Regie: Uwe Freund
Es spielten: Klaus Einsele, Anton Lukas, Klaus Schöberl, Petra Riegel, Daniela Mayer, Petra Schleifer, Gerd Meiser, Frank Mithöfer, Christian Domnick, Jens Oßwald
Bühnenbild: Janna Völckers
7 Vorstellungen
Eine Welt der Eitelkeiten, der Eifersüchteleien und der Intrigen, wie es sie natürlich nicht nur im Theater gibt, bietet der italienische Rokokodichter Carlo Goldoni in seiner Komödie "Der Impresario von Smyrna". Das Ensemble des Rosenheimer Theaters am Markt nahm sich unter der Regie von Uwe Freund dieses Stück vor, das weniger von seiner Handlung als vielmehr von seinen pointierten, witzigen und sarkastischen Dialogen lebt. Für das Premierenpublikum bedeutete das einen amüsanten, heiteren Theaterabend.
Dieses Stück des Vielschreibers Goldoni, das nicht unbedingt eines seiner Meisterwerke ist, spielt in Venedig Mitte des 18. Jahrhunderts. Opernsängerinnen und Opernsänger sind auf der Suche nach einem Engagement, das ihnen der Kunstmäzen Graf Lasca (ohne klare Konturen Gerd Meiser) in Gestalt des reichen Türken Ali (zu radebrechend Frank Mithöfer) verspricht. Der Türke will in Smyrna ein Opernhaus einrichten. Das ist die Chance für die karrieregeile Lucretia (aufreizend Petra Riegel), die zuallerletzt mit ihrer Stimme Karriere macht, für die selbstbewußte, aber schon ältere Tognina (voller Temperament Dani Mayer) und die junge, liebreizende Annina (wirklich betörend hübsch Petra Schleifer). Alle drei sind jedoch gleichermaßen intrigant. Jede will Primadonna werden. Jede macht die Sangeskunst ihrer Konkurrentinnen verächtlich. Ihr wortreicher Kampf steht im Mittelpunkt des Stücks.
Doch nicht nur die Damen buhlen um ein Engagement. Da ist der über alle Maßen selbstbewußte, aber bis auf den letzten Heller abgebrannte Falsettist Carluccio. Klaus Schöberl wirbelte zwar als eitler Geck über die Bühne, aber ein bißchen mehr an Fistelstimme hätte der Komik seiner Rolle gutgetan. Nur ein Anhängsel seiner stets eifersüchtigen Geliebten Tognina ist der Tenor Pasqualino (der spielerisch gut aufgelegte Klaus Einsele mit Kissen als Bauchersatz unterm Hemd). Ein Engagement wollen auch der etwas blaß wirkende Agent Nibio (Christian Domnick) und der lispelnde Jungdichter Maccario (Anton Lukas).
Dem Türken wird das ganze Theater schließlich zuviel ("Theater sein verrückte Welt"), und er reist, nachdem die Verträge bereits abgeschlossen sind, über Nacht ab. Goldoni verpaßte dem Stück schließlich noch einen positiven Schluß mit einer Moral von der Geschicht. Der Türke läßt dem Grafen das versprochene Geld für die ganze Truppe zurück. Der gründet damit eine eigene Operngenossenschaft, in der alle ihr gleiches Auskommen finden. Der Graf zum Schluß: "Der Impresario von Smyrna ist eine Lektion für die, die nicht küssen können". Bekräftigt wird diese Aufforderung zum Gemeinsinn von den Küßchen der Möchtegernprimadonnen.
Ein bißchen ironischer hätte das Ende schon sein dürfen! An eine Wandlung der intrigierenden Truppe ist wohl nicht zu glauben.
Regisseur Uwe Freund sparte sich zurecht das Bühnenbild. Ein Diwan, ein paar Stühle vor schwarzem Hintergrund genügten. Das Wort dominierte, die Handlung war lediglich Beiwerk. Wohl deshalb stellte Freund seine Schauspieler meist frontal zum Publikum und vertraute auf ihre Kunst und den Wortwitz Goldonis. Doch dieses Vertrauen ging etwas zu weit, denn Goldonis Stück ist doch nur Mittelmaß, und Uwe Freund hat keine Profis zur Verfügung, sondern, wenn auch manchmal exzellente, Theateramateure. Ein bißchen mehr Komödienzucker hätte der Regisseur dem Türken aus Smyrna schon geben dürfen. Die Bravorufe des Premierenpublikums waren deshalb etwas übertrieben.
Weitere Aufführungen sind am Samstag und Sonntag, 12. und 13. November, und an den Freitagen und Samstagen bis zum 26. November.
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