Regie: Christoph Maier-Gehring
Es spielten: Frank Magener, Carsten Schmidt, Oliver Schuberth
Bühnenbild: Frank Magener
11 Vorstellungen
"A Mann is a Mann, wann er a richtiger Mann is." So einfach wie Helmut Qualtingers Herr Karl können es sich die Männer heute, eine Generation später, nicht mehr machen. Die alten Männer-Bilder stimmen nicht mehr, welche neuen an ihre Stelle gehängt werden, ist noch nicht auszumachen, was die öffentliche Diskussion ungemein belebt, zumal theoretisch jeder (und indirekt jede) von diesem Thema betroffen ist. Zu der wachsenden Zahl von Filmen, Büchern und Theaterstücken, die ihr Entstehen dieser Aktualität zu verdanken haben, gehört auch Gabriel Baryllis "Butterbrot", mit dem das Rosenheimer Theater am Markt seine Herstsaison und seine Veranstaltungsreihe zum fünfjährigen Bestehen des Theaters eröffnet hat.
"Butterbrot" führt drei Musterexemplare der neue(re)n Spezies Mann zusammen. Da ist Stefan, der Schauspieler, der Mann mit dem fortgeschrittensten Bewußtsein des Trios, ein radikaler Single, der getrennte Männer- und Frauenhäuser (mit einem schmalen Steg für gelegentliche zwischengeschlechtliche Begegnungen) für die beste Zukunftslösung hält, gestörte Beziehungen zu vermeiden. Da ist Martin, ein Architekt, ebenfalls ein Single, aber mehr von der traditionellen pragmatischen Sorte, die wechselnde Damenbekanntschaften pflegen, während sie auf eine "Traumfrau" warten. Die beiden sind eine Wohngemeinschaft eingegangen, die sich schon fast zum üblichen Paar-Verhalten (mit Stefan als häuslichem Nestbauer) verfestigt hat. Als Dritter stößt Peter, Inhaber eines Schuhladens, dazu, der, von seiner Frau unerwartet aus der ehelichen Wohnung hinaus-geworfen, zwischen neuerwachten Freiheitsgefühlen, Rachegelüsten und Selbstmitleid hin und hergerissen wird und in der Krise heftige Rückfälle in Chauvi-Allüren erleidet.
Drei junge Männer von heute, etwa Anfang 30, von denen jeder seine spezifischen Schwierigkeiten mit alten und neuen Männerrollen hat, was dann auch das nahezu ausschließliche Thema der Dreierrunde ist. Die griffigen Formulierungen dabei lassen ahnen, mit welchen intensiv leidvollen Erfahrungen sie ihre Erkenntnis erkauft haben. Das unterscheidet die drei auf der Bühne von normalen Zeitgenossen. Ansonsten verrät das relativ einfache Schnittmuster der Rollen: Es sind Konfektionsmodelle, Typen von der Stange. Gabriel Barylli hat sie deshalb noch mit einigen Eigenschafts-Accessoires ausgestattet, aber der Esoterik-Tick mit dem Horoskop oder das Fitness-Bewußtsein (Müsli, Rennrad, Jogging), sind auch nicht sehr viel origineller - wie eben das Leben so spielt. Oder besser: Wie es spielen könnte. So bewegt Barylli seine drei Muster-Männer auf jener mittleren Ebene, die man gemeinhin als "realistisch" zu betrachten pflegt, und läßt auf alle Fälle noch ein paar denkbare Entwicklungen zwischen tragischem Psychodrama und komischer Farce offen.
Regisseur Christoph Maier-Gehring nahm die Geschichte ernst, aber nicht tiefernst, und ließ seinerseits die Möglichkeiten zu einer mehr komödienhaften Interpretation offen, die im Lauf des Spiels, vermutlich inspiriert vom Zuspruch des Publikums, auch spürbar lebhafter genutzt wurden. Am elegant-flüssigen Tempo seiner Inszenierung, an den mit genau dosierter Leichtigkeit gesetzten szenischen Effekten war Maier-Gehrings mittlerweile professionelle Bühnenerfahrung abzulesen. Und das dreiköpfige Ensemble folgte da offenbar bereitwillig und locker seinen Intentionen.
Frank Magener (Peter), Oliver Schuberth (Martin) und Carsten Schmidt (Stefan) sind eine glückliche Besetzung, die nur ein Handicap hat - sie sind sich fast zu ähnlich. Nicht nur im guten Aussehen, sondern auch im Wesen: Höflich, beweglich, intelligent, beredt, empfindsam, ein wenig sentimental, mit dem gleichen Geschmack in allen Dingen der modischen Lebensart. Das verwischt ein wenig die vom Autor beabsichtigten soziologischen Konturen (Geschäftsleute dürften doch wohl ein etwas anderes Erscheinungsbild anstreben als Schauspieler), das nimmt auch den vorhandenen Spannungen innerhalb einer Wohngemeinschaft die für den neugierigen Zuschauer so reizvolle Würze. Das wird aber andererseits wettgemacht, weil eben jeder der Spieler aus seiner Rolle ein großes Maß an individueller Wirkung herausholt, zumal Barylli, der gelernte Schauspieler, mit diesem Stück seinen Kollegen überdurchschnittlich witzige Dialoge geschrieben hat (und daß dabei der Darsteller des Schauspielers noch paar kenntnisreiche Szenen mehr aus dem Metier bekommt, ist wohl auch verständlich).
Ein Pluspunkt der Inszenierung ist Frank Mageners WG-Interieur, das mit durchaus zeitgeistgemäßem Styling in einer Mischung aus modischem Design, unbürgerlichen Möbelimprovisationen und Flohmarkt-Fundstücken ausgestattet wurde. Für den Gag mit dem auf- und abschwebenden Lift gab es Sonderbeifall.
"Butterbrot" wird am Samstag, 31. September, und Sonntag, 1. Oktober, jeweils 20 Uhr, wiederholt. Weitere Aufführungen folgen demnächst während der Rosenheimer Kleinkunsttage.
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