Regie: Reinhold Torkler
Es spielten: Werner Faltlhauser, Hans Anker, Isolde Wiechmann, Gerti Aicher, Helga Hofmann, Jürgen Tiefenthaler
4 Vorstellungen
Vergnügliche Theaterunterhaltung auf Boulevard-Niveau ist derzeit im Rosenheimer "Theater am Markt" angesagt. Mit dem Stück "Der Preisträger" von Hans Friedrich Kühnelt bietet dieses Amateurtheater einen Kontrapunkt zu ihrer Tiefgangstragödie "Die Blinden".
In Gegenwart des 70jährigen Autors erlebte dieses vor 15 Jahren bereits vom "Theater Rosenheim" aufgeführte Stück wiederum kräftigen Beifall.
Unter der Regie von Reinhold Torkler, der einleitende Worte über das Stück dem eigentlichen Bühnenereignis vorangehen ließ, entwickelte sich durchgängig munteres Leben um das Ableben des Jungdichters Andreas Würmlein. Torkler hatte dem Stück nicht nur ein paar Rosenheimer Anmerkungen eingebaut, sondern auch einen liebenswerten Dramaturgie-Rüffel für den Autor integriert, ein Sonder-Service der Premiere.
Werner Faltlhauser spielte die Rolle des Jungdramatikers Würmlein anfangs zu aufgesetzt, fand dann aber spätestens in der lautstarken Auseinandersetzung mit dem omnipotenten Theaterdirektor (ein Sonderapplaus für Hans Anker) zu gewohnter Präsenz.
Eine bemerkenswerte Neuenteckung auf dieser Bühne ist Isolde Wiechmann, die mit gekonntem Frankfurterisch als Vermieterin der bescheidenen Dichterklause zu aller Vergnügen den Abend im "Mama Hesselbach-Stil" belebte. Gerti Aicher als arrogante und gewiefte Feuilleton-Rundfunkjournalistin war ebenfalls im sendefähigen Bereich. Helga Hofmann als des Dichters kühle Angebetete gab ihr Bestes, konnte aber aus dieser wenig geglückten Rolle nicht mehr machen, als drin war. Mit Jürgen Tiefenthaler war auch noch das Finanzamt zu einer Bühnenrolle gekommen.
Das Stück mit dem zwischen "kuhwarmem Leben" und hohen Idealen hin- und hergerissenen Dichter, der zur "Preistaube" wird und daran scheitern muß in diesem unseren Kunstbereich erhebt keinen Anspruch auf großes Theater, kann aber eine ganz passable Abendunterhaltung bieten - in Rosenheim jetzt durch stark besetzte Rollen ein sehenswertes Vergnügen.
Die nächsten Aufführungen sind am 28./29. Oktober, 4./5. November und 9./10. und 16./17. Dezember.
Am Ende einer anstrengenden Rosenheimer Theaterwoche mit fünf(!) Aufführungen gab es zum Ausklang im Theater am Markt ein heiteres Nachspiel, "Der Preisträger", von Regisseur Reinhold Torkler als "verlängerter Witz über das Kulturleben" eingeschätzt.
Der 70jährige Autor, Hans Friedrich Kühnelt, war zur Premiere aus Wien nach Rosenheim gereist und ließ sich für herzlichen Begrüßungsapplaus auf die Bühne bitten. Die Verfasser der Stücke gelten bei Theaterinszenierungen als eher entbehrlich, weil den Probenbetrieb störend, und für das Publikum sind sie als Person ungefähr genauso wichtig wie die Frau im Souffleurkasten. Aber da in diesem Fall der Autor schon einmal leibhaftig da war, warb er zwangsläufig um mehr Aufmerksamkeit für die Existenz seiner Berufsgruppe im Dunkel abseits des Rampenlichts. Zumal in diesem Stück ein Kollege die Hauptrolle spielte. Aber wenn der fiktive Dramatiker ausgerechnet "Würmlein" heißt, dann ist damit schon einiges über dessen Verhältnis zu seinem gesellschaftlichen Umfeld ausgesagt.
Aus der Würmlein-Perspektive sieht es so aus, daß dieses Umfeld sich weder um den Dichter noch um dessen Erzeugnisse schert. Die Medien nehmen den lebenden Dichter überhaupt nicht zur Kenntnis, der Theaterdirektor braucht bloß einen beliebigen Preisträger, damit die städtischen Fördermittel verteilt werden können, der Staat ist lediglich daran interessiert, an den Einkünften zu partizipieren, so wie die Hauswirtin auf pünktliche Zahlung der Miete drängt. Und selbst die Freundin ist zwar bereit, sich ihm ganz hinzugeben, aber nur das Ohr will sie ihm nicht leihen, damit er ihr sein Stück vortragen kann. Also inszeniert Andreas Würmlein als spektakulären Auftritt seinen eigenen Tod...
"Der Preisträger" ist eine milde Satire, der Torkler als belebende Vitaminspritze eine Dosis aktuell-lokaler Anspielungen injizierte. Das Ensemble lieferte dazu eine Reihe komödiantischer Miniaturen, wie Hans Ankers schalumflatterten hektischen Theatermanager, Gerti Aichers witzige Imitation einer Kulturmagazin-Moderatorin mit ungehemmtem Redeschwall oder Isolde Wichmanns hessisch babbelnde Hauswirtin. Helga Hofmann war die bürgerlich-zickige Muse des Poeten, Jürgen Tiefenthaler dessen bürokratischer Quälgeist vom Finanzamt. Und inmitten dieses Kreises saß Werner Faltlhauser als verkannter Dramatiker und schaute mit großen Kinderaugen auf soviel Verständnislosigkeit für sein Drama "Der Unbarmherzige".
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