Es spielten:
Ursula Berny, Rike Dilcher, Aleksandra Dietz, Frank Mithöfer, Martin Thaller
Musik: Gerti Aicher, Renate M. Mayer
9 Vorstellungen
Friedrich Dürrenmatts Masche war es, seine tiefgründigen Dramen als Komödien zu verkleiden. Der englische Dramatiker Alan Ayckbourn gilt "als Meister der Gesellschaftsfarce, in der er Situationskomik und effektvolle Dialoge mit unaufdringlicher Sozialkritik verbindet", heißt es im Programmheft zu seiner Komödie "Ab jetzt", die im Rosenheimer Theater am Markt Premiere hatte. Ayckbourns Stück kommt im Gewand einer Boulevardkomödie daher und bleibt es auch, obwohl die Komödie mit Gesellschafts- und Sozialkritik "unaufdringlich" angereichert ist. Somit bleibt auch die flotte Inszenierung von Klaus Schöberl und Renate M. Mayer mit dem gut aufgelegten Ensemble des Theaters am Markt eine heitere Unterhaltung mit lediglich ein bisschen Tiefgang.
Die Geschichte ist durchaus reizvoll, und die Situationen sind wirklich kornisch. Irgendwann in einer nicht allzu fernen Zukunft, in einer volltechnisierten, aber lieblosen und kalten Welt, in der sich die Menschen aus Angst vor Straßengangs in ihren Wohnungen einsperren, bemüht sich Jerome (Frank Mithöfer) um das Sorgerecht für seine Tochter. Er engagiert dazu die Schauspielerin Zoe (Ursula Berny), um dem Mann vom Jugendamt (Martin Thaller) eine funktionierende glückliche Beziehung vorspielen zu können. Doch Jerome lebt eigentlich mit der Roboterfrau Gou (Rike Dilcher) zusammen, die als Kindermädchen programmiert ist, aber auch die Charakterzüge seiner dominanten Ex-Frau Corinna (ebenfalls Rike Dilcher) annehmen kann. Der träge Jerome und die quirlige Zoe verlieben sich für eine Nacht ineinander trotz aller Schwierigkeiten, die die hinkende Roboterfrau macht. Jerome ist beziehungsunfähig und kann nicht zurückstecken. Er läßt Zoe ziehen. Lieber baut er sich während der Pause Gou zu einer zweiten Zoe um. Anfänglich scheint sein Versuch auch zu gelingen, den Mann vom Jugendamt und seine Ex-Frau mit dem Zoe-Roboter (jetzt Ursula Berny) hinters Licht zu führen. Doch der Roboter hat zur Freude der Zuschauer seine Macken. Der Schwank besiegt den Tiefgang.
Besonders Rike Dilcher und Ursula Berny überzeugen in ihren überraschenden Doppelrollen als Roboter und leibhaftige Menschen. Präzise ist ihr Spiel als verbitterte und keifende Ex-Gattin und als nervöse, lebenslustige, etwas naive Schauspielerin sowie als hinkender, sich eckig bewegender Roboterprototyp. Gegen solche Frauenpower hat es Frank Mithöfer nicht nur als Jerome, sondern auch als Schauspieler schwer. Sein Phlegma bremst die Inszenieung. Für Komik sorgt Martin Thaller als verdrahtetes Männchen vom Jugendamt mit seiner Sozialpädagogensprache und seinen elektronischen Sicherungssystemen. Aleksandra Dietz spielt stoisch die zu einem männlichen Punker mutierte Tochter, die eigentlich keiner mehr haben möchte und die deshalb lieber beim Zoe-Roboter bleiben will. "Ab jetzt" wollen Jerome und Corinna gegen Ende des Stückes wieder einen neuen Anfang wagen. Doch in ihrer Welt ist es zu spät dafür. Jerome schreckt zurück. Die Maschine ist für Jerome berechenbarer als die lebendige Frau.
Weitere Aufführungen sind am 15., 16., 17, 22., 23. und 24. November jeweils um 20 Uhr im Theater am Markt in Rosenheim.
Als Alan Ayckbourn, der sehr produktive und gleichermaßen erfolgreiche Bühnenautor 1988 sein Stück "Ab jetzt" war seine "Menschenmaschine" uns jetzt erscheint. Wenn "das Ding" durch die Handlung hinkt, hat es manchmal mehr Menschlichkeit, als die "echten" Personen. Renate M. Mayer und Klaus Schöberl inszenierten die Komödie nun für das Theater am Markt. Schrille Synthesizerklänge, ein Mischpult, Verpackung von Tiefkühlkost auf dem Boden, schmuddliges Mobilar und unzählige Nachrichten vom Anrufbeantworter empfangen den eben zurückkommenden Jerome (Frank Mithöfer).
Gou, das derangierte Robotwesen 300 F, Serie 4, Modell 9914822 G (Rike Dilcher), muss er mit einigen Schraubendrehungen technisch wieder auf Vordermann bringen, dann nervt ihn der "Schrotthaufen" wie alles andere fürchterlich. In diese Atmosphäre platzt Zoe (Ursula Berny). Die übel zugerichtete Schauspielerin ist auf der Flucht vor den "Töchtern der Finsternis", die nun vor dem Appartement toben. Zoe ist auf Jeromes Jobangebot hier und was sie spielen soll, verlangt einiges an Einfühlungsvermögen von ihr. Außerdem verlangt Jerome etliche Lachproben von ihr, dazwischen erlebt sie auch die Begegnung der "erschrecklichen Art" mit Gou, dem verhinderten Kindermädchen.
Rike Dilcher agiert schön automatisch und Frank Mithöfer gibt dem kreativen Techniker das entsprechende Profil. Richtig komisch und mehr und mehr bezaubernd ist Ursula Berny in der Rolle der Zoe. Als sie ihr Lied über ihre Liebe singt, ist sie für Jermoe schlagartig unwiderstehlich. Doch als Zoe merkt, dass er alle Geräusche, auch die intimsten auf Tonband aufnimmt, verlässt sie ihn empört. So muss ihren Part das umfunktionierte Robotwesen spielen.
Nach der Pause wird das Spiel temporeicher und kriegt den richtigen Schwung. Gut besetzt ist Rike Dilcher als Corinna, sie trifft den verbitterten Ton der Exfrau vorzüglich, das Umschlagen in Friede und Versöhnung wirkt etwas unglaubwürdig. Schön "kräss" und motzig ist Aleksandra Dietz als Tochter Geain und köstlich Martin Thaller in der Gestaltung des Mervyn Bickerdyke vom Jugendamt. Ursula Berny aber ist in ihrer "entmenschlichten" Funktion absolut überzeugend und ... auch berührend. Mehr sollte der Besucher vorher nicht wissen. Er wird sehen und ... sich amüsieren.
Die Synthesizer-Kompositionen schuf Gerti Aicher und die Melodie von Zoes Lied schrieb Renate M. Mayer.
Weitere Aufführungen finden am 15., 16., 17., 22., 23., 24. November jeweils 20 Uhr statt.
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