23.09.2000 - Langusten

'Langusten', Schauspiel von Fred Denger

September / Oktober 2000

Regie: Gerti Aicher  

Es spielte: Renate M. Mayer  

Bühnenbild: Frank Mithöfer

10 Vorstellungen


Oberbayerisches Volksblatt vom 29.9.2000 :

Aus dem Leben einer Putzfrau

Renate Mayer spielt Fred Dengers Schauspiel "Langusten"

Renate M. Mayer Da liegt sie, die rote gekochte Languste auf dem Küchentisch und ist an allem Unglück der Putzfrau Marie Bornemann schuld: an ihren Gewissensbissen, an ihrer Entlassung, am Krach mit einer Kollegin, am Tod der alten Oma Witzling.

Ende der 50er Jahre schrieb Fred Denger das Ein-Frau-Stück ,,Langusten", das besonders in einer Inszenierung mit Tilla Durieux berühmt wurde, und es ist trotz aller nebensächlichen Zeitgebundenheit immer noch aktuell, ja zeitlos. Es handelt nämlich vom Älterwerden, von Einsamkeit und sozialer Diskriminierung.  

Renate Mayer spielt in der Inszenierung von Gerti Aicher derzeit im Rosenheimer Theater am Markt diese herzensgute, ehrliche Marie, die sich, nachdem sie der Vater ihres Sohnes im Stich gelassen hat, allein durchs Leben schlägt, in dem sie in Stamers Delikatessengeschäft putzt. Sie sitzt an ihrem 60. Geburtstag in ihrer armseligen Hinterhofwohnung (einfaches, zweckmäßiges Bühnenbild von Frank Mithöfer) und wartet auf die Geburtstagsgäste, die da nicht kommen, und sie wartet auf einen Besuch oder wenigstens Geburtstagsgruß ihres Sohnes, der sich seiner Mutter schämt.  

Ihre Gesprächspartner sind der Kanarienvogel, die Wanduhr, die bei der Rosenheimer Premiere leider zur rechten Zeit nicht schlug, und auch die vermaledeite Languste, die sie sich von ihrem Chef zum Geburtstag erbat.  

Renate Mayer ist als Marie Bornemann anrührend in ihrer Verletztheit und Verzweiflung. Gleichzeitig ist sie aufmüpfig und tapfer, hadert mit Gott und stemmt sich gegen ihr Schicksal; Nicht nur, daß sie auf Knien ihr Geld hart verdient, jetzt wartet Marie Bornemann auch noch auf die Polizei. Die Languste hatte ihre Chefin an einen reichen Kunden verkauft, doch Marie nahm das Tier mit nach Hause. Die Languste ist für sie das Symbol für ein besseres Leben, das auch sie verdient gehabt hätte.  

Für die Schauspielkunst Renate Mayers ist dies die richtige Rolle. Doch noch war die hervorragende Amateurschauspielerin bei der Premiere etwas nervös, noch dürfte ihre Marie Bornemann einerseits noch etwas resignativer, andererseits noch kämpferischer werden, wenn sie von ihrem Schicksal erzählt. Und Renate Mayer dürfte es wagen, denn sie kann es, nicht nur in Ansätzen zu "berlinern", sondern Marie Bornemann auch sprachlich durchgängig ganz realistisch darzustellen. Dann könnte sie die tragischen, aber auch die komischen Seiten der Marie Bornemann noch besser herausarbeiten, als sie es jetzt schon vor einem begeisterten Premierenpublikum tat. 

Ein drohendes, tragisches Ende ersparte übrigens Fred Denger dem Publikum. Das hätte diese unverdrossen sich durchs Leben kämpfende Putzfrau auch nicht verdient gehabt. Ganz so verloren ist der aufrechte Mensch im Meer des Lebens dann doch nicht.  

Weitere Aufführungen sind freitags und samstags bis zum 21. Oktober um 20 Uhr sowie am Sonntag, 8. Oktober, um 10 Uhr bei einer Matinee mit anschließendem Brunch.

Raimund Feichtner


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