifelnde, bilden zahlreiche komische wie tragische Konstellationen, ehrliche wie absurde Momente. Herrlich spannend, wie sie versuchen der Leere und Langeweile ihres Lebens zu entgehen, und herrlich lächerlich, wie sie bei diesem Versuch scheitern.

Hermann Kunz, Jutta Schmidt, Herbert Prechtl, Stefan Hanus
Hermann Kunz, Jutta Schmidt, Herbert Prechtl, Stefan Hanus
Stefan Hanus, Alexander Schönhoff, Jutta Schmidt
Stefan Hanus, Alexander Schönhoff, Jutta Schmidt
Susanne Braune, Stefan Hanus
Susanne Braune, Stefan Hanus
Jutta Schmidt, Susanne Braune
Jutta Schmidt, Susanne Braune
Renate M. Mayer, Jutta Schmidt, Hermann Kunz, Susanne Braune
Renate M. Mayer, Jutta Schmidt, Hermann Kunz, Susanne Braune
Stefan Hanus, Jutta Schmidt, Alexander Schönhoff
Stefan Hanus, Jutta Schmidt, Alexander Schönhoff
Susanne Braune, Alexander Schönhoff
Susanne Braune, Alexander Schönhoff
Jutta Schmidt, Renate M. Mayer,
Jutta Schmidt, Renate M. Mayer,
Inge Gfrörer-Kötschau
Inge Gfrörer-Kötschau
Herbert Prechtl
Herbert Prechtl

Kritik von "Merkstwas"

Kritik OVB

Onkel Wanja (Stefan Hanus, links), Sonja (Jutta Schmidt, Mitte), Michail Astrow (Alexander Schoenhoff, rechts). Foto jacobi
Onkel Wanja (Stefan Hanus, links), Sonja (Jutta Schmidt, Mitte), Michail Astrow (Alexander Schoenhoff, rechts). Foto jacobi

Die Werke von Tschechow besitzen eine Komik, die Lachen macht und durch dieses Lachen den Verzweiflungs- schmerz des Scheiterns noch vertieft. In "Onkel Wanja", das im Theater am Markt in Rosenheim Premiere feierte, leben die Protagonisten auf einem Landgut in ohnmächtiger Langeweile und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. Regisseurin Claudia Loy gelang es überzeugend, die deprimierende Atmosphäre der Lethargie und des Stillstands, aber auch die kläglichen Versuche des Aufbäumens gegenüber dem Professor, der seine Verwandtschaft jahrzehntelang nur ausgebeutet hat, auf die Bühne zu bringen.

Klug angeordnet war bereits das sparsame Bühnenbild mit den im Halbkreis aufgestellten Sitzhockern, deren gleicher Abstand voneinander augenfällig die Hilflosigkeit und Isolation der Menschen zeigte. Stefan Hanus als Onkel Wanja spielte glaubwürdig den lamentierenden Zyniker, der die junge Frau des Professors anbetet, sich theatralisch gegen ihn auflehnt, aber nicht die Kraft findet, ein nützliches, sinnvolles Leben zu führen. Seine Wutausbrüche wirkten echt, sein Werben um die Gunst der jungen Jelena war von verzweifelter Komik. Voller nüchterner Melancholie verkörperte Alexander Schoenhoff den Landarzt, der Bäume pflanzt, um den Wald zu retten und über den Stumpfsinn des Landlebens verbittert ist. Gleich in der ersten Szene, dem Gespräch mit der von Renate M. Mayer anrührend gespielten, warmherzig schlichten Kinderfrau Marina war es immer wieder das beredte Schweigen, das den Zuhörer ergriff und nachdenklich machte.
Sanftheit, Sensibilität und melancholische Anmut strahlte die junge Sonja aus, deren Rolle Jutta Schmidt auf den Leib geschneidert zu sein schien. Ihre keusche Liebe zu Astrow war voller Unschuld, ihre Hoffnung auf ein nützliches Dasein im Jenseits am Schluss des Stückes offenbarte die hoffnungslose Lebenswirklichkeit auf dem Landgut. Hermann Kunz als Professor, unter dem die ganze Verwandtschaft leidet, fehlte hingegen die tyrannische Unerbittlichkeit. Mit Stock und Mantel wirkte er als Zielscheibe aufgestauten Zorns auch stimmlich eher hilflos und bemitleidenswert. Seiner kühlen Gattin Jelena (Susanne Braune) nahm man die leidenschaftlichen Annäherungsversuche an Astrow nicht ganz ab, auch die energische Zurückweisung ihres Verehrers Wanja wirkte etwas gespielt. Herbert Prechtl als bäuerlich-tölpelhafter Telegin und Inge Gförer-Kötschau als Marja vervollständigten den illustren Kreis der Gutsbewohner.

Wehmütige Klaviermusik, die die einzelnen Akte einführte, und die stimmige Kostümierung schufen den passenden Rahmen für das Bild einer Gesellschaft, die sich vor lauter Langeweile selbst nur noch zur Last fällt. Das Publikum spendete dem Ensemble am Ende wohlverdienten, anhaltenden Applaus. 


 

Kritik Echo

Onkel Wanja (Stefan Hanus, links), Sonja (Jutta Schmidt, rechts),
Onkel Wanja (Stefan Hanus, links), Sonja (Jutta Schmidt, rechts),

„Szenen aus dem Landleben“       
Anton Tschechows „Onkel Wanja“ im TAM-OST 

Als Anton Tschechows Schauspiel „Onkel Wanja“ 1889 damals noch unter dem Titel „Der Waldschrat“ aufgeführt wurde, fand es eine kühle Aufnahme. Daraufhin arbeitete der Dramatiker das Stück völlig um und konnte sich ein Jahr später im Moskauer Künstlertheater über den großen Erfolg freuen. Regisseurin Claudia Loy hat das Schauspiel nach der Sommerpause für das Theater am Markt im TAM-OST inszeniert und sich dazu eine Reihe ausgezeichneter und bühnenerfahrener Schauspieler aus dem Ensemble in stimmiger Besetzung erwählt. In ihrer Einlassung „Tschechow ernst nehmen oder Tschechow den Ernst nehmen?“ im Programmheft spricht die Regisseurin vor allem den Spielraum für die Inszenierung und dadurch des Weiteren für die Schauspieler an. In beiden Fällen wurde diese Vorgabe gut genutzt. Was die erwünschte Komik für das Publikum angeht, so erspürten die Premierenbesucher dank sensibler Regie und authentischer Umsetzung der Figuren durch die Schauspieler sehr wohl die Tragik des Stückes, in der es zwar komische Momente gibt, hauptsächlich aber um nicht gelebtes Leben geht.
 

„Eintönigkeit des Lebens“

Die sparsam ausgestattete, gleichbleibende Kulisse spiegelt die Eintönigkeit des Lebens der Menschen auf diesem Landgut wider. Der pensionierte Professor Serebrjakow kehrt, da er ein Leben in der russischen Metropole nicht mehr finanzieren kann, auf den Besitz seiner ersten, bereits verstorbenen Frau zurück. Alt, krank und despotisch tyrannisiert er seine Umwelt, an seiner Seite langweilt sich seine zweite Frau, die junge schöne Jelena. Seine Tochter Sonja aus erster Ehe und sein Schwager Wanja bewirtschaften das Gut seit Jahren und gönnen sich nichts, nur um den erfolglosen und egoistischen Professor auszuhalten.

Seine Schwiegermutter aus erster Ehe vergöttert ihn, alle fügen sich in hoffnungsloser Stimmung seinen Launen und seiner Hypochondrie. Langeweile, Selbstbetrug und Trostlosigkeit legen sich wie ein grauer Schleier auf die Personen um ihn. Nur Marina Timofejewna, der Renate M. Mayer echte Liebenswürdigkeit und Empathie verleiht, versucht ausgleichend und beruhigend ruhender Pol zu sein. Hermann Kunz gibt der Verbitterung, der Überheblichkeit des dünkelhaften Professors gelungen Ausdruck. Susanne Braune in der Rolle seiner Gattin Jelena ist schön, zu Tode gelangweilt und träge. Einem Flirt mit dem Arzt und Umweltschützer Michail Astrow ist sie nicht abgeneigt, ihre Reize setzt sie verführerisch in Szene. Der Arzt kommt zwar fast täglich in das Gut, um sie zu sehen und bringt etwas Bewegung ins dortige Einerlei, doch ist er nicht fähig zu lieben. Er verabscheut das Spießerleben auf dem Lande.

Alexander Schoenhoff lässt die rettungslose Einsamkeit dieses Trinkers sichtbar werden. Er bemerkt nicht die rührende Verliebtheit von Sonja, dem jungen Mädchen, das Jutta Schmidt mit wunderbarer Vielfalt ihrer Emotionen überaus feinfühlig verkörpert. Sie ist schüchtern und sanft, hoffnungsvoll und zutiefst betrübt. Ihrem Onkel Wanja ist sie von Herzen zugetan, beide verbindet ein ungelebtes Leben. Stefan Hanus ist dieser Wanja mit Leib und Seele. Wut und Verachtung empfindet er für den Professor. Jelena, die er ständig provoziert, würde er gerne besitzen. Trauer ob seiner vergeudeten Chancen, seiner nie gelebten Gefühle, erfüllt ihn. Scham, versagt zu haben, als er den Professor erschießen wollte, drückt ihn nieder. Er explodiert wie in Ekstase und fällt in sich zurück in stummer Verzweiflung. Herbert Prechtl spielt den infantilen Ilja als braven Gnadenbrotesser, Inge Gfrörer-Kötschau gibt eine herbe Marja Wassiljena.

Zwar reist der Professor mit Jelena nach dem Eklat ab, doch wird sich am Leben der Zurückbleibenden nichts ändern.
„Wir werden in Demut sterben und dann werden wir ausruhen“ tröstet am Ende Sonja ihren Onkel.
Die weiteren Aufführungen im TAM-OST finden an folgenden Terminen statt: 30. September, 1., 7., 8. Oktober, jeweils 20 Uhr; 9. Oktober, 17 Uhr: 14., 15., 21., 22. Oktober, 20 Uhr.  Margrit Jacobi

 


TAM-OST :: Theater am Markt e.V. :: Chiemseestrasse 31 :: D-83022 Rosenheim
Telefon: 08031 - 234 180 :: Fax: 08031 - 32975 :: eMail: kontakt[at]tam-ost.de

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