Regie: Christoph F. Maier
Es spielten: Luise Plonner, Gabi Pitterle, Thomas Feichtinger, Peter Saalfeld, Alf Bremer, Markus Höhn, Helga Hofmann
10 Vorstellungen
Bertolt Brecht hat dieses 1937 unter dem Eindruck des spanischen Bürgerkrieges entstandene Stück aus der Handlung des Einakters "Reiter ans Meer" des Iren John Millington Synge (1871 -1907) und seiner eigenen politischen Stellungnahme zu den Ereignissen in Spanien zusammengesetzt.
Es ist ein - aus der historischen Situation - verständliches Agitpropstück, das Neutralität als Unterstützung des Feindes demaskieren will.
Handlungsgerüst ist der verzweifelte Kampf einer Mutter, die durch äußere Einflüsse ihren Mann und ihre Söhne - bis auf die zwei jüngsten - verloren hat. Bei Synge ist es das Meer, bei Brecht der Bürgerkrieg, von dem die Familie bedroht wird.
Christoph F. Maier hat dieses Brecht-Stück sorgsam und stringent inszeniert, nimmt sich dafür reichlich Bühnenplatz (ohne Vorbühne, so hat die "Kabale und Liebe"-Inszenierung gezeigt, kann ein Stück dort akustisch untergehen). Einziger Bühnenbau ist eine kalkig-weiße Wand, die diagonal bis weit auf die Vorbühne herausreicht - mehr braucht es auch nicht.
Karg geht es zu im Haus der Fischersfrau Teresa Carrar. Ihr Mann ist im Bürgerkrieg umgekommen. Nun hält sie ihre beiden Söhne an sich gefesselt, obwohl auch sie gegen die Generäle kämpfen wollen. Der Ältere, Juan, ist nachts zum Fischen draußen und der Jüngere, José, hat die Aufgabe, vom Haus aus das Licht, das Juan mit sich führt, zu beobachten.
José macht der Mutter bittere Vorwürfe, daß sie zuhause bleiben müssen, während an der Front jeder Mann gebraucht wird. Da erscheint Teresas Bruder Pedro, der die Gewehre seines Schwagers holen will.
Erste Diskussionen über Für und Wider des Widerstands kommen auf, als der Padre erscheint. Er will sich in der Argumentation nicht festnageln lassen, hebt abwehrend die Hände, worauf Pedro konstatiert: "Die Haltung, mit der man etwas billigt, gleicht der Haltung, mit der man kapituliert!" Hier schwingt Brecht den Zitatezeigefinger. Teresa ("Wer das Schwert nimmt, kommt dadurch um") muß sich von ihrem Bruder vorhalten lassen, wer nicht für den Widerstand sei, unterstütze die Generäle. Aber Teresa bleibt hart und rückt die Gewehre nicht heraus. Da bringen Leute ihren älteren Sohn: Er ist von einer Bootspatrouille der Faschisten getötet worden...
Gewalt erzeugt Gegengewalt. Der Widerstand muß vor dem Hintergrund gesehen werden, daß 1936 die spanischen Militärs gegen die erst junge Republik mobil machten und dabei gnadenlos vorgingen. Idealisten aller Länder bildeten Freiwilligentruppen, um gegen die Generäle zu kämpfen.
Vom Publikum wurde das Stück im Rosenheimer Theater am Markt mit starkem Beifall bedacht; die solide schauspielerische Leistung unterstrich den Inszenierungserfolg. Luise Plonner als Teresa Carrar ist völlig überzeugend, ihre Tränen über den toten Sohn sind nicht künstlich, sondern ergeben sich aus ihrer Identifizierung mit der Rolle.
Peter Saalfeld als Pedro ist der politisch-konsequent denkende und handelnde Kämpfer, der trotzdem seine Menschlichkeit nicht verliert, nicht zur reißenden Bestie zu werden droht.
Applaus auch für Thomas Feichtinger (José), der einen schwierigen Part hat: Er muß immer präsent sein, hat aber nicht soviel Text wie die beiden anderen Hauptrollen. Trotzdem hält er in Gestik und Mimik ständig seinen glühenden Widerstandswillen aufrecht.
Sie gehören zu den "Novizen" auf der Bühne, die durchwegs gut geführt, klar und sauber sprechen und spielen: Markus Höhn als Padre, Gabi Pitterle als Manuela, Alf Bremer als Paolo. Helga Hofmann, eine der tragenden Kräfte des Theaters, spielt die Nachbarin Perez sehr akzentuiert.
Spanisch eingestimmt wird das Publikum durch die Eigenkompositionen, die der Holztechnikstudent Nikolaus Peter Späth auf der Gitarre hören läßt. Seine Stücke dienen auch als Szenenpause - ein guter Einfall, um das bisweilen harsche Stück etwas zu mildern.
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