23.02.2002 - I Hired A Contract Killer

'I Hired A Contract Killer' von Aki Kaurismäki

Februar / März 2002

Regie: Helmut Huber 

Es spielten:
Daniela Mayer, Gabriela Schmidt, Barbara Schmitt, Klaus Einsele, Stefan Hanus, Hermann Kunz, Thomas Terpetschnig, Martin Thaller

10 Vorstellungen


Echo vom 27.2.2002:

Der beauftragte Killer, der seine Opfer sucht...

Aki Kaurismäkis "l hired a contract killer" in der Inszenierung von Helmut Huber auf der Bühne des Theaters am Markt.

Klaus EinseleFür Cineasten ist Aki Kaurismäki Garant für eigenwillige, ironische wie melancholische Filme. Helmut Huber nahm sich nun "I hired a contract killer", das Werk des finnischen Autors und Regisseurs vor, um es auf der Bühne des Theaters am Markt in Rosenheim zur Aufführung zu bringen.

Besondere MitteL des Films hat Helmut Huber auch für seine Inszenierung übernommen: Auf- und Abblenden des Lichts (ausgezeichnete Beleuchtung: Martin Knerich) und sehr markant, die schnellen "Schnitte" von Szene zu Szene, leider mit längerer Dunkelheit beim jeweiligen Umbau.

Reduziert ist die Farbgebung: Schwarz die Bühne, kardinalsrot die sparsamen Bühnenelemente Hocker und Tisch, die linke Wand und die Kleidung der Hure,Stefan Hanus der Sängerin. Zur Zeitlupe verlangsamt sind viele Bewegungen, liebevoll gestaltet die Bilder des Spiels, wie von Standfotografen eines Films festgehalten, hinreißend die Menschengruppe in der Straßenbahn in ihrer Pantomimik.

Mit feinem Gespür besetzte der Regisseur die einzelnen Rollen, allen voran Klaus Einsele als Henri, dem todesehnsüchtigen Franzosen in London. In kurzen Spots veranschaulicht er die Öde seines Daseins, rührt an, weckt Mitleid, bringt mit seinen vergeblichen Selbstmordversuchen Komik in tragische Situationen, lässt seine Ängste und kleinen Hoffnungen in verhaltendster Mimik und Gestik erkennen.

Als schräge, obskure Gestalten, den Ganoven Al und Pete und in anderen kleinen Rollen überzeugen Thomas Terpetschnig und Martin Thaller und bekommen die verdienten Lacher des Abends. Barbara Schmitt schlüpft wandlungsfähig in mehrere Rollen und Hermann Kunz kann herrlich fallen und mehrfach sterben. Lasziv als Sängerin, eiskalt als Sekretärin gelingt Daniela Mayer jeder schnelle Wechsel der verschiedenen Figuren.

Gabriela Schmidt als Margaret, das Mädchen, das Freude und Glück in Henris bis dahin trostloses Leben bringt, berührt vom ersten Augenblick an und hatMartin Thaller, Barbara Schmitt, Thomas Terpetschnig auf sanfte Weise einnehmende Präsenz. Für sich selbst gönnt sich Helmut Huber einige kurze Darsteller-Auftritte und genießt sie spielerisch famos. Alles könnte sich zum Guten wenden, wäre da nicht der beauftragte Killer (Stefan Hanus, kalt, fast bis ans Herz...), der seine Opfer sucht! Die gut aufgebaute Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten und soll auch hier nicht vorweggenommen werden. Hingehen und ansehen ist allen, die noch nicht da waren, zu empfehlen, ein fesselnder Theaterabend erwartet sie.

Weitere Vorstellungen sind am 1., 2., 8., 9., 15., 16., 22. und 23. März jeweils 20 Uhr und am 10. März um 10 Uhr.

Margrit Jacobi


Oberbayerisches Volksblatt vom 27.2.2002:

Und dazwischen wird es dunkel

Film von Kaurismäki als Theaterstück im Theater am Markt

Viele berühmte und hervorragende Filme basieren auf einem Theaterstück. Warum sollte man es nicht einmal umgekehrt versuchen, dachte sich Helmut Huber und arbeitete das Drehbuch zu Aki Kaurismäkis Film 'I hired a contract killer' zu einem Theaterstück um. Doch was in einer Richtung funktioniert, muss es in der anderen noch lange nicht. Hubers Theaterversuch war es wert, überhaupt versucht zu werden, doch leider scheiterten Huber und das Ensemble des Rosenheimer Theaters am Markt grandios. Dabei waren die Voraussetzungen durchaus gegeben.

Es ist eine melancholisch-ironische Geschichte. Sie handelt von dem einsamen, arbeitslos gewordenen Henri (Klaus Einsele), der sterben will, sich einen unbekannten Mörder (Stefan Hanus) engagiert, eine Blumenverkäuferin (Garbriela Schmidt) kennen und lieben lernt, aber den pflichtbewussten Killer, der unheilbar an Krebs leidet, nicht mehr kündigen kann. Überraschende Wendungen machen die Geschichte bis zum Schluss spannend.

Auch das Ensemble spielte unter der Regie von Helmut Huber hervorragend präzise. Besonders Klaus Einsele, der an Buster Keaton erinnerte, überzeugte als traurig dreinblickender kleiner Angestellter. Gabriele Schmidt als stille, aber mutige Geliebte und die anderen Akteure in ihrer Vielzahl von Kleinstrollen standen ihm kaum nach. Mit wenigen Requisiten und Möbeln, ein roter Tisch und zwei rote Sitzwürfel genügten vor schwarzer Kulisse, wurden die Schauplätze und Szenen gekennzeichnet. Genaues pantomimisches Spiel erheiterte, so als sich Daniela Mayer im hautengen Minikleid in der U-Bahn an männlichen Fahrgästen vorbeidrängte. Und die wenigen Textstellen wurden auch gekonnt gesprochen. Doch das Stück zündete trotz seines melancholischen Humors nicht, denn kaum ging das Licht an, war die Szene nach wenigen Sekunden schon wieder vorbei und das Licht erlosch zur nächsten Umbaupause.

Waren es 55 Szenen oder 57 oder gar 60, die in 100 Minuten abliefen? Mindestens ein Drittel der Zeit saß der Zuschauer wegen der notwendigen Pausen für Umbau, Auf- und Abgänge im Dunkeln. Die häufigen Unterbrechungen ließen keinen Spielfluss aufkommen. Die Szenen waren im Vergleich zu den Umbaupausen einfach zu kurz. Im Film kann diese traurig - heitere Geschichte von gesellschaftlichen Außenseitern flüssig erzählt werden, auf der Bühne konnte das bei aller Spielfreude der Akteure und trotz hervorragender Regiearbeit nicht gelingen. Wer zwischen den Szenen nicht im Dunkeln sitzen will, sollte Besser den Film anschauen, da wird es zwischen den Schnitten nicht finster.

Raimund Feichtner


TAM-OST :: Theater am Markt e.V. :: Chiemseestrasse 31 :: D-83022 Rosenheim
Telefon: 08031 - 234 180 :: Fax: 08031 - 32975 :: eMail: kontakt[at]tam-ost.de

Nach oben