Regie: Horst Halser
Es spielten: Irmgard Maier, Paul Huppertz, Hermann Kunz, Christian Mareth, Walter Schöpf, Monika Richter, Pia Richter, Biggi Schöpf
8 Vorstellungen
Mit dem Thema Krieg beschäftigen sich die beiden selten gespielten Einakter "Guernica" und "Picknick im Felde" des spanischen Autors Fernando Arrabal, die das Ensemble Theater am Markt unter der Regie von Horst Halser aufführt.
Arrabals Stück "Guernica", nach dem Gemälde von Pablo Picasso benannt, wurde 1959 uraufgeführt. Der Autor, Jahrgang 1932, gilt als einer der führenden zeitgenössischen Theater-Autoren. Die baskische Stadt Guernica wurde im April 1939 von der nazi-deutschen Flieger-Legion "Condor" dem Erdboden gleichgemacht; rund 1650 Zivilisten fanden bei Hitlers Unterstützungsaktion für General Franco den Tod.
Das Stück "Guernica" besteht vordergrühdig aus der Auseinandersetzung eines alten Ehepaares - er ein kümmerlicher Macho, sie ein unselbständiges Heimchen. Dieser Privat-Gefühlskrieg als Flucht vor der grauenhaften Realität draußen wird immer wieder vom Bombardement und dem Schritt marschierender Soldaten aus Lautsprechern unterbrochen. Dr. Paul Huppertz spielt souverän den eitlen, unsensiblen Ehemann Fancho, Dr. Irmi Maier, von der nur manchmal eine Hand zu sehen ist, ebenso packend-konzentriert dessen verschüttete Ehefrau.
Wie ein bösartiger Roboter schaut hin und wieder ein Offizier (Hermann Kunz mit diabolischer Mimik) in den Raum und fordert von Fancho stumm Unterwerfungsgesten. Irrlichternd tobt zwischendurch ein überdrehter Schriftsteller (Christian Mareth) samt einem speichelleckenden Journalisten (Walter Schöpf) über die Bühne und ergötzt sich an der dramatischen Situation, die er nicht als Menschenquälerei, sondern als Karriere-Sprungbrett betrachtet. Im Gegenzug huschen im Schutze der Dunkelheit eine Mutter und ihre Tochter (Monika und Pia Richter) mit Nachschub-Waffen durch die Szenerie. Das Premierenpublikum im ausverkauften Saal spendete nachdenklichen Beifall.
Surrealistischer gestaltete sich Arrabals zweiter, 1992 geschriebener Einakter. Der Soldat Zapo (Hermann Kunz) baut einsam seine Stellung auf. Überraschend erscheinen seine Eltern mit einem Picknick-Korb. Vater (Dr. Paul Huppertz) schwärmt von alten Zeiten als Kavallerist, und Mutter (Monika Richter) wäre auch am liebsten Soldat geworden.
Als plötzlich ein feindlicher, ebenso unbedarfter Soldat (Walter Schöpf als Zepo) erscheint, wird er unter der Regie des Vaters gefangen genommen, aber bald wieder seiner Fesseln entledigt, damit auch er am Picknick mitten im Felde teilnehmen kann. Diese Geste bleibt aber von Mißtrauen überlagert. Der Auftritt der Sanitäter, die auf Verwundete und Tote hoffen, ist Vorbote des plötzlichen Endes, das wie ein DamoklesSchwert über der naiv-lustigen Gesellschaft hängt.
Regisseur Horst Halser hat sich an zwei schwere Stücke gewagt, die er aber hat ausbalancieren können. Die Kriegsgewalt, die jeweils auf das Individuum eindringt, hat er durch eine aufwendige Lichttechnik- und Tonanlage beeindruckend ins Theater geholt. Seine Darsteller sind sehr konzentriert bei der Sache, und der niederrheinische Zungenschlag verleiht Dr. Paul Huppertz in diesen Breiten etwas Exotisches und steigert damit noch den Manierismus in seinen beiden Rollen.
Das Publikum klatschte nach dem zweiten Stück befreiter; es gab eine ganze Reihe "Vorhänge" für die beachtliche Leistung der Truppe, die hier keine leichte Kost zu bescheren hatte.
Weitere Vorstellungen sind am Freitag / Samstag 26./27. September, am Freitag / Samstag, 3./4. Oktober und 10./11. Oktober. Am Samstag, 4. Oktober, wird der Autor Fernando Arrabal anwesend sein; Vorbestellungen unter Telefon 0 80 31/3 79 73.
Das Grauen des Krieges führt der katalonische Autor Femando Arrabal in absurden Szenen seiner beiden Antikriegsstücke "Guernica" (entstanden nach dem weltbekannten Gemälde von Pablo Picasso) und "Picknick im Felde" vor. Horst Halser inszenierte die beiden Einakter im Theater am Markt in Rosenheim.
Marschschritt gegen Madrigal
Das auf wenige Requisiten - ein Tisch, ein Stück Mauer, Stacheldraht und einige Säcke - reduzierte Bühnenbild von Franz Schröger vermittelt die Trostlosigkeit des Schauplatzes. Geräusche von Maschinengewehr-Salven und Marschierschritten unterbrechen brutal die Klänge katalonischer Madrigale. Ein Mann, der Schutz unter einem Tisch suchte, wird aus dem Dunkel sichtbar. Seine Frau ist hinter einer Mauer verschüttet, verborgen für ihn, wie für die Zuschauer.
Verzweifelt erbittet Lira Hilfe von Fanchou. Während sie klagt und winselt, schimpft und bettelt (mit eindringlicher Präsenz die Stimme von Irmi Maier in facettenreicher Modulation), redet ihr Ehemann mehr und mehr gelangweilt über ihr falsches Verhalten, versäumte Liebhaber, dem Wunsch "intelektell zu sein". An einem rosa Luftballon soll sie sich festhalten, Schüsse zerfetzen diesen schnell. Dr. Paul Huppertz gibt dem selbstherrlichen Gatten und ängstlichen Bürger glaubwürdig Gestalt.
Eine Frau, ein Kind auf der Flucht; ein impertinenter Offizier; ein Schriftsteller und ein Journalist kommen und gehen. Das Debakel des streitbaren Paares wiederholt sich monoton, immer wieder abrupt gestoppt von heftigen Bombardements. Beim letzten Fliegerangriff wird auchder Mann unter den einstürzenden Mauern begraben. Das gemeinsame Lachen ertönt aus dem Jenseits.
Schlachtfeld als Ausflugsziel
In "Picknick im Felde" benützen die Eltern eines Soldaten einen Kriegsschauplatz als sonntägliches Ausflugsziel, um ihren Sohn zu besuchen. Konträr zum kampfbegeisterten Vater (Dr. Paul Huppertz) schreibt Zapo, der Sohn (Hermann Kunz): "Soldaten sind Mörder" an die Wand, schließt die Augen beim Schießen und betet ein Vaterunser. Als er einen Gefangenen, Zepo (Walter Schöpf) macht, wird auch dieser von der Familie zum kuriosen Picknick eingeladen. Wie Zapo schließt auch er die Augen, wenn er schießen muß. Der eine strickt Pullover in der Gefechtpause. der andere bastelt Stoffblumen im Schützengraben. "Krieg ist ein Kinderspiel", sagt die Mutter (Monika Richter), "gebt den Generälen Gitarren und Kastagnetten". Frustrierte Sanitäter suchen vergeblich nach Toten oder Verletzten. Schließlich tanzen alle zu Paso-Doble-Klängen vom Grammphon, bis Maschinengewehr-Salven sie niedermähen. Endlich Arbeit für die Sanitäter!
Reichlich Applaus
Horst Halser führte seine Darsteller engagiert auf dem schmalen Pfad zwischen Dramatik und Komik. Er und seine Akteure ernteten verdient reichlich Applaus vom Premierenpublikum.
Weitere Aufführungen am 26. und 27. September sowie am 3., 4., 10. und 11. Oktober.
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