Regie: Klaus Einsele und Klaus Schöberl
Es spielten: Klaus Schöberl, Petra Riegel, Uwe Freund, Hubert Freund, Sigi Thäle, Frank Mithöfer
7 Vorstellungen
In Manhattan muß es schon ausgesprochen bescheuerte, geile, halbverkalkte und darüberhinaus unfähige Psychologen und Psychotherapeuten geben, wenn die sich als Satire gebende Boulevardkomödie von Christopher Durang "Trotz aller Therapie" im Kern zutreffen sollte. Auf der Bühne des Rosenheimer "Theater am Markt" mischten sich Patienten und Therapeuten zu einem fürs Premierenpublikum vergnüglich-verrückten Beziehungskistenspiel.
Die Journalistin Prudence (Petra Riegel) lernt über eine Kontaktanzeige den bisexuellen Anwalt Bruce (Frank Mithöfer) kennen, der mit seinem Freund Bob (Uwe Freund) zusammenlebt. Da es beim ersten Treffen zwischen Prudence und Bruce nicht funkt, suchen beide Hilfe bei ihren hilflosen, selbst therapiebedürftigen Therapeuten. Stuart (Klaus Schöberl), der Therapeut von Prudence, entpuppt sich dabei als eifersüchtiger, sexbesessener Macho-Lustmolch, Charlotte, die Therapeutin von Bruce, als vergeßliche, umtriebige Psycho-Nudel. Auch Bob, der sich von Bruce nicht trennen will, fällt in die behandelnden Hände der verrückten Charlotte.
Schließlich kommt es zum großen Schlußtreffen im Stammlokal von Bruce und Prudence. Bob bandelt, damit es auch ein "schlüssiges" Happy-Ende gibt, mit dem schwulen Kellner Andrew (Hubert Freund) an. Der eifersüchtige Stuart begibt sich bei seiner Kollegin Charlotte in Therapie und Prudence fragt sich schließlich, warum sie dem verklemmten Bisexuellen Bruce ihr Jawort gegeben hat.
Nicht jedes Stück muß, bloß weil es von einem anscheinend aufstrebenden amerikanischen Autor stammt, entfernt an Woody Allen erinnert und schon mit Jeff Goldblum und Glenda Jackson verfilmt wurde, ein gutes Stück sein. Dazu waren die Handlung zu dünn und die Scherze zu schal. Das Wort "Schwanzlutscher" ist weder besonders originell noch wirkt es heute sonderlich anstößig. Und die gar lustige Vergeßlichkeit der verrückten Charlotte hat man schon besser auf verschiedenen Bauembühnen gesehen. Oder ist es wirklich so witzig, wenn Charlotte ihre Sekretärin als "Zeppelin" bezeichnet? Vielleicht lag die fehlende Durschlagskraft der Wortspiele aber auch an der unausgereiften Übersetzung des Stücks.
Das Bühnenbild von Janna Völckers im kleinen Theater am Markt war dagegen gelungen: links das mit zwei Tischchen angedeutete Restaurant, in der Mitte die Behandlungsräume der beiden Therapeuten und rechts das mit einer Couchgarnitur eingerichtete Wohnzimmer von Bruce und Bob.
Die Regisseure Klaus Schöberl und Klaus Einsele bemühten sich auch um die für eine Boulevardkomödie an sich notwendige Spritzigkeit. Doch sie taten des Guten leider ein bißchen zu viel. Witzige Dialoge schnell ablaufen zu lassen, genügt nicht, um Wirkung zu erzielen. Auf die richtigen Pausen kommt es an. Schauspieler und Zuschauer müssen auf das Gehörte reagieren können.
Recht undankbar war für Petra Riegel ihre erste Bühnenrolle als hübsche Prudence. Ihre Regisseure hätten auf ein etwas differenzierteres Spiel achten müssen. Zu gleichförmig war ihr sprachlicher und spielerischer Ausdruck. Und Frank Mithöfer als bisexueller langhaariger Junganwalt - schauen die Yuppies in Manhattan wirklich so aus? - wäre besser zu verstehen, wenn er ein bißchen langsamer spräche. Zu unglaubwürdig hektisch agierte Therapeut Klaus Schöberl. Sigi Thäle spielte dagegen glatt die dankbare Rolle der komischen Ulknudel. Eine positive Überraschung war Uwe Freund als Bob. Auch er stand zum ersten Mal auf der Bühne. Ihm glaubte man seinen eifersüchtigen Liebhaber.
Ernst zu nehmen war diese New Yorker Komödie nicht. Dazu fehlte der Tiefgang, der in Woody Allens Stücken bei allem Witz zu finden ist. Doch sie will wahrscheinlich auch gar nicht ernst genommen werden. Für eine lustige Abendunterhaltung genügt's.
Weitere Aufführungen im Theater am Markt sind am 22., 23., 29. und 30. Januar sowie am 5. und 6. Februar.
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