06.03.2004 - Tagträumer

'TAGTRÄUMER' von William Mastrosimone

März / April 2004

Ensemble Theater am Markt

Regie: Stefan Vincent Schmidt
Es spielten: Eva Kapser, Jochen Stephan
10 Vorstellungen 



Oberbayerisches Volksblatt vom 10. März 2004:

Doch der Traum bleibt

Eva Kapser und Jochen StephanVermutlich war es die letzte Eigenproduktion, die das Theater am Markt mit der Tragikomödie "Tagträumer" des US-amerikanischen Autoren William Mastrosimone in den Räumen am Ludwigsplatz in Rosenheim präsentierte.

Die Auerbrauerei will ihr altes Stammhaus sanieren. Ob es sich der Theaterverein leisten kann, in die renovierten Räume zurückzukehren, ist mehr als fraglich.
Die nackte abblätternde Bühnenrückwand bot die passende Kulisse für das Stück, in dem Mastrosimone eigentlich die Kehrseite des amerikanischen Traums von Freiheit und Reichtum zeigt. Der Trucker Cliff erträgt sein rastloses Leben auf der Landstraße nur durch flapsige Ironie und Zynismus. Die naive Rose, die in einem Supermarkt schuftet, flüchtet sich in ihrem trostlosen Zuhause in eine Traumwelt. Sie sperrt die Welt aus, indem sie sogar das einzige Fenster mit Brettern vernagelt hat.
In diese Welt lässt sie, wie schon andere Männer zuvor, Cliff, nur um von ihm, nachdem er sie wieder verlassen hat, wie von einem Märchenprinzen träumen zu können.

Die erst 18-jährige Eva Kapser spielte bei der Premiere beeindruckend die junge Rose: zart, zerbrechlich, voller Angst und gleichzeitig voller Sehnsucht. Ein großes schauspielerisches Talent! Ihr stand Jochen Stephan als Cliff kaum nach. Er verkörperte den Trucker als nur scheinbar harten, realistischen Cowboy der Landstraße, bei dem sich schließlich auch seine Verletzlichkeit und seine träumerische Sehnsucht zeigt.
Regisseur Stefan Vincent Schmidt verstand es, die beiden Schauspieler detailliert zu führen, die Szenen zu gestalten.

Und doch, trotz dieser überzeugenden schauspielerischen Leistungen, trotz eines begeisterten Premierenpublikums, seien Fragen erlaubt: Beschreibt William Mastrosimone zwei wirkliche Menschen, wenn sie sich in ihrer Einsamkeit und in ihrer Suche nach Zuneigung wahre Redeschlachten liefern? Ist ein Trucker in Wirklichkeit nicht maulfauler, zudringlicher, grober? Müht er sich so wortreich stundenlang um schnellen Sex mit einem neurotischen Mädchen? Zweifel bleiben.

So bietet Mastrosimone doch eher eine fiktive Sozialreportage, in der die Figuren lediglich Symbole in einer Geschichte voller Symbolik sind.
Oder ist das Verhalten der Akteure eine Frage der Mentalität? In deutschen Stücken, die sich um Einsamkeit und gestörte Kommunikation drehen, sind die Menschen meist wortkarg, und die Geschichten enden tragisch. Anders beim Amerikaner Mastrosimone: Bei aller Verschiedenheit finden Rose und Cliff zusammen und träumen am Ende gemeinsam. So ein unwahrscheinliches amerikanisches Happyend sei auch dem Theater am Markt gewünscht!

RAIMUND FEICHTNER


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