12.11.2005 - EiferSucht

'EIFERSUCHT' Drama für drei Faxmaschinen von Esther Vilar

November / Dezember 2005

Regie: Gerti Aicher

Es spielten:
Claudia Loy, Kristina Moll, Johanna Rambeck

10 Vorstellungen


Eifersucht


Oberbayerisches Volksblatt vom 15. November 2005:

Amüsante Seelenpein

VON MARGRIT JACOBI

Anfang der 70er-Jahre war der Name Esther Vilar in aller Munde. Die argentinisch-deutsche Schriftstellerin hatte eben ihr erstes Buch "der dressierte Mann" herausgebracht und damit große Kontroversen ausgelöst. Im Gegensatz zur Feministin Alice Schwarzer befand Vilar damals eher die Männer unterdrückt von den Frauen als umgekehrt. 1998 erschien ihr neues Stück "Eifersucht", das ein Jahr später in Düsseldorf uraufgeführt wurde. Die Regisseurin Gerti Aicher hat das "Drama für drei Faxmaschinen" nun auf der Bühne des Theaters am Markt in Rosenheim mit drei Schauspielerinnen des Ensembles in Szene gesetzt.

Wichtiger Bestandteil des klar gestalteten Bühnenbildes sind Faxgeräte, benützt von Helen, Yana und später auch von Iris. Helen, gespielt von Johanna Rambeck, ist erfolgreiche Anwältin und Ehefrau von Lazlo. Informiert von der Untreue ihres Mannes wird sie mittels Fax von Yana, (Kristina Moll) einer jungen Architektin und nunmehrigen Geliebten Lazlos. Mit der Rigorosität ihrer Jugend fordert sie Helen auf, Lazlo freizugeben und als diese natürlich in keinster Weise dazu bereit ist, verschafft sie Helen Zutritt zu einer "Spionagekammer", von wo aus diese die Liebesspiele des Paares beobachten kann.

Die Dialoge der Konkurrentinnen verlaufen nebeneinander auf der Bühne, jede verliest das verfasste Schreiben an die verhasste Gegnerin.
Kristina Moll als Yana setzt ihre Reize sehr gezielt ein und ihre Argumente gegen die ältere Ehefrau sind scharfzüngig und gnadenlos. Nicht minder geschliffen reagiert Helen.
Johanna Rambeck durchläuft als Helen alle Stadien von tiefstem Schmerz, verletzter Eitelkeit, Hass, verlorenem Selbstwertgefühl, Aufbegehren bis zur Resignation und vermittelt in ihrem Spiel intensiv das Wechselbad der Gefühle. Esther Vilar verteilt in ihren Texten geistreich und höchst amüsant Seitenhiebe auf Männer wie Frauen. Leidenschaftliche Tangomusik setzt musikalische Akzente beim schnellen Szenenwechsel.

Nach der Pause erlebt und spielt Kristina Moll als Yana die gleiche Seelenpein, als eine dritte Frau ins Geschehen kommt. Wie ein Bumerang ereilt sie das Schicksal der Verlassenen und Helen lässt sich ihren Triumph über die ehemalige Rivalin förmlich auf der Zunge zergehen, was Johanna Rambeck mit sichtlichem Vergnügen zur Geltung bringt.

Ganz und gar köstlich auch die Wandlung der blutjungen Iris (Claudia Loy), eine praktizierende Buddhistin, die aus jäher Eifersucht jegliche Contenance und Friedfertigkeit verliert. Gerti Aicher hat die amüsante Handlung geschickt und mit Tempo inszeniert und in Johanna Rambeck, Kristina Moll und Claudia Loy drei Darstellerinnen gefunden, die viel Gespür für die Umsetzung ihrer Rollen beweisen und ihr umfangreiches Textmaterial gekonnt bewältigen.

Das Ende des vergnüglichen Theaterabends hat noch eine überraschende Pointe für die Zuschauer parat und bewahrheitet den Spruch: "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft". Diese Leidenschaft macht süchtig. Ist ein "angegrauter älterer Herr" als Objekt der Begierde dreier recht ansehnlicher Frauen all diesen Wahnsinn wert oder gibt es da noch eine andere Erklärung?


Echo vom 16. November 2005:

Leidenschaftliche "Eifersucht"

"Man erlebt es immer wieder: Die Eifersucht stirbt viel später als die Liebe". Diesen Spruch von H.G. Wells belegt die Schriftstellerin Esther Vilar mit ihrem 1999 uraufgeführten Stück "Eifersucht" sehr anschaulich. Vilar, die Anfang der 70er-Jahre mit ihrem Buch "Der dressierte Mann" für Furore sorgte, nimmt bei "Eifersucht" mit ihren kritischen, amüsanten und scharfsinnigen Betrachtungen Frauen wie Männer aufs Korn. Regisseurin Gerti Aicher hat das "Drama für drei Faxmaschinen" jetzt für das Theater am Markt inszeniert. In den Strudel des erbärmlichen, aber auch höchst leidenschaftlichen Gefühls der Eifersucht geraten nacheinander drei Frauen mit ihrem Begehren, den Mann Lazlo für sich alleine besitzen zu wollen.

Die erste, Helen, ist seine rechtmäßige Ehefrau und Johanna Rambeck setzt die erfolgreiche Juristin und betrogene Gemahlin im Wechselbad der verschiedenen Gefühle sehr anschaulich in Szene.

Kristina Moll als sexversierte Geliebte und gnadenlose Rivalin spielt ihre Rolle mit Temperament und viel Gespür für die Umsetzung ihrer Emotionen. Alles, was sie Helen antut, passiert ihr später durch die blutjunge Iris, der als Dritter die Gunst des "vielgeliebten" Lazlo zuteil wird.

Claudia Loy überzeugt als praktizierende Buddhistin Iris, die ihren Rivalinnen zu Geduld rät und ihnen "Frieden" anbietet. Wunderbar, wie sie aus ihren harmonischen Fugen gerät und in ihrer Eifersucht ganz und gar die "Contenance" verliert.

Ein wichtiger Bestandteil des Spiels sind Faxgeräte, mit denen die drei Frauen kommunizieren, sich Informationen, Forderungen, Gehässigkeiten, Drohungen, Resignationen oder Triumphe zukommen lassen. Die leidenschaftlichen Rhythmen des Tangos belegen musikalisch die Vehemenz der Gefühle. Gerti Aicher hat das Stück tempo- und und spannungsreich inszeniert und für die drei Frauenrollen hervorragende Darstellerinnen erwählt. Die Besucher erwartet ein amüsanter Theaterabend mit einem erstaunlichen Schluss.

Weitere Aufführungen im Theater am Markt, Rosenheim, Chiemseestraße 31, sind an allen Freitagen und Samstagen bis zum 10. Dezember um 20 Uhr, am Sonntag, 27. November, um 17 Uhr.

Margrit Jacobi


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